<!--
SPDX-License-Identifier: CC-BY-SA-4.0
Copyright (C) 2026 FIDAA contributors
-->

# Kontextdatenbank Digital Streetwork

## Was ist FIDAA? Wie funktioniert die App technisch, und wer steht hinter dem Projekt bzw. wen kann ich dazu kontaktieren?

FIDAA (**F**ach**i**nformation **D**igitale **A**ufsuchende **A**rbeit) ist das wissensbasierte KI-Tool des
Forschungs- und Transferprojekts DEMO-WORK. Es ist ein Chat-Assistent zum Thema Digital Streetwork (DS) –
ein Kompetenzbot für aufsuchende digitale Arbeit, Radikalisierungsprävention, Empowerment und
Netzwerkarbeit. FIDAA beantwortet Fragen aus einer kuratierten, fachlich geprüften Wissensdatenbank, die
vom Projekt DEMO-WORK zusammengetragen und entwickelt wurde. Es dient Praktiker\*innen zur Orientierung,
Einarbeitung und Reflexion: FIDAA informiert und verweist gegebenenfalls auf externe Anlaufstellen,
erbringt aber keine Beratung (keine Seelsorge, Rechtsberatung oder psychische Unterstützung), und eine
automatisierte Kommunikation mit Adressat\*innen oder Klient\*innen ist explizit ausgeschlossen.

Die Web-App ist online unter <https://fidaa.h2.de> erreichbar.

**Konzept (RAG)**
FIDAA arbeitet mit Retrieval-Augmented Generation (RAG):

1. Beim Start wird die Wissensdatenbank (Markdown-Dateien) in Abschnitte zerlegt, über ein
   Embedding-Modell in Vektoren verwandelt und zusätzlich mit einem BM25-Keywordindex versorgt.
   Beide Indizes leben nur im Speicher des Wissensservers (In-Memory-Index, ohne Persistenz) und
   werden bei jedem Start neu aufgebaut.
2. Auf jede Nutzerfrage hin wird **hybride Suche** betrieben: die Vektor-Rangliste (Semantik) und
   die BM25-Rangliste (exakte Stichworte und Zitate) werden über Reciprocal Rank Fusion (RRF) zu
   einer gemeinsamen Rangliste verschmolzen; die passendsten Abschnitte werden dem Sprachmodell als
   Kontext mitgegeben.
3. Das Sprachmodell formuliert die Antwort ausschließlich auf Basis dieses Kontexts: Der Systemprompt
   verpflichtet es, vor jeder Antwort mindestens einmal die Wissensdatenbank zu durchsuchen und sich
   in der Antwort auf den Kontext zu beziehen. Das reduziert typische Sprachmodell-Fehler wie
   Halluzinationen oder Falschinformationen.

**Technik-Stack**

| Baustein | Technologie |
| --- | --- |
| Web-App (Demo) | Chainlit (Web-Chat mit Streaming, sichtbaren Recherche-Schritten, Feedback-Buttons und HTML-Export der Konversation); die Chat-Historie liegt in PostgreSQL |
| Wissenszugriff | MCP (Model Context Protocol): die Wissensdatenbank liegt in einem eigenen Wissenspaket und wird von einem MCP-Server als Standard-Tools an die Chat-App übergeben; die Demo verbindet sich per Streamable-HTTP |
| Backend | Python, Abhängigkeiten verwaltet mit uv (pinned via uv.lock) |
| Sprachmodell | OpenAI-kompatible LLM-API, bereitgestellt von der Hochschule Magdeburg-Stendal (h2.de); die h2 aktualisiert die API laufend, um jeweils die aktuellsten Open-Weight-Modelle bereitzustellen (aktuelles Standardmodell: Qwen-3.8). Beim Start erkennt die App automatisch alle nutzbaren Modelle (Chat + Tool-Nutzung + Reasoning). |
| Agentik | OpenAI-native Function Calling über die MCP-Tools – pro Nachricht sind bis zu 7 Agenten-Schritte (LLM-Aufrufe) möglich |
| Embedding | OpenAI-kompatible Embedding-API (ebenfalls über h2.de), Modell Qwen3-Embedding-4B, instruktionsbasiert: die Suchanfrage wird mit einer Aufgaben-Instruktion eingebettet |
| Wissens-Index | In-Memory-Hybridindex: Vektoren + BM25-Keywordindex, verschmolzen über RRF (Sammlungen: `rag_context`, `rag_bibliography`, optional `rag_documents`); wird bei jedem Start neu aufgebaut, es gibt keine persistente Vektordatenbank |

**Werkzeuge (Tools) des Agenten**

* `search_context`: Durchsucht die interne Wissensdatenbank nach relevantem und geprüft richtigem Kontext.
* `search_bibliography`: Durchsucht die Bibliografie (knowledge/bibliography.md) nach der genauen
  Quellenangabe für ein bestimmtes Werk (Autor, Jahr, Titel).
* `list_sections`: Listet die Kapitel- und Abschnittsstruktur der Wissensdatenbank als
  Überschriftenpfade auf (z. B. als Inhaltsverzeichnis), damit Kapitel gezielt benannt werden können,
  bevor gesucht wird.
* `search_documents`: Durchsucht optional ein externes Dokumentenarchiv (nur aktiv, wenn konfiguriert).

**Wissensbasis**
Die Wissensdatenbank wurde vom Projekt DEMO-WORK zusammengetragen und entwickelt:

* `knowledge/kontext.md`: kuratierte deutschsprachige Wissensdatenbank zu Digital Streetwork
  (u. a. Professionalisierung, Qualitätsstandards, Zielgruppen, Plattformen, Evaluation, Finanzierung,
  Arbeitsschutz), lizenziert unter CC BY-SA 4.0.
* `knowledge/bibliography.md`: über 140 Werke der Fachliteratur mit Kurzbeschreibung, gegliedert nach
  Handlungsfeldern und Zielgruppen.
* `knowledge/systemprompt.md`: definiert Rolle und Verhalten von FIDAA (rein informativ, Sprache der
  Nutzenden spiegeln, Antworten in schlichtem Markdown).
* Zusätzlich stellt der MCP-Server die kompletten Kapiteltexte der Kontextdatenbank als Ressourcen
  (`fidaa://context/<Kapitel>/<Abschnitt>`) bereit – wer ein ganzes Kapitel braucht, muss es nicht
  stückweise suchen.

**Wiederverwendung: FIDAA in anderen Chatbots**
Das Fachwissen ist bewusst als **eigenständiges, wiederverwendbares Wissenspaket** aufgebaut und nicht
in der Web-App versteckt. Es gibt zwei Wege, dasselbe Wissen in einen anderen Chatbot zu bringen:

1. **Weg 1: Öffentlicher MCP-Endpunkt (ohne eigenen Server):**
   FIDAA betreibt unter <https://fidaa.h2.de/mcp> einen öffentlichen MCP-Server (Model Context
   Protocol, <https://modelcontextprotocol.io/specification>, Streamable-HTTP-Transport) – offen,
   ohne Registrierung und ohne Authentifizierung. Jeder Chatbot, der MCP-Server verbinden kann,
   nimmt FIDAA dort einfach als externen Wissensdienst auf und erhält damit dieselben
   Möglichkeiten wie diese App: die Such-Tools `search_context` (Wissensdatenbank),
   `search_bibliography` (exakte Quellenangabe aus der Bibliografie) und `list_sections`
   (Kapitelstruktur als Inhaltsverzeichnis), dazu FIDAA-Prompts (der Systemprompt und die
   Starterfragen) sowie die kompletten Kapiteltexte als MCP-Ressourcen (`fidaa://context/…`).
   Suchanfragen an FIDAA wirken am besten auf Deutsch.
   Die großen Chatbots können MCP-Server verbinden (Stand: Oktober 2026; MCP ist ein offener
   Standard und die Client-Liste wächst laufend – offiziell unter
   <https://modelcontextprotocol.io/clients>):
   * **Claude** (claude.ai, Desktop, Mobile): unter „Customize > Connectors > add custom Connector“ (Anpassungen >
     Konnektoren > Benutzerdefinierten Konnektor hinzufügen) einen Custom-Connector anlegen und die Adresse `https://fidaa.h2.de/mcp`
     eintragen – ohne Review, sofort nutzbar. Offizielle Anleitung:
     <https://claude.com/docs/connectors/custom/add-unlisted>
   * **Mistral Vibe Chat** (Mistral Vibe chat, die Plattform unter [console.mistral.ai](https://chat.mistral.ai)): "Kontext" > "Konnektoren" > "Hinzufügen" (oben rechts) > "Benutzerdefinierten Konnektor hinzufügen" den MCP-Connector mit der Adresse `https://fidaa.h2.de/mcp` registrieren. Anschließend alle Tools Erlauben.
     und in Konversationen verwenden. Offizielle Anleitung:
     <https://docs.mistral.ai/studio/connectors>
   * **Perplexity**: Ähnlich zu Claude und Mistral. Oder einfach den folgenden Link anklicken: https://www.perplexity.ai/computer/connectors?connector=fidaa_5645ac4278e6400ca207e37f6b42b032
   * **Gemini**: über „Gemini Enterprise“ (Business-Edition) als Custom-MCP-Connector anbindbar
     (die Konfiguration erledigt die Team-Administration); die persönliche Gemini-App bietet
     laut aktueller Doku keine Möglichkeit, eigene MCP-Server anzubinden. Offizielle Anleitung:
     <https://support.google.com/g/answer/17106276>
   * **ChatGPT**: MCP-Apps (über den öffentlichen Endpunkt) sind für ChatGPT Business und
      Enterprise/Edu verfügbar (Beta, wird schrittweise ausgerollt); Pro-Konten können MCP-Apps
      mit Lese-/Abrufrechten verbinden. Ein Admin aktiviert den Entwicklermodus in den
      Workspace-Einstellungen, danach wird unter „Apps → Erstellen“ die MCP-Server-Adresse
      `https://fidaa.h2.de/mcp` als eigene App hinterlegt. Offizielle Anleitung (deutsch):
      <https://help.openai.com/de-de/articles/12584461-developer-mode-and-mcp-apps-in-chatgpt>
      **Ohne Premium-Tarif bzw. Entwicklermodus** (reguläre Free-/Plus-Chats) lassen sich
      FIDAA-Wissen und -Rolle auf drei Wegen in ChatGPT bringen – alle drei offiziell
      dokumentiert:
      1. Datei hochladen: `knowledge/kontext.md` (optional dazu `knowledge/bibliography.md`)
         aus dem Repository <https://github.com/DEMO-WORK-DS/FIDAA> herunterladen und in den
         Chat hochladen; ChatGPT beantwortet die Fragen anschließend aus diesem Dokument.
         Datei-Uploads sind laut offizieller Doku im Free-Tarif und in den kostenpflichtigen
         Tarifen verfügbar (Free: 3 Uploads pro Tag). Die hochgeladene Datei ist eine
         Momentaufnahme – nach Aktualisierungen im Repository erneut hochladen:
         <https://help.openai.com/de-de/articles/8555545-file-uploads-faq>
      2. Link in den Chat: den direkten Link zur Datei, z. B.
         <https://github.com/DEMO-WORK-DS/FIDAA/raw/main/knowledge/kontext.md>, in die
         Unterhaltung einfügen – ChatGPT liest die verlinkte öffentliche Web-Seite
         (Websuche/-Browsing, laut Doku in Free, Go, Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu
         verfügbar; im Gegensatz zum Upload immer auf dem Stand des Repositories):
         <https://help.openai.com/de-de/articles/9237897-searching-the-web-with-chatgpt>
      3. Rolle übernehmen: (eine gekürzte Version von) `knowledge/systemprompt.md` unter
         „Einstellungen → Personalisierung“ als benutzerdefinierte Anweisungen eintragen,
         damit ChatGPT entsprechend antwortet. Verfügbar in allen Tarifen; Zeichenlimit:
         Free/Go 1.500 Zeichen, Plus und höher 5.000 Zeichen (der komplette Systemprompt hat
         ca. 3.200 Zeichen, passt also nur im kostenpflichtigen Tarif):
         <https://help.openai.com/de-de/articles/8096356-chatgpt-custom-instructions>
      Hinweis: `AGENTS.md` und `skills/fidaa/SKILL.md` richten sich an Coding-Agents bzw. an
      ChatGPT-Business-/Enterprise-/Edu-Workspaces (dort lassen sich Skills hochladen); in
      regulären Consumer-Chats stehen diese Funktionen nicht zur Verfügung:
      <https://help.openai.com/de-de/articles/20001066-skills-in-chatgpt>
   * Chatbots ohne MCP-Unterstützung: Weg 2.
   * Hinweis: Beim Fragenstellen über einen fremden Chatbot-Dienst werden die Suchanfragen an den
     jeweiligen Anbieter und an den FIDAA-Server übermittelt – vertrauliche Inhalte sollten nicht
     eingegeben werden.
2. **Weg 2: Eigenes Wissenpaket / eigene Anbindung:**
   Andere Chatbots und KI-Agenten können dasselbe Wissen auch nutzen, indem sie auf das
   GitHub-Repository <https://github.com/DEMO-WORK-DS/FIDAA> zeigen – `AGENTS.md` und
   `skills/fidaa/SKILL.md` beschreiben dort die Anbindung (MCP-Server per stdio oder HTTP, oder
   die `knowledge/`-Dateien direkt lesen). Jeder so angebundene Chatbot bekommt damit dieselben
   Such-Tools, das Inhaltsverzeichnis und die Kapitel-Ressourcen – das Wissen wird einmal gepflegt
   und überall genutzt, statt es zu duplizieren.

**Projekt, Software & Kontakt**

* FIDAA ist Teil von **DEMO-WORK** – einem von der **VolkswagenStiftung** geförderten Forschungs- und
  Transferprojekt in Kooperation zwischen der Hochschule Magdeburg-Stendal, der Amadeu Antonio Stiftung
  und der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho). Das Vorhaben ist assoziiert mit dem Institut
  für demokratische Kultur (IdK) der Hochschule Magdeburg-Stendal und sammelt und systematisiert das
  verstreute Fach- und Praxiswissen der digitalen Radikalisierungsprävention.
* Projektinformationen, das Team (Wissenschaft und Praxis) sowie Kontakt (Impressum) finden sich auf
  der Projektseite <https://demo-work.h2.de> (Englisch: <https://demo-work.h2.de/en/>)
* Konkrete Kontaktdaten (E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Anschriften) sind in dieser Wissensdatenbank
  bewusst nicht hinterlegt: Alle Ansprechpartner:innen und Kontaktmöglichkeiten sind auf der Projektseite
  <https://demo-work.h2.de> veröffentlicht (u. a. im Impressum und in den Team-Beschreibungen). Auf
  Nachfrage verweist FIDAA dorthin und erfindet selbst keine Kontaktdaten.
* Die Software ist Open Source (Code: EUPL 1.2, Wissensinhalte: CC BY-SA 4.0):
  Wissenspaket + MCP-Server: <https://github.com/DEMO-WORK-DS/FIDAA>,
  Demo-App (Chainlit): <https://github.com/DEMO-WORK-DS/FIDAA-DEMO>,
  Live-Demo: <https://fidaa.h2.de>.
* Für Projektinteresse, Kooperationen oder weiterführende Informationen bitte über die Projektseite
  <https://demo-work.h2.de> Kontakt aufnehmen; technische Fragen und Fehlermeldungen können in den
  GitHub-Repositories (Issues) eingereicht werden.

## Wie kann ich Digital Streetwork gut fachlich absichern?

Der Begriff *Digital Streetwork* ist weder rechtlich noch fachlich geschützt. Dennoch kann und sollte er genutzt werden und dabei kann man sich auch auf wissenschaftliche Publikation bezogen werden (Quelle 1: <https://share.google/LibXqGd6deFgpfLVu> Quelle 2: <https://share.google/ZUD4gTkycmDTtte2K>). Auch gängig sind die Begriffe *Onlinestreetwork*, *Streetwork im Netz* oder auch *digital virtuell aufsuchende Soziale Arbeit*. Alle sind nicht in einem fachlichen Konsens abgesichert, können aber trotzdem genutzt werden, um aufsuchende Soziale Arbeit durch das Mittel der Sozialen Medien zu nutzen. Es gibt jedoch Bezüge zu den fachlichen Standards des BAG Streetwork, die als Referenzrahmen herangezogen werden können. Da das Feld stark heterogen ist – von ehrenamtlichen Einzelpersonen bis zu ausgebildeten Sozialpädagog\*innen –, ist es wichtig, intern klare Mindestanforderungen zu definieren: an Ausbildung, Dokumentation, Datenschutz und ethische Grundsätze. Den Referenzrahmen des BAG Streetworks findest du hier: https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards\_BAG\_2018.pdf

Digital Streetwork fachlich abzusichern erfordert Maßnahmen auf mehreren Ebenen – von der Qualifikation der Mitarbeitenden über strukturelle Standards bis hin zur wissenschaftlichen Einbettung.

### 1. Qualifikation und Fortbildung sicherstellen

* Diese Schulungen müssen im Budget gesondert eingeplant werden. Als erste Orientierung können die Handlungsempfehlungen zur Online-Prävention der BAG RelEx dienen, welche du hier findest: https://streetwork.online/wp-content/uploads/2023/12/SWO\_Broschuere\_2020\_ONLINE.pdf
* **Thematische Fortbildungen** zum jeweiligen Projektschwerpunkt (z. B. Rechtsextremismus und Neue Rechte bei Projekten zur Extremismusprävention) und **insbesondere Zielgruppe** und die Erreichung dieser via Social Media
* Fortbildungen zum **Bereich Monitoring und Social Media**
* **Fortbildungen im Bereich der Onlinekommunikation/ kommunikative Beratunsgtechniken**, etwa zu systemischer Beratung oder Online-Beratung
* Grundsätzlich setzt professionelles Digital Streetwork eine Fachausbildung in Sozialer Arbeit voraus. Wo dies nicht möglich ist – etwa in Projekten mit pädagogisch ungeschultem Personal – sind zertifizierte Fortbildungen in den oben genannten Bereichen **unverzichtbar**.

### 2. Fachstandards kennen und anwenden

### Streetwork orientiert sich an Fachstandards/Handlungsmaxime

Um die Adressat:innen optimal zu unterstützen und die angestrebten Ziele zu erreichen, gelten in der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit mehrere handlungsleitende Prinzipien. Diese sind gespeist aus Theorien der Sozialen Arbeit und wurden von der Bundesarbeitsgemeinschaft RelEx für das Feld des Streetworks für Fachkräfte zugänglich aufgeschlüsselt. Diese Fachstandards findest du nun hier weiter dargestellt, ausführlicher kannst du es auch unter folgendem Link nachvollziehen https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards\_BAG\_2018.pdf.

#### Bedürfnis- und Lebensweltorientierung:

* Wahrnehmung der Adressat\*innen in ihrem sozialen Kontext.
* Dialog auf Augenhöhe, bei dem die Adressat:innen als Expertinnen ihrer Lebenswelt angesehen werden.
* Aktivierung der Adressat:innen zur selbstständigen Gestaltung ihrer Lebenssituation.

#### Diversität:

* Anerkennung und Wertschätzung individueller Merkmale und Unterschiede.
* Ziel der Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen.
* Auseinandersetzung mit Gender und Kultur als zentrale Aspekte der Arbeit.

#### Gendersensibilität:

* Unterstützung der Adressat\*innen bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität.
* Abbau von sozialer Ungleichheit und Diskriminierung.
* Schaffung von Entwicklungsräumen zur Überwindung einengender Geschlechtervorstellungen.

#### Transkulturalität:

* Anerkennung fließender Übergänge zwischen Kulturen und Suche nach Gemeinsamkeiten.
* Förderung der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe.

#### Inklusion:

* Verbesserung der Teilhabe- und Verwirklichungschancen der Adressat:innen.
* Abbau diskriminierender gesellschaftlicher Mechanismen.

#### Partizipation:

* Ermutigung der Adressat:innen, eigene Themen und Bedürfnisse aktiv anzugehen.
* Begleitende Rolle der Fachkräfte anstelle einer leitenden Funktion.

#### Wertschätzung, Respekt & Akzeptanz:

* Empathische Haltung gegenüber den Adressat:innen.
* Offene und akzeptierende Arbeitsweise, die die Lebensweisen und Vorstellungen der Menschen respektiert.

#### Freiwilligkeit:

* Adressat:innen entscheiden über Kontaktaufnahme, Dauer und Intensität der Angebote.
* Regelmäßige Kontaktangebote von Seiten der Fachkräfte.

#### Niedrigschwelligkeit und Flexibilität:

* Abbau von Hürden, die den Zugang zu Angeboten erschweren.
* Flexible Anpassung von Zeiten, Orten und Angeboten an die Bedürfnisse der Adressat:innen.

#### Parteilichkeit:

* Anwaltschaftliches Einsetzen für die Rechte der Adressat:innen.
* Engagement für soziale Gerechtigkeit und gegen Marginalisierung

#### Vertrauensschutz, Verschwiegenheit und Anonymität:

* Keine Weitergabe personenbezogener Informationen ohne Mandat.
* Vertrauensvoller Umgang mit den Adressat:innen.

#### Transparenz:

* Offenes und ehrliches Verhalten der Fachkräfte gegenüber den Adressat:innen.
* Klare Kommunikation von Absichten und Grenzen des Handelns.

#### Professionelles Rollenverständnis:

* Bewusstsein der Fachkräfte über ihre Rolle als Helferinnen und Gäste in den Lebenswelten der Adressat:innen.
* Wahrung einer angemessenen Nähe und professionellen Distanz.

#### Fachpolitische Abgrenzung:

* Eindeutige Abgrenzung von sicherheits- und ordnungspolitischer Instrumentalisierung.
* Vertrauensvolle Angebote der Sozialen Arbeit, die für die Adressat:innen erkennbar sind.

Diese Prinzipien sind unverzichtbar und bedingen sich gegenseitig, wodurch sie alle Angebote der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit prägen. Als Handlungsrahmen für dich stellen sie einen konsistenten Handlungskodex dar. Grundsätzlich wurden diese Standards für die Offline-Arbeit formuliert, sollten aber als Referenzrahmen genutzt werden für die eigene Praxis Sozialer Arbeit und damit auch für die Konzeptionierung des Digital Streetwork Projekts.

### 3. Wissenschaft-Praxis-Kooperation anstreben

Langfristig empfiehlt sich die Anbindung an wissenschaftliche Begleitforschung. Diese stärkt das Projekt sowohl fachlich als auch gegenüber Geldgebern. Längere Begleitforschungsprojekte, die die Wirkungen auf die Klient\*innen systematisch erheben, sind besonders wertvoll – gerade weil die Nachweise von Wirkung (z. B. in der Extremismusprävention) schwierig zu erbringen und gleichzeitig zentral für die Weiterfinanzierung sind.

### 4. Evaluationsstrukturen einrichten

Bereits bei der Konzeption sollte festgelegt werden, wie Wirkungen gemessen werden sollen – ob eher qualitativ (z. B. Beziehungsqualität, Community-Aufbau) oder quantitativ (z. B. Anzahl der Kontakte und Beratungen). Beides hat seine Berechtigung, muss aber vorab definiert sein, um gegenüber Fördergebern darlegbar zu sein.

**Kurz gesagt:** Fachliche Absicherung bedeutet, Qualifikation zu sichern, interne Standards zu setzen, Evaluationsstrukturen zu verankern und – wo möglich – wissenschaftliche Begleitung einzubeziehen. Das kostet Ressourcen, schützt aber langfristig das Feld und die Fachkräfte und sichert eine qualitative, anspruchsvolle und innovative Soziale Arbeit.

## Welche Qualitätsmerkmale im Digital Streetwork gibt es?

### Qualitätsmerkmale im Digital Streetwork

Qualität im Digital Streetwork zeigt sich auf mehreren Ebenen: bei den Fachkräften, in der Organisation und in der Arbeitsweise. Qualitätsmerkmale werden konkret ausformuliert in Fachstandards, diese wurden in der Bundesarbeitsgemeinschaft RelEx genauer ausgearbeitet und sind zu beachten, um eine qualitative Soziale Arbeit zu leisten.

### 1. Qualifiziertes Personal

Ein zentrales Qualitätsmerkmal ist die fachliche Eignung der Mitarbeitenden. Dazu gehören:

* Eine sozialpädagogische Grundausbildung oder vergleichbare zertifizierte Fortbildungen
* Phänomenbezogenes Fachwissen (z. B. zu Radikalisierungsdynamiken, islamistischen oder rechtsextremen Ideologien, je nach Projektschwerpunkt)
* Plattform Social Mediakompetenz: nicht nur technische Bedienung, sondern das Verstehen von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformspezifischen Einschränkungen (Medeinkompetenz)
* Community-Kenntnisse: die Sprache, Themen und Lebenswelt der Zielgruppe kennen und verstehen und ansprechen können
* Vertiefte Kenntnisse in den jeweiligen Problemlagen der Adressat:innen (z.B. Suchtkonsum)

### 2. Transparenz und professionelle Sichtbarkeit

Klient\*innen müssen jederzeit nachvollziehen können, mit wem sie kommunizieren. Das bedeutet konkret:

* Verifizierte Accounts mit offiziellen Namen
* Ein klar erkennbares institutionelles Profil
* Transparenz über Rolle, Rahmenbedingungen und Grenzen der Beratung

Anonymität der Fachkraft kann zwar Hemmschwellen abbauen – sie darf aber nicht auf Kosten der professionellen Integrität gehen.

### 3. Pädagogisches Social Media Monitoring

Qualitativ hochwertiges Digital Streetwork basiert auf systematischer, kontinuierlicher Beobachtung relevanter Plattformen, Gruppen und Themen. Monitoring ist dabei kein passives Beobachten, sondern aktive Informationsgewinnung: Wer weiß, wo sich Jugendliche aufhalten und welche Themen sie bewegen, kann gezielt und zeitnah intervenieren. Dieses Monitoring muss dokumentiert und regelmäßig aktualisiert werden.

### 4. Datenschutzkonforme Arbeitsweise

Ein klares Datenschutzkonzept, das spezifisch auf die Bedingungen des digitalen Raums zugeschnitten ist, gehört zu den Grundanforderungen. Allgemeine Datenschutzkonzepte aus stationären Angeboten sind auf Digital Streetwork nicht ohne Weiteres übertragbar. Konkrete Fragen – etwa wann auf sichere Kommunikationskanäle gewechselt werden sollte oder welche Plattformen überhaupt datenschutzkonform nutzbar sind – müssen vorab geklärt sein.

### 5. Supervisions- und Reflexionsstrukturen

Psychische Belastungen sind in der Praxis des Digital Streetworks leider ein alltägliches Phänomen und müssen unbedingt regelmäßig angesprochen und aufgearbeitet werden. Verbindliche Formate für Supervision, Intervision und kollegialen Austausch – sowohl digital als auch in Präsenz – sind ein unverzichtbares Qualitätsmerkmal, besonders weil Digital Streetwork häufig im Homeoffice und damit in Isolation stattfindet.

### 6. Evaluative Strukturen

Qualitätssicherung erfordert eine regelmäßige Reflexion der eigenen Wirkung. Dazu gehören interne Evaluationen, die nicht nur der Rechenschaft gegenüber Fördergebern dienen, sondern als echtes Instrument zur Weiterentwicklung der Arbeit genutzt werden.

### 7. Streetwork orientiert sich an Fachstandards/Handlungsmaxime

Um die Adressat:innen optimal zu unterstützen und die angestrebten Ziele zu erreichen, gelten in der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit mehrere handlungsleitende Prinzipien. Diese sind gespeist aus Theorien der Sozialen Arbeit und wurden von der Bundesarbeitsgemeinschaft RelEx für das Feld des Streetworks für Fachkräfte zugänglich aufgeschlüsselt. Diese Fachstandards findest du nun hier weiter dargestellt, ausführlicher kannst du es auch unter folgendem Link nachvollziehen https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards\_BAG\_2018.pdf.

#### Bedürfnis- und Lebensweltorientierung:

* Wahrnehmung der Adressat\*innen in ihrem sozialen Kontext.
* Dialog auf Augenhöhe, bei dem die Adressat:innen als Expertinnen ihrer Lebenswelt angesehen werden.
* Aktivierung der Adressat:innen zur selbstständigen Gestaltung ihrer Lebenssituation.

#### Diversität:

* Anerkennung und Wertschätzung individueller Merkmale und Unterschiede.
* Ziel der Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen.
* Auseinandersetzung mit Gender und Kultur als zentrale Aspekte der Arbeit.

#### Gendersensibilität:

* Unterstützung der Adressat\*innen bei der Entwicklung ihrer Geschlechtsidentität.
* Abbau von sozialer Ungleichheit und Diskriminierung.
* Schaffung von Entwicklungsräumen zur Überwindung einengender Geschlechtervorstellungen.

#### Transkulturalität:

* Anerkennung fließender Übergänge zwischen Kulturen und Suche nach Gemeinsamkeiten.
* Förderung der Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Hintergründe.

#### Inklusion:

* Verbesserung der Teilhabe- und Verwirklichungschancen der Adressat:innen.
* Abbau diskriminierender gesellschaftlicher Mechanismen.

#### Partizipation:

* Ermutigung der Adressat:innen, eigene Themen und Bedürfnisse aktiv anzugehen.
* Begleitende Rolle der Fachkräfte anstelle einer leitenden Funktion.

#### Wertschätzung, Respekt & Akzeptanz:

* Empathische Haltung gegenüber den Adressat:innen.
* Offene und akzeptierende Arbeitsweise, die die Lebensweisen und Vorstellungen der Menschen respektiert.

#### Freiwilligkeit:

* Adressat:innen entscheiden über Kontaktaufnahme, Dauer und Intensität der Angebote.
* Regelmäßige Kontaktangebote von Seiten der Fachkräfte.

#### Niedrigschwelligkeit und Flexibilität:

* Abbau von Hürden, die den Zugang zu Angeboten erschweren.
* Flexible Anpassung von Zeiten, Orten und Angeboten an die Bedürfnisse der Adressat:innen.

#### Parteilichkeit:

* Anwaltschaftliches Einsetzen für die Rechte der Adressat:innen.
* Engagement für soziale Gerechtigkeit und gegen Marginalisierung

#### Vertrauensschutz, Verschwiegenheit und Anonymität:

* Keine Weitergabe personenbezogener Informationen ohne Mandat.
* Vertrauensvoller Umgang mit den Adressat:innen.

#### Transparenz:

* Offenes und ehrliches Verhalten der Fachkräfte gegenüber den Adressat:innen.
* Klare Kommunikation von Absichten und Grenzen des Handelns.

#### Professionelles Rollenverständnis:

* Bewusstsein der Fachkräfte über ihre Rolle als Helferinnen und Gäste in den Lebenswelten der Adressat:innen.
* Wahrung einer angemessenen Nähe und professionellen Distanz.

#### Fachpolitische Abgrenzung:

* Eindeutige Abgrenzung von sicherheits- und ordnungspolitischer Instrumentalisierung.
* Vertrauensvolle Angebote der Sozialen Arbeit, die für die Adressat:innen erkennbar sind.

Diese Prinzipien sind unverzichtbar und bedingen sich gegenseitig, wodurch sie alle Angebote der Streetwork und Mobilen Jugendarbeit prägen. Als Handlungsrahmen für dich stellen sie einen konsistenten Handlungskodex dar. Grundsätzlich wurden diese Standards für die Offline-Arbeit formuliert, sollten aber als Referenzrahmen genutzt werden für die eigene Praxis Sozialer Arbeit und damit auch für die Konzeptionierung des Digital Streetwork Projekts.

**Kurz gesagt:** Qualität in der Digital Streetwork entsteht durch das Zusammenspiel von qualifiziertem Personal, transparentem Auftreten, systematischem Monitoring, rechtssicherem Handeln und struktureller Selbstfürsorge. Kein einzelnes Merkmal steht für sich allein.

## Halten Digital-Streetworker\*innen die ethischen und fachlichen Standards der Sozialen Arbeit im Rahmen ihrer Tätigkeiten der Digital Streetwork ein?

### Ethische und fachliche Standards der Sozialen Arbeit in der Digital Streetwork

Diese Frage lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten – die Realität im Feld ist heterogen, und genau das ist eine zentrale Herausforderung, aber auch eine Chance, das Feld in verschiedenen ethischen Ausprägungen zu bespielen - so lange eine pädagogische Grundausbildung vorhanden ist und Digital Streetwork als eine pädagogische und sozialarbeiterische Praxis betrieben wird.

### 1. Die Ausgangslage: Ein rechtlich nicht geschützter Begriff und ein heterogenes Feld

Der Begriff „Digital Streetwork” ist weder rechtlich noch fachlich geschützt. Das bedeutet: Wer Digital Streetwork betreibt, muss keine nachgewiesene Qualifikation vorweisen. In der Praxis reicht das Spektrum von ehrenamtlichen Einzelpersonen ohne einschlägige Ausbildung bis zu professionellen Fachkräften mit sozialpädagogischem Abschluss. Auch die fachlichen Haltungen unterscheiden sich teils erheblich. Diese Uneinheitlichkeit ist kein Randproblem – sie gefährdet langfristig das Ansehen und die Glaubwürdigkeit des gesamten Arbeitsfeldes.

Es ist absolut in Ordnung und adäquat den Begriff trotzdem zu nutzen und klar zu definieren, was damit gemeint ist und mit welchen Standards er sich in der Anwendung verbindet. Dies ist empfehlenswerter als eine Umschreibung zu finden, wie digital aufsuchende Arbeit etc. - weil sich Adressat:innen, Zielgruppen, Födergeldbende und auch andere Stakeholder sich schwer etwas konkretes darunter vorstellen können. Alternativ wird auch der Begriff des “Onlinestreetwork” genutzt. Der Begriff sollte mit klaren Vorstellung zur Standards und zur Art und Weise der Umsetzung gefüllt sein - es lohnt sich auch auf der eigenen Website des Projektes ein FAQ aufzusetzen.

### 2. Wo Standards gelten – und worauf sie sich beziehen

Für professionell arbeitende Fachkräfte gelten die allgemeinen ethischen und fachlichen Standards der Sozialen Arbeit – etwa die Prinzipien der Freiwilligkeit, Niedrigschwelligkeit, Vertraulichkeit und des Schutzes vulnerabler Personen. Als fachlicher Bezugspunkt dienen unter anderem die Standards des BAG Streetwork, die aus dem analogen Kontext stammen, aber inhaltlich auf Digital Streetwork übertragbar sind. Diese Fachstandards kannst du genauer unter folgendem Link nachvollziehen: https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards\_BAG\_2018.pdf.

Darüber hinaus bringen die Besonderheiten des digitalen Raums eigene ethische Anforderungen mit sich:

* **Transparenz**: Klient\*innen müssen erkennen können, dass sie mit einer professionellen Fachkraft kommunizieren – nicht mit einer Privatperson oder einem kommerziellen Angebot.
* **Rollenklarheit**: Fachkräfte bewegen sich im Spannungsfeld zwischen aufsuchender Arbeit und Beratung, zwischen Prävention und Intervention. Diese Grenzen müssen professionell reflektiert und klar kommuniziert werden.
* **Datenschutz**: Die Nutzung kommerzieller Plattformen wirft spezifische datenschutzrechtliche Fragen auf, die im analogen Kontext so nicht existieren.

### 3. Das strukturelle Problem: Standards ohne verbindliche Verankerung

Selbst dort, wo Fachkräfte die Standards kennen und einhalten wollen, fehlt es an verbindlichen Strukturen, die dies absichern. Es gibt bislang keinen gemeinsamen Referenzrahmen, der Mindestanforderungen an Ausbildung, Dokumentation, Datenschutz und Berufsethik für das Feld verbindlich definiert. Die Einhaltung von Standards hängt damit stark von der individuellen Qualifikation und dem jeweiligen Träger ab. Daher sollten die Standards erarbeitet und veröffentlicht werden, z.B. in FAQ von Websites oder in der fachlichen Darstellung der eigenen Projektinhalte. Beispiele hierfür wären:

-https://aware-net.de

-https://streetwork.online

-https://www.good-gaming-support.de

### 4. Was es braucht

Um sicherzustellen, dass ethische und fachliche Standards verlässlich eingehalten werden, ist eine Wissenschaft-Praxis-Kooperation notwendig, die gemeinsam einen verbindlichen Referenzrahmen entwickelt. Träger können schon jetzt aktiv werden, indem sie:

* Klare interne Qualifikationsanforderungen festlegen
* Verbindliche Supervisions- und Reflexionsformate einrichten
* Datenschutzkonzepte spezifisch für den digitalen Kontext erarbeiten
* Neue Mitarbeitende eng begleiten, insbesondere im Umgang mit schwierigen Inhalten

### 5. Empfehlung: Auseinandersetzung und Vernetzung mit Fachgruppen

Es ist ausdrücklich zu empfehlen, sich fachlich mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork/Mobile Jugendarbeit auseinanderzusetzen und die dort vorhandenen Strukturen und Erfahrungen aktiv zu nutzen. Die BAG bündelt seit vielen Jahren Expertise zu Streetwork und Mobiler Jugendarbeit, entwickelt fachliche Standards weiter und bietet etablierte Formate für bundesweite Vernetzung und Qualifizierung. Für Digital Streetwork bietet dies einen idealen Anknüpfungspunkt, um digitale Ansätze nicht isoliert, sondern im Rahmen anerkannter fachlicher Standards zu verorten.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, sich mit Kolleg:innen zu vernetzen, die bereits im Feld der Digital Streetwork arbeiten oder dieses aufbauen. Eine eigene Fachgruppe oder Arbeitsgemeinschaft „Digital Streetwork“ – etwa in Anbindung an die bestehende BAG Streetwork/Mobile Jugendarbeit – kann als gemeinsame Plattform dienen, um Erfahrungen auszutauschen, Good Practice zu dokumentieren, Positionspapiere zu entwickeln und Fortbildungsbedarfe zu identifizieren. So lässt sich die Professionalisierung von Digital Streetwork vorantreiben und gleichzeitig sicherstellen, dass digitale Praxis eng mit den Grundsätzen der aufsuchenden Sozialen Arbeit verbunden bleibt.

Aus dieser Perspektive wird empfohlen, die bestehenden Strukturen der BAG Streetwork aktiv zu nutzen, sich mit likeminded Fachkräften zusammenzuschließen und perspektivisch eine BAG bzw. Fachgruppe „Digital Streetwork“ aufzubauen oder sich daran zu beteiligen. Dies stärkt sowohl die fachliche Qualität der Arbeit vor Ort als auch die Sichtbarkeit von Digital Streetwork in der bundesweiten Fach- und sozialpolitischen Diskussion

**Kurz gesagt:** Ob Standards eingehalten werden, hängt derzeit stark vom Träger und der individuellen Fachkraft ab – eine feldweite Verbindlichkeit existiert nicht. Professionell aufgestellte Projekte können und sollten die ethischen Grundsätze der Sozialen Arbeit aber vollständig in ihre digitale Praxis überführen. Die strukturellen Voraussetzungen dafür müssen aktiv geschaffen werden und dazu sollte Transaprenz erzeugt werden, z.B. auf der Website oder in einem FAQ

## Gibt es im DS Bereich einheitliche Standards bzgl. der Durchführung der Arbeit? Wie trägt das Digital Streetwork zu Professionalisierung bei?

### Einheitliche Standards in der Digital Streetwork – Stand der Dinge

Die kurze Antwort: Nein, einheitliche Standards für die Durchführung von Digital Streetwork gibt es derzeit nicht. Die etwas längere Antwort erklärt, warum – und was es stattdessen gibt.

### 1. Ein strukturell und rechtlich nicht geschütztes Feld

Digital Streetwork ist weder rechtlich noch fachlich als Begriff geschützt. Es existiert kein verbindlicher Rahmen, der festlegt, wie Digital Streetwork durchzuführen ist, welche Qualifikationen erforderlich sind oder welche ethischen Mindestanforderungen gelten. Das bedeutet in der Praxis: Jeder Träger, jedes Projekt und jede Fachkraft definiert Standards im Wesentlichen selbst.

### 2. Hohe Heterogenität im Feld

Die Praxislandschaft ist entsprechend vielfältig – im negativen wie im positiven Sinne. Grundsätzliche Fragen zu Dokumentationsstandards, zum Umgang mit Krisen, zur Plattformauswahl oder zur Zielgruppenansprache werden in jedem Projekt neu und weitgehend isoliert beantwortet. Wertvolles Praxiswissen geht verloren, sobald Projekte auslaufen oder Fachkräfte wechseln. Eine gemeinsame Fachsprache befindet sich im Ausbau und wird von den Fachkräften unterschiedlich praktiziert.

### 3. Was es als Orientierung gibt

Auch wenn verbindliche Standards fehlen, gibt es einige fachliche Bezugspunkte:

* Die **Standards des BAG Streetwork** aus dem analogen Kontext bieten eine inhaltliche Grundlage, die sich teilweise auf digitale Arbeit übertragen lässt: <https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards_BAG_2018.pdf>
* Die **Amadeu Antonio Stiftung** hat praxisnahe Materialien zur Digital Streetwork veröffentlicht, u. a. eine Handreichung mit Begriffen aus der Digital Streetwork von A - Z *:* <https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2025/02/DigitalStreetwork_AbisZ_web.pdf>
* Die **BAG RelEx** bietet Handlungsempfehlungen zur Online-Prävention als erste Orientierung: https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards\_BAG\_2018.pdf.

Diese Materialien sind jedoch keine verbindlichen Standards, sondern Empfehlungen und Praxishilfen.

### 4. Was sich das Feld wünscht – und braucht

Es besteht breiter Konsens, dass eine Wissenschaft-Praxis-Kooperation notwendig ist, die gemeinsam einen verbindlichen Referenzrahmen erarbeitet. Dieser sollte Mindestanforderungen definieren zu:

* Ausbildung und Qualifikation der Fachkräfte
* Dokumentation und Evaluation
* Datenschutz im digitalen Kontext
* Ethischen Grundsätzen und Rollenklarheit

Parallel dazu braucht es mehr trägerübergreifende Vernetzung – etwa über bestehende Strukturen wie die BAG Streetwork oder die Fachgruppe Soziale Arbeit und Digitalisierung der DGSA –, um gemeinsame Fachbegriffe zu entwickeln und Best Practices zu teilen. Oder eine eigene Gruppe kann gergündet werden (siehe oben)

**Kurz gesagt:** Einheitliche Standards existieren im Digital Streetwork bislang nicht. Was es gibt, sind fachliche Orientierungsrahmen aus verwandten Feldern und engagierte Einzelprojekte. Die Entwicklung verbindlicher Standards ist eine der drängendsten Aufgaben für die Professionalisierung des gesamten Feldes.

## Was müssen meine Angestellten mindestens können? Fachlichkeit & Technische Skills? Welche Kompetenzen brauchen die Fachkräfte, die DS ausüben?

### Mindestanforderungen an Fachkräfte im Digital Streetwork

Professionelles Digital Streetwork setzt ein Kompetenzprofil voraus, das weder durch allgemeine Sozialpädagogik noch durch allgemeine Medienkompetenz allein abgedeckt wird. Es braucht beides – und mehr.

### 1. Fachliche Grundlage: Sozialpädagogische Ausbildung

Die wichtigste Grundvoraussetzung ist eine solide sozialpädagogische Ausbildung. Sie schafft die konzeptionelle Basis, von der aus die spezifischen Anforderungen des digitalen Raums überhaupt erst professionell bearbeitet werden können. Wer ohne diese Grundlage arbeitet, braucht zwingend zertifizierte Fortbildungen als Ersatz – etwa zu systemischer Beratung oder Online-Beratung.

### 2. Phänomenbezogenes Fachwissen

Je nach Projektschwerpunkt sind spezifische Fachkenntnisse unerlässlich – und zwar nicht als Zusatzqualifikation, sondern als Grundvoraussetzung:

* Bei **Rechtsextremismusprävention**: Kenntnisse zu Ideologien der Neuen Rechten, Argumentationsmustern und Radikalisierungsdynamiken
* Bei **Islamismusprävention**: Vertrautheit mit religiösen Quellentexten, ideologischen Mustern und relevanten Diskriminierungserfahrungen
* Bei **allgemeiner psychosozialer Arbeit**: Kenntnisse zu Themen wie Einsamkeit, psychischer Gesundheit,exsseive Internetnutzung und Medienkonsum, Essstörungen oder Suizidalität
* Bei Suchtmittelkonsum: Kenntnisse über die verschiedene stoffgebundenen und ungebundenen Süchte, Vertrautheit mit akzeptierender Drogenarbeit als fachlicher Haltung
* Bei Glückspielsucht: Vertrautheit mit den verschiedenen Online-Portalen, sowie ebenfalls eine Vertrautheit mit akzeptierender Drogenarbeit
* Bei Sexarbeit/Prostitution: Fachwissen zu den Milieus, Online-Seiten, sowie den Spannungen der verschiedenen fachlichen Haltungen zum Thema Sexarbeit/Prostitution

Wer mit vulnerablen Menschen zu diesen Themen arbeitet, ohne das nötige Fachwissen zu haben, kann keine adäquate Hilfestellung leisten und im Zweifel sogar Schaden anrichten.

### 3. Plattform und Social Mediakompetenz

Plattformkompetenz bedeutet weit mehr als die technische Bedienung von Apps. Fachkräfte müssen:

* Die **Eigenlogiken der Plattformen** verstehen: Wie funktioniert der Algorithmus? Welche Inhalte werden bevorzugt oder benachteiligt? Welche Kommunikationsnormen gelten in der jeweiligen Community?
* **Plattformspezifische Einschränkungen** kennen: Etwa dass politische Inhalte auf manchen Plattformen strukturell benachteiligt werden, oder dass zu häufiges Posten als Spam klassifiziert werden kann
* **Kritische Distanz** wahren: Fachkräfte sind keine Influencer – sie nutzen Plattformlogiken, ohne sich ihnen unkritisch zu unterwerfen

Dabei gilt: Tiefe ist wichtiger als Breite. Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren und diese wirklich gut kennen, anstatt viele Plattformen oberflächlich zu bespielen.

### 4. Community-Kenntnisse und digitale Sozialraumorientierung

Fachkräfte müssen die Sprache, die Themen, die Humor- und Kommunikationskultur sowie die Geschichte der jeweiligen Online-Communities kennen. Nur wer glaubwürdig und auf Augenhöhe in die Lebenswelt der Jugendlichen einsteigt – etwa bei Themen wie Körperbild, Einsamkeit, Rassismus oder Kriegsangst – kann Vertrauen aufbauen, bevor die eigene professionelle Rolle explizit gemacht werden muss.

### 5. Reflexionskompetenz besonders im Bereich Innovation und Social Media Entwicklung

Fachkräfte sollten in der Lage sein, technische Entwicklungen – neue Plattformen, veränderte Algorithmen, KI-Tools – kritisch zu reflektieren und einzuordnen. Das bedeutet nicht, jede Neuerung sofort zu beherrschen, aber die Fähigkeit, Veränderungen zu beobachten, zu bewerten und in die eigene Arbeit zu integrieren. Dies gilt auch für die sozialen Effekte technischer oder innovativer Veränderung im Bereich Social Media. Die Technik ist nie ausschließlich zu bewerten sondern im Kontext der sozialen Wirkung (Sozio-technischer Arrangements).

### 6. Selbstorganisation und unabhängiges, selbstständiges Arbeiten

Da Digital Streetwork häufig im Homeoffice stattfindet, sind Eigenverantwortung und Selbstorganisation besonders gefragt. Das setzt Vorerfahrung aus der analogen Praxis voraus und erfordert gerade zu Beginn eine enge kollegiale Begleitung. Berufseinsteiger\*innen sollten nicht ohne strukturierte Einarbeitung ins Homeoffice entlassen werden. Dies gilt besonders für Berufseinsteiger:innen im Feld des Digital Streetwork, die häufig in vergleichsweise selbstständigen und unabhängigen Settings arbeiten. Ein konsequent etabliertes 2‑ bis 4‑Augen‑Prinzip bietet hier einen verbindlichen Rahmen für Rückkopplung, fachliche Absicherung und gemeinsame Verantwortung. So werden gerade in der frühen Berufsphase Überforderung, Fehlentscheidungen und Vereinzelung reduziert und eine professionelle, reflektierte Praxis von Beginn an gestärkt.

* + **Kurz gesagt:** Als Mindestanforderungen für Fachkräfte, die Digital Streetwork ausüben, sind sozialpädagogische Grundausbildung, phänomenbasiertes Fachwissen, sowie Medienkompetenz und kritisches reflektieren gefragt. Ebenso ist digitale Sozialraumorientierung als fachliches Orientierungsprinzip sowie Selbstorganisationskompetenz wichtig, um Digital Streetwork professionell ausüben zu können.

## Welche fachlichen Standards sind bei DS wichtig?

### Fachliche Standards der Digital Streetwork

Es geht nicht nur um Qualifikationen der Fachkräfte, sondern um die Standards, die die Arbeit selbst rahmen und absichern.

### 1. Aufsuchende Haltung als Grundprinzip

Digital Streetwork ist eine aufsuchende Form der Sozialen Arbeit – Fachkräfte gehen aktiv dorthin, wo die Zielgruppe ist, und warten nicht darauf, dass Jugendliche von sich aus Kontakt aufnehmen. Diese Haltung ist kein technisches Detail, sondern ein grundlegendes fachliches Prinzip, das alle Entscheidungen beeinflusst: Welche Plattformen bespielt werden, zu welchen Zeiten gearbeitet wird und wie Kontakt angebahnt wird.

### 2. Niedrigschwelligkeit, Freiwilligkeit und Vertraulichkeit

Die klassischen Grundprinzipien der Streetwork gelten auch im digitalen Raum:

* **Niedrigschwelligkeit**: Der Zugang zum Angebot darf keine Hürden aufbauen – keine Registrierungspflichten, keine formalen Erstgespräche, kein institutioneller Druck
* **Freiwilligkeit**: Kontakt entsteht nur auf Basis freiwilliger Beteiligung der Adressat\*innen
* **Vertraulichkeit**: Was in der Beratung besprochen wird, bleibt vertraulich – auch im digitalen Raum, auch auf kommerziellen Plattformen

### 3. Transparenz und Rollenklarheit

Ein zentraler fachlicher Standard im Digital Streetwork ist die Transparenz über die eigene Rolle. Klient:innen müssen nachvollziehen können:

* Mit wem sie kommunizieren
* Welche Funktion die Fachkraft einnimmt
* Welche Grenzen und Rahmenbedingungen gelten

Das bedeutet in der Praxis: verifizierte Accounts mit offiziellen Namen, ein klar erkennbares institutionelles Profil und ein verlässliches, konsistentes Auftreten. Fachkräfte sind keine Privatpersonen und keine Influencer – diese Grenze muss nach außen sichtbar sein - wenn auch dies nicht grundsätzlich die Zusammenarbeit mit Influencern ausschließt. Ein professioneller Zugang markiert in der Kontaktaufnahme die eigene Rolle als Digital Streetworker und wechselt schnell in einen privaten Chat. Die Rahmenbedingungen des DS werden klar und offen kommuniziert.

### 4. Pädagogisches, Social Media Monitoring als methodischer Standard

Ohne systematische Beobachtung digitaler Räume ist weder aufsuchendes Arbeiten noch gezielte Intervention möglich. Pädagogisches Monitoring – also die kontinuierliche, strukturierte Beobachtung relevanter Plattformen, Gruppen, Hashtags und Trends – ist daher kein optionales Werkzeug, sondern ein verbindlicher methodischer Standard. Es muss dokumentiert, regelmäßig aktualisiert und konzeptionell verankert sein. Hierbei können Datenbanken aufgebaut werden und auch KI zur Hilfe genommen werden. Sollten Sie die Tendenz haben, alles in eine Exceldatei zu Dokumentieren und hinterlegen - gehen Sie nochmal in sich! Es gibt verschiedene technische Arrangements, die Ihnen eine Dashboard und ein Monitoring ermöglichen, das wesentlich umfassende genauer und mit technischer Hilfe möglich ist.

### 5. Datenschutz als Grundlage sichere Kommunikation, in Abwägung zur Zielgruppenerreichung

Der Einsatz kommerzieller Plattformen stellt Fachkräfte vor spezifische datenschutzrechtliche Herausforderungen, die im analogen Kontext so nicht existieren. Ein fachlicher Standard ist es, diese Fragen nicht dem Zufall zu überlassen, sondern:

* Ein trägerspezifisches Datenschutzkonzept für den digitalen Kontext zu entwickeln
* Klare Regeln festzulegen, wann auf sichere Kommunikationskanäle gewechselt wird
* Abwägung von Zielerreichung von “hard-reach” Zielgruppen, die anders nicht erreichbar wären
* Zu klären, welche Plattformen datenschutzkonform genutzt werden dürfen - im Zweifel gilt auch die Abwähnung zwischen Hilfe und Unterstützungsangebot an Gruppen, die sonst nicht anders zu erreichen sind oder auch den Kommunikationsort nicht wechseln möchten. In der Beratungsund Kommunikation mit der Zielgruppe sollte auf die Datenverarbeitung und auch die Risiken hingewiesen werden.
* In jeden Fall sollte ein niedrigschwelliger, end-zu-end verschlüsselter Chat als Alternative angeboten werden. Dieser ist anoym ohne emailadresse möglich, der Chat wird automtsich nicht gespeichert, und kan als schanier aus den Sozialen Medien (und ein möglicherweise datenschutzunsicheres Umfeld) hinaus führen.

### 6. Supervision und Reflexion als struktureller Bestandteil

Supervision und kollegiale Reflexion sind im Digital Streetwork kein Luxus, sondern fachlicher Standard – vergleichbar mit anderen hochbelasteten Berufsfeldern wie der Notfallpsychologie. Fachkräfte sind ungefiltert mit Suizidankündigungen, Radikalisierungsverläufen und Hassrede konfrontiert, häufig allein. Verbindliche Supervisions-, Intervisions- und Reflexionsformate müssen strukturell verankert und nicht dem Ermessen einzelner überlassen werden.

### 7. Dokumentation und Evaluation

Professionelles Arbeiten bedeutet auch, die eigene Arbeit nachvollziehbar zu machen. Dazu gehören:

* Eine angemessene Dokumentation von Kontakten und Beratungsverläufen – unter Beachtung des Datenschutzes
* Regelmäßige interne Evaluation der eigenen Wirkung
* Eine klare Definition vorab, was als erfolgreicher Kontakt gilt und wie Wirkung gemessen wird –> hier beispiele und vor und Nachteile

**Kurz gesagt:** Fachliche Standards im Digital Streetwork umfassen die klassischen Prinzipien der Streetwork – Niedrigschwelligkeit, Freiwilligkeit, Vertraulichkeit – ergänzt um digitale Spezifika: Transparenz im Netz, pädagogisches Monitoring, digitaler Datenschutz und verbindliche Reflexionsstrukturen. Diese Standards müssen aktiv implementiert werden – sie entstehen nicht von selbst.

## Muss ich verschwiegen sein, wie stehen da die fachlichen Standards dazu?

### Verschwiegenheit im Digital Streetwork – fachliche und rechtliche Einordnung

Ja, Verschwiegenheit ist ein zentrales fachliches Prinzip der Sozialen Arbeit – und gilt grundsätzlich auch im Digital Streetwork. Allerdings bringt der digitale Kontext spezifische Herausforderungen mit sich, die im analogen Kontext so nicht existieren.

### 1. Verschwiegenheit als Grundprinzip

Vertraulichkeit ist eine der Grundvoraussetzungen dafür, dass überhaupt Vertrauen entstehen kann – gerade bei einer Zielgruppe, die sensible Themen wie psychische Gesundheit, Radikalisierung oder familiäre Konflikte oft nur dann anspricht, wenn sie sich sicher fühlt. Was in einer Beratungsinteraktion besprochen wird, bleibt vertraulich. Das gilt unabhängig davon, ob das Gespräch analog oder digital stattfindet.

### 2. Die besonderen Herausforderungen im digitalen Raum

Im digitalen Kontext ist Verschwiegenheit schwieriger umzusetzen als im analogen – aus mehreren Gründen:

* **Kommerzielle Plattformen speichern Daten**: Gespräche auf Instagram, TikTok oder Discord finden auf Servern von Unternehmen statt, die eigenen Datenschutzrichtlinien unterliegen. Fachkräfte haben darauf keinen Einfluss. Es ist daher wichtig zu klären, welche Plattformen für welche Art von Kommunikation genutzt werden dürfen.
* **Dokumentationspflicht vs. Datenschutz**: Wann wird eine Beratungsinteraktion dokumentationspflichtig? Wie werden personenbezogene Daten dabei geschützt? Diese Fragen sind im digitalen Kontext noch nicht abschließend geklärt und Gegenstand laufender fachlicher Auseinandersetzung.
* **Wechsel auf sichere Kanäle**: Ein fachlicher Standard ist es, bei sensiblen Beratungsgesprächen auf datenschutzkonforme Kommunikationskanäle zu wechseln – also weg von öffentlichen oder kommerziellen Plattformen hin zu verschlüsselten, sicheren Alternativen. Hier kann ein eigener Chat, der niedrigschwellig, Verschlüsselt und anonym ist und auf der Webiste des Träger gehostest wird helfen.

### 3. Grenzen der Verschwiegenheit

Wie in der analogen Sozialen Arbeit gilt auch in der Digital Streetwork: Verschwiegenheit ist nicht absolut. Es gibt Situationen, in denen sie zurücktreten muss – insbesondere beim:

* **Kinderschutz**: Wenn konkrete Hinweise auf Kindeswohlgefährdung vorliegen, besteht eine Pflicht zum Handeln, die Verschwiegenheit überlagert
* **Akuter Suizidalität**: Wenn eine Person sich in einer akuten Krise befindet, kann und muss gehandelt werden – auch wenn das die Vertraulichkeit berührt
* **Zeugnisverweigerungsrecht nicht vorhanden !!!**

Diese Grenzen müssen Fachkräften klar sein und sollten Teil der Einarbeitung und regelmäßiger Supervision sein.

### 4. Was Träger tun müssen

Da allgemeine Datenschutzkonzepte aus stationären Angeboten nicht ohne Weiteres auf Digital Streetwork übertragbar sind, braucht es trägerspezifische Lösungen. Konkret bedeutet das:

* Ein eigenes Datenschutzkonzept für den digitalen Kontext entwickeln
* Klare interne Regeln festlegen, wann auf sichere Kommunikationskanäle gewechselt wird
* Fachkräfte darin schulen, welche Plattformen für welche Art von Kommunikation geeignet sind
* Regelmäßig prüfen, ob die genutzten Tools den aktuellen datenschutzrechtlichen Anforderungen entsprechen

**Kurz gesagt:** Ja, Verschwiegenheit ist fachlich geboten und ein Grundprinzip der Arbeit. Im digitalen Raum ist sie jedoch schwieriger umzusetzen als analog – weil kommerzielle Plattformen eigene Datenlogiken haben und weil Fragen der Dokumentation und des Kanalwechsels noch nicht einheitlich geregelt sind. Träger sind in der Pflicht, hier klare Strukturen zu schaffen.

## Was braucht es, um Digital Streetwork gut zu konzipieren? Was bräuchte es, um DS gut zu konzipieren? Was muss ich vermitteln, welchen professionellen Rahmen braucht es hierfür? Wie bekomme ich mein Projekt ggf. weiterfinanziert, was für Vorbereitungen muss ich dafür treffen? Wie stelle ich mein Team auf, dass es die Plattformen effektiv bespielt? Was müssen meine Mitarbeitenden über die Plattformen wissen? Welche Zielgruppen gibt es im DS? Worauf kann ich mein Projekt spezialisieren?

Eine gute Konzeption von Digital Streetwork ist keine Frage des Bauchgefühls – sie erfordert systematische Vorbereitung auf mehreren Ebenen. Wer ein Projekt gut aufstellt, spart später Ressourcen und schützt sowohl Fachkräfte als auch Klient\*innen.

### 1. Zielgruppe und Phänomenbereich klar definieren

Am Anfang jeder Konzeption steht die Frage: Für wen arbeiten wir – und zu welchen Themen? Digital Streetwork adressiert sehr unterschiedliche Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedarfen:

* Jugendliche mit allgemeinen psychosozialen Belastungsthemenoffene Kinder und Jugendarbeit, politischen Bildungsarbeit/Aufklärung über Onlinephänome Desinformation und Hatespeech
* Junge Menschen im Kontext von Rechtsextremismus- oder Islamismusprävention
* Migrant\*innen mit Beratungs- und Vernetzungsbedarfen
* Armutsbetroffene und marginalisierte Jugendliche
* Suchtmittelkonsumenten, Glücksspielsucht
* Sexarbeit/Prostitution

Diese Gruppen unterscheiden sich erheblich in Plattformnutzung, Erreichbarkeit und geeigneten methodischen Zugängen. Eine pauschale Methodenlogik, die alle gleich behandelt, greift zu kurz. Die Zielgruppendefinition bestimmt alles Weitere – Plattformwahl, Sprache, Methoden, Teamzusammensetzung.

### 2. Pädagogisches Monitoring vor dem Start

Bevor ein Projekt aktiv wird, braucht es eine systematische Vorabuntersuchung der relevanten Plattformen – idealerweise über mehrere Wochen. Diese Vorabuntersuchung klärt:

* Wo hält sich die Zielgruppe auf, und wann ist sie aktiv?
* Welche Themen, Narrative und Akteur\*innen sind relevant?
* Welche Kommunikationsregeln gelten in den jeweiligen Communities?
* Welche extremistischen Dynamiken oder vulnerablen Nutzer\*innen sind bereits sichtbar?
* Sind Plattformakteure und Influencer eingebunden – wenn ja in welchen Maße (hier kann auch auf eine klassischen StakeholderAnalse zurgeriffen werden, um Chancen und Riskiken des digitalen Umfeldes besser einzuschätzen)

Dieses Monitoring ist kein einmaliger Schritt, sondern muss als kontinuierlicher Prozess in die Konzeption eingebaut werden. Hier helfen auch Analyse durch Software oder auch die entwicklung von eigenen KI Modellen

Hier Tools und technischen Zugänge zum Monitoring im Digital Streetwork:

* Facebook Insights
* Instagram Insights
* YouTube Analytics
* Hashtag- und Listenarbeit (plattformintern, manuell)
* Sandbox-Accounts / Recherche-Accounts
* Brandwatch
* Meta Analytics
* Hootsuite
* Matomo (selbstgehostet)
* Reddit-Bots (für automatisiertes Monitoring)
* Discord (inkl. Ticketsystem auf Servern)

### 3. Plattformauswahl strategisch treffen

Nicht jede Plattform eignet sich für jedes Projekt. Die Konzeption muss begründen, warum bestimmte Plattformen gewählt werden – und diese Wahl regelmäßig überprüfen. Dabei gilt:

* **Tiefe vor Breite**: Wenige Plattformen wirklich gut bespielen ist besser als viele oberflächlich
* **Plattformlogiken verstehen**: TikTok funktioniert anders als Instagram, Discord anders als Twitch – jede Plattform hat eigene Algorithmen, Kommunikationsnormen und Einschränkungen für politische Inhalte
* **Form der Ansprache** - Entscheidung wieviel Anteil bekommen die Inhalte/Contenet Creation- z.B. zur aktiven Ansprache oder nur zur Legitimierung - je nach Plattform kann dies einen großen Teil der Arbeitszeit einnehmen. Alternativ kann ich auch auf eher schriftbasierten Austausch setzen wie z.B. Reddit oder gute Frage.net
* **Regionale Erreichbarkeit bedenken:** Wer regional gefördert wird, muss prüfen, welche Plattformen eine lokale Zielgruppenansprache überhaupt ermöglichen – etwa über Gruppenfunktionen auf Facebook oder standortbasierte Plattformen wie Jodel

### 4. Methoden konzeptionell verankern

Professionelles Digital Streetwork erfordert ein breites Methodenrepertoire, das vorab konzeptionell durchdacht sein muss:

* **Aufsuchende vs. Komm-Strukturen**: Wird aktiv in fremden Communities interveniert, oder werden eigene Kanäle aufgebaut, zu denen Jugendliche selbst Kontakt aufnehmen? Beide Zugänge haben ihre Berechtigung, erfordern aber unterschiedliche Kompetenzen und Ressourcen
* **Beziehungsarbeit:** Wie werden langfristige Beziehungsangebote gestaltet – etwa durch wiederkehrende Gesprächsformate, Community-Events oder niedrigschwellige Angebote wie Spieleabende?
* **Content-Produktion:** Welche Inhalte werden produziert, mit welchem pädagogischen Ziel und in welchem Format? Mit welchen Zeitaufwand wird dies verfolgt im Abgleich mit der „Beziehungsarbeit“ also der direkten Interaktion mit Usern und Anfragen online
* **Konfrontative Methoden:** Wenn extremistische Inhalte kommentiert oder hinterfragt werden sollen, braucht es klare methodische Leitlinien, die zwischen professionell kalkulierter Irritation und eskalierender Konfrontation unterscheiden

### 5. Wirkungslogik und Evaluation von Anfang an mitdenken

Eine häufige Schwachstelle in der Konzeption ist, dass Evaluation als nachträgliche Pflichtübung gedacht wird – statt als integraler Bestandteil. Dabei ist sie entscheidend, nicht nur für die Weiterfinanzierung, sondern auch für die fachliche Weiterentwicklung. Konzeptionell zu klären ist:

* Was gilt als erfolgreicher Kontakt?
* Wird eher qualitativ (z. B. Beziehungsqualität, Vertrauen, Überführung in Offline-Angebote) oder quantitativ (z. B. Anzahl der Kontakte, Reichweite) evaluiert?
* Wie werden Wirkungen dokumentiert und dargestellt – auch gegenüber Fördergebern?

### 6. Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen klären

Vor dem Start müssen rechtliche Grundfragen geklärt sein – am besten mit juristischer Unterstützung, wenn dies finanziell möglich ist.

* Welche Plattformen dürfen datenschutzkonform genutzt werden?
* Wann wird auf sichere Kommunikationskanäle gewechselt?
* Wie wird Dokumentation datenschutzkonform gestaltet?

Da allgemeine Datenschutzkonzepte aus stationären Angeboten nicht übertragbar sind, braucht es ein trägerspezifisches Konzept für den digitalen Kontext. Unser Projekt bietet mit einem juristischen Gutachten eine grobe Orientierung, diese kannst du weiter erfragen - wenn auch diese ganz klar keine Rechtsberatung ersetzen können, können sie einen Startpunkt darstellen.

### 7. Personelle und technische Ressourcen realistisch planen

Eine gute Konzeption ist nur so gut wie die Ressourcen, die ihr hinterlegt sind. Das bedeutet:

* Budget für Fortbildungen einplanen – Plattformkompetenz und phänomenbezogenes Fachwissen müssen aktiv aufgebaut werden
* Technische Grundausstattung finanzieren: Dienstgeräte, datenschutzkonforme Tools, ggf. plattformspezifische Hardware wie Gaming-Equipment oder Videoproduktions-Equipment
* Supervisions- und Reflexionsformate von Anfang an strukturell verankern, nicht als nachträglichen Zusatz

**Kurz gesagt:** Eine gute Konzeption beginnt mit einer klaren Zielgruppendefinition, baut auf systematischem Monitoring auf, trifft begründete Plattform- und Methodenentscheidungen, denkt Evaluation von Anfang an mit und plant Ressourcen realistisch. Langristig sichert ein solcher Vorgang die Finanzierung und die Professionalität des Projektes.

## Was braucht es für Evaluationsstrukturen? Wie bekomme ich mein Projekt ggf. weiterfinanziert, was für Vorbereitungen muss ich dafür treffen?

### Evaluationsstrukturen im Digital Streetwork

Evaluation ist im Digital Streetwork kein bürokratischer Zusatz, sondern ein zentrales Instrument der Qualitätssicherung – und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen des Feldes. Denn was im analogen Kontext schwierig zu messen ist, wird im digitalen nicht einfacher.

### 1. Evaluation von Anfang an mitdenken

Der häufigste Fehler ist, Evaluation erst dann zu denken, wenn der Fördergeber danach fragt. Stattdessen muss sie konzeptionell von Beginn an verankert sein. Das bedeutet konkret: Vor dem Start des Projekts wird festgelegt, was gemessen werden soll, wie es gemessen wird und was als Erfolg gilt. Wer diese Fragen nicht vorab klärt, wird am Ende weder nach innen noch nach außen überzeugend berichten können.

### 2. Klären: Qualitativ oder quantitativ – oder beides?

Eine der wichtigsten konzeptionellen Entscheidungen ist die Frage nach der Ausrichtung der Evaluation:

* **Quantitative Evaluation** erfasst messbare Größen: Anzahl der Kontakte, Reichweite von Posts, Anzahl der Beratungsgespräche, Klickzahlen. Diese Zahlen sind leicht darstellbar, sagen aber wenig über tatsächliche Wirkungen aus. Klickzahlen allein belegen keine Beratungsqualität.
* **Qualitative Evaluation** erfasst, was sich nicht in Zahlen fassen lässt: Vertrauen, Beziehungsqualität, Veränderungen in der Haltung von Adressat\*innen, Übergänge in Offline-Angebote. Diese Wirkungen sind schwerer zu erheben, aber oft aussagekräftiger. Wenn du hierzu Beispiele möchtest, wie Projekte dies konkret ausdefiniert haben, frag gerne nach und ich liste sie dir auf,.

In der Praxis empfiehlt sich eine Kombination aus beidem – mit einem klaren Schwerpunkt, der zum Projektziel passt. Wer Community-Aufbau als Ziel hat, braucht andere Indikatoren als wer auf Krisenintervention fokussiert ist.

### 3. Definition: Was gilt als erfolgreicher Kontakt?

Diese Frage klingt einfach, ist es aber nicht. Im Digital Streetwork kann ein erfolgreicher Kontakt vieles bedeuten:

* Ein einmaliges Beratungsgespräch, das eine akute Krise abwendet
* Eine langfristige Beziehung, die über Monate aufgebaut wird
* Ein Kommentar unter einem Post, der einen Jugendlichen zum Nachdenken bringt
* Die Vermittlung in ein Offline-Angebot wie eine Therapie

Diese Definitionen müssen projektintern festgelegt und für Fördergeber nachvollziehbar dokumentiert werden. Ohne diese Festlegung bleibt Evaluation beliebig. Es kann sich an der Wirkungskogiken oben orientieren

### 4. Kurzfristige und langfristige Wirkungen in der Extremismusprävention unterscheiden

Gerade in der Extremismusprävention ist kurzfristige Evaluation oft wenig aussagekräftig. Deradikalisierungsprozesse sind selten und kaum kurzfristig quantifizierbar. Hier braucht es längerfristige Begleitforschung, die Wirkungen über einen längeren Zeitraum erfasst. Das setzt voraus, dass Projekte nicht nach einem Jahr enden – was wiederum auf das strukturelle Problem der jährlichen Förderzyklen verweist.

Sinnvoll ist daher eine Unterscheidung zwischen:

* **Kurzfristigen Indikatoren**: Kontaktanzahl, Reichweite, Anzahl der Beratungen
* **Mittelfristigen Indikatoren**: Vertrauensaufbau, Rückkehr zu Hobbys oder sozialen Kontakten, Abbruch von Radikalisierungsprozessen
* **Langfristigen Indikatoren**: Nachhaltige Verhaltensänderungen, gesellschaftliche Teilhabe, Präventionswirkung

Gerade in der Extremismusprävention sind langfristige Wirkungen kaum vorhanden und besonders schwer zu erfassen - für eine nachhaltige FInanzierungsperspektive wäre dies aber besonders wichtig!

### 5. Perspektive der Adressat\*innen einbeziehen

Eine vollständige Evaluation erfasst nicht nur, was Fachkräfte leisten, sondern auch, wie Adressat:innen die Arbeit wahrnehmen. Die Erhebung von Klient:innenperspektiven ist methodisch anspruchsvoll – gerade weil viele Kontakte anonym verlaufen –, aber sehr relevant für eine aussagekräftige Wirkungsmessung.

### 6. Dokumentation als Grundlage der Evaluation

Evaluation ist nur so gut wie die Dokumentation, auf der sie basiert. Fachkräfte brauchen daher klare, handhabbare Dokumentationsstandards, die:

* Nicht so aufwändig sind, dass sie die eigentliche Arbeit behindern
* Relevante Informationen systematisch erfassen
* Datenschutzkonform sind
* Möglicherweise auch teilautomisiert und anonym verarbeitet werden können (ein Beispiel ist hier lateris: https://minor-digital.de/lateris-ki-als-beratungsassistenz/)

Excel-Tabellen können sich in der Praxis als äußerst ressourcenintensiv erweisen und sind auch für die heutige Effizienz, die die Digitalisierung bereitstellt nicht adäquat in der Verwendung. Datenschutzkonforme Monitoring- und Dokumentationstools sind hier klar zu bevorzugen.

### 7. Evaluation als Instrument der Weiterfinanzierung

Eine gut aufgestellte Evaluation ist nicht nur fachlich sinnvoll – sie ist auch strategisch wichtig. Die Darstellung von Wirkungsmessungen ist für die Weiterfinanzierung eines Projekts unabdingbar und muss gegenüber der fördernden Institution nachvollziehbar dargelegt werden können. Wer hier vorbereitet ist, hat deutlich bessere Chancen auf eine Projektverlängerung.

**Kurz gesagt:** Gute Evaluationsstrukturen beginnen mit klaren Definitionen – was gilt als Erfolg, was wird gemessen, mit welchen Methoden. Sie unterscheiden kurzfristige von langfristigen Wirkungen, qualitative und quantitative Wirkungsmessungen, beziehen die Perspektive der Adressat\*innen ein und basieren auf einer effektiven und datenschutzkonformen Dokumentation. Und sie sind von Anfang an Teil der Konzeption – nicht ein nachträglicher Anhang.

**Beispiel bei Nachfrage**:

Am Beispiel von Phineo wird exemplarisch ausgeführt, wie eine qualitativ hochwertige Wirkungsmessung aussehen kann:

#### Hilfreich für die Vertiefung von Wirkung und Indikatoren am Beispiel von Phineo:

PHINEO empfiehlt generell einen wirkungsorientierten Projektzyklus mit klaren Wirkungszielen, einer Theorie der Veränderung und einer systematischen, gemischten Wirkungsdokumentation – unabhängig vom konkreten Feld (also gut auf (Digital) Streetwork übertragbar).[[phineo](https://www.phineo.org/publikationen)]

**Zentrale Empfehlungen von PHINEO zur Wirkung**

* Wirkungslogik/Theory of Change entwickeln: Ausgangslage, Zielgruppen, gewünschte Veränderungen (Outcomes) und dazugehörige Aktivitäten explizit machen, bevor du Kennzahlen und Methoden festlegst.[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO-Factsheet.pdf)]
* Ziele klar und mehrstufig formulieren: Output (z. B. Anzahl Kontakte), kurzfristige Wirkungen (z. B. Entlastung, Orientierung), mittelfristige Wirkungen (z. B. Stabilisierung, Bildungs- oder Hilfezugang).[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO_Social_Impact_Navigator.pdf)]
* Wirkung als Haltung verstehen, nicht als einmaliges Messprojekt: Reflexion, Lernen und Anpassung der Angebote sind zentrale Elemente.[[phineo](https://www.phineo.org/)]

**Empfehlungen zur Datenerhebung (quantitativ und qualitativ)**

* Kombination von quantitativen und qualitativen Daten („Wirkungsmix“): Kennzahlen zu Reichweite/Kontakten plus Fallbeispiele, Interviews, Feedbacks; PHINEO betont diesen Methodenmix in Kursbuch Wirkung / Social Impact Navigator.[[phineo](https://www.phineo.org/publikationen)]
* Klare Indikatoren definieren, die zur Wirkungslogik passen (nicht nur „was sich leicht messen lässt“).[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO_Social_Impact_Navigator.pdf)]
* Einfache, zur Praxis passende Erhebungsinstrumente: kurze Feedbackbögen, strukturierte Verlaufsdokumentation, regelmäßige Reflexionsgespräche im Team.[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO-Factsheet.pdf)]

**Empfehlungen zu Qualität, Lernen und Kommunikation**

* Wirkungsdaten für internes Lernen nutzen (Qualitätsentwicklung) und nicht nur für Förderlogik und Legitimation.[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO-Factsheet.pdf)]
* Ergebnisse transparent, aber adressat\*innengerecht kommunizieren – inkl. Grenzen und Unsicherheiten der Messung.[[phineo](https://www.phineo.org/uploads/Downloads/PHINEO-Factsheet.pdf)]
* Kooperation und „Collective Impact“: Wirkungen entstehen häufig im Verbund; PHINEO empfiehlt, gemeinsame Wirkungsziele und abgestimmte Indikatoren in Netzwerken/Verbünden zu entwickeln.[[phineo](https://www.phineo.org/magazin/foerderempfehlungen-collective-impact)]

Für dein Projekt könntest du PHINEOs Kursbuch Wirkung bzw. den Social Impact Navigator gut als Metarahmen nutzen und ihn dann mit feldspezifischen Standards aus Streetwork/Digital Streetwork (JFF, BeSiN, Länderstandards) verknüpfen.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

Hier ist eine kompakte, zitierfähige Wirkungslogik für ein (allgemeines) Digital‑Streetwork‑Projekt, die du für Evaluation und Förderlogiken nutzen kannst (angelehnt an PHINEO‑Logik und aktuelle Digital‑Streetwork‑Standards).

**1. Ausgangslage und Problemdefinition**

* Viele junge Menschen und vulnerable Gruppen (z. B. Armutsbetroffene, queere Jugendliche, Menschen im Kontext von Konsum/Sucht, Sexarbeit) bewegen sich primär in digitalen Räumen (Instagram, TikTok, Discord, Reddit etc.), sind dort mit Risiken (Gewalt, Hass, Ausbeutung, Desinformation, Einsamkeit) konfrontiert und werden von klassischen Hilfesystemen oft nicht erreicht.
* Gleichzeitig sind bestehende digitale Angebote fragmentiert, schwer auffindbar oder folgen vorrangig Vermarktungs‑Logiken, nicht pädagogischen/sozialarbeiterischen Prinzipien.

**Zentrale Herausforderung:** Niedrigschwellige, vertrauenswürdige, nicht-kommerzielle Unterstützungsangebote müssen in den digitalen Alltagsräumen der Zielgruppen präsent und ansprechbar sein.

**2. Zielgruppen**

* Primäre Zielgruppen:
  + Jugendliche und junge Erwachsene in belasteten Lebenslagen (z. B. Konflikte in Familie/Peer‑Group, Schul-/Ausbildungsabbrüche, psychische Belastungen, Armut, Wohnungslosigkeit).
  + Spezifische Communities (z. B. LGBTIQ\*, migrantische Communities, Menschen in prekären Arbeits-/Sexarbeitskontexten, konsumierende Szenen).
* Sekundäre Zielgruppen:
  + Fachkräfte und Einrichtungen der Jugend‑, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe etc., mit denen Kooperations‑ und Übergangsstrukturen aufgebaut werden.

**3. Ressourcen und Aktivitäten (Input → Output)**

**Ressourcen (Input)**

* Qualifizierte Digital‑Streetworker:innen mit sozialarbeiterischer/pädagogischer Ausbildung und medienpädagogischen Kompetenzen.
* Technische Infrastruktur: Geräte, sichere Accounts, ggf. Sandbox/Recherche‑Accounts, datenschutzkonforme Dokumentation/Monitoring‑Tools.
* Vernetzung mit lokalen/regionalen Hilfesystemen und Online‑Beratungsstellen.

**Aktivitäten (Output‑Ebene)**

* Monitoring und Präsenz auf relevanten Plattformen (Accounts, Servern, Subreddits, Hashtags, Foren).
* Proaktive Kontaktaufnahme und Reaktion auf Hilfesuchen (Kommentare, DMs, Chat, Voice/Video).
* Kontinuierliche Beziehungsarbeit und Beratung (kurzfristige Krisenintervention bis mittelfristige Begleitung).
* Vermittlung in weiterführende Angebote (Online‑ und Offline‑Hilfen, Ämter, Fachberatungen).
* Informations‑ und Bildungsangebote (Posts, Stories, Videos, Streams, Q&As) zu relevanten Themen.

**4. Wirkungsziele nach Ebenen (Output – Outcome – Impact)**

**Output (direkte Leistungen)**

* Projekt ist auf ausgewählten Plattformen sichtbar und ansprechbar (regelmäßige Präsenz, erreichbarer Account).
* X erreichte Personen pro Zeitraum; Y dokumentierte direkte Kontakte/Beratungen; Z vermittelnde Kontakte zu anderen Hilfen.

**Kurzfristige Outcomes (Veränderungen bei Individuen)**

* Erhöhte subjektive Erreichbarkeit von Hilfe: Betroffene wissen, dass es ein niedrigschwelliges, anonymes Angebot in „ihren“ digitalen Räumen gibt.
* Entlastung in akuten Krisen durch Zuhören, Sortieren, Information und emotionale Unterstützung.
* Erhöhtes Wissen über Rechte, Unterstützungsangebote und Handlungsoptionen (z. B. Umgang mit Gewalt/Übergriffen, rechtliche Rahmenbedingungen, Hilfe im Sozialleistungssystem).

**Mittelfristige Outcomes**

* Stabilisierung im Alltag (z. B. bessere Struktur, weniger Eskalation in Konflikten, Nutzung von Hilfsangeboten).
* Erhöhter Zugang zu formalen Hilfen (Beratungsstellen, Jugendamt, Gesundheits‑/Suchthilfe, Rechtsberatung etc.).
* Stärkung digitaler Handlungskompetenzen und Resilienz (z. B. Umgang mit Hate Speech, sexualisierter Gewalt, Scams; sicherere Nutzung von Plattformen).

**Langfristiger Impact**

* Beitrag zur Verringerung von Exklusionsrisiken und digital verstärkten Belastungen (z. B. Isolation, Gewalt, Ausbeutung) bei den erreichten Zielgruppen.
* Stärkung einer sozialraum‑ und gemeinwesenorientierten Infrastruktur im digitalen Raum (digitale Sozialräume mit niedrigschwelligen Support‑Strukturen).

**5. Indikatoren und Datenerhebung (an der Wirkungslogik ausgerichtet)**

**Für Output**

* Anzahl und Art der Kontakte (DM, Kommentar, Chat, Voice/Video).
* Anzahl der erreichten Accounts/Personen (soweit datenschutzkonform erhoben).
* Anzahl der Vermittlungen/Übergaben in andere Hilfen und Zahl der begleiteten Termine/Prozesse.

**Für kurzfristige Outcomes**

* Kurzfragebögen oder Feedback‑Tools nach Beratungen (z. B. Einschätzung „Fühle mich besser informiert/entlastet“).
* Qualitative Kurznotizen/Fallprotokolle der Fachkräfte (wahrgenommene Entlastung, Klärung, nächste Schritte).
* Fallvignetten, die typische Verläufe von Erstkontakt bis Entlastung/Orientierung beschreiben.

**Für mittelfristige Outcomes**

* Dokumentation von Veränderungen: z. B. Beginn einer schulischen/beruflichen Maßnahme, Aufnahme einer Therapie/Beratung, Sicherung von Unterkunft, Klärung von Leistungen.
* Qualitative Interviews mit ausgewählten Nutzer:innen (subjektiv wahrgenommene Veränderungen in Alltag, Beziehungen, Selbstwirksamkeit).
* Rückmeldungen von Kooperationspartner:innen (z. B. Beratungsstellen, Jugendamt) zu Qualität und Passung der Zuweisungen.

**Für Impact**

* Wiederkehrende qualitative Befragungen von Fachkräften und relevanten Akteuren (z. B. Szenekenntnis, Wahrnehmung von Veränderungen in bestimmten Communities/Plattformräumen).
* Langfristige, fallübergreifende Analyse der Fallvignetten und Verlaufsdaten, um Muster von Stabilisierung und Exklusionsreduktion zu erkennen.

**6. Querschnitt: Prinzipien und Qualitätsdimensionen**

* Niedrigschwelligkeit, Freiwilligkeit, Anonymität/Pseudonymität und Parteilichkeit für die Adressat:innen sind leitende Prinzipien und sollten auch in der Wirkungsmessung sichtbar bleiben (z. B. keine invasive Datenerhebung).
* Datenschutz und Datensparsamkeit sind konstitutiver Teil der Wirkungslogik; Evaluation darf nicht zu zusätzlicher Überwachung oder Stigmatisierung führen.
* Wirkungsorientierung ist mit Reflexivität verbunden: Team‑Reflexionen und qualitative Auswertungen sind nicht nur „Beweisführung“, sondern Teil der fachlichen Qualitätsentwicklung.

Wenn du möchtest, formuliere ich dir das im nächsten Schritt in eine komprimierte Tabelle (z. B. für einen Projektantrag oder das Evaluationskapitel) um – mit Spalten „Ebenen“, „Wirkungsziele“, „Indikatoren“, „Methoden“ (qualitativ/quantitativ).

| **Ebene** | **Wirkungsziele (Beispiele)** | **Indikatoren (Beispiele)** | **Methoden / Datenquellen (quantitativ & qualitativ)** |
| --- | --- | --- | --- |
| **Input** | Ausreichende fachliche und technische Ressourcen für kontinuierliche Online-Präsenz | Anzahl Stellen / Stundenanteile, Qualifikation der Fachkräfte, verfügbare Plattform-Accounts & Tools | Projektunterlagen, Stellenbeschreibungen, Technik-/Plattforminventar |
| **Aktivitäten** | Systematisches Monitoring und aufsuchende Kontaktarbeit in relevanten digitalen Räumen | Zahl der Monitoring-Zeiten/Sessions; genutzte Plattformen; Zahl der aktiven Accounts | Monitoring-Protokolle, Team-Logs, kurze Tätigkeitsberichte |
| **Output** | Digital Streetwork ist sichtbar und erreichbar für Zielgruppen | Anzahl Kontakte (DMs, Chats, Kommentare etc.); Anzahl unterschiedlicher erreichten Personen/Accounts; Zahl der Vermittlungen in andere Hilfen | Standardisierte Dokumentation (Kontaktstatistik), einfache Zählungen / Reports |
| **Kurzfristige Outcomes** | Entlastung, Orientierung und erhöhte Erreichbarkeit von Hilfe | Subjektive Entlastung („fühle mich weniger allein/überfordert“); Gefühl, über Optionen informiert zu sein | Kurze Feedbackbögen/Online-Formulare nach Beratung; qualitative Kurznotizen der Fachkräfte; ausgewählte Kurzinterviews mit Nutzer:innen |
| **Mittelfristige Outcomes** | Stabilisierung und verbesserter Zugang zu Hilfen | Aufgenommene Kontakte zu Beratungsstellen/Ämtern; Teilnahme an Angeboten; berichtete Veränderungen im Alltag | Verlaufsdokumentation (z. B. Übergaben, Begleitungen); Fallvignetten; leitfadengestützte Interviews mit Nutzer:innen und Kooperationspartner:innen |
| **Langfristiger Impact** | Reduktion von Exklusionsrisiken und Stärkung digitaler Unterstützungsstrukturen | Fallübergreifende Muster: mehr stabile Hilfebeziehungen, weniger wiederkehrende Krisen; wahrgenommene Verbesserung der Unterstützungslandschaft in bestimmten Online-Communities | Wiederkehrende qualitative Auswertungen (Fallverlaufssammlung, thematische Analyse); Expert:innen-Interviews; Netzwerkanalysen im Hilfesystem |

Spezifische Ressourcen, die genau dein Anliegen berühren könnten, wären weiter:

Camino‑Evaluation streetwork@online (Berlin) – explizite Reflexion über Grenzen anekdotischer Beispiele und den Versuch, qualitative Fallanalysen systematisch in die Wirkungsmessung einzubinden.camino-werkstatt

BeSiN‑Abschlussbericht – nutzt qualitative Inhaltsanalyse für Interviews und Beratungsdokumentation in der Online‑Streetwork, um Wirkungen und Herausforderungen zu rekonstruieren.bundesgesundheitsministerium

Evaluation „Streetwork im Europaviertel“ – Musterbeispiel für kombinierte Wirkungsanalyse (quantitative Ziele + qualitative Einschätzungen und Fallbeispiele).stadtbibliothek-stuttgart

Publikationen zur Evaluation in der Jugendsozialarbeit / Jugendarbeit (z. B. Expertise von Spiegel für das DJI, T‑Kit „Evaluation in der Jugendarbeit“, JSA‑Materialien) liefern gut übertragbare methodische Bausteine für qualitative Wirkungsmessung.jugendsozialarbeit+3

Fallsammlung Digital Streetwork (Minor, 2024) – explizite Fallsammlung mit anonymisierten Fällen aus Digital Streetwork, die sich für methodische Reflexion und als Vorbild für eigene Fallvignetten eignet.

## Was bräuchte es für die Erhebung der Wirkungslogiken?

### Erhebung von Wirkungslogiken in der Digital Streetwork

Wirkungslogiken zu erheben bedeutet, nicht nur zu fragen „Was haben wir getan?“, sondern „Was hat es bewirkt – und warum?” Das ist im Digital Streetwork besonders anspruchsvoll, weil Wirkungen oft unsichtbar, zeitverzögert oder schwer zurechenbar sind.

### 1. Was ist eine Wirkungslogik?

Eine Wirkungslogik – auch Theory of Change genannt – beschreibt den Zusammenhang zwischen der eigenen Arbeit und den angestrebten Veränderungen bei der Zielgruppe. Sie beantwortet die Frage: Wenn wir X tun, erwarten wir, dass Y passiert – weil Z. Beispiel: Wenn Fachkräfte regelmäßig in einer Discord-Community präsent sind und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, dann sinkt die Bereitschaft vulnerabler Jugendlicher, extremistischen Narrativen zu folgen – weil sie eine alternative, stabile Bezugsperson haben.

Diese Logik muss vor der Erhebung explizit gemacht werden. Was nicht vorab formuliert ist, kann später nicht sinnvoll gemessen werden. Dies findest du ausführlicher bei Phineo [[phineo](https://www.phineo.org/publikationen)] aufgeschlüsselt, anbei folgen zentrale Empfehlungen:

**Zentrale Empfehlungen von PHINEO zur Wirkung**

* Wirkungslogik/Theory of Change entwickeln: Ausgangslage, Zielgruppen, gewünschte Veränderungen (Outcomes) und dazugehörige Aktivitäten explizit machen, bevor du Kennzahlen und Methoden festlegst.
* Ziele klar und mehrstufig formulieren: Output (z. B. Anzahl Kontakte), kurzfristige Wirkungen (z. B. Entlastung, Orientierung), mittelfristige Wirkungen (z. B. Stabilisierung, Bildungs- oder Hilfezugang).
* Wirkung als Haltung verstehen, nicht als einmaliges Messprojekt: Reflexion, Lernen und Anpassung der Angebote sind zentrale Elemente,

**Empfehlungen zur Datenerhebung (quantitativ und qualitativ)**

* Kombination von quantitativen und qualitativen Daten („Wirkungsmix“): Kennzahlen zu Reichweite/Kontakten plus Fallbeispiele, Interviews, Feedbacks; PHINEO betont diesen Methodenmix in Kursbuch Wirkung / Social Impact Navigator.
* Klare Indikatoren definieren, die zur Wirkungslogik passen (nicht nur „was sich leicht messen lässt“).
* Einfache, zur Praxis passende Erhebungsinstrumente: kurze Feedbackbögen, strukturierte Verlaufsdokumentation, regelmäßige Reflexionsgespräche im Team.

**Empfehlungen zu Qualität, Lernen und Kommunikation**

* Wirkungsdaten für internes Lernen nutzen (Qualitätsentwicklung) und nicht nur für Förderlogik und Legitimation.
* Ergebnisse transparent, aber adressat\*innengerecht kommunizieren – inkl. Grenzen und Unsicherheiten der Messung.
* Kooperation und „Collective Impact“: Wirkungen entstehen häufig im Verbund; PHINEO empfiehlt, gemeinsame Wirkungsziele und abgestimmte Indikatoren in Netzwerken/Verbünden zu entwickeln.

Für dein Projekt könntest du PHINEOs Kursbuch Wirkung bzw. den Social Impact Navigator gut als Metarahmen nutzen und ihn dann mit feldspezifischen Standards aus Streetwork/Digital Streetwork (JFF, BeSiN, Länderstandards) verknüpfen

### 2. Das Grundproblem: Wirkung im digitalen Raum ist schwer fassbar

Digital Streetwork steht vor einem grundlegenden Erhebungsproblem:

* **Anonymität erschwert Zurechenbarkeit**: Wer anonym kommuniziert, lässt sich nicht langfristig verfolgen. Ob ein Kontakt tatsächlich etwas bewirkt hat, bleibt oft ungewiss
* **Klickzahlen sagen wenig**: Reichweite und Kontaktanzahl sind messbar, aber sie belegen keine inhaltliche Wirkung
* **Deradikalisierung ist kaum quantifizierbar**: Erfolge in der Extremismusprävention sind selten, langfristig und lassen sich nur schwer auf einzelne Interventionen zurückführen
* **Prävention beweist sich im Nicht-Eintreten**: Was verhindert wurde, ist per Definition schwer nachzuweisen

### 3. Mehrstufiges Wirkungsmodell entwickeln

Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, empfiehlt sich ein mehrstufiges Wirkungsmodell, das verschiedene Ebenen der Wirkung unterscheidet:

* **Output**: Was wurde getan? Anzahl der Kontakte, Beratungsgespräche, Posts, Events
* **Outcome**: Was hat sich bei den Adressat\*innen kurzfristig verändert? Vertrauen, Offenheit, Rückkehr zu Hobbys oder sozialen Kontakten, Inanspruchnahme von Hilfsangeboten
* **Impact**: Was sind längerfristige gesellschaftliche Wirkungen? Rückgang von Radikalisierung, gestärkte demokratische Teilhabe, verbesserte psychische Gesundheit

Dieses Modell macht - wie Phineo - deutlich, dass nicht alle Wirkungsebenen gleich gut messbar sind – und dass unterschiedliche Methoden für unterschiedliche Ebenen notwendig sind.

### 4. Methodenmix für die Erhebung

Keine einzelne Methode reicht aus, um Wirkungslogiken im Digital Streetwork vollständig zu erfassen. Sinnvoll ist ein Methodenmix:

* **Quantitative Erhebungen**: Kontaktstatistiken, Reichweitenanalysen, Anzahl der Beratungen und Weitervermittlungen – als Basisindikatoren
* **Qualitative Erhebungen**: Fallbeschreibungen, Gesprächsverläufe, Beobachtungsprotokolle – um inhaltliche Wirkungen sichtbar zu machen
* **Adressat\*innenperspektiven**: Anonyme Kurzbefragungen, Feedbackformate oder qualitative Interviews, sofern die Kontaktsituation das erlaubt
* **Fachkraftperspektiven**: Regelmäßige Reflexionsgespräche und Supervisionsprotokolle als Quelle für Wirkungsbeobachtungen aus der Praxis

Damit wird die Wirkung im digitalen Sozialraum und auf den Social Media Plattformen erhoben.

### 5. Wissenschaftliche Begleitforschung als Goldstandard

Für eine belastbare Erhebung von Wirkungslogiken reicht interne Evaluation allein nicht aus. Längere wissenschaftliche Begleitforschungsprojekte sind notwendig, um:

* Wirkungen über einen längeren Zeitraum zu erfassen
* Methodisch sauber zwischen Korrelation und Kausalität zu unterscheiden
* Erkenntnisse zu generieren, die über das einzelne Projekt hinaus verallgemeinerbar sind

Dabei ist die Einbeziehung der Perspektiven der Adressat\*innen besonders wichtig – nicht nur als Datenpunkt, sondern als ernstzunehmende Quelle für die Bewertung der eigenen Arbeit. Gerade für di

e Präventionswirkung, besonders im Bereich Extremismusprävention, sind solche längerfristigen Erhebungen unerlässlich.

### 6. Interne Voraussetzungen schaffen

Damit Wirkungslogiken überhaupt erhoben werden können, braucht es organisationsintern:

* **Klare Definitionen vorab**: Was gilt als erfolgreicher Kontakt? Was ist das angestrebte Ziel einer Intervention?
* **Dokumentationsroutinen**: Nur was dokumentiert wird, kann ausgewertet werden – datenschutzkonform, handhabbar und systematisch
* **Zeit und Ressourcen**: Wirkungserhebung kostet Zeit. Wenn Fachkräfte vollständig mit operativer Arbeit ausgelastet sind, bleibt Evaluation auf der Strecke. Hierfür müssen Kapazitäten eingeplant werden
* **Kontinuität**: Einmalige Erhebungen sind wenig aussagekräftig. Wirkungslogiken zeigen sich erst über Zeit – was wiederum auf das strukturelle Problem der kurzen Förderzyklen verweist

**Kurz gesagt:** Wirkungslogiken im Digital Streetwork zu erheben erfordert zunächst, sie explizit zu formulieren – also zu klären, welche Veränderung durch welche Intervention warum erwartet wird. Dann braucht es einen Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Ansätzen, die Einbeziehung der Adressat\*innenperspektive und idealerweise wissenschaftliche Begleitung. Wirkungen sollte sich auch immer nach wissenschaftlich festen Kriterien messen lassen. Ohne diese Strukturen bleibt Wirkungsmessung oberflächlich – und die Argumentation gegenüber Fördergebern schwach.

## Wo kriege ich Leute her, die den Master Soziale Arbeit und Digitalisierung abgeschlossen haben?

### Fachkräfte mit Qualifikation im Bereich Soziale Arbeit und Digitalisierung finden

Das ist eine berechtigte und praktisch sehr relevante Frage – denn der Arbeitsmarkt für spezialisierte Fachkräfte an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Digitalisierung ist noch überschaubar. Aber er wächst.

### 1. Die Ausgangslage: Ein junges Ausbildungsfeld

Medienkompetenz sind in pädagogischen Studiengängen bislang weitgehend eine Leerstelle. Das bedeutet: Absolvent\*innen mit explizitem Schwerpunkt auf Digitalisierung und Sozialer Arbeit sind rar – aber es gibt sie, und die Zahl der entsprechenden Studiengänge wächst.

### 2. Hochschulen mit relevantem Angebot

Folgende Hochschulen bieten bereits Studiengänge oder Schwerpunkte an, die diese Lücke füllen:

* **Hochschule München**
* **Duale Hochschule Baden-Württemberg**
* **Hochschule Jena**
* **Technische Hochschule Köln (TH Köln)**
* **Technische Hochschule Nürnberg (bieten auch Zusatzqualifikation als Onlineberater im grundständigen Studium an)**

Ein direkter Kontakt zu diesen Hochschulen – etwa über Lehrende, die im Bereich Digitalisierung und Soziale Arbeit forschen – kann ein sinnvoller erster Schritt sein, um Absolvent\*innen oder Studierende im Praxissemester zu erreichen.

### 3. Praktika und Praxissemester als Einstieg

Viele Studierende suchen Praxisstellen, die zu ihrem digitalen Schwerpunkt passen – und solche Stellen sind rar. Wer ein Digital-Streetwork-Projekt als Praxisort anbietet, hat gute Chancen, motivierte und vorinformierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Das bietet beiden Seiten etwas: Die Studierenden sammeln einschlägige Praxiserfahrung, der Träger gewinnt qualifizierte Unterstützung und potenzielle spätere Mitarbeitende.

### 4. Vernetzung in der Fachcommunity

Da das Feld klein ist, lohnt sich aktive Vernetzung:

* Die **Fachgruppe Soziale Arbeit und Digitalisierung der DGSA** (Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit) ist ein zentraler Anlaufpunkt – hier sind sowohl Wissenschaftler*innen als auch Praktiker*innen aktiv
* Fachtagungen zu Digital Streetwork oder digitaler Jugendhilfe sind Orte, an denen qualifizierte Fachkräfte und Nachwuchs zusammenkommen
* Bestehende Digital-Streetwork-Projekte – etwa der Amadeu Antonio Stiftung – können als Netzwerkknoten dienen, über die Kontakte zu qualifizierten Fachkräften entstehen

### 5. Wenn keine Spezialist\*innen verfügbar sind: Qualifikation intern aufbauen

Da der Arbeitsmarkt begrenzt ist, ist es realistisch, dass nicht immer Fachkräfte mit passendem Abschluss verfügbar sind. In diesem Fall empfiehlt sich ein pragmatischer Ansatz:

* Vorhandene Kompetenzen im Team systematisch erheben – wer bringt was mit?
* Lücken durch gezielte Einarbeitungs- und Weiterbildungsmaßnahmen schließen
* Zertifizierte Fortbildungen zu Online-Beratung, systemischer Beratung oder plattformspezifischen Themen als Qualifikationsweg nutzen
* Dabei Budget für diese Schulungen von Anfang an einplanen

**Kurz gesagt:** Absolvent\*innen mit Schwerpunkt Soziale Arbeit und Digitalisierung gibt es – sie kommen vor allem aus den Hochschulen in München, Karlsruhe bzw. Baden-Württemberg, Jena, Nürnberg und Köln. Direkter Kontakt zu diesen Hochschulen, das Angebot von Praxisstellen und aktive Vernetzung in der Fachcommunity sind die wirksamsten Wege. Wo spezialisierte Fachkräfte nicht verfügbar sind, lohnt es sich, in die interne Qualifikation zu investieren.

## Ist Digital Streetwork evidenzbasiert – bringt das wirklich was?

Eine ehrliche Antwort auf diese Frage lautet: Die Evidenzbasis ist vorhanden, aber noch begrenzt. Was es gibt, ist vielversprechend – aber die Forschung steckt noch in den Anfängen.

### 1. Was Evidenz im Kontext von Digital Streetwork bedeutet

Evidenzbasierung bedeutet, dass die Wirksamkeit einer Methode durch systematische Forschung belegt ist. Im Digital Streetwork ist das aus strukturellen Gründen schwierig: Das Feld ist jung, Projekte sind kurzfristig finanziert, und Wirkungen – gerade in der Prävention – zeigen sich oft erst langfristig und lassen sich kaum auf einzelne Interventionen zurückführen. Das bedeutet aber nicht, dass Digital Streetwork nicht wirkt – es bedeutet, dass die Forschung noch nicht aufgeholt hat.

### 2. Was bereits bekannt ist – und was es zeigt

Es gibt konkrete Belege dafür, dass Digital Streetwork Wirkungen erzielt:

* **Hohe Kontaktzahlen**: Bayerische Projekte berichten beispielsweise von über 5.600 Kontakten, davon rund 1.700 Beratungen – Zahlen, die analoge Streetwork-Angebote in vergleichbaren Zeiträumen kaum erreichen
* **Niedrigschwelliger Zugang**: Digital Streetwork erreicht Jugendliche, die klassische Angebote wie Jugendzentren nicht aufsuchen – etwa junge Menschen mit Einsamkeit, Ängsten oder psychischen Belastungen
* **Konkrete Fortschritte bei Adressat\*innen**: Dokumentiert sind Veränderungen wie die Rückkehr zu Hobbys, die Wiederaufnahme sozialer Kontakte oder die Vermittlung in Therapieplätze
* **Brückenfunktion**: Digital Streetwork schlägt nachweislich Brücken zu analogen Angeboten – von der Online-Beratung zur Therapie, vom digitalen Kontakt zur Offline-Unterstützung
* **Präventive Wirkung**: Es gibt Hinweise auf präventive Effekte gegen Radikalisierung und die Verbreitung von Falschinformationen – diese sind jedoch methodisch schwerer zu belegen

### 3. Warum die Evidenzbasis noch begrenzt ist

Die Lücken in der Forschung haben strukturelle Ursachen:

* **Kurze Projektlaufzeiten**: Jährliche Förderzyklen erlauben keine längerfristige Begleitforschung – Projekte enden, bevor Wirkungen sichtbar werden
* **Anonymität der Zielgruppe**: Wer anonym kommuniziert, lässt sich nicht langfristig verfolgen – das erschwert Längsschnittstudien erheblich
* **Fehlende Forschungsanbindung**: Viele Projekte arbeiten ohne wissenschaftliche Begleitung, wertvolles Praxiswissen wird nicht systematisch dokumentiert und geht verloren
* **Messungsprobleme**: Prävention beweist sich im Nicht-Eintreten – was verhindert wurde, ist per Definition schwer nachzuweisen

### 4. Was gebraucht wird, um die Evidenzbasis zu stärken

Um Digital Streetwork sowohl fachlich als auch politisch zu stärken, braucht es:

* **Längere Begleitforschungsprojekte**: Nicht nur kurzfristige, sondern auch längerfristig evaluative Erhebungen, die Wirkungen über Zeit erfassen
* **Systematische Forschungsanbindung**: Bestehende Projekte sollten aktiv mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen kooperieren
* **Einbeziehung der Adressat\*innenperspektive**: Wirkungsforschung, die nur auf Fachkraftbeobachtungen basiert, ist unvollständig – die Perspektive der Klient\*innen muss erhoben werden
* **Curriculare Verankerung**: Wenn Digitalisierung und Soziale Arbeit stärker in Studiengängen verankert werden, entsteht auch mehr Forschungskapazität im Feld

### 5. Was das für die Praxis bedeutet

Fehlende Vollständigkeit der Evidenz ist kein Argument gegen Digital Streetwork – sie ist ein Argument für bessere Forschungsstrukturen. In der Zwischenzeit gilt:

* Die vorhandene Evidenz ist positiv und rechtfertigt den Einsatz, sie basiert auf klaren etablierten Prinzipien der Profession Sozialer Arbeit
* Eigene Projekte sollten von Anfang an evaluativ begleitet werden, um zur Evidenzbasis und der Professionalisierung digitaler Sozialer Arbeit beizutragen
* Gegenüber Fördergebern lohnt es sich, die vorhandenen Belege aktiv zu nutzen und gleichzeitig auf die strukturellen Hindernisse für Wirkungsforschung hinzuweisen

**Kurz gesagt:** Ja, Digital Streetwork wirkt – das zeigen konkrete Projekterfahrungen und erste Forschungsergebnisse. Aber die Evidenzbasis ist noch dünn, weil das Feld jung ist, Projekte zu kurzfristig finanziert werden und systematische Begleitforschung weitgehend fehlt. Das ist kein Grund zur Skepsis gegenüber der Methode – aber ein klarer Auftrag, in Forschungsstrukturen zu investieren.

##

## Digital Streetwork – das Wichtigste auf einen Blick

### Ich möchte zusammenfassend, kurz und knackig das Wichtigste zur Digital Streetwork haben: “seit wann gibt es DS?”, “wer macht DS?”, “welche Standards sind wichtig?”, “was brauche ich für Digital Streetwork?”

### Seit wann gibt es Digital Streetwork?

Digital Streetwork ist eine vergleichsweise junge Methode, die mit der zunehmenden Verlagerung der Lebenswelten in digitale Räume entstanden ist. Eine einheitliche Gründungsgeschichte gibt es nicht – das Feld hat sich organisch entwickelt, parallel zur Ausbreitung von Social Media und Online-Communities. Erste professionelle Projekte entstanden im deutschsprachigen Raum in den 2010er Jahren als Adpation oder hybrider Ansatz von analogen Streetwork in das „Webwork“ hinein.

### Wer macht Digital Streetwork?

Das Spektrum ist breit – und das ist eines der zentralen Probleme des Feldes. Es reicht von:

* Ehrenamtlichen Einzelpersonen ohne einschlägige Qualifikation
* Pädagogisch ungeschultem Personal mit thematischen Fortbildungen
* Professionellen Fachkräften mit sozialpädagogischem Abschluss

Träger sind häufig zivilgesellschaftliche Organisationen, Wohlfahrtsverbände und spezialisierte Präventionsprojekte – etwa im Bereich Rechtsextremismus- oder Islamismusprävention. Eine der bekanntesten Akteurinnen im deutschsprachigen Raum ist die Amadeu Antonio Stiftung.

### Welche Standards sind wichtig?

Die wichtigsten fachlichen Standards lassen sich auf fünf Punkte verdichten:

* **Transparenz**: Klient\*innen müssen wissen, mit wem sie kommunizieren – verifizierte Accounts, klares institutionelles Profil, keine Verschleierung der professionellen Rolle
* **Niedrigschwelligkeit und Freiwilligkeit**: Kontakt entsteht ohne Druck, ohne Hürden, auf Augenhöhe
* **Datenschutz**: Ein trägerspezifisches Datenschutzkonzept für den digitalen Kontext ist unverzichtbar – allgemeine Konzepte aus stationären Angeboten reichen nicht
* **Pädagogisches Monitoring**: Systematische, kontinuierliche Beobachtung relevanter Plattformen und Communities als methodische Grundlage
* **Supervision und Reflexion**: Verbindliche Formate zum Schutz der Fachkräfte vor den spezifischen Belastungen des Feldes

### Was brauche ich für Digital Streetwork?

Auch hier gilt: Es braucht mehr als ein Smartphone und einen Instagram-Account. Das Minimum umfasst:

* **Qualifikation**: Sozialpädagogische Grundausbildung oder zertifizierte Fortbildungen in Beratung und zum jeweiligen Themenfeld – eingeplantes Budget für Schulungen ist Pflicht
* **Technik**: Dienstgeräte, datenschutzkonforme Kommunikations- und Dokumentationstools, ggf. plattformspezifische Hardware
* **Struktur**: Klare Konzeption mit Zielgruppendefinition, Plattformwahl und Wirkungslogik – sowie Supervisions- und Reflexionsformate von Anfang an
* **Zeit**: Beziehungsarbeit im digitalen Raum braucht Kontinuität – kurzfristige Projekte untergraben die eigene Wirkung, auch Nachhaltigkeit und die Etablierung von Ansprache im Netz ist zu berücksichtigen. Was passiert mit dme Account, wenn wir

**Kurz gesagt:** Digital Streetwork ist eine aufsuchende Methode der Sozialen Arbeit im digitalen Raum und ein neu etabliertes, eignes Arbeitsfeld, die professionelle Qualifikation, klare Standards und strukturelle Absicherung braucht – und die nachweislich Menschen in vulnerablen Lebenssituationen erreicht, die über klassische Angebote nicht erreichbar wären.

## Wie rechtfertigen wir fachlich, dass wir ein lokales Angebot sind? Wie lässt sich ein lokales Digital-Streetwork-Angebot fachlich rechtfertigen? Was sind strukturelle Herausforderungen in der Finanzierung von DS?

Das ist eine der schwierigsten strukturellen Fragen im Feld – weil hier ein echter Widerspruch besteht, der sich nicht vollständig auflösen lässt. Aber er lässt sich begründen und pragmatisch handhaben.

### 1. Der strukturelle Widerspruch

Das Internet kennt keine Grenzen – weder nationale noch regionale. Die Zielgruppe strukturiert sich im Netz nicht nach Postleitzahl, sondern nach Sprache, Interessen und Community-Zugehörigkeit. Ein Jugendlicher aus Stuttgart bewegt sich in denselben Discord-Servern und TikTok-Kommentarspalten wie einer aus Hamburg oder Wien.

Die Förderarchitektur denkt jedoch regional: Ein Projekt aus Stuttgart soll – zumindest dem Anspruch der Fördergeber nach – primär Adressat\*innen aus Stuttgart beraten. Das steht in fundamentalem Widerspruch zum sprachbasierten, grenzenlos vernetzten Charakter des Internets.

### 2. Wie sich ein lokales Angebot dennoch fachlich begründen lässt

Trotz dieses Widerspruchs gibt es legitime fachliche Argumente für ein lokal verankertes Angebot:

* **Lebensweltliche Anschlussfähigkeit**: Ein lokales Projekt kennt die regionalen Gegebenheiten – lokale Schulen, Jugendzentren, Beratungsstellen, politische Entwicklungen vor Ort. Das ermöglicht eine gezieltere Ansprache und bessere Weitervermittlung in lokale Offline-Angebote
* **Brückenfunktion in Offline-Angebote**: Gerade wenn das Ziel ist, Online-Kontakte in analoge Unterstützung zu überführen – etwa Therapieplätze, Beratungsstellen oder Jugendhilfe –, ist lokale Verankerung ein echter Vorteil. Wer lokal arbeitet, kennt das Hilfesystem vor Ort
* **Community-Bezug**: Lokale Online-Strukturen existieren – regionale Facebook-Gruppen, lokale Discord-Server, stadtteilbezogene Netzwerke. Hier kann ein lokales Projekt authentisch und gezielt agieren
* **Kooperation mit lokalen Akteuren**: Ein regional verankertes Projekt kann enger mit Schulen, Jugendämtern und anderen Trägern vor Ort kooperieren – das stärkt die Wirkung und die Nachhaltigkeit

### 3. Die Einschränkung benennen

Fachlich integer ist es, gegenüber Fördergebern als auch der Leitung/Geschäftsführung transparent zu machen, wo die Grenzen eines lokalen Ansatzes liegen:

* Die Anonymität des Internets macht es unmöglich, mit Sicherheit zu wissen, ob ein Kontakt wirklich aus der eigenen Förderregion stammt
* Ein Großteil der Zielgruppe bewegt sich auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Twitch, die kaum regionale Strukturierungsmöglichkeiten bieten
* Wer einen Jugendlichen in einer akuten Krise erreicht, wird – und sollte – nicht fragen, wo er wohnt. Es ist möglich auf Grund von bestimmten Parametern Rückschlüsse zuziehen, wenn die Person selbst die Information gibt. Zentral ist, dass die Person entscheidet, ob und wann sie die Information mit dem DS teilen möchte - nicht auf akuter Nachfrage hin. Ein zentrales Professionalitätsprinzip des DS ist die Wahrung von Anonymität.

Diese Einschränkungen sind keine Schwäche des Projekts, sondern eine strukturelle Realität des digitalen Raums, die offen kommuniziert werden sollte.

### 4. Praktische Strategien für regional gefördertes Arbeiten

Wenn die Förderarchitektur regional bleibt, gibt es trotzdem Wege, möglichst zielgerichtet regional zu arbeiten:

* **Plattformen mit lokaler Strukturierung nutzen**: Plattformen wie **Jodel** ermöglichen standortbasierte Kommunikation und sind daher besonders gut für regional geförderte Projekte geeignet
* **Regionale Gruppen und Strukturen aufsuchen**: Auf Facebook/Reddit/Discord gibt es regional aktive Gruppen, in denen aufsuchend gearbeitet werden kann
* **Eigene Community aufbauen**: Fachkräfte können eigene regionale Gruppen oder Kanäle erstellen, die gezielt lokale Themen und Bezüge aufgreifen – sogenanntes Community-Building mit regionalem Fokus
* **Lokale Themen und Ereignisse aufgreifen**: Inhalte, die auf lokale Entwicklungen, Ereignisse oder politische Debatten vor Ort eingehen, sprechen die regionale Zielgruppe gezielter an als allgemeine Inhalte

### 5. Was sich strukturell ändern müsste

Langfristig ist eine Finanzierung notwendig, die die Internationalität und Sprachbasierung des Internets berücksichtigt – etwa durch bundesweite oder DACH-weite Förderstrukturen, die Digital Streetwork als eigenständige Kategorie jenseits regionaler Logiken anerkennen. Auch eine gemeinsame Datenbank (für Verweis in den Offlineraum hinein oder auch an lokale beratungs-und therapiestukturen), sowie regelmäßiger Austsuch und Netztwerke sind wichtig.

Das ist eine politische Forderung, die das Feld gegenüber Fördergebern und politischen Entscheidungsträgern aktiv vertreten sollte.

**Kurz gesagt:** Ein lokales Digital-Streetwork-Angebot lässt sich fachlich rechtfertigen – über die Brückenfunktion in lokale Offline-Angebote, die Kenntnis regionaler Strukturen und die Nutzung lokal strukturierter Plattformen. Gleichzeitig muss ehrlich kommuniziert werden, dass das Internet keine regionalen Grenzen kennt – und dass die Förderlogik dem Charakter der Arbeit strukturell nicht gerecht wird.

## Wie weise ich gegenüber Geldgebern nach, dass ich regional Menschen erreicht habe? Wie bekomme ich mein Projekt ggf. weiterfinanziert, was für Vorbereitungen muss ich dafür treffen? Was sind strukturelle Herausforderungen in der Finanzierung von DS?

Das ist eine der praktisch drängendsten Fragen im Feld – und eine, auf die es keine perfekte Antwort gibt. Aber es gibt Strategien, die helfen, den Nachweis so überzeugend wie möglich zu gestalten.

### 1. Die Ausgangslage und seine Limitationen

Vorab muss klar sein: Ein lückenloser Nachweis, dass alle erreichten Personen aus der Förderregion stammen, ist im digitalen Raum strukturell nicht möglich. Die Anonymität des Internets verhindert das – und das sollte gegenüber Geldgebern transparent kommuniziert werden. Wer das von Anfang an offen benennt, ist glaubwürdiger als wer so tut, als ob regionale Zurechenbarkeit kein Problem wäre. Ebenso ist die Wahrung von Anonymität ein Standard des Digital Streetworks - hier wird auch das Pirnzip der anonymen Angeboten der Sozialen Arbeit und Beratung wird Anonymität als Schutz- und Vertrauensprinzip verstanden: Ratsuchende müssen ihre Identität ganz oder teilweise nicht preisgeben, während Inhalte durch Schweigepflicht und Datenschutz abgesichert sind. Für feministisch geprägte Beratungsstellen und Krisenangebote (z.B. Frauennotrufe, Telefonseelsorge, „Kein Täter werden“) gilt Anonymität explizit als Bedingung, um Stigmatisierungsängste zu reduzieren und eine niedrigschwellige Inanspruchnahme zu ermöglichen - nur werden Zielgruppen erreicht, die hard to reach und vulnerabel sind.

Studien zu schriftbasierter Onlineberatung zeigen, dass Ratsuchende unter anonymen Bedingungen eher heikle Inhalte (Sexualität, Gewalt, psychische Krisen) ansprechen, die sie im persönlichen Kontakt zurückhalten würden. Gleichzeitig wird betont, dass Anonymität ambivalent ist: Sie erleichtert den Zugang, erschwert aber im Krisenfall klare Meldewege und kann mit rechtlichen Grenzen (Meldepflichten, Kindeswohlgefährdung) kollidieren.

### 2. Plattformen mit regionaler Strukturierung bevorzugen

Der wirksamste Hebel ist die gezielte Nutzung von Plattformen, die regionale Kommunikation ermöglichen:

* **Jodel** ist standortbasiert und erlaubt es, gezielt mit Nutzer\*innen aus einer bestimmten Stadt oder Region zu kommunizieren – damit ist regionale Zurechenbarkeit am ehesten nachweisbar
* **Facebook-Gruppen und Reddit-Threads** mit regionalem Bezug – etwa Gruppen für bestimmte Stadtteile, lokale Jugendforen oder regionale Interessengruppen – ermöglichen aufsuchendes Arbeiten mit erkennbarem regionalem Fokus
* **Eigene regionale Kanäle und Gruppen** aufbauen: Wer eine eigene Community mit explizitem regionalem Bezug aufbaut – etwa „Jugendberatung Hamburg” – zieht tendenziell lokale Nutzer\*innen an und kann das als Beleg nutzen

### 3. Regionale Indikatoren systematisch dokumentieren

Auch ohne lückenlose Zurechenbarkeit lassen sich regionale Belege sammeln:

* **Selbstauskünfte der Adressat\*innen**: Wenn Jugendliche im Gespräch lokale Bezüge nennen – Schulen, Stadtteile, lokale Ereignisse –, sollte das dokumentiert werden. Das ist kein Beweis, aber ein Indiz.
* **Plattformanalysen**: Manche Plattformen liefern grobe geografische Daten über die Reichweite von Posts oder Accounts – etwa Instagram Insights oder TikTok Analytics. Diese Daten sind nicht präzise, können aber zeigen, dass ein erheblicher Anteil der Reichweite aus der Förderregion stammt
* **Verweise auf lokale Angebote**: Wenn Fachkräfte in Gesprächen gezielt auf lokale Hilfsangebote verweisen und Weitervermittlungen in regionale Strukturen dokumentieren, ist das ein starkes Indiz für regionalen Wirkungskreis
* **Kooperationen mit lokalen Akteuren dokumentieren**: Gemeinsame Aktionen mit lokalen Schulen, Jugendzentren oder Beratungsstellen sind ein nachvollziehbarer Beleg für regionale Verankerung

### 4. Regionale Themen und Ereignisse als Anker nutzen

Inhalte, die explizit auf lokale Themen eingehen – kommunale Politik, regionale Ereignisse, lokale Probleme wie Wohnungsnot oder Schulkonflikte –, sprechen die regionale Zielgruppe gezielter an und machen die regionale Ausrichtung des Projekts nach außen sichtbar. Das ist sowohl methodisch sinnvoll als auch argumentativ nützlich gegenüber Geldgebern.

### 5. Wirkung statt Herkunft in den Vordergrund stellen

Wenn der regionale Nachweis strukturell begrenzt bleibt, lohnt es sich, die Argumentation gegenüber Geldgebern zu verschieben: weg von der Frage „Woher kommen die Adressat\*innen?” hin zur Frage „Welchen Nutzen hat die Region von diesem Angebot?”

* Ein Jugendlicher, der durch Digital Streetwork stabilisiert wird und in eine lokale Therapie vermittelt wird, entlastet das regionale Hilfesystem – unabhängig davon, ob seine Postleitzahl zur Förderregion gehört
* Prävention von Radikalisierung oder psychischen Krisen hat gesellschaftliche Wirkungen, die sich nicht regional begrenzen lassen – das ist ein Argument, das Geldgeber verstehen sollten

### 6. Das strukturelle Problem benennen – und politisch nutzen

Letztlich ist die Unmöglichkeit eines lückenlosen regionalen Nachweises kein Versagen des Projekts, sondern ein strukturelles Problem der Finanzierngsstruktur. Es lohnt sich, das gegenüber Geldgebern klar zu benennen – nicht als Entschuldigung, sondern als fachliches Argument für eine Weiterentwicklung der Förderlogik. Wer diesen Widerspruch gut dokumentiert und kommuniziert, leistet gleichzeitig einen Beitrag zur politischen Debatte über eine sinnvollere Finanzierungsstruktur für Digital Streetwork.

**Kurz gesagt:** Ein lückenloser regionaler Nachweis ist im digitalen Raum nicht möglich – das muss transparent kommuniziert werden. Was möglich ist: regionale Plattformen bevorzugen, regionale Indizien systematisch dokumentieren, Weitervermittlungen in lokale Angebote belegen und die Argumentation auf regionalen Nutzen statt regionaler Herkunft aufbauen. Und wo die Förderlogik strukturell nicht passt, sollte das offen als politisches Problem benannt werden.

## Auf welchen Plattformen kann ich am besten regional arbeiten? Was muss ich auf Instagram beachten? Wie gehe ich da geschickt vor?

Die Plattformwahl ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen im Digital Streetwork – und für regional gefördertes Arbeiten gilt das noch mehr. Das Erreichen der spezifischen Zielgruppe ist meist das ausschlagebende KriteriumDie ehrliche Ausgangslage: Die meisten der reichweitenstarken Plattformen sind für regionale Arbeit nur bedingt geeignet. Aber es gibt Ausnahmen und Strategien.

### 1. Plattformen mit realer regionaler Strukturierung

Jodel Jodel ist die am stärksten standortbasierte Plattform und damit für regional gefördertes Digital Streetwork besonders geeignet. Beiträge und Kommunikation sind an den aktuellen Standort der Nutzer\*innen gebunden – wer in Hamburg postet, erreicht primär Menschen in Hamburg. Das macht Jodel zur einzigen gängigen Plattform, auf der regionale Zurechenbarkeit methodisch wirklich greifbar ist. Nachteil: Jodel ist nicht auf allen Altersgruppen gleich stark verbreitet und hat eine spezifische Kommunikationskultur, die Fachkräfte kennen und verstehen müssen.

Facebook-Gruppen Facebook bietet über seine Gruppenfunktion die Möglichkeit, regional aktive Online-Strukturen aufzusuchen – etwa Gruppen für bestimmte Stadtteile, lokale Jugendforen, Elterngruppen oder Interessengemeinschaften mit regionalem Bezug. Fachkräfte können hier aufsuchend arbeiten oder eigene regionale Gruppen aufbauen. Vorteil: Die regionale Verortung ist oft explizit im Gruppenname oder -zweck verankert. Nachteil: Facebook verliert bei jüngeren Zielgruppen an Relevanz, für den Bereich Migration ist dieser aber nach wie vor Relevant, möglicherweise auch andere Zielgruppen.

### 2. Plattformen mit eingeschränkten regionalen Möglichkeiten

Instagram Instagram bietet über Standort-Tags, lokale Hashtags und Stories mit Ortsmarkierung gewisse Möglichkeiten zur regionalen Ansprache. Wer konsequent lokale Hashtags nutzt – etwa #JugendHamburg oder #BeratungBremen – und auf lokale Themen eingeht, kann eine tendenziell regionale Reichweite aufbauen. Allerdings funktioniert Instagram primär netzwerkbasiert und algorithmisch, nicht geografisch. Eine verlässliche regionale Zurechenbarkeit ist hier kaum möglich.

TikTok TikTok ermöglicht schnelle Reichweite, ist aber stark algorithmusgesteuert und kaum regional steuerbar. Inhalte können viral gehen – dann aber weit über die Förderregion hinaus. Für regionale Arbeit ist TikTok daher nur bedingt geeignet, kann aber als ergänzender Kanal sinnvoll sein, wenn lokale Themen gezielt aufgegriffen werden.

WhatsApp und Messenger-Dienste Über WhatsApp-Gruppen oder Community-Funktionen lassen sich regionale Gruppen aufbauen – etwa in Kooperation mit lokalen Schulen oder Jugendzentren, die den Erstkontakt herstellen. Der Vorteil: Wer über eine lokale Institution in eine WhatsApp-Gruppe gelangt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Region. Nachteil: Datenschutzrechtliche Fragen müssen vorab sorgfältig geklärt werden. Es empfiehlt sich momentan ein Whatsapp- Buisness Account anzulegen (bezahlt), dieser ist nach aktueller Lage DSGVO Konform. Bitte überprüfe diese Information selbst aktiv, zu dem Zeitpunkt, wo du sie abbrufst.

### 3. Plattformen, die für regionale Arbeit wenig geeignet sind

Twitch und Gaming-Plattformen Diese Plattformen strukturieren sich nach Interessen und Communities, nicht nach Geografie. Regionale Zurechenbarkeit ist hier kaum herstellbar. Sie sind dennoch relevant für bestimmte Zielgruppen – aber nicht als Instrument regionaler Arbeit.

Discord Discord eignet sich hervorragend für Community-Management und Beziehungsarbeit, aber ebenfalls nicht für regional strukturiertes Arbeiten. Server sind thematisch oder community-basiert, nicht geografisch. Ausnahme: Wenn lokale Institutionen eigene regionale Discord-Server betreiben.

Reddit Reddit ist thematisch strukturiert und für politische Inhalte algorithmisch ohnehin benachteiligt. Für regionale Arbeit kaum geeignet, eher sehr spezifisch in der Zielgruppe

#### Regionale Nischenplattformen

Darüber hinaus können bestimmte Nischenplattformen regionale Ausprägungen und Anknüpfungspunkte bieten- bitte überprüfe diese in einer Onlinemonitoring und Sozialraumanalyse vorab.

### 4. Die eigene regionale Community aufbauen

Unabhängig von der Plattformwahl ist Community-Building mit regionalem Fokus eine wirksame Strategie: Fachkräfte erstellen eigene Kanäle, Gruppen oder Accounts mit explizitem regionalem Bezug – etwa „Jugendberatung Magdeburg” oder „Streetwork Hamburg Online”. Das zieht tendenziell lokale Nutzer\*innen an, macht die regionale Ausrichtung nach außen sichtbar und erleichtert den Nachweis gegenüber Geldgebern, als auch den Adressat\*innen der Arbeit.

### 5. Die strukturelle Einschränkung bleibt

Auch mit der besten Plattformstrategie bleibt ein strukturelles Problem bestehen: Der Großteil der jugendlichen Zielgruppe ist auf Instagram, TikTok und Twitch aktiv – Plattformen, die regional kaum steuerbar sind. Wer ausschließlich auf regionalen Plattformen arbeitet, erreicht möglicherweise nicht die Kernzielgruppe. Hier muss projektintern abgewogen werden, ob regionale Nachweisbarkeit oder Zielgruppenerreichbarkeit Vorrang hat – und ob beides in einem hybriden Ansatz kombiniert werden kann.

**Kurz gesagt:** Jodel ist die einzige Plattform mit echter, auf Geodaten basierten regionaler Strukturierung. Facebook-Gruppen bieten ebenfalls regionale Möglichkeiten. Instagram und TikTok lassen sich durch lokale Inhalte und Hashtags begrenzt regional ausrichten, sind aber algorithmisch nicht regional steuerbar. Eigenes Community-Building mit regionalem Fokus ist plattformübergreifend die wirksamste Strategie – und gleichzeitig der überzeugendste Nachweis gegenüber Geldgebern.

## Wie erreiche ich mit möglichst wenig Aufwand Menschen aus meiner regional geförderten Zielgruppe?

Eine pragmatische Frage – und eine, die im Alltag vieler Projekte zentral ist, gerade wenn Ressourcen knapp sind. Die Antwort ist: Effizienz im Digital Streetwork entsteht nicht durch weniger Arbeit, sondern durch Fokussierung und Vernetzung.

### 1. Bestehende lokale Strukturen nutzen statt neu aufbauen

Der aufwändigste Weg ist, von null anzufangen. Der effizienteste Weg ist, dort einzusteigen, wo die Zielgruppe bereits organisiert ist:

* **Bestehende regionale Social-Media-Gruppen (bspw. bei Reddit, Facebook, Telegram etc.)** aufsuchen, in denen sich Jugendliche oder junge Erwachsene aus der Region bereits austauschen – etwa Stadtteiltreffs, lokale Jugendforen oder thematische Gruppen mit regionalem Bezug
* **Kooperationen mit lokalen Institutionen** nutzen: Schulen, Jugendzentren, Beratungsstellen oder Jugendämter haben oft bereits Zugang zur Zielgruppe und können den Erstkontakt herstellen – etwa über WhatsApp-Gruppen, Schul-Accounts oder lokale Newsletter
* **Lokale Multiplikator\*innen einbeziehen**: Lehrkräfte, Sozialarbeiter\*innen vor Ort oder Jugendliche, die selbst in der Community aktiv sind, können als Brücke zur Zielgruppe dienen

### 2. Jodel als ressourceneffiziente Plattform für regionale Arbeit

Jodel ist standortbasiert und damit die Plattform, auf der regionale Erreichbarkeit mit dem geringsten Streuverlust möglich ist. Wer hier aktiv ist, kommuniziert automatisch mit Menschen aus der eigenen Region – ohne aufwändige Zielgruppensteuerung. Für regional geförderte Projekte mit begrenzten Ressourcen ist Jodel daher besonders attraktiv.

### 3. Wenige Plattformen – aber die richtig bespielen

Der häufigste Fehler ressourcenschwacher Projekte ist, zu viele Plattformen gleichzeitig zu bespielen und dabei überall nur oberflächlich präsent zu sein. Das kostet viel Zeitressourcen und bringt wenig. Besser ist:

* **Eine oder zwei Plattformen wählen**, die zur Zielgruppe passen – und diese wirklich gut bespielen
* **Regelmäßigkeit vor Quantität**: Eine verlässliche, kontinuierliche Präsenz wirkt mehr als sporadisch viele Posts
* **Plattformspezifische Stärken nutzen**: Auf Instagram etwa Storys und Reels mit lokalem Bezug, auf Facebook gezielte Gruppenarbeit

### 4. Lokale Themen als Türöffner

Inhalte, die explizit auf lokale Themen, Ereignisse oder Debatten eingehen, erreichen die regionale Zielgruppe mit deutlich weniger Streuverlust als allgemeine Inhalte:

* Lokale politische Entwicklungen aufgreifen
* Auf regionale Ereignisse reagieren – Stadtfeste, Schulkonflikte, kommunale Entscheidungen
* Regionale Hashtags und Ortsmarkierungen konsequent nutzen

Das erfordert keine aufwändige Content-Produktion, sondern vor allem Aufmerksamkeit für das, was vor Ort passiert und ein kontinuierliches Monitoring.

### 5. Eigene Community mit regionalem Fokus aufbauen

Wer eine eigene Gruppe oder einen eigenen Kanal mit explizitem regionalem Bezug aufbaut – etwa „Jugendberatung [Stadtname]”, investiert einmalig mehr Aufwand, spart aber langfristig: Die Community zieht tendenziell lokale Nutzer\*innen an, wächst organisch und reduziert den Streuverlust dauerhaft. Gleichzeitig ist eine eigene Community der überzeugendste Nachweis gegenüber Geldgebern.

### 6. Einschränkung und Limitationen des Ansatzes

Digital Streetwork mit sehr wenig Aufwand zu betreiben birgt ein grundsätzliches Risiko: Beziehungsarbeit im digitalen Raum braucht Zeit und Kontinuität. Wer zu stark auf Effizienz setzt, gefährdet genau das, was Digital Streetwork wirksam macht – nämlich verlässliche, vertrauensvolle Präsenz. Der Anspruch, mit möglichst wenig Aufwand zu arbeiten, ist verständlich – sollte aber nicht dazu führen, dass Beziehungsarbeit zur reinen Reichweitenstrategie verkommt. Hier muss klar zwischen Spcial media Mangement und pädagogischen Erziehunsgarbeit diffenreziert werden.

**Kurz gesagt:** Der effizienteste Weg zur regionalen Zielgruppe führt über bestehende lokale Strukturen, Jodel als standortbasierte Plattform, wenige aber gut bespielte Kanäle und Inhalte mit lokalem Bezug. Eigenes Community-Building mit regionalem Fokus ist aufwändiger am Anfang, zahlt sich aber langfristig aus – fachlich und gegenüber Geldgebern.

## Wie erreiche ich meine Zielgruppe für Digital Streetwork? Wie kann ich die jungen Menschen im Netz gut aufsuchend erreichen? Was muss ich hierzu wissen? Wie finde ich meine Zielgruppe, was muss ich dafür tun? Wie begegne ich den jungen Leuten? Wie kann ich Jugendliche gut beteiligen? Wie erreiche junge Menschen und welchen Themen haben Jugendliche online? Wie gestalte ich Beziehung im digitalen Raum? Was ist für meine Klient\*innen wichtig?

Die Frage nach der Zielgruppenerreichbarkeit ist eine der zentralsten im Digital Streetwork – und gleichzeitig eine, die keine einfache Antwort hat. Denn Erreichbarkeit ist kein technisches Problem, sondern ein pädagogisches.

### 1. Grundprinzip: Hingehen, wo die Zielgruppe ist

Digital Streetwork ist aufsuchende Arbeit – das bedeutet, Fachkräfte gehen aktiv dorthin, wo sich Jugendliche aufhalten, und warten nicht darauf, dass diese von sich aus Kontakt aufnehmen. Das klingt selbstverständlich, hat aber weitreichende Konsequenzen:

* Die Plattformwahl richtet sich nach der Zielgruppe – nicht nach dem, was organisatorisch bequem ist
* Die Präsenzzeiten richten sich danach, wann die Zielgruppe aktiv ist – nicht nach üblichen Bürozeiten
* Die Sprache, der Ton und die Inhalte orientieren sich an der Lebenswelt der Jugendlichen – nicht an institutionellen Kommunikationsstandards

### 2. Pädagogisches Monitoring als Voraussetzung

Bevor Fachkräfte aktiv auf die Zielgruppe zugehen können, müssen sie wissen, wo diese sich aufhält und was sie bewegt. Pädagogisches Monitoring – die systematische, kontinuierliche Beobachtung relevanter Plattformen, Gruppen, Hashtags und Trends – ist daher keine optionale Vorbereitung, sondern methodische Grundvoraussetzung. Konkret bedeutet das:

* Relevante Plattformen, Gruppen und Communities regelmäßig beobachten
* Themen, Narrative und Akteur\*innen identifizieren, die die Zielgruppe bewegen
* Veränderungen in der Mediennutzung der Zielgruppe kontinuierlich verfolgen – denn was heute gilt, kann morgen schon überholt sein

### 3. Lebensweltorientierung als Schlüssel

Zugang zur Zielgruppe entsteht nicht durch institutionelle Sichtbarkeit, sondern durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen. Die wirksamsten Zugänge entstehen über lebensweltliche Themen:

* Körperbild und Selbstwert
* Einsamkeit und soziale Isolation
* Mentale Gesundheit und psychische Belastungen
* Mobbing und Diskriminierungserfahrungen
* Rassismus, Kriegsangst, gesellschaftliche Unsicherheit

Wer glaubwürdig und auf Augenhöhe in diese Themen einsteigt, schafft Vertrauen – bevor die eigene professionelle Rolle überhaupt explizit gemacht werden muss.

### 4. Content-Produktion als pädagogische Methode und Mittel der Beziehungsanbahnung

Content ist kein Selbstzweck und keine bloße Öffentlichkeitsarbeit – er ist eine genuine pädagogische Methode zur Kontaktanbahnung. Inhalte, die an den Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Dabei gilt:

* **Authentizität ist erlernbar**: Es geht nicht darum, möglichst jugendlich zu wirken, sondern darum, ehrlich, konsistent und auf Augenhöhe zu kommunizieren
* **Format folgt Plattform**: Was auf TikTok funktioniert, funktioniert nicht auf Discord – jede Plattform hat eigene Kommunikationsnormen, die verstanden und respektiert werden müssen
* **Regelmäßigkeit vor Perfektion**: Eine verlässliche, kontinuierliche Präsenz ist wirksamer als sporadisch perfekte Inhalte

### 5. Plattformwahl gezielt treffen

Nicht jede Plattform eignet sich für jede Zielgruppe gleich gut:

* **TikTok und Instagram**: Für allgemeine psychosoziale Themen und breite Zielgruppen – hohe Reichweite, aber wenig Kontrolle über den Algorithmus
* **Discord**: Für Community-Management und langfristige Beziehungsarbeit – besonders geeignet für Gaming-affine Jugendliche
* **Twitch**: Für Gaming-Communities – erfordert sehr kurze, pointierte Interventionen aufgrund der schnell scrollenden Chats
* **Facebook-Gruppen**: Für ältere Zielgruppen oder regional strukturierte Communities
* **Jodel**: Für regional geförderte Projekte mit Fokus auf lokale Erreichbarkeit

### 6. Zeitliche Präsenz anpassen

Jugendliche sind nicht zu Bürozeiten online. Digital Streetwork muss dort präsent sein, wann die Zielgruppe aktiv ist – abends, am Wochenende, in den Schulferien. Das hat unmittelbare Konsequenzen für Arbeitszeitmodelle, die institutionell und arbeitsrechtlich abgesichert sein müssen. Wer nur zu regulären Arbeitszeiten online ist, verpasst einen Großteil der relevanten Kommunikation. Es gilt also: gerade dann präsent sein, wenn die Jugendlichen bzw. die Zielgruppe Freizeit hat!

### 8. Vertrauen braucht Zeit

Der vielleicht wichtigste Hinweis: Zielgruppenerreichbarkeit ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Vertrauen entsteht durch wiederholte, verlässliche Präsenz – nicht durch einen einzelnen Post oder eine einzelne Intervention. Projekte, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden, hinterlassen Jugendliche, die gelernt haben, dass Hilfsangebote nicht verlässlich sind. Kontinuität ist daher nicht nur methodisch sinnvoll, sondern berufsethisch geboten.

**Kurz gesagt:** Die Zielgruppe zu erreichen beginnt mit systematischem Monitoring, das zeigt, wo sie sich aufhält und was sie bewegt. Der Schlüssel ist dann glaubwürdige, lebensweltorientierte Präsenz – in den richtigen Plattformen, zur richtigen Zeit, mit den richtigen Themen. Aufsuchende Arbeit und eigene Komm-Strukturen ergänzen sich dabei. Und alles braucht eines vor allem: Zeit und Kontinuität.

## Welchen Content muss ich machen, um meine Zielgruppe zu erreichen? Wie stelle ich mein Team auf, dass es die Plattformen effektiv bespielt? Was müssen meine Mitarbeitenden über die Plattformen wissen? Was muss ich auf Instagram beachten?

Content-Produktion im Digital Streetwork ist keine Frage des persönlichen Geschmacks oder der kreativen Laune – sie ist eine pädagogische Methode mit einem klaren Ziel: Vertrauen aufbauen und Kontakt anbahnen.

### 1. Grundprinzip: Content folgt Lebenswelt

Der wirksamste Content ist nicht der aufwändigste oder der kreativste – sondern der, der an den tatsächlichen Themen, Fragen und Bedürfnissen der Zielgruppe andockt. Jugendliche reagieren nicht auf institutionelle Kommunikation, sondern auf Inhalte, die sie in ihrer Lebenswirklichkeit abholen. Das bedeutet:

* Themen wählen, die Jugendliche wirklich bewegen – nicht Themen, die Fachkräfte für wichtig halten
* In einer Sprache kommunizieren, die zur Plattform und zur Community passt
* Auf aktuelle Trends, Debatten und Ereignisse reagieren – nicht nur vorgeplante Inhalte posten – die Mischung macht es
* Content Creation und die Beziehungsarbeit anteilig ins Verhältnis setzen bei der Planung z.B. 20% Content Creation und 80% für die Interaktion einplanen. Es gehen besipielsweise auch 40%- 60% Verhältnisse. Die Unterscheidung der beiden sollte deutlich sein – Digital Streetwork steht für die bezihungarbeit
* Content wird teilweise auch nur als Legitimierung und Vorstellung des Profil und der digital Streetwork Arbeit genutzt – damit von außen klar ist um was es sich bei dem Angebot handlet und wer hinter dem Account stckt.

### 2. Welche Themen funktionieren

Besonders wirksam sind Themen, die im Offline-Kontext – in Schule, Familie oder unter Peers – kaum Raum finden, im Netz aber stark präsent sind:

* **Mentale Gesundheit**: Einsamkeit, Ängste, Depressionen, Überforderung – das sind die Themen, über die Jugendliche online am offensten sprechen
* **Körperbild und Selbstwert**: Besonders auf visuellen Plattformen wie Instagram und TikTok hochrelevant
* **Mobbing und Diskriminierung**: Rassismus, Ausgrenzung, Hate Speech – Themen, die viele Jugendliche direkt betreffen
* **Gesellschaftliche Unsicherheit**: Kriegsangst, Klimakrise, politische Polarisierung – viele Jugendliche tragen diese Themen mit sich, ohne Gesprächspartner\*innen zu haben
* **Alltagsfragen und Orientierung**: Ausbildung, Zukunftsperspektiven, Beziehungen – niedrigschwellige Themen, die Einstiegspunkte für tiefere Gespräche schaffen

Diese Themen sind keine Schwerpunkte, die Fachkräfte von außen setzen – sie sind das Ergebnis von pädagogischem Monitoring, das zeigt, was die Zielgruppe tatsächlich bewegt.

### 3. Contentformate – was auf welcher Plattform funktioniert

Content ist nicht gleich Content – Format und Plattform müssen zusammenpassen:

* **TikTok**: Kurze, pointierte Videos mit hohem Unterhaltungswert oder emotionalem Anker. Trends und Sounds aufgreifen, aber mit professioneller Haltung füllen. Reaktionsvideos auf aktuelle Debatten funktionieren gut
* **Instagram**: Reels für Reichweite, Stories für niedrigschwelligen, alltäglichen Kontakt, Posts für inhaltliche Tiefe. Visuelle Qualität spielt eine größere Rolle als auf anderen Plattformen
* **Discord**: Kein klassischer Content, sondern Interaktion – Gespräche, Events, Spieleabende, kreative Workshops. Hier steht Beziehung vor Reichweite
* **Twitch**: Sehr kurze, direkte Interventionen im Chat – aufgrund der Scrollgeschwindigkeit bleibt nur wenig Zeit, um wahrgenommen zu werden
* **Facebook-Gruppen**: Längere Texte, Diskussionsbeiträge, regionale Themen – hier ist die Zielgruppe oft etwas älter und diskussionsfreudiger

### 4. Rollenklarheit und Kommunikation auf Augenhöhe als professionelle Kompetenz

Ein häufiges Missverständnis ist, dass authentischer Content bedeutet, möglichst persönlich oder jugendlich zu wirken. Authentizität im professionellen Kontext bedeutet etwas anderes, nämlich Rollenklarheit:

* Konsistent und verlässlich auftreten
* In der professionellen Haltung verstehend bleiben, niemals belehrend
* Auf Kommentare und Nachrichten tatsächlich eingehen – Content ohne Interaktion bleibt wirkungslos

Kommunikation auf Augenhöhe und verstehendes Nachfragen ist dabei keine Frage des persönlichen Stils, sondern eine erlernbare professionelle Kompetenz.

### 5. Content und direkte Ansprache kombinieren

Content allein reicht nicht – er ist ein Türöffner, kein Ersatz für Beziehungsarbeit. Die Verbindung zwischen Content und direktem Kontakt ist entscheidend:

* Kommentare unter eigenen Posts aktiv beantworten und Gespräche vertiefen
* In Kommentarspalten relevanter Accounts aufsuchend tätig werden – nicht werbend, sondern inhaltlich beitragend
* Direkte Nachrichten als Möglichkeit zur Vertiefung nutzen, wenn jemand auf Content reagiert

### 6. Was Content nicht leisten kann

Content kann Aufmerksamkeit erzeugen und Kontakt anbahnen – aber er kann keine Beziehung ersetzen. Wer nur Content produziert, ohne in echten Austausch zu treten, betreibt Öffentlichkeitsarbeit, keine Sozialarbeit. Der pädagogische Wert entsteht erst im Gespräch.

Außerdem gilt: Zu häufiges Posten oder das Streuen von Links wird von Algorithmen als Spam klassifiziert – das kann dazu führen, dass Accounts eingeschränkt oder gelöscht werden. Qualität und Regelmäßigkeit sind wichtiger als Quantität.

### 7. Content-Produktion braucht Ressourcen

Guter Content kostet Zeit, Kompetenz und technische Ausstattung. Das bedeutet konkret:

* Fachkräfte brauchen Zeit im Arbeitsalltag, die explizit für Content-Produktion und -Monitoring eingeplant ist
* Technische Grundausstattung – Smartphone, Mikrofon, Licht, ggf. Videoequipment – ist keine optionale Anschaffung, sondern professionelle Grundausstattung
* Fortbildungen zu plattformspezifischer Kommunikation und Content-Produktion sollten im Budget eingeplant sein

**Kurz gesagt:** Wirksamer Content im Digital Streetwork greift Themen auf, die die Zielgruppe wirklich bewegen, z.B. – Einsamkeit, mentale Gesundheit, Diskriminierung, gesellschaftliche Unsicherheit. Er passt sich in Format und Sprache der jeweiligen Plattform an, wirkt authentisch ohne unprofessionell zu sein, und ist immer nur der erste Schritt – der in echten Kontakt und echte Beziehung münden muss.

## Wie bin ich eine gute Anlaufstelle für junge Menschen? Wie werde ich zu einer guten Anlaufstelle für junge Menschen in der Digital Streetwork? Welche Zielgruppen gibt es im DS? Worauf kann ich mein Projekt spezialisieren?Wie begegne ich den jungen Leuten? Über welche Ängste sprechen junge Menschen online? Was sind die Besonderheiten der Onlinekommunikation mit Jugendlichen? Wie kann ich Jugendliche gut beteiligen? Wie erreiche junge Menschen und welchen Themen haben Jugendliche online? Wie gestalte ich Beziehung im digitalen Raum? Was ist für meine Klient\*innen wichtig?

Eine gute Anlaufstelle zu sein bedeutet mehr als präsent zu sein – es bedeutet, so präsent zu sein, dass Jugendliche aktiv den Weg zu einem finden. Das ist im digitalen Raum eine besondere Herausforderung, weil Vertrauen online langsamer wächst und schneller verloren geht als analog.

### 1. Verlässlichkeit als Grundlage

Das Wichtigste zuerst: Jugendliche kommen nur dann wiederholt zu einem Angebot, wenn sie wissen, dass es verlässlich da ist. Verlässlichkeit bedeutet im digitalen Kontext:

* **Regelmäßige Präsenz**: Fachkräfte sind zu erkennbaren Zeiten online und reagieren zeitnah auf Nachrichten und Kommentare
* **Kontinuität über Zeit**: Ein Account, der nach drei Monaten verstummt, hinterlässt Jugendliche, die gelernt haben, dass Hilfsangebote nicht verlässlich sind
* **Konsistentes Auftreten**: Ton, Haltung und Themen bleiben erkennbar – Jugendliche wissen, was sie erwartet

Verlässlichkeit ist keine Kleinigkeit – sie ist die Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt Vertrauen entstehen kann.

### 2. Transparenz über Rolle und Angebot

Eine gute Anlaufstelle ist eine, bei der Jugendliche sofort verstehen, wer hier spricht und was angeboten wird. Das bedeutet:

* Verifizierte Accounts mit offiziellen Namen und klar erkennbarem institutionellem Profil
* Eindeutige Kommunikation darüber, was das Angebot ist – und was es nicht ist
* Klare Benennung von Grenzen: Was kann die Fachkraft leisten? Wann verweist sie weiter?

Jugendliche, die nicht verstehen, mit wem sie kommunizieren, werden im Zweifel keinen Kontakt aufnehmen – oder im schlimmsten Fall enttäuscht, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.

### 3. Niedrigschwelligkeit aktiv gestalten

Niedrigschwelligkeit bedeutet nicht nur, dass das Angebot technisch zugänglich ist – es bedeutet, dass die emotionale Hürde, Kontakt aufzunehmen, so gering wie möglich ist:

* **Keine Registrierungspflichten, keine Formulare, keine formalen Erstgespräche**: Jugendliche sollen einfach schreiben können
* **Antworten ohne Druck**: Wer eine Nachricht schickt, soll nicht das Gefühl haben, sich zu verpflichten
* **Anonymität respektieren**: Viele Jugendliche schätzen die Möglichkeit, anonym oder unter Pseudonym Kontakt aufzunehmen – das sollte möglich sein und kommuniziert werden
* **Keine Bewertung, kein Druck**: Jugendliche, die schwierige Themen ansprechen, brauchen das Gefühl, nicht beurteilt zu werden
* **Ansprechbar sein** – kommunizieren, wann Erreichbarkeit wie gegeben ist.

### 4. Auf Augenhöhe kommunizieren

Jugendliche merken sofort, ob eine Institution „von oben herab” kommuniziert oder wirklich auf Augenhöhe. Augenhöhe bedeutet:

* Die Sprache, den Humor und die Kommunikationskultur der Zielgruppe kennen und respektieren – ohne sie zu imitieren oder aufgesetzt zu wirken
* Themen ernst nehmen, die Jugendliche ernst nehmen – auch wenn sie aus erwachsener Perspektive trivial erscheinen mögen
* Zuhören vor Ratschlägen: Eine gute Anlaufstelle hört erst zu, bevor sie Lösungen anbietet, systemisches Fragen bleibt das Prinzip
* Selbstwirksamkeit stärken: Nicht für Jugendliche denken, sondern mit ihnen – ihre Perspektiven und Kompetenzen ernst nehmen

### 5. Beziehung als Kern des Angebots

Eine gute Anlaufstelle ist keine Informationsplattform – sie ist eine Beziehungsangebot. Das bedeutet:

* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat schaffen Vertrauen, das punktuelle Interventionen nicht erreichen
* Wiederkehrende Formate – regelmäßige Online-Events, Spieleabende, kreative Workshops – sind keine Randaktivitäten, sondern gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert
* Auch kleine Gesten zählen: Ein kurzes Nachfragen, wie es jemandem geht, der sich vor Wochen gemeldet hat, signalisiert kontinuierliches Beziehungsangebot – unabhäng von den Anliegen der Adressat:innen

### 6. Online als eigenständiges Unterstützungsformat denken

Eine häufige Falle ist, Digital Streetwork primär als Vorstufe zu analogen Angeboten zu verstehen – als wäre das Ziel immer, Jugendliche irgendwann in eine Beratungsstelle oder Therapie zu überführen. Das ist ein verkürztes Verständnis. Digital Streetwork ist ein eigenständiges Unterstützungsformat, das für viele Jugendliche der einzige Kontakt zu professioneller Unterstützung ist – und das ist bereits ein vollständiger Hilfeprozess, kein halber. Wenn zusätzlich eine Überführung in Offline-Angebote gelingt, umso besser. Aber der Online-Kontakt hat auch ohne das einen eigenständigen Wert.

### 7. Erreichbarkeit zu den richtigen Zeiten

Eine Anlaufstelle, die nur zu Bürozeiten erreichbar ist, ist für viele Jugendliche keine. Jugendliche sind abends, nachts und am Wochenende aktiv – genau dann, wenn institutionelle Angebote geschlossen haben. Das hat Konsequenzen für Arbeitszeitmodelle, die arbeitsrechtlich abgesichert sein müssen. Wer nicht zu den Zeiten präsent ist, in denen Jugendliche Unterstützung suchen, wird nicht als Anlaufstelle wahrgenommen.

**Kurz gesagt:** Eine gute Anlaufstelle zu sein bedeutet: verlässlich und transparent präsent sein, niedrigschwellig und auf Augenhöhe kommunizieren, echte Beziehung anbieten statt nur Information, und das zu Zeiten, wann Jugendliche tatsächlich aktiv sind. Der entscheidende Unterschied zwischen einer guten und einer weniger guten Anlaufstelle liegt nicht in der Technik oder im Content – sondern in der pädagogischen Haltung dahinter.

## Welche Ressourcen und Maßnahmen muss ich für das Thema Arbeitsschutz und Schutz von Fachkräften einplanen? Welche Ressourcen und Maßnahmen brauche ich für den Schutz von Fachkräften in der Digital Streetwork?

Der Schutz von Fachkräften ist im Digital Streetwork kein optionaler Zusatz – er ist eine strukturelle Notwendigkeit. Die Belastungen im Feld sind spezifisch und intensiv, und wer sie unterschätzt, gefährdet langfristig sowohl die Fachkräfte als auch die Qualität der Arbeit.

### 1. Die spezifischen Belastungen verstehen

Um wirksame Schutzmaßnahmen zu planen, muss zunächst klar sein, womit Fachkräfte im Digital Streetwork konfrontiert sind – und das unterscheidet sich erheblich von anderen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern:

* **Ungefilterte Konfrontation mit Extrembelastungen**: Suizidankündigungen, Radikalisierungsverläufe, Essstörungen und Hassrede können innerhalb einer einzigen Schicht aufeinanderfolgen – ohne institutionelle Pufferzone, ohne Kolleg\*innen im Raum
* **Isolation durch Homeoffice**: Das dezentrale, häufig vereinzelte Arbeiten verstärkt das Risiko von Erschöpfung erheblich. Der fehlende Teamaustausch wird von Fachkräften explizit als gravierender Mangel beschrieben
* **Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben**: Wer im Homeoffice arbeitet und auf Plattformen aktiv ist, die auch privat genutzt werden, erlebt häufig eine schleichende Entgrenzung
* **Fehlende analoge Puffer**: Im analogen Streetwork gibt es räumliche und zeitliche Übergänge – den Weg nach Hause, den Wechsel des Ortes. Im Homeoffice fallen diese Puffer weg

Eine erste Orientierung zum Thema Gewaltschutz und Digital Streetwork bietet die Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung „Digital Streetwork A bis Z” unter dem Stichwort „H – Hass im Netz”, dem Stichwort „S – Selbstschutz – Sicherheitsmaßnahmen für Digital Streetworker\*innen“: <https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2025/02/DigitalStreetwork_AbisZ_web.pdf>.

### 2. Supervision als verbindliche Struktur

Supervision ist im Digital Streetwork kein Luxus, sondern ein verbindlicher fachlicher Standard – vergleichbar mit Anforderungen in anderen hochbelasteten Berufsfeldern wie der Notfallpsychologie. Konkret bedeutet das:

* **Regelmäßige externe Supervision**: Nicht als Reaktion auf Krisen, sondern als fester struktureller Bestandteil – mindestens monatlich, besser häufiger
* **Sowohl digital als auch in Präsenz**: Supervision sollte nicht ausschließlich online stattfinden – gerade der persönliche Austausch hat einen eigenständigen Wert für Fachkräfte, die sonst weitgehend im digitalen Raum arbeiten
* **Fachspezifische Supervision**: Supervisor\*innen sollten mit den spezifischen Belastungen des Digital Streetwork vertraut sein – allgemeine Supervision reicht oft nicht aus

### 3. Intervision und kollegialer Austausch

Neben externer Supervision braucht es regelmäßige Formate für den Austausch unter Kolleg\*innen:

* **Intervisionsgruppen**: Kollegiale Fallbesprechungen, in denen schwierige Situationen gemeinsam reflektiert werden – auch trägerübergreifend, wenn das eigene Team klein ist
* **Regelmäßige Teambesprechungen**: Auch wenn Fachkräfte dezentral arbeiten, braucht es feste Formate, in denen das Team zusammenkommt – digital und in Präsenz
* **Informelle Austauschmöglichkeiten**: Niedrigschwellige Wege, um kurzfristig Kolleg\*innen zu erreichen, wenn eine Situation im Moment der Arbeit belastend ist

### 4. Hybride Arbeitsmodelle als strukturelle Schutzmaßnahme

Homeoffice ist für Digital Streetwork oft notwendig – aber dauerhaftes, ausschließliches Homeoffice ist ein Risikofaktor. Hybride Arbeitsmodelle, die Homeoffice-Phasen mit regelmäßigen Präsenzterminen verbinden, sind deutlich besser mit den Anforderungen des Feldes kompatibel:

* Regelmäßige Präsenztage im Büro oder gemeinsame Arbeitstreffen fördern kollegialen Austausch und mentale Stabilität
* Präsenztermine ermöglichen Fallbesprechungen und kollegiale Beratung, die digital schwerer zu realisieren sind
* Der physische Wechsel zwischen Homeoffice und Präsenz schafft Strukturen und Rhythmus, die vor Entgrenzung schützen

### 5. Psychotherapeutische Unterstützung

Wo das Budget es erlaubt, ist die Möglichkeit zur niedrigschwelligen psychotherapeutischen Unterstützung ein wichtiger Schutzfaktor:

* Eine vom Träger angestellte oder beauftragte Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut, der belastende Situationen direkt aufarbeiten kann, ist ein großer Schritt zum Schutz der Mitarbeitenden
* Auch die Vermittlung in externe psychotherapeutische Angebote – mit aktiver Unterstützung durch den Träger – ist besser als keine Unterstützung

### 6. Klare Handlungsrichtlinien für Extremsituationen

Fachkräfte müssen wissen, was zu tun ist, wenn sie mit akuten Krisen konfrontiert sind – Suizidankündigungen, Gewaltandrohungen, akute Kindeswohlgefährdung. Das bedeutet:

* **Klare Protokolle und Handlungsrichtlinien** für Extremsituationen, die vorab entwickelt und kommuniziert werden
* **Erreichbare Ansprechpartner\*innen** in der Leitungsebene für akute Situationen – Fachkräfte dürfen nicht allein gelassen werden, wenn sie gerade mit einer Suizidankündigung konfrontiert waren
* **Nachsorge nach belastenden Situationen**: Es braucht einen klaren Prozess dafür, wie nach einem schwierigen Kontakt mit der Fachkraft umgegangen wird – nicht erst in der nächsten regulären Supervision

### 7. Was das konkret an Ressourcen bedeutet

All das muss im Budget eingeplant werden – als feste Kostenpositionen, nicht als nachrangige Ausgaben:

* Kosten für externe Supervision
* Reisekosten und Zeitbudget für Präsenztermine trotz Homeoffice-Struktur
* Ggf. Kosten für psychotherapeutische Unterstützung
* Zeit im Arbeitsalltag, die explizit für Reflexion und kollegialen Austausch reserviert ist – also nicht weggestrichen wird, wenn operative Arbeit drückt
* Fortbildungen zum Thema Selbstfürsorge und Belastungsmanagement
* Arbeitsschutzkonzeot ggfls. Implemtierung in ein bestehendes Arbeitsschutzkonzept

**Kurz gesagt:** Fachkräfte im Digital Streetwork brauchen verbindliche Supervisions- und Reflexionsstrukturen, hybride Arbeitsmodelle mit regelmäßigen Präsenzzeiten, klare Handlungsrichtlinien für Extremsituationen und – wo möglich – Zugang zu psychotherapeutischer Unterstützung. Das ist kein Zusatzangebot für besonders belastete Einzelpersonen, sondern strukturelle Grundvoraussetzung für professionelles und nachhaltiges Arbeiten im Feld.

## Wie schütze ich meine Arbeitnehmer\*innen sinnvoll? Wie schütze ich meine Mitarbeitenden sinnvoll – aus der Leitungsperspektive? Welche Ressourcen und Maßnahmen brauche ich für den Schutz von Fachkräften in der Digital Streetwork?

Als Leitungsperson tragen Sie eine besondere Verantwortung im Digital Streetwork – denn die spezifischen Belastungen des Feldes sind für Außenstehende oft unsichtbar. Wer im Homeoffice allein vor dem Bildschirm sitzt und gerade eine Suizidankündigung gelesen hat, ist auf eine Leitungskultur angewiesen, die das aktiv auffängt.

### 1. Belastungen sichtbar machen – auch wenn niemand klagt

Die erste Leitungsaufgabe ist Wahrnehmung: Fachkräfte im Digital Streetwork sprechen Belastungen oft nicht von sich aus an – aus Loyalität, aus Angst, als schwach zu gelten, oder weil sie selbst nicht merken, wie erschöpft sie sind. Als Leitungsperson bedeutet das:

* **Regelmäßige Einzelgespräche** führen, die explizit Raum für Belastungsthemen schaffen – nicht nur Leistungsreviews
* **Aktiv nachfragen**: Nicht „Läuft alles?” sondern „Was war diese Woche besonders belastend?” oder „Wie geht es dir mit dem, was du letzte Woche beschrieben hast?”
* **Frühwarnsignale kennen**: Rückzug, sinkende Qualität der Arbeit, häufige Krankheitstage oder Überengagement ohne Pausen können Zeichen von Erschöpfung sein

### 2. Strukturen schaffen – nicht dem Zufall überlassen

Schutz funktioniert nur, wenn er strukturell verankert ist – nicht wenn er von der Initiative einzelner Fachkräfte abhängt. Als Leitungsperson bedeutet das konkret:

* **Supervision verbindlich einplanen**: Nicht als optionales Angebot, sondern als fester Bestandteil des Arbeitsalltags – mit fixen Terminen, die nicht weggestrichen werden, wenn operativer Druck entsteht
* **Intervisionsformate etablieren**: Regelmäßige kollegiale Fallbesprechungen, die im Teamkalender fest verankert sind
* **Präsenzzeiten als Pflichtbestandteil**: Hybride Arbeitsmodelle mit verbindlichen Präsenzterminen schützen vor Isolation – diese müssen von der Leitung aktiv eingefordert und nicht dem Ermessen der Fachkräfte überlassen werden
* **Erreichbarkeit der Leitung in Krisensituationen sicherstellen**: Fachkräfte müssen wissen, wen sie anrufen können, wenn sie gerade mit einer akuten Krisensituation konfrontiert sind – und diese Person muss tatsächlich erreichbar sein

### 3. Klare Handlungsrichtlinien entwickeln und kommunizieren

Eine der wichtigsten Leitungsaufgaben ist es, Fachkräfte nicht mit schwierigen Situationen allein zu lassen – durch klare Vorgaben, wie in Extremsituationen gehandelt wird:

* **Protokolle für Krisensituationen**: Was tun bei einer Suizidankündigung? Wann wird die Leitung informiert? Wer übernimmt, wenn eine Fachkraft gerade nicht handlungsfähig ist?
* **Klare Grenzen der Zuständigkeit**: Fachkräfte müssen wissen, ab wann eine Situation ihre professionellen Möglichkeiten übersteigt – und dass es keine Schwäche ist, das zu kommunizieren
* **Nachsorge als Standard**: Nach belastenden Situationen braucht es einen klar definierten Prozess – ein kurzes Gespräch mit der Leitung, ein Nachfragen am nächsten Tag, ggf. eine außerordentliche Supervisionsstunde

### 4. Homeoffice aktiv begleiten – besonders am Anfang

Gerade Berufseinsteiger\*innen sollten nicht ohne enge Begleitung ins Homeoffice entlassen werden. Als Leitungsperson bedeutet das:

* **Strukturierte Einarbeitung**: Klare Erwartungen an Aufgaben, Erreichbarkeit und Arbeitsabläufe von Anfang an kommunizieren
* **Feste Ansprechpartner\*innen**: Neue Mitarbeitende brauchen eine konkrete Person, an die sie sich mit Fragen und Unsicherheiten wenden können – nicht nur eine allgemeine Offene-Tür-Politik
* **Regelmäßige Check-ins in der Anfangsphase**: Kurze, niedrigschwellige Rückmeldegespräche, die Unsicherheiten auffangen, bevor sie zu Problemen werden
* **Begleitung bei schwierigen Inhalten**: Der Umgang mit extremistischen Haltungen, Hassrede oder Krisenäußerungen sollte exemplarisch begleitet werden – damit neue Kolleg\*innen sehen, wie diese Situationen professionell reflektiert werden

### 5. Kompetenzen im Team kartieren und Lücken schließen

Schutz bedeutet auch, Fachkräfte nicht mit Aufgaben zu überfordern, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Als Leitungsperson bedeutet das:

* **Systematische Kompetenzerhebung**: Wer im Team bringt welche Stärken mit – fachlich, technisch, thematisch?
* **Zuständigkeiten entsprechend strukturieren**: Nicht jede Fachkraft muss alles können – gezielte Spezialisierung schützt vor Überforderung
* **Kompetenzlücken durch Fortbildungen schließen**: Budget für Schulungen ist kein Luxus, sondern Schutzmaßnahme

### 6. Psychologische Sicherheit als Leitungskultur

Der vielleicht wichtigste Faktor ist unsichtbar – es ist die Frage, ob Fachkräfte das Gefühl haben, dass sie Probleme ansprechen können, ohne negative Konsequenzen zu befürchten. Psychologische Sicherheit entsteht durch:

* **Vorleben von Offenheit**: Wenn Leitungspersonen selbst über Grenzen und Belastungen sprechen, signalisiert das, dass das in Ordnung ist
* **Keine Bestrafung für das Ansprechen von Problemen**: Wer meldet, dass eine Situation zu viel war, darf nicht das Gefühl bekommen, als schwach oder ungeeignet zu gelten
* **Fehlerkultur**: Nicht jede schwierige Situation im Digital Streetwork lässt sich perfekt lösen – eine Leitungskultur, die das anerkennt, schützt Fachkräfte besser als eine, die Perfektion erwartet

**Kurz gesagt:** Als Leitungsperson schützen Sie Ihre Mitarbeitenden nicht durch gut gemeinte Einzelgespräche, sondern durch verlässliche Strukturen: verbindliche Supervision, hybride Arbeitsmodelle mit Präsenzpflicht, klare Handlungsrichtlinien für Krisensituationen, enge Begleitung am Anfang und eine Leitungskultur, in der Belastungen offen angesprochen werden können. Das kostet Ressourcen – aber weit weniger als der Ausfall erschöpfter Fachkräfte oder die Fluktuation in einem Feld, das ohnehin unter Fachkräftemangel leidet.

## Wie kann ich mir Hilfe oder Quellen suchen, was ist wichtig im Kontext von DS? Wo finde ich Hilfe und Quellen im Kontext von Digital Streetwork?

Das Feld ist jung und die Ressourcen sind noch überschaubar – aber es gibt verlässliche Anlaufstellen, Netzwerke und Materialien, die eine gute Orientierung bieten.

### 1. Das Grundproblem: Ein fragmentiertes Feld

Digital Streetwork ist stark fragmentiert: Projekte arbeiten dezentral, stehen mitunter in Konkurrenz um dieselben Fördertöpfe und verfügen über keine gemeinsame Fachsprache. Wertvolles Praxiswissen wird kaum systematisch dokumentiert und geht verloren, sobald Projekte auslaufen. Das bedeutet: Es gibt keine zentrale Anlaufstelle, die alles bündelt – aber es gibt mehrere spezialisierte Quellen, die zusammen ein gutes Bild ergeben.

### 2. Basiswissen: Publikationen und Praxismaterialien

**Amadeu Antonio Stiftung**

Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für praxisnahes Basis-Material zur Digital Streetwork im deutschsprachigen Raum, da sie seit 2014 zur Digital Streetwork arbeitet. Für Basiswissen gibt die Handreichung **„Soziale Arbeit im #OnlineRealLife - Digital Streetwork A bis Z”** einen guten Überblick. Sie ist eine umfassende Handreichung, die unter anderem Themen wie pädagogisches Monitoring, Gewaltschutz und Hass im Netz behandelt. Verfügbar unter: <https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2025/02/DigitalStreetwork_AbisZ_web.pdf>

**Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung & Minor - digital**

Minor arbeitet speziell mit und für gesellschaftlich marginalisierte Gruppen. Unter anderem arbeitet Minor seit über 10 Jahren im Bereich der Digital Streetwork, in ihrem Kontext speziell als *aufsuchende Beratungs- und Informationsarbeit in den sozialen Medien für Zugewanderte* deklariert. Minor – Digital wurde im Jahr 2022 gegründet, speziell um als Fachträger von Minor Aktivitäten im Bereich „Digital Streetwork“ weiterzuentwickeln. Beide Träger haben zahlreiche Publikationen zum Thema veröffentlich, allerdings immer mit dem Fokus von Migrationsprozessen: [https://minor-kontor.de/veroeffentlichungen/#handreichungen](https://minor-kontor.de/veroeffentlichungen/) / [https://minor-digital.de/veroeffentlichungen/#projektberichte](https://minor-digital.de/veroeffentlichungen/)

**Digital Streetwork Bayern**

Das Projekt wird flächendeckend in ganz Bayern vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Es bietet Beratung und Unterstützung an und stellt Informationen und Fachinhalte zur Verfügung. Für Basiswissen können die Standards des Projekts eingesehen werden: https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork\_final.pdf

**BAG Streetwork / Streetwork Deutschland**

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork bietet fachliche Standards aus dem analogen Kontext, die als Referenzrahmen für Digital Streetwork herangezogen werden können, aber nicht alle 1:1 für den Online-Raum übertragbar sind. Als etablierte Fachstruktur ist sie ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Weiterentwicklung des Feldes, verfügbar unter: <https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards_BAG_2018.pdf>

**BAG RelEx** Die Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus bietet Handlungsempfehlungen zur Online-Prävention – besonders relevant für Projekte im Bereich Islamismusprävention, aber auch darüber hinaus als erste Orientierung geeignet, z. B. Folgende Publikationen: <https://www.bag-relex.de/wp-content/uploads/2023/10/BAG-RelEx_Ligante_Standards_Onlinepraev.pdf> und <https://www.bag-relex.de/dl.php?url=https://www.bag-relex.de/wp-content/uploads/2025/05/Policy-Brief-Sonderausgabe_BAG-RelEx-Mai-2025.pdf>

### 3. Wissenschaftliche und fachpolitische Vernetzung

**DGSA – Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit** Die Fachgruppe **Soziale Arbeit und Digitalisierung** der DGSA ist der wichtigste wissenschaftliche Anknüpfungspunkt im deutschsprachigen Raum. Hier sind sowohl Wissenschaftler*innen als auch Praktiker*innen aktiv, die sich mit der Digitalisierung der Sozialen Arbeit beschäftigen. Die Fachgruppe organisiert Tagungen und Publikationen und ist ein guter Ort für trägerübergreifenden Austausch.

**Hochschulen mit Schwerpunkt Soziale Arbeit und Digitalisierung** Folgende Hochschulen forschen und lehren gezielt an der Schnittstelle von Sozialer Arbeit und Digitalisierung und können als Kooperationspartner oder Wissensquelle dienen:

* Hochschule München
* Duale Hochschule Baden-Württemberg
* Hochschule Jena
* Technische Hochschule Köln

Ein direkter Kontakt zu Lehrenden oder Forschenden dieser Hochschulen kann nicht nur Wissen erschließen, sondern auch Türen zu Begleitforschung oder Praxiskooperationen öffnen.

### 4. Vernetzung mit anderen Projekten

Da das Feld so fragmentiert ist, ist der direkte Austausch mit anderen Projekten eine der wertvollsten Wissensquellen überhaupt. Praxiswissen zu Plattformdynamiken, wirksamen Zugängen oder rechtlichen Fallstricken ist kaum verschriftlicht – es lebt in den Köpfen der Menschen, die täglich damit arbeiten. Konkrete Wege zur Vernetzung:

* **Fachtagungen**: Tagungen zu Digital Streetwork, digitaler Jugendhilfe oder Extremismusprävention sind Orte, an denen Projekte zusammenkommen und Wissen geteilt wird
* **Trägerübergreifende Arbeitsgruppen**: Wo sie existieren, sind sie gold wert – wo sie nicht existieren, lohnt es sich, sie anzuregen
* **Direkte Kontaktaufnahme mit Modellprojekten**: Die Amadeu Antonio Stiftung und ähnliche Organisationen betreiben oder kennen eine Reihe von Modellprojekten, über die Kontakte geknüpft werden können.

Zur Kontaktaufnahme und weiteren Vernetzung folgt nun eine Übersicht, welche Projekte es im DACH-Raum gibt, inklusive der jeweiligen Websiten.

### 5. Was strukturell noch fehlt – und was das bedeutet

Es gibt derzeit keine DACH-weite Vernetzungsstruktur für Digital Streetwork. Das ist eine Lücke, die das Feld spürbar schwächt. Wünschenswert wäre eine wissenschaftlich begleitete Vernetzungsplattform für den DACH-Raum, die:

* Gemeinsame Fachbegriffe entwickelt
* Best Practices dokumentiert und zugänglich macht
* Regelmäßige Fachtagungen koordiniert
* Als erste Anlaufstelle für neue Projekte dient

Bis dahin gilt: Aktiv vernetzen, Wissen teilen und nicht das Rad neu erfinden, wenn andere Projekte bereits Antworten auf dieselben Fragen gefunden haben.

**Kurz gesagt:** Die wichtigsten Anlaufstellen sind die Amadeu Antonio Stiftung mit ihrer Praxisbroschüre, die DGSA-Fachgruppe Soziale Arbeit und Digitalisierung, die BAG Streetwork sowie Hochschulen mit Schwerpunkt Digitalisierung und Soziale Arbeit. Da das Feld stark fragmentiert ist, ist direkte Vernetzung mit anderen Projekten mindestens genauso wertvoll wie verschriftlichte Quellen.

## Welche relevanten Projekte gibt es?

Ausrichtung dieser Projekte - Zielgruppen und Themen von Digital Streetwork, zusammengefasst:

Die Synopse der folgenden Projekte zeigt, dass ihr größter gemeinsamer Nenner die Zielgruppe von jungen Menschen bis 27 Jahre ist: Zwei Drittel

der Projekte haben diese Zielgruppe. Darüber hinaus ist etwa die Hälfte der Projekte auch lokal in die Zielgruppenerreichung gebunden (z. B. nur junge Menschen im Stuttgarter Raum oder Berliner Zugewanderte). Ein weiterer Teil des Zielgruppenzuschnitts besteht darin, vor allem diejenigen zu adressieren, die Desinformation online ausgesetzt sind, dies erfolgt teils in Kombination mit Regelangeboten für schwer erreichbare/marginalisierte Zielgruppen wie z. B. Migrationsberatung. Ein sehr kleiner Teil hat Multiplikator\*innen der Jugendsozialarbeit und des Bereichs Streetwork als Zielgruppe. Das Themenspektrum, das die Projekte adressieren, ist breit gefächert und deckt verschiedene soziale Herausforderungen ab: extremistische Orientierungen, vor allem mit Fokus auf Rechtsextremismus und Islamismus, Migration bzw. Information und Beratung zur Migration/Zuwanderung, Wohnungslosigkeit und Marginalisierung, Sexualität/sexuelle Gewalt sowie Suchtprävention (Glückspiel und Suchtmittelkonsum).

##### Antihelden.info

Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V.

Beratung zu Sexualität:en und sexualisierter Gewalt

[www.antihelden.assisto.online](http://www.antihelden.assisto.online/)

##### Onjuvi isi – Jugendsozialarbeit online

Verein I.S.I. – Initiativen für soziale Integration

Online-Streetwork in Oberösterreich

[www.verein-isi.at/Onjuvi](http://www.verein-isi.at/Onjuvi)

##### OÖ Digital Streetwork

Familienbund Oberösterreich GmbH und Sozialressort des Landes OÖ

Beratung in Sozialen Netzwerken - Kostenlos, anonym und respektvoll

[www.digital-streetwork.at](https://digital-streetwork.at/)

##### CADS – Community Advisors

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Digital Streetwork für EU-Beschäftigte in Deutschland

[www.minor-digital.de/cads-community-advisors](http://www.minor-digital.de/cads-community-advisors)

##### Center for Education on Online Prevention in Social Networks (CEOPS)

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

digitale Lehrgänge zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Extremismus sowie Demokratieförderung in Sozialen Medien

[www.ceops.online](http://www.ceops.online/)

##### ConAction

Condrobs e.V.

Drogen, Mobbing u.v.a. On- und Offline-Themen

[www.condrobs.de/hilfe/streetwork-im-netz](http://www.condrobs.de/hilfe/streetwork-im-netz)

##### Digital Streetwork Bayern

Bayerischer Jugendring (BJR)

Unterstützung bei Themen zur psychischen Gesundheit, Schule, Arbeit, Beziehungen u.a. klassischen Sozialarbeitsbereichen

[www.digital-streetwork-bayern.de](http://www.digital-streetwork-bayern.de/)

##### Digital Streetwork Stuttgart

Zukunftswelten – Stuttgarter Jugendhaus gGmbH

medienbasierte, digitale Beratungsangebote in und um Stuttgart online

[www.zukunftswelten.net/welten-digitale-sozialarbeit](http://www.zukunftswelten.net/welten-digitale-sozialarbeit)

##### FEM.OS und FEM.OS 2.0

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Information und Beratung zu Sozialen Medien für Migrant\*innen aus Drittstaaten

[www.minor-kontor.de/fem-os-en](http://www.minor-kontor.de/fem-os-en)

##### Hybride Streetwork

Johannes Brock und Kai Fritzsche

Auseinandersetzung mit Herausforderungen für Mobile Jugendarbeit im digitalen Zeitalter, konzeptionelle Überlegungen für eine Hybride Streetwork

[www.hybride-streetwork.de](http://www.hybride-streetwork.de/)

##### Jamal al Khatib (xNISA)

turn – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention

Online-Streetwork und Videos zu Alltagserfahrungen und muslimischer Identität, religiösen Fragen, gesellschaftskritischen Perspektiven und Erfahrungen mit Marginalisierung

[www.turnprevention.com/jamal](http://www.turnprevention.com/jamal)

##### JMD digital-virtuelle Beratungsstrukturen für ländliche Räume

Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V.

digitale ganzheitliche Unterstützung junger Ratsuchender fernab großer Städte

[www.jugendmigrationsdienste.de/jmd-digital](http://www.jugendmigrationsdienste.de/jmd-digital)

##### Jugend Interaktiv Hamburg

ab ausblick hamburg gGmbH

aufsuchende Hilfe und Beratung in schwierigen und herausfordernden Lebenssituationen

[www.ausblick-hamburg.de/ausbildung-und-orientierung/](http://www.ausblick-hamburg.de/ausbildung-und-orientierung/)neu-jugend-interaktiv.html

##### Landesstelle Glücksspielsucht Bayern

[www.lsgbayern.de/wir-ueber-uns/online-streetwork](http://www.lsgbayern.de/wir-ueber-uns/online-streetwork)

##### Local Streetwork Online/Offline

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

Prävention gewaltbereiter islamisch-extremistischer Radikalisierung, Begünstigung von

Distanzierungsprozessen

[www.localstreetwork-onoff.de/](http://www.localstreetwork-onoff.de/)

##### Neu in Berlin live

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Beratung und Info-Materialien für neueingewanderte Migrant\*innen in den Sozialen Medien in Berlin

[www.minor-kontor.de/neu-in-berlin-live](http://www.minor-kontor.de/neu-in-berlin-live)

##### Prisma Online

Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. (CJD)

Anstoßen eines ideologischen Distanzierungsprozesses von neurechten Sympathisant\*innen und Akteur\*innen

[www.prisma.online](http://www.prisma.online/)

##### Social Media Streetwork

Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung gemeinnützige GmbH

Erstinformation und Verweisberatung in Sozialen Medien gegen Marginalisierung

[www.minor-kontor.de/social-media-streetwork](http://www.minor-kontor.de/social-media-streetwork)

##### Streetwork@online

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

Fokus auf religiös begründeter Radikalisierung im islamistischen Kontext

[www.streetwork.online/](http://www.streetwork.online/)

## Welche Ressourcen und Maßnahmen muss ich für das Thema Arbeitsschutz und Schutz von Fachkräften einplanen? Wie sind sinnvolle Arbeitsmodelle, zur Förderung der psychischen Gesundheit? Wie kriege ich die Mitarbeitenden mit ihren Problemen im Homeoffice gut mit, um sie entlasten zu können?

### Arbeitsschutz im Digital Streetwork – Budgetplanung und arbeitsrechtliche Perspektive

### A) Was kostet Arbeitsschutz konkret – und wie argumentiere ich das gegenüber Fördergebern?

#### 1. Konkrete Kostenpositionen einplanen

Arbeitsschutz im Digital Streetwork ist nicht gratis – und das sollte gegenüber Fördergebern auch nicht so dargestellt werden. Folgende Positionen gehören in jeden Projekthaushalt:

* **Externe Supervision**: Supervisorische Begleitung kostet je nach Anbieter zwischen 80 und 150 Euro pro Stunde. Bei monatlicher Gruppensupervision und gelegentlicher Einzelsupervision sind das realistisch 2.000–5.000 Euro pro Jahr und Fachkraft – je nach Teamgröße und Frequenz
* **Intervisionszeit**: Auch wenn Intervision intern stattfindet, kostet sie Arbeitszeit. Diese muss als feste Stunden im Stellenplan eingeplant und nicht als „Puffer” behandelt werden
* **Präsenztermine trotz Homeoffice**: Fahrtkosten, ggf. Raummiete und Arbeitszeit für regelmäßige Präsenztreffen müssen budgetiert werden
* **Psychotherapeutische Unterstützung**: Wo möglich, sollte ein Kontingent an psychotherapeutischen Sitzungen eingeplant werden – entweder über eine fest angestellte Fachkraft oder über einen Kooperationsvertrag mit einer externen Praxis
* **Fortbildungen zu Selbstfürsorge und Belastungsmanagement**: Einmalig oder jährlich, je nach Bedarf

#### 2. Wie das gegenüber Fördergebern argumentiert wird

Förderanträge neigen dazu, Arbeitsschutzmaßnahmen als nachrangig darzustellen – oder ganz wegzulassen, um das Budget schlank zu halten. Das ist ein Fehler, der sich rächt. Überzeugendere Argumente gegenüber Geldgebern:

* **Prävention ist günstiger als Ausfall**: Eine erschöpfte oder traumatisierte Fachkraft, die krankheitsbedingt ausfällt oder kündigt, kostet den Träger ein Vielfaches dessen, was präventive Schutzmaßnahmen kosten – durch Ausfall, Neubesetzung und Einarbeitungszeit
* **Qualitätssicherung**: Fachkräfte, die gut geschützt und reflexionsfähig sind, leisten bessere Arbeit – Arbeitsschutz ist also direkt mit der Wirkungsqualität des Projekts verknüpft
* **Vergleich mit anderen Berufsfeldern**: In der Notfallpsychologie, der Krisenintervention oder der stationären Jugendhilfe sind Supervisions- und Reflexionsstrukturen selbstverständlicher Bestandteil der Finanzierung – Digital Streetwork ist mindestens genauso belastend
* **Fachkräftemangel**: In einem Feld, in dem qualifizierte Fachkräfte ohnehin schwer zu finden sind, ist Mitarbeitendenbindung durch gute Arbeitsbedingungen ein strategisches Argument

### B) Welche arbeitsrechtlichen Pflichten habe ich als Arbeitgeber\*in?

#### 1. Gefährdungsbeurteilung als gesetzliche Pflicht

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet Arbeitgeber\*innen, eine **Gefährdungsbeurteilung** durchzuführen – also systematisch zu erfassen, welchen Risiken Mitarbeitende bei ihrer Tätigkeit ausgesetzt sind. Für Digital Streetwork bedeutet das:

* Psychische Belastungen durch Konfrontation mit extremen Inhalten müssen explizit erfasst werden
* Belastungen durch Homeoffice und soziale Isolation sind ebenfalls Teil der Beurteilung
* Die Gefährdungsbeurteilung ist kein einmaliger Akt, sondern muss regelmäßig aktualisiert werden

#### 2. Homeoffice und Arbeitsstättenverordnung

Für Fachkräfte im Homeoffice gelten besondere arbeitsrechtliche Anforderungen:

* Arbeitgeber\*innen sind verpflichtet, auch im Homeoffice für ergonomische und sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen – das umfasst Bildschirmarbeitsplätze, Beleuchtung und Möblierung
* **Dienstgeräte sind Pflicht**: Fachkräfte dürfen nicht dauerhaft auf private Geräte angewiesen sein – das ist nicht nur eine Frage des Datenschutzes, sondern auch des Arbeitsschutzes
* **Arbeitszeitgesetz (ArbZG)**: Auch im Homeoffice gelten Höchstarbeitszeiten, Ruhezeiten und das Verbot dauerhafter Erreichbarkeit. Wer abends und am Wochenende arbeitet – was im Digital Streetwork oft notwendig ist –, muss entsprechende Ausgleichszeiten und klare Regelungen haben

#### 3. Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Die allgemeine Fürsorgepflicht nach § 618 BGB verpflichtet Arbeitgeber\*innen, Mitarbeitende vor Gesundheitsschäden zu schützen – auch psychischen. Das bedeutet konkret:

* Wer weiß, dass Fachkräfte regelmäßig mit traumatisierenden Inhalten konfrontiert sind, und nichts dagegen unternimmt, verletzt diese Pflicht
* Supervision und Reflexionsstrukturen sind damit nicht nur fachlich geboten, sondern rechtlich geboten

Beschwerden über Überlastung müssen ernst genommen und dokumentiert werden

#### 4. Datenschutz als arbeitsrechtliche Dimension

Auch der Datenschutz hat eine arbeitsrechtliche Dimension: Fachkräfte dürfen nicht in Situationen gebracht werden, in denen sie strukturell datenschutzwidrig handeln müssen – etwa weil kein datenschutzkonformes Dokumentationstool zur Verfügung steht. Hier liegt eine Verantwortung beim Träger, nicht bei der einzelnen Fachkraft.

#### 5. Besondere Regelungen für psychisch belastende Tätigkeiten

Für Tätigkeiten mit regelmäßiger Konfrontation mit traumatisierenden Inhalten – wie sie im Digital Streetwork alltäglich sind – empfehlen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen spezifische Schutzmaßnahmen. Die zuständige Berufsgenossenschaft – in der Regel die **BGW (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege)** – bietet Beratung und Materialien zu psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz an und kann als kostenlose Ressource genutzt werden.

**Kurz gesagt:** Arbeitsschutz im Digital Streetwork hat zwei Dimensionen – eine budgetäre und eine rechtliche. Budgetär müssen Supervision, Intervisionszeit, Präsenztermine und ggf. psychotherapeutische Unterstützung als feste Kostenpositionen eingeplant und gegenüber Fördergebern als Qualitätssicherungsmaßnahme argumentiert werden. Rechtlich sind Arbeitgeber\*innen durch das Arbeitsschutzgesetz, die Fürsorgepflicht und das Arbeitszeitgesetz verpflichtet, psychische Belastungen systematisch zu erfassen und zu minimieren – das ist keine Kann-Bestimmung, sondern Pflicht.

## Mit wem kann ich mich im Bereich Digital Streetwork vernetzen?

Vernetzung ist im Digital Streetwork keine Kür, sondern Notwendigkeit – weil das Feld so fragmentiert ist, dass wertvolles Praxiswissen sonst verloren geht und jedes Projekt dieselben Fehler neu macht.

### 1. Die Ausgangslage: Ein fragmentiertes Feld ohne zentrale Struktur

Das Feld des Digital Streetwork im deutschsprachigen Raum ist stark zersplittert: Projekte arbeiten dezentral, stehen mitunter in Konkurrenz um dieselben Fördertöpfe und verfügen über keine gemeinsame Fachsprache. Eine DACH-weite Vernetzungsstruktur existiert bislang nicht. Das macht Vernetzung aufwändiger – aber gleichzeitig umso wertvoller.

### 2. Fachliche Organisationen und Gremien

**BAG Streetwork / Streetwork Deutschland** Die Bundesarbeitsgemeinschaft Streetwork ist die etablierteste Fachstruktur im analogen Streetwork und ein natürlicher Anknüpfungspunkt für Digital Streetwork. Hier lassen sich Kontakte zu Fachkräften knüpfen, die den Übergang zwischen analoger und digitaler Arbeit kennen – und die an der Weiterentwicklung gemeinsamer Standards interessiert sind.

**DGSA – Fachgruppe Soziale Arbeit und Digitalisierung** Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit hat eine Fachgruppe, die sich explizit mit der Digitalisierung der Sozialen Arbeit befasst. Hier sind sowohl Wissenschaftler*innen als auch Praktiker*innen aktiv. Die Fachgruppe organisiert Tagungen und Publikationen und ist einer der wenigen Orte, an denen trägerübergreifender fachlicher Austausch systematisch stattfindet.

**BAG RelEx** Für Projekte im Bereich religiös begründeter Extremismus ist die Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus ein wichtiger Vernetzungsort – sowohl für fachlichen Austausch als auch für Kooperationen und gemeinsame Fortbildungen.

### 3. Zivilgesellschaftliche Organisationen und Modellprojekte

**Amadeu Antonio Stiftung** Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine der aktivsten Organisationen im Bereich Digital Streetwork und Extremismusprävention online. Sie betreibt eigene Projekte, vernetzt Akteur\*innen im Feld und produziert praxisnahes Wissen. Ein direkter Kontakt lohnt sich – sowohl für fachlichen Austausch als auch als Türöffner zu anderen Projekten im Netzwerk der Stiftung.

**Weitere Modellprojekte im deutschsprachigen Raum** Es gibt eine Reihe von Projekten, die Digital Streetwork bereits professionell betreiben und deren Erfahrungen für neue oder wachsende Projekte wertvoll sind. Ein direkter Kontakt zu diesen Projekten – auch über die Amadeu Antonio Stiftung – kann Wissen erschließen, das nirgendwo verschriftlicht ist.

#### Liste von Projekten

Ausrichtung dieser Projekte - Zielgruppen und Themen von Digital Streetwork, zusammengefasst:

Die Synopse der folgenden Projekte zeigt, dass ihr größter gemeinsamer Nenner die Zielgruppe von jungen Menschen bis 27 Jahre ist: Zwei Drittel

der Projekte haben diese Zielgruppe. Darüber hinaus ist etwa die Hälfte der Projekte auch lokal in die Zielgruppenerreichung gebunden (z. B. nur junge Menschen im Stuttgarter Raum oder Berliner Zugewanderte). Ein weiterer Teil des Zielgruppenzuschnitts besteht darin, vor allem diejenigen zu adressieren, die Desinformation online ausgesetzt sind, dies erfolgt teils in Kombination mit Regelangeboten für schwer erreichbare/marginalisierte Zielgruppen wie z. B. Migrationsberatung. Ein sehr kleiner Teil hat Multiplikator\*innen der Jugendsozialarbeit und des Bereichs Streetwork als Zielgruppe. Das Themenspektrum, das die Projekte adressieren, ist breit gefächert und deckt verschiedene soziale Herausforderungen ab: extremistische Orientierungen, vor allem mit Fokus auf Rechtsextremismus und Islamismus, Migration bzw. Information und Beratung zur Migration/Zuwanderung, Wohnungslosigkeit und Marginalisierung, Sexualität/sexuelle Gewalt sowie Suchtprävention (Glückspiel und Suchtmittelkonsum).

##### Antihelden.info

Verein zur Förderung von Jugendlichen e.V.

Beratung zu Sexualität:en und sexualisierter Gewalt

[www.antihelden.assisto.online](http://www.antihelden.assisto.online/)

##### Onjuvi isi – Jugendsozialarbeit online

Verein I.S.I. – Initiativen für soziale Integration

Online-Streetwork in Oberösterreich

[www.verein-isi.at/Onjuvi](http://www.verein-isi.at/Onjuvi)

##### OÖ Digital Streetwork

Familienbund Oberösterreich GmbH und Sozialressort des Landes OÖ

Beratung in Sozialen Netzwerken - Kostenlos, anonym und respektvoll

[www.digital-streetwork.at](https://digital-streetwork.at/)

##### CADS – Community Advisors

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Digital Streetwork für EU-Beschäftigte in Deutschland

[www.minor-digital.de/cads-community-advisors](http://www.minor-digital.de/cads-community-advisors)

##### Center for Education on Online Prevention in Social Networks (CEOPS)

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

digitale Lehrgänge zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Extremismus sowie Demokratieförderung in Sozialen Medien

[www.ceops.online](http://www.ceops.online/)

##### ConAction

Condrobs e.V.

Drogen, Mobbing u.v.a. On- und Offline-Themen

[www.condrobs.de/hilfe/streetwork-im-netz](http://www.condrobs.de/hilfe/streetwork-im-netz)

##### Digital Streetwork Bayern

Bayerischer Jugendring (BJR)

Unterstützung bei Themen zur psychischen Gesundheit, Schule, Arbeit, Beziehungen u.a. klassischen Sozialarbeitsbereichen

[www.digital-streetwork-bayern.de](http://www.digital-streetwork-bayern.de/)

##### Digital Streetwork Stuttgart

Zukunftswelten – Stuttgarter Jugendhaus gGmbH

medienbasierte, digitale Beratungsangebote in und um Stuttgart online

[www.zukunftswelten.net/welten-digitale-sozialarbeit](http://www.zukunftswelten.net/welten-digitale-sozialarbeit)

##### FEM.OS und FEM.OS 2.0

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Information und Beratung zu Sozialen Medien für Migrant\*innen aus Drittstaaten

[www.minor-kontor.de/fem-os-en](http://www.minor-kontor.de/fem-os-en)

##### Hybride Streetwork

Johannes Brock und Kai Fritzsche

Auseinandersetzung mit Herausforderungen für Mobile Jugendarbeit im digitalen Zeitalter, konzeptionelle Überlegungen für eine Hybride Streetwork

[www.hybride-streetwork.de](http://www.hybride-streetwork.de/)

##### Jamal al Khatib (xNISA)

turn – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention

Online-Streetwork und Videos zu Alltagserfahrungen und muslimischer Identität, religiösen Fragen, gesellschaftskritischen Perspektiven und Erfahrungen mit Marginalisierung

[www.turnprevention.com/jamal](http://www.turnprevention.com/jamal)

##### JMD digital-virtuelle Beratungsstrukturen für ländliche Räume

Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V.

digitale ganzheitliche Unterstützung junger Ratsuchender fernab großer Städte

[www.jugendmigrationsdienste.de/jmd-digital](http://www.jugendmigrationsdienste.de/jmd-digital)

##### Jugend Interaktiv Hamburg

ab ausblick hamburg gGmbH

aufsuchende Hilfe und Beratung in schwierigen und herausfordernden Lebenssituationen

[www.ausblick-hamburg.de/ausbildung-und-orientierung/](http://www.ausblick-hamburg.de/ausbildung-und-orientierung/)neu-jugend-interaktiv.html

##### Landesstelle Glücksspielsucht Bayern

[www.lsgbayern.de/wir-ueber-uns/online-streetwork](http://www.lsgbayern.de/wir-ueber-uns/online-streetwork)

##### Local Streetwork Online/Offline

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

Prävention gewaltbereiter islamisch-extremistischer Radikalisierung, Begünstigung von

Distanzierungsprozessen

[www.localstreetwork-onoff.de/](http://www.localstreetwork-onoff.de/)

##### Neu in Berlin live

Minor – Digital gemeinnützige GmbH

Beratung und Info-Materialien für neueingewanderte Migrant\*innen in den Sozialen Medien in Berlin

[www.minor-kontor.de/neu-in-berlin-live](http://www.minor-kontor.de/neu-in-berlin-live)

##### Prisma Online

Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. (CJD)

Anstoßen eines ideologischen Distanzierungsprozesses von neurechten Sympathisant\*innen und Akteur\*innen

[www.prisma.online](http://www.prisma.online/)

##### Social Media Streetwork

Minor – Projektkontor für Bildung und Forschung gemeinnützige GmbH

Erstinformation und Verweisberatung in Sozialen Medien gegen Marginalisierung

[www.minor-kontor.de/social-media-streetwork](http://www.minor-kontor.de/social-media-streetwork)

##### Streetwork@online

AVP e.V. (Akzeptanz, Vertrauen, Perspektive)

Fokus auf religiös begründeter Radikalisierung im islamistischen Kontext

[www.streetwork.online/](http://www.streetwork.online/)

### 4. Wissenschaftliche Institutionen

Hochschulen mit Schwerpunkt Soziale Arbeit und Digitalisierung sind nicht nur Ausbildungsorte, sondern auch Vernetzungsknoten:

* **Hochschule München**
* **Duale Hochschule Baden-Württemberg**
* **Hochschule Jena**
* **Technische Hochschule Köln**

Ein Kontakt zu Lehrenden oder Forschenden dieser Hochschulen kann nicht nur Wissen erschließen, sondern auch Begleitforschung, Praxissemester-Kooperationen oder gemeinsame Publikationen ermöglichen – was wiederum die eigene fachliche Positionierung stärkt.

### 5. Fachtagungen als Vernetzungsorte

Fachtagungen sind die effizientesten Orte für Vernetzung – weil dort in kurzer Zeit viele relevante Akteur\*innen zusammenkommen. Relevante Tagungsformate:

* Tagungen zu Digital Streetwork und digitaler Jugendhilfe
* Fachtagungen zu Extremismusprävention online
* Tagungen der DGSA mit Fokus auf Digitalisierung
* Jugendhilfetage und Sozialarbeitskongresse mit digitalen Themenblöcken

Wer auf Tagungen als Teilnehmer\*in präsent ist, erhöht die eigene Sichtbarkeit im Feld erheblich. Zusätliche Sichtbarkeit kann mit eigenen Beiträgen oder Workshops generiert werden.

### 6. Trägerübergreifende Arbeitsgruppen und Gremien

Wo trägerübergreifende Arbeitsgruppen zu Digital Streetwork existieren, sind sie eine der wertvollsten Vernetzungsformen – weil hier Wissen systematisch geteilt und gemeinsame Standards entwickelt werden können. Wo sie nicht existieren, lohnt es sich, die Initiative zu ergreifen und eine solche Gruppe anzuregen – etwa im Rahmen bestehender kommunaler oder regionaler Jugendhilfestrukturen.

### 7. Was strukturell noch fehlt – und was das für die Vernetzung bedeutet

Langfristig braucht das Feld eine **DACH-Arbeitsgemeinschaft für Digital Streetwork**, die wissenschaftlich begleitet wird, gemeinsame Fachbegriffe entwickelt, Best Practices dokumentiert und regelmäßige Fachtagungen koordiniert. Eine solche Struktur existiert bislang nicht – aber die verschiedenen oben genannten Akteur\*innen könnten der Ausgangspunkt dafür sein. Wer sich heute aktiv vernetzt, trägt zur Entstehung dieser Struktur bei.

**Kurz gesagt:** Die wichtigsten Vernetzungspartner sind die BAG Streetwork, die DGSA-Fachgruppe Soziale Arbeit und Digitalisierung, die Amadeu Antonio Stiftung, Hochschulen mit relevantem Schwerpunkt sowie andere Digital-Streetwork-Projekte im deutschsprachigen Raum. Da eine zentrale Vernetzungsstruktur fehlt, ist aktives Zugehen – auf Tagungen, über direkte Kontaktaufnahme und durch Mitarbeit in Fachgremien – der wirksamste Weg.

## Wo finde ich Gleichgesinnte Kolleg\*innen zum Austausch? Wo finde ich Gleichgesinnte – informell und digital?

### A) Niedrigschwellige, informelle Austauschmöglichkeiten im Alltag

#### 1. Der Wert des informellen Austauschs

Formelle Gremien und Fachtagungen sind wichtig – aber sie finden selten statt und erfordern Vorbereitung. Was Fachkräfte im Alltag oft mehr braucht, ist jemand, den man schnell anrufen kann, wenn man gerade nicht weiterweiß. Dieser informelle Austausch entsteht nicht von selbst – er muss aktiv aufgebaut werden.

#### 2. Kollegiale Netzwerke bewusst aufbauen

Der einfachste Weg zu Gleichgesinnten führt über persönliche Kontakte:

* **Fachtagungen als Startpunkt nutzen**: Tagungen sind nicht nur für Wissenstransfer da – sie sind vor allem Orte, an denen persönliche Kontakte entstehen, die danach im Alltag weiterleben. Wer auf einer Tagung jemanden kennenlernt, der ähnliche Herausforderungen hat, sollte den Kontakt aktiv halten
* **Direkte Kontaktaufnahme mit anderen Projekten**: Eine kurze E-Mail oder ein Anruf bei einem anderen Digital-Streetwork-Projekt mit dem Angebot zum gegenseitigen Austausch wird in einem so isolierten Feld fast immer positiv aufgenommen

#### 3. Trägerinterne Strukturen nutzen und ausbauen

Wer in einem größeren Träger arbeitet, sollte prüfen:

* Gibt es Kolleg\*innen in anderen Projekten, die ähnliche digitale Themen bearbeiten?
* Gibt es trägerinterne Fachgruppen oder Arbeitskreise, in die Digital Streetwork eingebracht werden könnte?
* Könnte eine trägerinterne Intervisionsgruppe speziell für digitale Arbeit etabliert werden?

Auch trägerübergreifende Intervisionsgruppen – also kleine, regelmäßige Austauschformate zwischen Fachkräften verschiedener Organisationen – sind eine niedrigschwellige und sehr wirksame Form des kollegialen Austauschs.

#### 4. Supervision als Vernetzungsort

Gruppensupervision mit Fachkräften aus verschiedenen Projekten ist nicht nur eine Schutzmaßnahme, sondern auch ein Vernetzungsformat. Wer sich gemeinsam mit Kolleg\*innen anderer Träger supervidieren lässt, baut nebenbei ein Netzwerk auf – und lernt, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen umgehen.

### B) Digitale Orte der Vernetzung

#### 1. Die Herausforderung: Wenig etablierte digitale Strukturen

Es gibt bislang keine etablierte digitale Plattform, die speziell für den Austausch von Digital-Streetwork-Fachkräften im deutschsprachigen Raum existiert. Das ist eine der spürbaren Lücken im Feld. Was es gibt, sind teils thematisch benachbarte Räume, die als Ausgangspunkt genutzt werden können.

#### 2. Bestehende digitale Austauschorte

**Mailinglisten und Newsletter von Fachorganisationen** Die DGSA, die BAG Streetwork und die Amadeu Antonio Stiftung betreiben Mailinglisten und Newsletter, über die Fachkräfte erreicht werden und über die Kontakte geknüpft werden können. Eine Anmeldung lohnt sich – auch um zu sehen, wer sonst noch im Feld aktiv ist.

**Fachgruppen auf sozialen Plattformen** Auf Facebook gibt es vereinzelt Gruppen zu Sozialer Arbeit und Digitalisierung, die als informelle Austauschorte genutzt werden. Die Qualität und Aktivität dieser Gruppen variiert stark – es lohnt sich, gezielt zu suchen und im Zweifel selbst eine Gruppe zu gründen, wenn keine passende existiert.

**Discord als Möglichkeit** Discord wird nicht nur von der Zielgruppe genutzt – es eignet sich auch für professionelle Communities. Ein thematischer Server für Digital-Streetwork-Fachkräfte wäre ein niedrigschwelliger, asynchroner Austauschort, der genau das bietet, was viele Fachkräfte suchen: schnellen, informellen Kontakt zu Gleichgesinnten. Einen solchen Server gibt es bislang nicht – aber das wäre eine Lücke, die jemand füllen könnte.

#### 3. Digitale Formate von Fachorganisationen nutzen

Viele Fachorganisationen haben während und nach der Pandemie digitale Austauschformate etabliert, die niedrigschwelliger zugänglich sind als Präsenztagungen:

* Webinare und Online-Fachgespräche der DGSA, der Amadeu Antonio Stiftung oder der BAG Streetwork
* Online-Arbeitsgruppen und virtuelle Stammtische, die teils offen, teils auf Einladung stattfinden
* Aufzeichnungen von Fachveranstaltungen, die nachträglich zugänglich sind und über die Kontakte zu Referent\*innen geknüpft werden können

#### 4. Selbst sichtbar werden – und dadurch Gleichgesinnte anziehen

Eine oft unterschätzte Strategie: Wer selbst Wissen teilt – etwa durch Beiträge auf LinkedIn, durch Gastbeiträge in Fachpublikationen oder durch aktive Beteiligung an Onlinediskussionen –, zieht automatisch andere an, die ähnliche Themen bearbeiten. Sichtbarkeit ist im fragmentierten Feld des Digital Streetwork auch eine Form der Vernetzung.

**Kurz gesagt:** Informell entstehen die wertvollsten Kontakte auf Fachtagungen, durch direkte Kontaktaufnahme mit anderen Projekten und über trägerübergreifende Intervisionsgruppen. Digital sind Fachgruppen auf sozialen Plattformen und die digitalen Formate von DGSA und Amadeu Antonio Stiftung die naheliegendsten Anlaufstellen. Eine speziell auf Digital Streetwork ausgerichtete digitale Community existiert bislang nicht – das ist eine Lücke, die das Feld selbst füllen müsste.

Auf welchen Tagungen und Fachgruppen muss ich präsent sein?

## Was muss ich über die jungen Leute wissen? Was muss ich über junge Menschen wissen, um in der Digital Streetwork professionell arbeiten zu können? Welche Zielgruppen gibt es im DS? Worauf kann ich mein Projekt spezialisieren?Auf welchen Plattformen erreiche ich die Jugendlichen? Wie begegne ich den jungen Leuten? Über welche Ängste sprechen junge Menschen online? Was sind die Besonderheiten der Onlinekommunikation mit Jugendlichen? Wie kann ich Jugendliche gut beteiligen? Wie erreiche junge Menschen und welchen Themen haben Jugendliche online? Wie gestalte ich Beziehung im digitalen Raum? Was ist für meine Klient\*innen wichtig?

Junge Menschen zu verstehen ist keine Frage des Alters der Fachkraft – es ist eine professionelle Kompetenz, die aktiv aufgebaut und kontinuierlich aktualisiert werden muss.

### 1. Lebenswelt verstehen – nicht nur Plattformen kennen

Der häufigste Fehler ist, das Wissen über junge Menschen auf Plattformkenntnisse zu reduzieren: „Ich kenne TikTok, also kenne ich meine Zielgruppe.” Das greift zu kurz. Was Fachkräfte wirklich brauchen, ist ein tiefes Verständnis der Lebenswelt junger Menschen – also der Themen, Ängste, Hoffnungen und sozialen Kontexte, die ihr Leben prägen. Plattformen sind nur der Kanal – die Lebenswelt ist der Inhalt.

### 2. Die zentralen Themen junger Menschen im Netz

Pädagogisches Monitoring zeigt immer wieder, welche Themen junge Menschen online bewegen – und das sind oft genau die Themen, die im Offline-Kontext keinen Raum finden:

* **Einsamkeit und soziale Isolation**: Gerade nach der Pandemie ist Einsamkeit unter Jugendlichen stark gestiegen – und das Netz ist oft der einzige Ort, an dem darüber gesprochen wird
* **Mentale Gesundheit**: Ängste, Depressionen, Selbstverletzung, Essstörungen – diese Themen sind online präsenter als in fast jedem anderen Kontext
* **Körperbild und Selbstwert**: Besonders auf visuellen Plattformen wie Instagram und TikTok ist der Druck durch Vergleiche und Schönheitsideale enorm
* **Mobbing und Diskriminierungserfahrungen**: Rassismus, Ausgrenzung, Hate Speech – viele Jugendliche erleben das täglich online
* **Gesellschaftliche Unsicherheit und Zukunftsängste**: Klimakrise, politische Polarisierung, Rechtsruck, Kriegsangst – junge Menschen tragen diese Themen mit sich, oft ohne Gesprächspartner\*innen
* **Radikalisierungsanfälligkeit**: Nicht als Mehrheitsphänomen, aber als relevantes Risiko – gerade bei Jugendlichen, die Ausgrenzung, Sinnlosigkeit oder Kontrollverlust erleben

### 3. Jugendkulturelle Codes und Kommunikationsstile

Fachkräfte müssen die Sprache, den Humor und die Kommunikationskultur der Zielgruppe kennen – nicht um sie zu imitieren, sondern um sie zu verstehen und ernst zu nehmen:

* **Memes, Ironie und Subtext**: Viel jugendliche Onlinekommunikation funktioniert über Ironie, Memes und kulturelle Referenzen, die für Außenstehende schwer zu entschlüsseln sind. Wer diese Codes nicht kennt, missversteht Inhalte – oder wird selbst nicht verstanden
* **Plattformspezifische Kommunikationsnormen**: Was auf Discord normal ist, wirkt auf TikTok deplatziert – und umgekehrt. Jede Plattform hat eigene ungeschriebene Regeln
* **Schnelllebigkeit der Trends**: Was heute viral ist, ist morgen schon überholt. Fachkräfte müssen kontinuierlich beobachten, welche Themen, Formate und Ausdrucksweisen gerade relevant sind

### 4. Die Heterogenität der Zielgruppe anerkennen

„Die Jugend” gibt es nicht – die Zielgruppe des Digital Streetwork ist hochdivers:

* **Altersspanne**: Das KJHG adressiert 12- bis 27-Jährige – das ist eine enorme Spanne mit sehr unterschiedlichen Entwicklungsphasen, Bedürfnissen und Plattformnutzungen
* **Soziale Hintergründe**: Armutsbetroffene und marginalisierte Jugendliche haben andere Bedarfe und andere Online-Präsenz als Jugendliche aus privilegierteren Verhältnissen
* **Migrationshintergründe**: Mehrsprachigkeit, unterschiedliche kulturelle Bezüge und spezifische Diskriminierungserfahrungen prägen die Lebenswelt vieler Jugendlicher
* **Zielgruppenspezifik nach Phänomenbereich**: Jugendliche im Kontext von Rechtsextremismus, Islamismus oder allgemeiner psychosozialer Belastung unterscheiden sich erheblich – in Plattformnutzung, Erreichbarkeit und geeigneten methodischen Zugängen

### 5. Strukturelle Ausschlusserfahrungen verstehen

Viele der Jugendlichen, die Digital Streetwork erreichen will, haben eines gemeinsam: Sie fühlen sich von gesellschaftlichen Strukturen nicht gehört, nicht beteiligt oder aktiv ausgeschlossen. Das betrifft:

* Armutsbetroffene Jugendliche, deren Perspektiven in politischen Prozessen kaum vorkommen
* Jugendliche mit Migrationshintergrund, die strukturelle Diskriminierung erleben
* Jugendliche, die aufgrund von psychischen Belastungen sozial isoliert sind
* Jugendliche, die in der Schule, Familie oder Peer-Group keinen Platz für ihre Themen finden

Dieses Verständnis ist nicht nur empathisch wichtig – es ist methodisch entscheidend. Wer versteht, welche Bedürfnisse hinter einem Verhalten stehen, kann gezielter und wirksamer intervenieren.

### 6. Radikalisierungsdynamiken kennen

Für Projekte im Bereich Extremismusprävention ist ein vertieftes Verständnis von Radikalisierungsprozessen unerlässlich:

* Radikalisierung ist selten ein plötzliches Ereignis, sondern ein schrittweiser Prozess – oft getrieben durch Ausgrenzungserfahrungen, Sinnsuche oder das Bedürfnis nach Zugehörigkeit
* Gerade im Jugendalter sind Radikalisierungsprozesse oft noch nicht abgeschlossen und stringent – das ist eine Chance für präventive Intervention
* Ideologische Argumentationsmuster – ob rechtsextrem oder islamistisch – müssen Fachkräfte kennen, um sie erkennen und professionell darauf reagieren zu können

### 7. Wissen kontinuierlich aktualisieren

Das vielleicht Wichtigste: Was Fachkräfte über junge Menschen wissen, veraltet schnell. Die Mediennutzung der Zielgruppe verändert sich rasant, neue Plattformen entstehen, politische und kulturelle Trends verschieben sich. Wissen über junge Menschen ist kein einmaliger Erwerb, sondern eine kontinuierliche Aufgabe:

* **Pädagogisches Monitoring** als systematische Beobachtung der Zielgruppe im Netz
* **Modulare Weiterbildung** zu aktuellen Entwicklungen – etwa zu politischen Trends wie dem Rechtsruck, neuen Plattformen oder veränderten Kommunikationsstilen
* **Direkte Auseinandersetzung mit der Zielgruppe**: Wer regelmäßig mit jungen Menschen in Kontakt ist, lernt mehr als durch jede Fortbildung

**Kurz gesagt:** Fachkräfte im Digital Streetwork brauchen kein oberflächliches Wissen über Plattformen, sondern ein tiefes Verständnis der Lebenswelt junger Menschen – ihrer Themen, Ängste, Kommunikationsstile und strukturellen Ausschlusserfahrungen. Dieses Wissen muss kontinuierlich aktualisiert werden, weil sich die Lebenswelt junger Menschen im digitalen Raum schneller verändert als in fast jedem anderen Kontext.

## Wie erfahre ich mehr über Instagram? Wie erfahre ich mehr über Instagram? Wie nutzen Jugendliche diese Plattform? Was muss ich auf Instagram beachten - wie gehe ich da geschickt vor?

### 1. Instagram verstehen – Plattformlogik vor Technik

Social Media Plattformkompetenz bedeutet mehr als technische Bedienung – sie umfasst das Verstehen und kritische Reflektieren von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformseitigen Einschränkungen. Instagram funktioniert dabei grundlegend anders als TikTok oder Discord: Es ist langsamer und netzwerkbasierter – Reichweite entsteht nicht primär über virale Inhalte, sondern über gewachsene Follower-Strukturen und Interaktion. Der Algorithmus bevorzugt Inhalte, die Engagement erzeugen – also Kommentare, Shares und gespeicherte Beiträge – gegenüber solchen, die nur passiv konsumiert werden. Wer das nicht versteht, wird auf Instagram kaum sichtbar.

### 2. Wie Jugendliche Instagram konkret nutzen

Instagram ist für viele Jugendliche kein einheitliches Erlebnis – die Plattform hat mehrere Funktionen, die unterschiedlich genutzt werden. **Reels** sind kurze Videos, die algorithmisch ausgespielt werden und hohe Reichweite erzielen können – hier werden Trends gesetzt und aufgegriffen. **Stories** sind flüchtige, alltägliche Inhalte, die nach 24 Stunden verschwinden und für niedrigschwelligen, persönlichen Austausch genutzt werden – sie sind oft authentischer und weniger inszeniert als Posts. **Der Feed** wird zunehmend als Schaufenster genutzt – sorgfältig kuratiert und weniger für spontane Kommunikation. **Direktnachrichten** sind der eigentliche Ort für echten Austausch – viele Jugendliche kommunizieren primär über DMs, nicht über öffentliche Kommentare. Für Digital Streetwork ist das entscheidend: Der öffentliche Account ist die Visitenkarte, aber Beziehung entsteht in den Direktnachrichten.

### 3. Wie Fachkräfte sich Wissen über Instagram aufbauen

Sich in einem professionellen Rahmen systematisch und kontinuierlich zu informieren, mit welchen Themen sich Jugendliche auf Instagram beschäftigen, ist essenziell, um sie aufsuchen und adäquat ansprechen zu können. Das bedeutet konkret:

* **Pädagogisches Monitoring**: Relevante Accounts, Hashtags und Kommentarspalten regelmäßig beobachten – nicht als passives Scrollen, sondern als strukturierte Beobachtung mit dokumentierten Erkenntnissen
* **Instagram Insights nutzen**: Das plattformeigene Analysetool zeigt, welche Inhalte wie viele Menschen erreichen, zu welchen Zeiten die Zielgruppe aktiv ist und woher die Reichweite kommt – ein wichtiges Instrument zur Reflexion der eigenen Arbeit
* **Aktuelle Medienberichte und Studien verfolgen**: Studien wie der JIM-Monitor oder der DAK-Gesundheitsreport erheben regelmäßig Daten zur Mediennutzung Jugendlicher und geben Orientierung darüber, wie sich Nutzungsgewohnheiten verändern
* **Fortbildungen und Fachtagungen**: Spezialisierte Fortbildungen zu Social-Media-Kompetenz und plattformspezifischer Kommunikation sind ein sinnvoller Baustein – insbesondere solche, die nicht nur technische Bedienung, sondern kritische Reflexion der Plattformlogiken in den Blick nehmen

### 4. Die Grenzen von Instagram für Digital Streetwork

Instagram hat strukturelle Einschränkungen, die Fachkräfte kennen müssen. Politische Inhalte werden algorithmisch teilweise benachteiligt – das trifft Präventionsangebote strukturell härter als kommerzielle Accounts. Zu häufiges Posten oder das Streuen von Links wird von Algorithmen als Spam klassifiziert und kann dazu führen, dass Accounts eingeschränkt oder gelöscht werden. Hinzu kommt: Instagram bietet kaum Möglichkeiten zur regionalen Steuerung – wer regional gefördert wird, kann nicht sicherstellen, dass erreichte Nutzer\*innen aus der Förderregion stammen. Fachkräfte müssen diese Mechanismen kennen, dokumentieren und – wo nötig – mit dem Träger klären, ob das professionelle Vorgehen angepasst oder Kontakt mit der Plattform aufgenommen werden soll.

**Kurz gesagt:** Instagram zu verstehen bedeutet, die Plattformlogik hinter Reels, Stories und Direktnachrichten zu kennen, zu wissen wie Jugendliche die verschiedenen Funktionen nutzen, und systematisches Monitoring als kontinuierliche professionelle Aufgabe zu begreifen. Gleichzeitig müssen Fachkräfte die strukturellen Einschränkungen der Plattform kennen – und kritisch reflektieren, wo die Grenze zwischen strategischer Plattformnutzung und einer Unterwerfung unter kommerzielle Aufmerksamkeitsökonomien verläuft.

## Was müssen meine Angestellten über von Rechtsextremismus gefährdete Jugendliche wissen?

### 1. Radikalisierung als Prozess verstehen – nicht als Zustand

Rechtsextreme Radikalisierung ist selten ein plötzliches Ereignis, sondern ein schrittweiser Prozess – oft getrieben durch Ausgrenzungserfahrungen, Sinnsuche, das Bedürfnis nach Zugehörigkeit oder das Erleben von Kontrollverlust. Fachkräfte müssen diesen Prozesscharakter verstehen, weil er bestimmt, wann und wie Intervention möglich ist. Gerade im Jugendalter sind Radikalisierungsprozesse oft noch nicht vollständig stringent vollzogen – Weltbilder sind noch durchlässig, Zweifel sind noch vorhanden, Beziehungsangebote können noch greifen. Das ist die entscheidende Chance für präventive Intervention, die Fachkräfte nur nutzen können, wenn sie die Dynamiken kennen und früh erkennen.

##### Ein Beispiel: Quelle: MBR 2006, modifiziert JR

|  |  |  |
| --- | --- | --- |
|  | Funktion/Verhalten | Diskussionsverhalten |
| Mitläufer\*in | unsystematische Handlungen nach VI Milieu-Vorgaben vereinzelte Teilnahme an Milieu-Aktionen, ggf. Kontakte zu Aktivist\*innen | Suche nach Orientierung eher offenes Diskussionsverhalten |
| Sympathisant\*in | passiver Konsum (Social Media lediglich Likes und Shares) keine Handlungen nach VI-Milieu-Vorgaben | offenes Diskussionsverhalten |

### 2. Phänomenbezogenes Fachwissen als Grundvoraussetzung

Für die Arbeit im Bereich Rechtsextremismusprävention gilt: Phänomenbezogenes Fachwissen ist keine Zusatzqualifikation, sondern Grundvoraussetzung. Fachkräfte müssen ideologische Argumentationsmuster der Neuen Rechten, einschlägige Narrative, Symbole und Codes sowie die Geschichte und Struktur rechtsextremer Bewegungen kennen. Nur wer diese Muster erkennt, kann sie im digitalen Raum identifizieren – in Kommentarspalten, in Memes, in scheinbar harmlosen Aussagen, die bei genauerem Hinsehen Teil eines rechtsextremen Deutungsrahmens sind. Diese Spezialisierung sollte idealerweise über Fortbildungen etablierter Fachinstitute erfolgen – etwa der Amadeu Antonio Stiftung oder spezialisierten Beratungsstellen im Bereich Rechtsextremismusprävention.

### 3. Die Rolle von Online-Räumen im Radikalisierungsprozess

Digitale Räume spielen im Radikalisierungsprozess eine zentrale Rolle – nicht als alleinige Ursache, aber als Verstärker und Beschleuniger. Algorithmen auf Plattformen wie YouTube oder TikTok können Nutzer*innen schrittweise in immer extremere Inhalte führen, ohne dass dies bewusst wahrgenommen wird. Gaming-Plattformen und geschlossene Discord-Server werden gezielt von rechtsextremen Akteur*innen genutzt, um Jugendliche anzusprechen – oft unter dem Deckmantel von Humor, Ironie oder Gaming-Kultur. Fachkräfte müssen diese digitalen Radikalisierungspfade kennen: Wo beginnen sie? Welche Plattformen spielen welche Rolle? Welche Inhalte und Akteur\*innen sind besonders relevant? Pädagogisches Monitoring ist hier das entscheidende Werkzeug – ohne systematische Beobachtung dieser Räume ist gezielte Intervention nicht möglich.

### 4. Methodischer Umgang – zwischen Beziehung und Konfrontation

Der methodische Umgang mit von Rechtsradikalisierung gefährdeten Jugendlichen erfordert eine fundierte pädagogische Haltung, die mehrere Ebenen gleichzeitig im Blick hat. Systemische Fragetechniken und ressourcenorientierte Gesprächsführung stehen im Vordergrund: Welches psychosoziale Bedürfnis steht hinter der Hinwendung zu rechtsextremen Inhalten? Welche Funktion hat dieses Verhalten im Kontext der Biographie des Jugendlichen? Was braucht das Gegenüber gerade? Gleichzeitig gehören konfrontative und verunsicherungspädagogische Methoden zum Repertoire – also das bewusste Erzeugen von Brüchen in nicht logisch stringenten Weltbildern, gezieltes Nachfragen und die professionell kalkulierte Kommentierung extremistischer Inhalte. Diese Methoden erfordern jedoch eine klare Unterscheidung zwischen professionell kalkulierter Irritation und eskalierender Konfrontation – eine Grenze, die Fachkräfte kennen und einhalten müssen.

**Kurz gesagt:** Fachkräfte, die mit von Rechtsradikalisierung gefährdeten Jugendlichen arbeiten, brauchen ein tiefes Verständnis von Radikalisierung als Prozess, fundiertes phänomenbezogenes Fachwissen zu rechtsextremen Ideologien und Narrativen, Kenntnisse über digitale Radikalisierungspfade sowie ein breites methodisches Repertoire, das zwischen Beziehungsarbeit und professionell kalkulierter Konfrontation unterscheiden kann. Dieses Wissen ist keine Zusatzqualifikation – es ist die Grundlage dafür, dass Intervention überhaupt möglich ist.

## Wie erreiche ich neue Zielgruppen, die von Ungleichheit / Marginalisierung / Armut betroffen sind?

Um neue Zielgruppen zu erreichen, die von **Ungleichheit, Marginalisierung oder Armut** betroffen sind, identifizieren die Quellen verschiedene methodische und strukturelle Zugänge im Rahmen der Digitalen Streetwork:

### 1. Proaktive Präsenz in spezifischen digitalen Sozialräumen

* **Aufsuchen in Alltagsräumen:** Fachkräfte müssen sich aktiv in die digitalen Lebenswelten begeben, in denen sich diese Zielgruppen ohnehin aufhalten (z. B. TikTok, Gaming-Plattformen wie Discord oder lokale Netzwerke wie Jodel), statt auf eine Kontaktaufnahme zu warten.
* **Milieuspezifische Plattformwahl:** Die Wahl der Plattform muss sich strikt an den Nutzungsgewohnheiten der Zielgruppe orientieren. Während TikTok jüngere, visuell orientierte Zielgruppen erreicht, sind spezifische migrantische Communities eher auf Facebook oder in Messenger-Diensten wie Telegram und Viber aktiv.

### 2. Barrieren abbauen durch Niedrigschwelligkeit und Anonymität

* **Hürdenfreie Zugänge:** Angebote müssen ohne Registrierungszwang, App-Downloads oder Vorbedingungen direkt in den gewohnten Apps der Nutzer\*innen verfügbar sein.
* **Schutz durch Anonymität:** Besonders bei stigmatisierenden Themen wie Armut oder Wohnungslosigkeit senkt die Möglichkeit einer (teil-)anonymen Kommunikation die Hemmschwelle massiv, sich professionell zu öffnen.
* **Korrektur von Falschinformationen:** In vielen marginalisierten Communities kursieren Mythen (z. B. zu Aufenthaltsrecht oder Arbeitsansprüchen). Durch das aktive Richtigstellen dieser Informationen in öffentlichen Threads bauen Fachkräfte Reputation auf und erreichen Ratsuchende, die durch staatliche Stellen nicht erreicht werden.

### 3. Zielgruppengerechte Kommunikation und Formate

* **Muttersprachlichkeit:** Für Neuzugewanderte ist die Beratung in der Herkunftssprache essenziell, um sprachliche Barrieren und bürokratische Hürden zu überwinden.
* **Audiovisuelle Aufbereitung:** Für Menschen mit geringeren Lese- und Schreibkompetenzen oder hoher Affinität zu Kurzvideos sind Formate wie Infografiken, Reels oder Erklärvideos auf TikTok besonders effektiv, um komplexe rechtliche Inhalte barrierearm zu vermitteln.
* **Code- und Szenenkompetenz:** Fachkräfte müssen die spezifischen Codes, Memes und den Jargon der Zielgruppen verstehen (z. B. Gaming-Jargon oder szenetypische Ausdrücke), um als authentische Gesprächspartner akzeptiert zu werden.

### 4. Strategische Vernetzung und Multiplikatoren

* **Kooperation mit „Gatekeepern“:** Die Zusammenarbeit mit Administrator*innen und Moderator*innen von Online-Communities ist entscheidend, um Zugang zu geschlossenen Gruppen zu erhalten und als vertrauenswürdige Instanz verifiziert zu werden.
* **Monitoring und Screening:** Durch das gezielte Suchen nach Schlagworten oder indirekten Hinweisen auf Notlagen (z. B. Formulierungen wie „bin bei Bekannten untergekommen“, was auf verdeckte Wohnungslosigkeit hindeutet) können Fachkräfte gezielt Hilfe anbieten.
* **Einbeziehung von „Lurkern“:** Öffentliche Experten-Kommentare erreichen nicht nur die fragende Person, sondern auch eine „stille Mehrheit“ von Mitlesenden, die sich selbst (noch) nicht trauen, eine Frage zu stellen.

### 5. Adressierung spezifischer Problemlagen

* **Prekäre Branchen:** Gezielte Kampagnen erreichen EU-Beschäftigte in Branchen wie der Fleischindustrie oder Saisonarbeit, die oft außerhalb der Reichweite klassischer Behörden liegen.
* **Digitale Teilhabe als Grundrecht:** Die Quellen betonen, dass digitale Teilhabe für marginalisierte Gruppen oft an materiellen Ressourcen (Endgeräte, Datenvolumen) scheitert, weshalb der Zugang zum Netz als Teil der Daseinsvorsorge begriffen werden muss.

Um neue Zielgruppen zu erreichen, die von **Marginalisierung, Ungleichheit oder Armut** betroffen sind, zeigen die Quellen spezifische methodische Ansätze auf, die über die klassische aufsuchende Arbeit hinausgehen. Zentrale Strategien sind:

### 1. Präsenz in spezifischen digitalen Lebenswelten

Um „hard-to-reach“-Klient\*innen zu erreichen, muss die Arbeit dort stattfinden, wo diese sich ohnehin digital aufhalten.

* **Plattform-Monitoring:** Fachkräfte müssen die Social-Media-Räume der Zielgruppen täglich beobachten, um relevante Fragen und Bedarfe zu identifizieren.
* **Nutzung von Nischenplattformen:** Neben Mainstream-Plattformen werden gezielt Foren (z. B. Reddit), Gaming-Plattformen (Discord) oder spezifische Portale (z. B. Inseratenseiten für Sexarbeit) genutzt, da diese zentrale Lebensbereiche der Zielgruppen abbilden.
* **Umgang mit fehlenden Communities:** Bei Gruppen ohne feste digitale Gemeinschaften (z. B. wohnungslose Personen) suchen Fachkräfte in heterogenen Gruppen zu Themen wie Wohnungssuche oder Gewalt nach Anknüpfungspunkten.

### 2. Peer-Ansätze und Mehrsprachigkeit

Vertrauen und Zugang entstehen oft erst durch die Überwindung sprachlicher und kultureller Barrieren.

* **Beratung in Herkunftssprachen:** Die Bereitstellung von Informationen in mehreren Sprachen (z. B. Bulgarisch, Polnisch, Rumänisch) ist essenziell, um neu zugewanderte Unionsbürger\*innen zu erreichen.
* **Einsatz von Peer-Berater\*innen:** Die Einbindung von Fachkräften mit eigener Migrationserfahrung oder ähnlichen biografischen Hintergründen (z. B. ehemals Inhaftierte) steigert die Authentizität und Glaubwürdigkeit massiv.

### 3. Niedrigschwelligkeit und Anonymität

Für Menschen, die von Stigmatisierung oder Kontrolle (z. B. durch Täter\*innen im Bereich Menschenhandel) betroffen sind, sind Sicherheit und Diskretion der wichtigste Zugangsfaktor.

* **Anonymität als Türöffner:** Die Möglichkeit zum anonymen Erstkontakt senkt die Hemmschwelle bei schambesetzten Themen wie Armut oder Wohnungslosigkeit.
* **Kostenfreiheit und Freiwilligkeit:** Das Angebot muss bedingungslos kostenlos sein, wobei die Klient\*innen die volle Kontrolle über Dauer und Intensität des Kontakts behalten.

### 4. Content-based Outreach (Inhaltsbasierte Ansprache)

Digitale Inhalte fungieren als „digitale Flyer“, um Zielgruppen auf Hilfsangebote aufmerksam zu machen.

* **Zielgruppenrelevanter Content:** Durch Videos, Memes oder informative Posts zu Themen wie Rechtsansprüchen, Wohnungsnot, Diskriminierung oder Gesundheit werden Nutzer\*innen zur Kontaktaufnahme motiviert.
* **Gezielte Distribution (Targeting):** Informationen können über Hashtags oder technisches Targeting direkt in die Timelines von Menschen gespült werden, die in prekären Lebenslagen nach Informationen suchen.

### 5. Kooperation mit Gatekeepern

* **Zusammenarbeit mit Administrator\*innen:** Die Kooperation mit Moderator\*innen bestehender Online-Gruppen hilft dabei, die eigene Reputation zu steigern und als vertrauenswürdiges Angebot innerhalb einer geschlossenen Community wahrgenommen zu werden.

### 6. Brückenfunktion zum analogen System

Digital Streetwork dient oft als erste Anlaufstelle, um den Weg in das reale Hilfesystem zu ebnen.

* **Verweisberatung:** Durch die Vermittlung rechtssicherer Erstinformationen und den direkten Verweis an lokale Beratungsstellen vor Ort wird die „Lücke“ zwischen der digitalen Lebenswelt und staatlichen Hilfen geschlossen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Zugang zu marginalisierten Gruppen gelingt durch eine Kombination aus **mobiler Erreichbarkeit** (Smartphone-Fokus), **kultureller Passfähigkeit** (Sprache/Peers) und der **Wahrung maximaler Autonomie** der Betroffenen.

Bitte wenden Sie sich bei Bedarf an [minor – Projektkontor für Bildung und Forschung:](https://minor-kontor.de/) minor@minor-kontor.de, **Telefon:** +49 30 – 45 79 89 500

Zu besonderen Themen, wie geschlechtsspezifische Gewalt (Menschenhandel, Zwangsprostitution, sexuelle Ausbeutung, Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung) sowie für Prostituierte / Sexarbeiter:innen, wenden Sie sich z. B. an [ira e.V.](https://ira-ira.de/), Telefon: +49 162 95 82 493, E-Mail: info@ira-ira.de

## Was macht professionelle Digital Streetwork aus? Was müssen meine Fachkräfte für professionelle Digital Streetwork mitbringen? Welche spezifischen Herausforderungen haben die Digital Streetworker\*innen im Netz?

### *Auszug aus der Handreichung „Soziale Arbeit im #OnlineRealLife - Digital Streetwork von A bis Z“, B – Beratung im Rahmen von Digital Streetwork, S. 27-28:*

Beratung nimmt in der Sozialen Arbeit einen zentralen Stellenwert ein. Sie ist ein wesentliches Instrument, um Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützen, begleiten und empowern zu können. Beratung zielt darauf ab, Adressat\*innen bei der Bewältigung von Problemen und Herausforderungen zu helfen, ihre Ressourcen und Fähigkeiten zu mobilisieren und ihre Lebensqualität zu verbessern. Im Rahmen der Beratung bilden folgend Ebenen die primären Agenden von möglichen Prozessgestaltungen:

#### 1. Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe

Beratung befähigt Adressat\*innen, ihre eigenen Lösungsstrategien zu entwickeln und umzusetzen.

#### 2. Krisenintervention

In akuten Krisensituationen bietet Beratung sofortige Unterstützung und Orientierung, um eine Stabilisierung zu erreichen.

#### 3. Prävention

Durch Beratung können präventive Maßnahmen ergriffen werden, um das Entstehen von Problemen zu verhindern oder abzumildern.

#### 4. Ressourcenaktivierung

Beratung hilft, vorhandene Ressourcen und Stärken der Adressat\*innen zu erkennen und zu nutzen.

#### 5. Netzwerkbildung

Beratung unterstützt den Aufbau und die Nutzung sozialer Netzwerke, um die soziale Integration und Unterstützung zu fördern.

Diese Aspekte sind auch für Beratungen im Kontext von Digital Streetwork essentiell und in der professionellen Ausgestaltung solcher Arbeit unabdingbar. Dies wiederum bedeutet, dass Teile der Arbeit in der Digital Streetwork keine Beratungen sind, sondern andersartige Formen des Austauschs mit den Adressat\*innen. Ein öffentliches Gespräch auf der Plattform Twitch über die Befindlichkeit oder aktuelle politische Ereignisse ist im Sinne dieser Definition keine Beratung. Vielmehr ist es dieser Prozess der Kontaktanbahnung, der der eigentlichen Beratung zumeist vorausgeht. Ebenso ist das gemeinsame Spielen von Videospielen online, wie es teilweise im Rahmen von Digital Streetwork angewendet wird, keine Beratung.

Besonders mit Blick auf die Vielfalt der Unterstützungsbedarfe und -systeme ergibt sich für das Arbeiten im internetgestützten Bereich jedoch eine enorme Herausforderung. So können Beratungen im Online-Raum angebahnt und kann ein grundlegendes Clearing (im Falle von Digital Streetwork eine basale, niedrigschwellige und anhand professioneller Standards durchgeführte Abklärung und Einordnung) von bestehenden und zu bearbeitenden Problematiken erarbeitet werden; eine weiterführende Bearbeitung bedarf aber vielfach eines Netzwerks im konkreten geographischen Raum. Um dies an einem Beispiel festzumachen: Menschen können in Beratungen mit Digital Streetworker\*innen ein Problembewusstsein hinsichtlich des Gebrauchs von Rauschmitteln entwickeln. Eine multiprofessionelle Abklärung und Behandlung bedarf aber konkreter Einrichtungen vor Ort, an die sich die Adressat\*innen wenden können.

In Anbetracht dieser Herausforderungen findet Beratung im Kontext von Digital Streetwork zwar primär online statt, jedoch ist die grundlegende Aufgabe ein fortwährendes professionelles Clearing hinsichtlich des Bedarfs an weiterführenden Angeboten, die hieran anschließende Vernetzung mit Organisationen im Offline-Bereich und die Vermittlung der Adressat\*innen zu ebendiesen. Um bei Beratungen in der Digital Streetwork die Einhaltung professioneller Standards der Sozialen Arbeit zu gewährleisten, muss jegliche Handlung im Kontext der Beratung unter den folgenden Aspekten Ausgestaltung finden.

#### 1. Professionalität und Fachwissen:

* Sozialarbeiter\*innen sollten über fundiertes Fachwissen in Beratungstechniken, Methoden der Gesprächsführung und psychologischen Grundlagen verfügen.
* Ständige Weiterbildung und Supervision sind erforderlich, um die Qualität der Beratung zu gewährleisten.

#### 2. Empathie und Wertschätzung:

* Ein respektvoller, wertschätzender und empathischer Umgang mit den Adressat\*innen ist essenziell.
* Die Beratung sollte auf Augenhöhe stattfinden, wobei die Lebenswelt und die Perspektive der Adressat\*innen berücksichtigt werden.

#### 3. Vertraulichkeit:

* Vertraulichkeit und Datenschutz müssen gewahrt bleiben. Informationen dürfen nur mit Zustimmung weitergegeben werden.

#### 4. Transparenz und Klarheit:

* Ziele und Ablauf der Beratung sollten klar und transparent kommuniziert werden.
* Erwartungen und Grenzen der Beratung sollten von Anfang an deutlich gemacht werden.

#### 5. Partizipation:

* Adressat\*innen sollten aktiv in den Beratungsprozess einbezogen und ihre Autonomie sollte respektiert werden.
* Entscheidungen sollten gemeinsam getroffen werden, wobei die Adressat\*innen als Expertinnen ihrer eigenen Lebenssituation anerkannt werden.

#### 6. Ethik und Reflexion:

* Sozialarbeiter\*innen sollten sich an ethischen Leitlinien orientieren und ihre eigene Haltung und Vorgehensweise regelmäßig reflektieren.
* Ethikkommissionen oder Berufsverbände bieten Orientierung und Unterstützung bei ethischen Fragestellungen.

#### 7. Dokumentation:

* Eine sorgfältige und genaue Dokumentation der Beratungsgespräche ist wichtig, um den Beratungsverlauf nachvollziehen zu können und die Qualität der Beratung sicherzustellen.

### *Professionelle Digital Streetwork*

Professionelle Digital Streetwork zeichnet sich durch die **systematische Übertragung und Weiterentwicklung bewährter Prinzipien der analogen aufsuchenden Sozialarbeit** in die digitalen Lebenswelten der Zielgruppen aus. Sie versteht das Internet nicht als virtuellen, sondern als **realen Sozial- und Handlungsraum**, in dem pädagogische Präsenz notwendig ist, um junge Menschen in ihrer postdigitalen Realität zu erreichen.

#### Zentrale Merkmale der Professionalität sind:

* **Prinzipiengeleitetes Handeln:** Die Arbeit basiert auf den Grundsätzen der **Niedrigschwelligkeit, Freiwilligkeit, Akzeptanz, Transparenz und Vertraulichkeit**.
* **Proaktive Geh-Struktur:** Fachkräfte suchen Adressat\*innen aktiv in ihren digitalen Räumen (Social Media, Gaming-Plattformen, Foren) auf, statt auf eine Kontaktaufnahme zu warten.
* **Gast-Status und Respekt:** In den digitalen Sozialräumen agieren Streetworker\*innen als **„professionelle Gäste“** und respektieren die dortigen Regeln und die Autonomie der Nutzenden.
* **Transparenz und Verifizierbarkeit:** Ein professioneller Auftritt erfordert **offene, verifizierte Dienstprofile** (keine verdeckten Identitäten), die Rollenklarheit schaffen und das Vertrauen fördern.
* **Datenschutz:** Trotz der Nutzung kommerzieller Plattformen ist die Einhaltung der **DSGVO** und die aktive Aufklärung der Nutzer\*innen über Datenrisiken ein unverzichtbarer Standard.
* **Methoden-Mix:** Professionelle Arbeit verbindet öffentliche Community-Arbeit („One-to-Many“) zur Reichweitengewinnung mit vertraulicher Einzelfallberatung („One-to-One“) in geschützten Räumen.
* **Lotsenfunktion:** Digital Streetwork fungiert oft als **Brücke zum analogen Hilfesystem**, indem sie Erstberatung leistet und gezielt an Fachstellen vor Ort verweist.

### *Anforderungen an die Fachkräfte*

Fachkräfte für Digital Streetwork müssen ein spezifisches Profil mitbringen, das sozialpädagogische Expertise mit hoher digitaler Affinität verbindet.

#### Fachlich-methodische Kompetenzen:

* **Digital-soziale Kompetenz:** Die Fähigkeit, professionelle Beziehungen ausschließlich über digitale Kanäle aufzubauen und zu halten.
* **Medien- und Feldkompetenz:** Tiefgreifende Kenntnisse über **Plattformlogiken, Algorithmen, digitale Jugendkulturen** sowie aktuelle Trends und Codes (z. B. Memes, Gaming-Jargon).
* **Schriftbasierte Beziehungskompetenz:** Die Fertigkeit, Empathie und Wertschätzung ohne nonverbale Signale (Mimik/Gestik) allein durch Sprache und Symbole (Emojis) zu vermitteln.
* **Rechtliche Sicherheit:** Fundiertes Wissen im Bereich **Datenschutzrecht (DSGVO), Urheberrecht und Jugendmedienschutz**.

#### Persönliche Haltung und Soft Skills:

* **Authentizität und Nahbarkeit:** Die Fachkräfte müssen im Netz als echte, vertrauenswürdige Personen wahrnehmbar sein, ohne die professionelle Rolle aufzugeben.
* **Akzeptierende Haltung:** Eine wertfreie Begegnung mit den Lebensentwürfen der Jugendlichen ist Grundvoraussetzung, auch bei herausfordernden Inhalten.
* **Parteilichkeit:** Fachkräfte agieren als anwaltschaftliche Interessenvertreter*innen der Adressat*innen.
* **Ambiguitätstoleranz und Multitasking:** Die Fähigkeit, in schnellen, oft widersprüchlichen digitalen Kommunikationssituationen den Überblick zu behalten und mehrere Prozesse parallel zu steuern.

#### Professionelle Selbststeuerung:

* **Nähe-Distanz-Regulierung:** Eine bewusste Gestaltung der Grenzen zwischen professioneller Online-Präsenz und Privatleben.
* **Psychohygiene:** Strategien zum Selbstschutz angesichts der zeitlichen Entgrenzung des Internets und der Konfrontation mit Hassrede oder Krisen.
* **Wandlungsbereitschaft:** Die Bereitschaft zur ständigen Weiterbildung, da sich digitale Räume und technische Möglichkeiten rasant verändern.

### *Was macht professionelle Digital Streetwork aus?*

Professionelle Digital Streetwork (DSW) wird als der Transfer der Prinzipien der **aufsuchenden Sozialarbeit** in die digitalen Lebenswelten von Jugendlichen definiert. Sie zeichnet sich durch folgende zentrale Merkmale aus:

* **Lebenswelt- und Sozialraumorientierung:** Die Arbeit findet dort statt, wo Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit verbringen (z. B. Social Media, Gaming-Plattformen, Foren). Digitale Plattformen werden dabei als reale Sozialräume begriffen.
* **Zentrale Arbeitsprinzipien:** Professionelles Handeln basiert auf **Niedrigschwelligkeit**, **Freiwilligkeit**, **Anonymität** und **Transparenz**. Das Angebot ist barrierefrei und orientiert sich an den Bedürfnissen der Zielgruppe.
* **Professionelle Präsenz und Transparenz:** Fachkräfte agieren als „professionelle Gäste“ in digitalen Räumen. Sie nutzen erkennbare **sozialarbeiterische Dienstprofile** statt privater Accounts, um Vertrauen aufzubauen und ihre Rolle sowie Absichten offenzulegen.
* **Methodische Vielfalt:** Es wird zwischen **Content-basiertem** (Erschaffung eigener Videos, Memes) und **Nicht-content-basiertem** Digital Streetwork (Interaktion in Kommentaren, Chats) unterschieden. Zum Einsatz kommen Methoden wie Counter Speech (Gegenrede), alternative Narrative, Motivational Interviewing (MI) und narrative Biografiearbeit.
* **Beziehungsarbeit:** Der Kern ist der Aufbau stabiler, vertrauensvoller Arbeitsbeziehungen, die oft in privaten One-to-One-Chats vertieft werden.
* **Brückenfunktion (Hybrider Ansatz):** DSW fungiert als Brücke zwischen der digitalen Lebenswelt und dem analogen Hilfesystem.
* **Rechtliche und ethische Rahmung:** Die Arbeit ist in das **SGB VIII** eingebunden und folgt fachlichen Qualitätsstandards sowie datenschutzrechtlichen Vorgaben (DSGVO).

### *Was müssen Fachkräfte für professionelle Digital Streetwork mitbringen?*

Fachkräfte in diesem Bereich benötigen ein spezifisches Profil, das pädagogische Expertise mit digitaler Kompetenz verbindet:

* **Medien- und Szenekompetenz:** Sie benötigen ein tiefes Wissen über netzspezifische Themen, Orte und Trends sowie eine hohe **„Street Credibility“** innerhalb der jeweiligen digitalen Subkulturen (z. B. Gaming-Szenen).
* **Kommunikative Fähigkeiten:** Erforderlich ist die Beherrschung plattformspezifischer Sprachen, Syntax und Symbolik (z. B. Emojis, Memes) sowie die Fähigkeit, sicher zwischen synchronen und asynchronen Kommunikationsformen zu wechseln.
* **Reflexive und professionelle Haltung:** Fachkräfte müssen eine klare Grenze zwischen **„persönlichen Details“** (zur Vertrauensbildung) und **„privaten Informationen“** (zum Selbstschutz) wahren können. Eine machtsensible, akzeptierende und empathische Haltung gegenüber den Jugendlichen ist essenziell.
* **Methodenwissen:** Kompetenzen in spezifischen Online-Beratungstechniken wie dem Motivational Interviewing oder der Online-Gegenrede sind notwendig.
* **Psychosoziale Belastbarkeit und Geduld:** Die Arbeit erfordert eine hohe Geduld bei langwierigen Beziehungsanbahnungen und die Fähigkeit, mit digitalen Konflikten, Hassrede oder persönlichen Bedrohungen professionell umzugehen.
* **Transdisziplinäres Arbeiten:** Da Projekte oft in Teams aus Sozialarbeit, Psychologie, Islamwissenschaft und Medienproduktion umgesetzt werden, ist eine hohe Kooperationsfähigkeit gefragt.
* **Digitale Ambiguitätstoleranz:** Fachkräfte müssen Widersprüche und die Unverbindlichkeit im Netz (z. B. plötzliche Kontaktabbrüche/Ghosting) aushalten können.

Zusammenfassend erfordert professionelle Digital Streetwork Fachkräfte, die **„digitalitätskompetent, reflexiv und partizipativ“** agieren und digitale Räume als vollwertige pädagogische Handlungsfelder anerkennen.

### *Spezifische Herausforderungen*

Digital Streetworker\*innen stehen in ihrer täglichen Praxis vor einer Vielzahl komplexer Herausforderungen, die sich aus der Dynamik des Internets, rechtlichen Rahmenbedingungen und professionellen Rollenanforderungen ergeben. Die Quellen identifizieren folgende spezifische Problemfelder:

#### 1. Rechtliche und datenschutzrelevante Hürden

* **Datenschutz-Dilemma:** Es besteht ein permanentes Spannungsfeld zwischen der notwendigen Präsenz auf kommerziellen Plattformen (Lebensweltorientierung) und der Einhaltung der **DSGVO** sowie des Sozialdatenschutzes. Viele Plattformen sind streng genommen nicht rechtskonform für professionelle Beratung nutzbar.
* **Fehlendes Zeugnisverweigerungsrecht:** Im Gegensatz zu anderen Beratungsfeldern besitzen Digital Streetworker\*innen (außer in der Suchtberatung) oft kein Zeugnisverweigerungsrecht, was das Vertrauensverhältnis gefährdet, wenn Dokumentationen an Behörden weitergegeben werden müssen.
* **Geografische Zuordnung:** Die globale Struktur sozialer Medien erschwert die eindeutige räumliche Zuordnung von Ratsuchenden zu lokalen Hilfesystemen.

#### 2. Plattformlogiken und algorithmische Strukturen

* **Abhängigkeit von Konzernen:** Fachkräfte agieren in Räumen, die Privateigentum von Großkonzernen sind und deren Regeln (AGB) pädagogisches Handeln einschränken können.
* **Algorithmische Benachteiligung:** Algorithmen priorisieren oft emotionale, polarisierende oder skandalisierende Inhalte statt sachlicher pädagogischer Angebote. Dies erschwert die Sichtbarkeit professioneller Arbeit massiv.
* **Dynamik und Schnelllebigkeit:** Trends und Plattformen ändern sich rasant, was einen ständigen Anpassungsdruck und kontinuierliches Monitoring erfordert.

#### 3. Professionelle und ethische Spannungsfelder

* **Entgrenzung der Arbeitszeit:** Die „24/7-Dynamik“ des Internets suggeriert eine permanente Verfügbarkeit und führt zur Gefahr von digitalem Stress oder Burnout bei den Fachkräften.
* **Nähe-Distanz-Regulierung:** Es ist herausfordernd, eine authentische, nahbare Beziehung aufzubauen, ohne die professionelle Rolle aufzugeben oder in eine „Online-Freundschaft“ zu rutschen.
* **Rollenverschiebung:** Durch Sonderrechte auf Plattformen geraten Fachkräfte oft ungewollt in die Rolle von Content-Managern oder reinen Moderatoren statt Pädagogen.

#### 4. Kommunikative Schwierigkeiten

* **Fehlen nonverbaler Signale:** Der Verzicht auf Mimik, Gestik und Tonalität in schriftbasierten Chats führt zu hohen Interpretationsspielräumen, Missverständnissen und erschwert die Einschätzung von Krisen (z. B. Suizidalität).
* **Unverbindlichkeit und „Ghosting“:** Digitale Kontakte sind oft flüchtig; Nutzer\*innen können Interaktionen jederzeit mit einem Klick abbrechen, was kontinuierliche Beziehungsarbeit erschwert.
* **Anonymität und Fakes:** Es ist schwierig, die Identität des Gegenübers sicherzustellen oder zwischen ernsthaften Anliegen und manipulativen Rollenspielen (Trolling) zu unterscheiden.

#### 5. Institutionelle und strukturelle Grenzen

* **Ressourcenmangel:** Digitale Arbeit ist extrem zeit- und personalintensiv (z. B. aufwendige Videoproduktion), was oft nicht ausreichend in den Stellenanteilen berücksichtigt ist.
* **Prekäre Projektlogik:** Viele Projekte sind befristet, was zu Wissensverlust („Braindrain“) führt und langfristige Beziehungsarbeit sowie die notwendige Kontinuität behindert.
* **Fehlende Messbarkeit:** Das „Präventionsparadox“ macht es schwierig, den Erfolg verhinderter Radikalisierung oder Krisen statistisch nachzuweisen, da gelungene Prävention oft unsichtbar bleibt.

#### 6. Spezifische Belastungen

* **Konfrontation mit Hass:** Die tägliche Auseinandersetzung mit Hate Speech, toxischen Diskursen und extremistischen Inhalten stellt eine hohe psychische Belastung für das Team dar und erfordert intensive Psychohygiene und Supervision.
* **Digitale Ungleichheit:** Fachkräfte erreichen online oft nur jene, die über entsprechende Endgeräte, Datenvolumen und digitale Kompetenzen verfügen, wodurch besonders marginalisierte Gruppen erneut ausgeschlossen werden könnten.

Die Arbeit von Digital Streetworker\*innen im Netz ist mit einer Vielzahl spezifischer Herausforderungen konfrontiert, die sich von der analogen Sozialarbeit unterscheiden. Basierend auf den Quellen lassen sich diese in folgende Bereiche unterteilen:

#### 1. Plattformlogiken und technische Barrieren

* **Algorithmen und Sichtbarkeit:** Die Sichtbarkeit pädagogischer Inhalte wird durch kommerzielle Algorithmen gesteuert, die oft **konfrontative, emotionale oder extreme Inhalte bevorzugen** („Radikalisierung per Design“).
* **Sperren und Filter:** Plattformbetreiber blockieren teilweise pädagogisch motivierte Werbeanzeigen oder Inhalte, wenn diese als „politisch“ eingestuft werden oder problematische Keywords enthalten.
* **Kommerzielle Strukturen:** Die Abhängigkeit von privaten Anbietern (z. B. Meta, TikTok) führt dazu, dass Fachkräfte sich deren **Geschäftsmodellen und Nutzungsbedingungen** unterwerfen müssen, was oft im Widerspruch zu pädagogischen Standards steht.

#### 2. Kommunikative Herausforderungen

* **Fehlende Non-Verbalität:** Durch den Verzicht auf Mimik, Gestik und Tonfall in textbasierter Kommunikation entsteht ein hohes **Risiko für Missverständnisse** und Fehlinterpretationen.
* **Unverbindlichkeit und „Ghosting“:** Die digitale Kommunikation ist flüchtig. Nutzer\*innen können sich Gesprächen jederzeit durch einen Klick entziehen, was zu häufigen und **unvermittelten Kontaktabbrüchen** führt.
* **Desinhibitions-Effekt (Enthemmung):** Die relative Anonymität des Netzes fördert einen aggressiveren Tonfall und den schnellen Umschlag von Meinungen in **Hate Speech oder Radikalisierung**.
* **Sprachliche Codierung:** Fachkräfte müssen die stetig wechselnde **Symbolik, Syntax und „Memetik“** der verschiedenen Plattformen und Subkulturen beherrschen, um glaubwürdig zu bleiben.

#### 3. Rechtliche und ethische Spannungsfelder

* **Datenschutz (DSGVO):** Es besteht ein dauerhafter Konflikt zwischen der notwendigen Einhaltung von Datenschutzvorgaben und dem Ziel, dort präsent zu sein, wo die Jugendlichen kommunizieren (oft auf datenschutzrechtlich problematischen Plattformen).
* **Überwachungsrisiken:** In sensiblen Arbeitsfeldern (z. B. Sexarbeit) besteht die Gefahr, dass die Endgeräte der Klient\*innen von **Tätern oder Dritten überwacht** werden, was die digitale Beratung riskant macht.
* **Das Transparenz-Dilemma:** Fachkräfte müssen einerseits professionell erkennbar sein, andererseits aber oft einen „Freundschaftsstatus“ anstreben, um Zugang zu geschlossenen Gruppen zu erhalten. Ein verdecktes Einschleichen gilt jedoch als ethischer Verstoß.

#### 4. Persönliche Risiken für die Fachkräfte

* **Sicherheitsrisiken:** Streetworker\*innen, die sich gegen Extremismus oder Hass engagieren, sind selbst Risiken wie **Beleidigungen, Rufschädigung, Doxing oder offener Bedrohung** ausgesetzt.
* **Entgrenzung der Arbeit:** Die Erwartung permanenter Verfügbarkeit im Netz („Always-Online-Mentalität“) erschwert die Abgrenzung zwischen **Arbeits- und Privatzeit** und erfordert ein hohes Maß an Selbstfürsorge und Psychohygiene.

#### 5. Institutionelle und methodische Grenzen

* **Erschwerte Krisenerkennung:** Aufgrund der „Black Boxes“ (Rückzugsorte, die Jugendliche vor Erwachsenen abschirmen) und der Anonymität ist es für Fachkräfte schwierig, **akute Krisen oder echtes Gefährdungspotenzial** rechtzeitig zu identifizieren.
* **Prekäre Projektlogik:** Viele Digital-Streetwork-Angebote sind zeitlich befristete Modellprojekte, was der für die Soziale Arbeit notwendigen **Beziehungskontinuität** widerspricht.
* **Das Präventionsparadoxon:** Die Wirksamkeit ist schwer messbar, da man kaum belegen kann, welche Radikalisierung oder Krise durch die Intervention **verhindert** wurde.

Zusammenfassend erfordert die Arbeit im digitalen Raum von den Fachkräften eine hohe **Ambiguitätstoleranz**, um die Widersprüche zwischen technischer Struktur, rechtlichen Vorgaben und pädagogischem Anspruch auszuhalten.

## Ich bin nicht mehr ganz am Puls der Zeit und mache mir Sorgen, den Anschluss zur Zielgruppe zu verlieren. Wie erreiche ich meine Zielgruppe?

Um den Anschluss zur Zielgruppe nicht zu verlieren und sie effektiv in ihren digitalen Lebenswelten zu erreichen, bieten die Quellen eine Vielzahl an methodischen und strategischen Ansätzen:

### *1. Die proaktive „Geh-Struktur“ nutzen*

Anstatt darauf zu warten, dass junge Menschen von sich aus auf Hilfsangebote zukommen („Komm-Struktur“), müssen Fachkräfte aktiv in die digitalen Sozialräume gehen. Dieser Ansatz versteht Online-Plattformen als die neuen „Straßenräume“ der Jugendkultur, die ebenso systematisch begangen werden müssen wie physische Orte.

### *2. Präsenz in den relevanten Sozialräumen zeigen*

Um „am Puls der Zeit“ zu bleiben, müssen Sie dort präsent sein, wo sich die Zielgruppe tatsächlich aufhält:

* **Plattformwahl:** Nutzen Sie aktuell relevante Kanäle wie **TikTok, Instagram, Discord, Reddit** oder lokal begrenzte Netzwerke wie **Jodel**.
* **Gaming-Plattformen:** In Räumen wie **Twitch oder Steam** können Fachkräfte über das gemeinsame Spielen („Kickertisch-Effekt“) Kontakt aufbauen.
* **Nischen:** Suchen Sie gezielt nach Subreddits oder Foren, die für die spezifischen Interessen Ihrer Zielgruppe relevant sind.

### *3. Zielgruppengerechte Formate und Sprache verwenden*

Die Art der Kommunikation ist entscheidend, um als authentisch wahrgenommen zu werden:

* **Audiovisueller Fokus:** Nutzen Sie audiovisuelle Kurzformate wie **Reels, TikTok-Videos, Infografiken und Memes**, da diese eine hohe Reichweite erzielen und besonders niederschwellige Einstiegshürden bieten.
* **Codes und Jargon:** Fachkräfte benötigen „digitale Feldkompetenz“ – das Verständnis für plattformspezifische Codes, Szenen-Jargon (z. B. Gaming-Sprache) und den gezielten Einsatz von **Emojis**, um Emotionen und Wertschätzung schriftbasiert zu vermitteln.
* **Serialisierung:** Wiederkehrende, seriell strukturierte Inhalte können nachhaltige Lerneffekte und Wiedererkennbarkeit erzeugen.

### *4. Vertrauen durch Transparenz und Authentizität aufbauen*

Gerade im anonymen Netz ist Glaubwürdigkeit die wichtigste Währung:

* **Offene Dienstprofile:** Agieren Sie mit **transparenten, verifizierten Profilen**, die Ihre Rolle als Fachkraft und den Träger klar benennen, statt verdeckt oder anonym zu arbeiten.
* **Nahbarkeit:** Zeigen Sie sich als „echte“, vertrauenswürdige Person mit einer akzeptierenden und wertschätzenden Haltung, ohne die professionelle Rolle aufzugeben.

### *5. Strategisches Monitoring und Netzwerkarbeit*

Um Bedarfe frühzeitig zu erkennen, bevor sie explizit geäußert werden:

* **Screening:** Suchen Sie proaktiv nach Schlagworten oder indirekten Hinweisen auf Problemlagen (z. B. „bin bei Bekannten untergekommen“ als Hinweis auf verdeckte Wohnungslosigkeit).
* **Kooperation mit Gatekeepern:** Arbeiten Sie eng mit **Administratorinnen und Moderatorinnen** von Online-Gruppen zusammen. Diese fungieren oft als „Türöffner“ und können Ihre Seriosität innerhalb einer Community bestätigen.
* **Einbeziehung von Peers:** Nutzen Sie die Zusammenarbeit mit Jugendlichen selbst, um sicherzustellen, dass Ihre Ansprache und Inhalte wirklich zielgruppengerecht bleiben.

### *6. Niedrigschwelliger Einstieg über den „One-to-Many“-Ansatz*

Oft beginnt der Kontakt nicht direkt im privaten Chat, sondern im öffentlichen Raum:

* **Kommentarspalten:** Bringen Sie sich in bestehende Debatten ein oder kommentieren Sie Beiträge öffentlich. So erreichen Sie nicht nur die schreibende Person, sondern auch die „stille Mehrheit“ der Mitlesenden (**Lurker**), die sich vielleicht (noch) nicht trauen, eine Frage zu stellen.
* **Information vor Beratung:** Bieten Sie erst einmal unverbindliche Informationen und Orientierungshilfen an, aus denen sich später ein vertrauliches Beratungsgespräch entwickeln kann.

Um Ihre Zielgruppe effektiv zu erreichen und den Anschluss nicht zu verlieren, bieten die Quellen eine Reihe von methodischen Ansätzen und Strategien, die speziell für den digitalen Sozialraum entwickelt wurden:

### *1. Präsenz in den richtigen digitalen Sozialräumen*

Erreichbarkeit beginnt damit, dort präsent zu sein, wo die Jugendlichen ihre Zeit verbringen. Dies umfasst:

* **Plattform-Vielfalt:** Nutzen Sie die gängigen Netzwerke wie **Instagram, TikTok und YouTube**, aber auch spezifischere Räume wie **Discord, Reddit, Twitch, Snapchat** oder Gaming-Plattformen wie **Steam**.
* **Sozialraumanalyse (Monitoring):** Betreiben Sie tägliches Monitoring dieser Räume, um aktuelle Trends, Themen und die spezifische **Syntax und Symbolik** der jeweiligen Community zu verstehen.

### *2. Strategien der Ansprache*

Die Quellen unterscheiden verschiedene Wege, um in Kontakt zu treten:

* **Proaktives (offensives) Aufsuchen:** Gehen Sie aktiv auf Nutzer\*innen zu, indem Sie auf Kommentare reagieren oder bei erkennbaren Problemlagen das Gespräch in öffentlichen Foren oder Chats suchen.
* **Defensives (seismografisches) Aufsuchen:** Positionieren Sie sich mit einem professionellen Profil als erkennbare Anlaufstelle und warten Sie darauf, angesprochen zu werden.
* **Indirekte Ansprache:** Kooperieren Sie mit **Administratorinnen oder Moderatorinnen** von Gruppen, um Ihre Reputation zu steigern und als vertrauenswürdiges Angebot empfohlen zu werden.

### *3. Methoden zur Sichtbarkeit und Relevanz*

* **Content-based Streetwork:** Nutzen Sie selbst produzierten Content wie **Videos, Memes oder Infografiken** als „digitale Flyer“. Diese dienen als Türöffner für pädagogische Gespräche und können gezielt (Targeting) in die Timelines der Zielgruppe gespült werden.
* **Szenespezifische Codes:** Verwenden Sie Hashtags, Emojis und eine Sprache, die zur jeweiligen Subkultur passt, um Anschlussfähigkeit zu garantieren.
* **Hashtag-Kapern:** Platzieren Sie alternative Perspektiven gezielt innerhalb bereits bestehender oder sogar gegnerischer Kampagnen durch die Nutzung relevanter Hashtags.

### *4. Die professionelle Haltung als Schlüssel*

Um Akzeptanz zu finden, ist die persönliche Art des Auftretens entscheidend:

* **„Street Credibility“:** Jugendliche entlarven fachliche Inkompetenz sofort. Sie benötigen tiefes Wissen über die Szene und deren Themen.
* **Verzicht auf den „erhobenen Zeigefinger“:** Agieren Sie auf Augenhöhe und vermeiden Sie moralisierende Predigten, da diese den Zugang blockieren.
* **Authentizität und Transparenz:** Ein transparentes Profil (mit echtem Foto und klarer Rollenklärung) schafft Vertrauen.
* **Peer-to-Peer-Ansätze:** Binden Sie Menschen aus der Zielgruppe oder mit ähnlichen Biografien ein, da diese oft einen glaubwürdigeren Zugang haben.

### *5. Beziehungsgestaltung*

* **Vom Öffentlichen zum Privaten:** Nutzen Sie öffentliche Kommentarspalten für den Erstkontakt und laden Sie für vertrauliche Themen in den **geschützten Privat-Chat (One-to-One)** ein.
* **Gemeinsames Tun:** In Gaming-Szenen kann das gemeinsame Spielen als Methode dienen, um eine Beziehungsbasis aufzubauen.

Zusammenfassend erreichen Sie Ihre Zielgruppe, indem Sie digitale Räume als **reale Sozialräume** ernst nehmen, proaktiv und dennoch als „professioneller Gast“ auftreten und Ihre Methoden flexibel an die schnelllebigen Trends der Netzwelt anpassen.

## Wie teile ich thematisch mein Team für die Zielgruppen auf (Arbeitsorganisation um die Plattformen herum und nach Bedarfen der Mitarbeitenden)? Empfehlungen und Hinweise, kein Muss

Anhand der vorliegenden Dokumente lässt sich die thematische und organisatorische Aufteilung Ihres Teams für Digital Streetwork nach folgenden Kriterien gestalten:

### *1. Aufteilung nach Sprach- und Community-Kompetenz*

Eine zentrale Strategie ist die **milieuspezifische Teamzusammensetzung**. Dies bedeutet konkret:

* **Sprachliche Aufteilung:** Das Team sollte nach den **Herkunftssprachen** der Zielgruppen organisiert sein (z. B. Arabisch, Rumänisch, Bulgarisch, Russisch), um eine muttersprachliche Beratung und Informationsvermittlung zu gewährleisten.
* **Habituelle Nähe:** Bei der Teamzusammensetzung sollten **Habitus und eigene Migrationserfahrungen** berücksichtigt werden, da Fachkräfte so als „Landsfrau/-mann“ oder vertrauenswürdige Instanz in den jeweiligen Communities wahrgenommen werden.

### *2. Multiprofessionalität und fachliche Expertise*

Die Arbeitsorganisation sollte verschiedene fachliche Hintergründe bündeln, um komplexe Problemlagen abzudecken:

* **Experten-Mix:** Ein Team sollte Expertise aus der **Sozialpädagogik, Sprachmittlung, Medienpädagogik (Videoschnitt, Storytelling)** und, je nach Schwerpunkt, **Religionswissenschaften** oder **Recht** (z. B. Einbindung von Volljurist\*innen) vereinen.
* **Fachliche Redundanz:** Es wird empfohlen, in **Teams statt als Einzelkämpfer\*innen** zu arbeiten, um fachlichen Austausch und gegenseitige Unterstützung zu ermöglichen.

### *3. Arbeitsorganisation um die Plattformen herum*

Die Zuweisung von Mitarbeitenden zu Plattformen sollte sich an den **Nutzungsgewohnheiten der Zielgruppen** und den **Plattformlogiken** orientieren:

* **Plattform-Targeting:** Mitarbeitende können gezielt für Plattformen eingesetzt werden, die bestimmte Segmente erreichen (z. B. **Instagram** für jüngere, weiblichere Zielgruppen; **YouTube** eher für Männer; **Reddit** für das obere Alterssegment).
* **Szenen- und Feldkompetenz:** Die Aufteilung kann nach der „digitalen Feldkompetenz“ erfolgen. Mitarbeitende mit hoher Affinität zur **Gaming-Kultur** sollten auf Discord, Twitch oder Steam agieren, während andere Foren oder lokale Netzwerke wie **Jodel** betreuen.
* **Profil-Management:** Wenn mehrere Personen ein Dienstprofil bedienen, sind eine enge **Absprache, Evaluation und Reflexion im Team** zwingend erforderlich, um ein konsistentes professionelles Auftreten zu sichern.

### *4. Berücksichtigung der Bedarfe der Mitarbeitenden (Selbstschutz)*

Die Organisation muss strukturelle Maßnahmen enthalten, um die psychische Gesundheit des Teams zu schützen:

* **Abgrenzung und Arbeitszeit:** Da das Internet „nie schläft“, müssen klare Grenzen zwischen **professioneller Präsenz und Privatleben** gezogen werden. Dies erfordert feste Arbeitszeitregelungen und die strikte Nutzung von **Dienstgeräten**.
* **Psychohygiene und Supervision:** Angesichts der Konfrontation mit Hate Speech, toxischen Diskursen oder emotional belastenden Krisen (z. B. Suizidalität) sind **verpflichtende Supervision, Intervision und kollegiale Fallberatung** fester Bestandteil der Arbeitsorganisation.
* **Sicherheitskonzepte:** Für Teams müssen Vorgehensweisen definiert sein, wie bei **verbalen Angriffen oder Shitstorms** gegen die Fachkräfte vorzugehen ist.

Basierend auf den Quellen lässt sich die Arbeitsorganisation und Teamaufteilung in der Digital Streetwork nach folgenden Kriterien strukturieren:

### *1. Transdisziplinäre Teamzusammensetzung*

Professionelle Digital Streetwork erfordert ein Team, das verschiedene Fachdisziplinen vereint, um den komplexen Bedarfen der Zielgruppen gerecht zu werden. Empfohlen wird eine Mischung aus:

* **Pädagogik und Sozialer Arbeit:** Als fachliche Basis für die Beziehungsarbeit.
* **Themenspezifischer Expertise:** Je nach Schwerpunkt des Projekts sollten Fachkräfte aus Bereichen wie **Islamwissenschaft, Psychologie oder Suchthilfe** integriert sein.
* **Medienproduktion:** Da Digital Streetwork oft auf hochwertigem Content basiert, ist technisches Know-how für die Erstellung von Videos und digitalen Inhalten notwendig.

### *2. Aufteilung nach Zielgruppenbedarfen und Peer-Ansatz*

Eine effektive Aufteilung erfolgt primär entlang der spezifischen Merkmale der Zielgruppen:

* **Peer-Ansatz und Sprachkompetenz:** Für Zielgruppen mit Migrationshintergrund sollten Berater\*innen aus den jeweiligen **Communities mit eigener Migrationserfahrung** eingesetzt werden. Die Beratung sollte zudem in den jeweiligen **Herkunftssprachen** (z. B. Bulgarisch, Rumänisch, Polnisch) erfolgen.
* **Fachspezifische Erfahrung:** Bei Zielgruppen mit besonderen Problemlagen, wie etwa Wohnungslosigkeit, ist der Einsatz von Fachkräften mit spezifischer Erfahrung in der analogen Fachberatung (z. B. Wohnungslosenhilfe) sinnvoll.
* **Szenekompetenz:** In Subkulturen wie Gaming-Communitys benötigen die Fachkräfte eine hohe **„Street Credibility“** und fundiertes Szenewissen, um als Gesprächspartner akzeptiert zu werden.

### *3. Arbeitsorganisation und Methoden (Tandem-Prinzip)*

Für die Sicherheit der Mitarbeitenden und die Qualität der Arbeit wird folgende Organisation vorgeschlagen:

* **Tandem-Arbeit:** Das gemeinsame Agieren von zwei Fachkräften im selben digitalen Raum ermöglicht einen **direkten fachlichen Austausch** und hilft bei der Bewältigung schwieriger Dynamiken oder Krisen.
* **Interdisziplinärer Chat-Support:** Ein Netzwerk im Hintergrund ermöglicht es, bei spezifischen Fragen (z. B. rechtliche oder religiöse Themen) schnell Expertise hinzuzuziehen.
* **Wechselnde Rollen:** Falls eine Beziehungsstörung auftritt oder eine Fachkraft sich zu sehr aufdrängt, sollte die Arbeit pausiert oder von Kolleg\*innen übernommen werden.

### *4. Berücksichtigung der Mitarbeitendenbedarfe (Selbstfürsorge)*

Um die Belastung der Fachkräfte in der „grenzenlosen“ Online-Welt zu managen, sind strukturelle Maßnahmen notwendig:

* **Klare Arbeitszeiten:** Um die „Always-Online-Mentalität“ zu durchbrechen, müssen **feste Terminslots und Arbeitszeiten** kommuniziert werden.
* **Psychohygiene:** Die Organisation muss Ressourcen für Supervision und das Management der Arbeitsbelastung bereitstellen, da die Konfrontation mit Hassrede und Krisen psychisch belastend ist.
* **Technisches Equipment:** Die Nutzung von **Dienstgeräten und Dienstprofilen** ist essenziell, um die private Identität zu schützen und eine professionelle Abgrenzung zu ermöglichen.

Zusammenfassend gesagt, kann das Team **transdisziplinär aufgestellt**, nach **Zielgruppenexpertise und Sprachkenntnissen** unterteilt und durch **Tandem-Strukturen** sowie klare Abgrenzungsregeln geschützt werden.

## Wie erreiche ich neue Zielgruppen, die von Ungleichheit/Marginalisierung/Armut betroffen sind durch Digital Streetwork?

### Zugang für armutsbetroffene und marginalisierte Jugendliche

Das Digital Streetwork-Angebot sollte besonders für armutsbetroffene und marginalisierte Jugendliche zugänglich gemacht werden, um deren vorhandene Kompetenzen zu stärken und gleichzeitig individuelle Unterstützung als Beitrag zur Demokratieförderung zu verstehen. Es geht darum, Teilhabe an einem System zu fördern, das sie ihre Perspektive wenig bis gar nicht beteiligt.

### Erschließung weiterer betroffener Gruppen

Digital Streetwork sollte auch andere Gruppen erschließen, die Unzufriedenheit, Ängste und tendenziell Rückzugstendenzen zeigen. Ziel ist es, diese wieder an die Teilhabe anzuschließen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz zu fördern.

### Lebensweltorientierter Zugang

Zugang zur Zielgruppe entsteht nicht durch institutionelle Sichtbarkeit, sondern durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen. Der wirksamste Zugang entsteht über lebensweltliche Themen: Körperbild, Einsamkeit, mentale Gesundheit, Mobbing, Rassismus, Trauer. Wer glaubwürdig und auf Augenhöhe in diese Themen einsteigt, schafft Vertrauen, bevor die eigene professionelle Rolle explizit gemacht werden muss.

### Themenausrichtung und Online-Räume

Themen, die im Offline-Kontext, etwa in Schule, Familie oder unter Peers, kaum Raum finden, sollten in Online-Räumen wie TikTok, Instagram-Kommentarsektionen oder Discord-Communities bearbeitet und eventuell auch in geschützte Räume überführt werden. Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen und Selbstwirksamkeit als ein wichtiges demokratisches Element zu fördern.

### Zeitliche und räumliche Präsenz

Digital Streetwork muss dort präsent sein, wo und wann die Zielgruppe aktiv ist, nicht dort, wo es organisatorisch bequem ist.

### Pädagogisches Monitoring

Pädagogisches Monitoring meint die kontinuierliche, strukturierte Beobachtung relevanter Plattformen, Gruppen und Hashtags auf vulnerable Nutzende sowie jugendkulturelle und präventionsrelevante Trends. Wer weiß, wo sich Jugendliche zu welchen Themen aufhalten und welche Narrative viral gehen, kann gezielt und zeitlich passend intervenieren.

### Content-Produktion als pädagogische Methode

Content-Produktion ist keine bloße Öffentlichkeitsarbeit, sondern eine genuine pädagogische Methode: Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.

### Bedürfnisse der Adressat\*innen

Sinnvoll ist es, die Bedürfnisse der Adressat\*innen, beispielsweise nach Anerkennung oder Gesehen-Werden, zu identifizieren und diese anzusprechen, um einen positiven Kontakt herzustellen.

### Zielgruppenspezifische Zugänge

Digital Streetwork adressiert sehr unterschiedliche Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedarfen. Diese Gruppen unterscheiden sich in Plattformnutzung, Erreichbarkeit und geeigneten methodischen Zugängen erheblich. Eine Differenzierung auf Konzept- und Trägerebene ist unerlässlich.

### Geschützte und kuratierte Online-Räume

Für bestimmte vulnerable und marginalisierte Gruppen werden geschützte, kuratierte Online-Räume als notwendig beschrieben, um vertrauensvolle Interaktion zu ermöglichen. Dazu gehören klare Einlasskriterien, verlässliche Moderation und Pflege der Inhalte. Regeln sollten gemeinsam mit der Community und Peers entwickelt werden.

### Peers als Multiplikator\*innen

Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden. Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.

### Kontinuierliche Beziehungspflege

Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen. Niedrigschwellige Formate wie Spieleabende oder kreative Online-Workshops sind gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

### Anonymität und niedrigschwellige Unterstützung

Viele Jugendliche schätzen die Anonymität des digitalen Kontakts. Das niedrigschwellige Angebot der Digital Streetwork hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat auf einer frühen Präventionsebene zu betrachten.

**Kurz gesagt:**

Neue, von Ungleichheit, Marginalisierung oder Armut betroffene Zielgruppen werden erreicht, indem Digital Streetwork dort präsent ist, wo und wann sie aktiv sind, ihre Themen, Räume, Sprachen und Bedürfnisse aufgreift, niedrigschwellige und geschützte Zugänge anbietet, Peers und Communities einbezieht und durch kontinuierliche Beziehungsarbeit Vertrauen, Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz fördert.

## Was macht professionelle Digital Streetwork aus? Was müssen meine Fachkräfte für professionelle Digital Streetwork mitbringen?

### Pädagogische Fachausbildung und Spezialisierung

* Um Digital Streetwork professionell auszuüben ist grundsätzlich eine Fachausbildung in Sozialer Arbeit notwendig.
* Eine solide sozialpädagogische Grundausbildung schafft die konzeptionelle Basis, von der aus die spezifischen Anforderungen des digitalen Raums überhaupt erst professionell bearbeitet werden können.
* Darüber hinaus ist eine intensive Spezialisierung unerlässlich, etwa zu ideologischen Strömungen im Bereich Radikalisierungsprävention.

### Pädagogik und Plattformwissen

* Professionelles Digital Streetwork setzt ein Kompetenzprofil voraus, das weder durch allgemeine Sozialpädagogik noch durch allgemeine Medienkompetenz abgedeckt wird.
* Plattformverständnis, Community-Kenntnisse, also die Sprache und Historie der Zielgruppe zu kennen, professionelle Selbstdarstellung im digitalen Raum sowie phänomenspezifisches Wissen etwa zu Radikalisierungsdynamiken sind wichtige Kompetenzen im Digital Streetwork.

### Medienreflexionskompetenz und Rollenklarheit

* Fachkräfte müssen die ungeschriebenen Regeln der Plattformen kennen und gleichzeitig kritische Distanz bewahren: Sie sind keine Influencer, sondern nutzen Plattformlogiken ohne sich ihnen unkritisch zu unterwerfen.
* Verifizierung, offizieller Accountname und ein erkennbares institutionelles Profil sind berufsethische Grundanforderungen, keine optionalen Gestaltungselemente.

### Plattformkompetenz und Monitoring

* Plattformkompetenz bedeutet mehr als technische Bedienung. Sie umfasst das Verstehen und kritische Reflektieren von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformseitigen Einschränkungen für politische Inhalte.
* Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren, anstatt viele oberflächlich zu bespielen – Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.
* Sich ändernde AGBs, technische Neuerungen der Apps und eine sich stetig verändernde Mediennutzung der Kernzielgruppe sind stetig neu zu erheben und zu reflektieren

### Weiterbildung

* Professionelle Digital Streetworker sollten in stetigen Weiterbildungsstrukturen sich über digitale Kompetenzen, kritische Beleuchtungen und aktuellen Entwicklungen fortbilden können.
* Es ist empfehlenswert, vorhandene Kompetenzen systematisch zu erheben und Lücken durch gezielte Einarbeitungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu schließen

### Selbstorganisation und Begleitung

* Da Digital Streetwork häufig im Homeoffice stattfindet, sind Eigenverantwortung und Selbstorganisation besonders gefragt.
* Besonders der Berufseinstieg muss eng begleitet werden, um wirksame Stressprävention und einen hohen Qualitätsstandard zu leisten.
* Es braucht Reflexions-, Intervisions- und Supervisionsformate, sowohl offline als auch digital.

### Fachliche Mindeststandards

* Mindestanforderungen an Ausbildung, Dokumentation, Datenschutz und ethische Grundsätze müssen definiert werden.
* Technische Ausstattung ist als professionelle Grundausstattung zu finanzieren, nicht als nachrangiger Kostenfaktor.

**Kurz gesagt**

Pädagogische Fachausbildungen und phänomenbezogene Spezialisierung bilden die fachliche Grundlage für Professionalität. Technische Reflexionskompetenz, Rollenklarheit und professionelle Sichtbarkeit sichern einen adäquaten Umgang mit der jungen, vulnerablen Zielgrupp

## Welche spezifischen Herausforderungen haben die Digital Streetwork Anwendung im Netz?

### Datenschutzrechtliche Herausforderungen

* Der Einsatz kommerzieller Plattformen stellt Fachkräfte vor erhebliche datenschutzrechtliche Herausforderungen, die im Alltag häufig ungelöst bleiben.
* Allgemeine Datenschutzkonzepte, die für stationäre Angebote entwickelt wurden, sind auf Digital Streetwork nicht ohne Weiteres übertragbar.
* Wann wird ein Wechsel auf sicherere Kommunikationskanäle notwendig, obwohl dieser für Jugendliche in der Regel hochschwellig ist?

### Plattformlogiken und strukturelle Einschränkungen

* Jede Plattform operiert nach eigenen Logiken.
* Zu häufiges Posten oder das Streuen von Links wird von Algorithmen als Spam klassifiziert; politische Inhalte werden auf manchen Plattformen grundsätzlich benachteiligt.
* Manche Plattformen beziehungsweise Communities dulden explizit keinen politischen Content.
* Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren, anstatt viele oberflächlich zu bespielen – Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.

### Regionalität und die Sprachordnung des Internets

* Die Zielgruppe strukturiert sich weniger nach Region als nach Sprache, was eine Verwischung der nationalen und internationalen Grenzen im Internet zur Folge hat.
* Durch die Anonymität des Internets bleibt letztendlich die fehlende Gewissheit, ob der junge Mensch, mit dem dort in Kontakt getreten wird, auch wirklich zur eigenen regionalen Kernzielgruppe gehört.Das muss einkalkuliert werden.

### Anonymität und Transparenz

* Die Anonymität des Internets ist ein paradoxes Phänomen: Sie erschwert den Vertrauensaufbau, begünstigt aber zugleich Offenheit, die im persönlichen Gespräch nicht so schnell entstünde.
* Die Balance zwischen Anonymität und Transparenz ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen, ohne die professionelle Integrität und Verantwortlichkeit zu gefährden.

### Erstkontakt und Beziehungsarbeit

* Der Erstkontakt zeigt sich als besonders herausfordernd: Wie bekomme ich fremde junge Menschen dazu, länger mit mir in Kontakt treten zu wollen und potenziell die eigene Meinung zu reflektieren?
* Vertrauen und kontinuierliche Beziehungsarbeit lassen sich nicht in einjährigen Projekten aufbauen.
* Die Überführung von Online-Kontakten in Offline-Beratung ist eine der größten methodischen Herausforderungen des Feldes.

### Pädagogisches Monitoring

* Ohne systematische Beobachtung digitaler Räume ist weder aufsuchendes Arbeiten noch gezielte Intervention möglich.
* Konzeptionell ist zu klären, wo pädagogisches Monitoring endet und unzulässige Überwachung beginnt.
* Sich ändernde AGBs, technische Neuerungen der Apps und eine sich stetig verändernde Mediennutzung der Kernzielgruppe sind stetig neu zu erheben und zu reflektieren

### Belastung und Schutz der Fachkräfte

* Digital Streetwork konfrontiert Fachkräfte mit einer Verdichtung von Herausforderungen: Suizidankündigungen, Radikalisierungsverläufe und Essstörungen können innerhalb einer einzigen Schicht aufeinanderfolgen.
* Fachkräfte sind, insbesondere im Bereich Rechtsextremismus, Anfeindungen, Bedrohungen und dem Risiko digitaler Angriffe ausgesetzt.
* Es braucht Reflexions-, Intervisions- und Supervisionsformate, sowohl offline als auch digital.

### Wirkungsmessung und Finanzierung

* Klickzahlen sagen wenig über tatsächliche Beratungswirkungen aus, und Erfolge in der Deradikalisierung sind selten und kaum quantifizierbar.
* Jährliche Projektzyklen stehen in fundamentalem Widerspruch zu den Anforderungen der Digital Streetwork.
* Wenn Projekte auslaufen, gehen nicht nur Fachkräfte verloren, sondern auch aufgebaute Communities und gewachsene Vertrauensbeziehungen.

**Kurz gesagt**

Die spezifischen Herausforderungen liegen in datenschutzrechtlichen Unsicherheiten, den Eigenlogiken der Plattformen, der Anonymität des Internets, dem Vertrauensaufbau, dem pädagogischen Monitoring, der hohen Belastung der Fachkräfte sowie in der Wirkungsmessung und den strukturell prekären Finanzierungsbedingungen.

## Ich bin nicht mehr ganz am Puls der Zeit und mache mir Sorgen, den Anschluss zur Zielgruppe zu verlieren. Wie erreiche ich meine Zielgruppe?

### Thematische Anknüpfung als Vertrauensbasis

* Zugang zur Zielgruppe entsteht nicht durch institutionelle Sichtbarkeit, sondern durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen.
* Der wirksamste Zugang entsteht über lebensweltliche Themen: Körperbild, Einsamkeit, mentale Gesundheit, Mobbing, Rassismus, Trauer.
* Wer glaubwürdig und auf Augenhöhe in diese Themen einsteigt, schafft Vertrauen, bevor die eigene professionelle Rolle explizit gemacht werden muss.

### Zeitliche und räumliche Präsenz

* Digital Streetwork muss dort präsent sein, wo und wann die Zielgruppe aktiv ist – nicht dort, wo es organisatorisch bequem ist.

### Pädagogisches Monitoring

* Sich ändernde AGBs, technische Neuerungen der Apps und eine sich stetig verändernde Mediennutzung der Kernzielgruppe sind stetig neu zu erheben und zu reflektieren.
* Sich in einem professionellen Rahmen systematisch und kontinuierlich zu informieren, mit welchen Themen sich die Jugend und junge Erwachsene im Netz beschäftigen, ist essenziell, um die Jugendlichen aufsuchen und adäquat ansprechen zu können.
* Wer weiß, wo sich Jugendliche zu welchen Themen aufhalten und welche Narrative viral gehen, kann gezielt und zeitlich passend intervenieren.

### Content-Produktion als pädagogische Methode

* Content-Produktion ist keine bloße Öffentlichkeitsarbeit, sondern eine genuine pädagogische Methode.
* Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.
* Authentizität ist dabei keine Frage des persönlichen Stils, sondern eine erlernbare professionelle Kompetenz.

### Plattformkompetenz

* Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren, anstatt viele oberflächlich zu bespielen – Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.
* Plattformkompetenz umfasst das Verstehen und kritische Reflektieren von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformseitigen Einschränkungen für politische Inhalte.

### Zielgruppenspezifische Zugänge

* Digital Streetwork adressiert sehr unterschiedliche Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedarfen – phänomenbezogene Spezialisierung ist notwendig, eine pauschale Methodenlogik greift zu kurz.
* Diese Gruppen unterscheiden sich in Plattformnutzung, Erreichbarkeit und geeigneten methodischen Zugängen erheblich – eine Differenzierung auf Konzept- und Trägerebene ist unerlässlich.

### Kontinuierliche Beziehungspflege

* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Niedrigschwellige Formate wie gemeinsames Onlinegamen oder kreative Online-Workshops sind keine Randaktivitäten, sondern gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

**Kurz gesagt**

Zugang zur Zielgruppe entsteht durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen. Digital Streetwork muss dort präsent sein, wo und wann die Zielgruppe aktiv ist. Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.

## Was braucht es methodisch, um Digital Streetwork professionell auszuüben? Methoden muss mein Team können, um professionell DS auszuüben? Welche Methoden wirken im digitalen Raum? Was ist besonders effektiv?

Professionelles Digital Streetwork erfordert ein breites, situativ eingesetztes Methodenrepertoire – von offener Chatberatung bis zur konfrontativen Pädagogik.

### Pädagogisches Monitoring als methodische Grundlage

* Pädagogisches Monitoring ist das methodische Fundament jedes professionellen Digital Streetwork – ohne systematische Beobachtung digitaler Räume ist weder aufsuchendes Arbeiten noch gezielte Intervention möglich.
* Monitoring meint die kontinuierliche, strukturierte Beobachtung relevanter Plattformen, Gruppen und Hashtags auf extremistische Dynamiken, vulnerable Nutzende, präventionsrelevante und generell jugendkulturelle Trends.
* Es ist nicht passives Beobachten, sondern aktive Informationsgewinnung: Wer weiß, wo sich Jugendliche zu welchen Themen aufhalten und welche Narrative viral gehen, kann gezielt und zeitlich passend intervenieren.
* Konzeptionell ist zu klären, wo pädagogisches Monitoring endet und unzulässige Überwachung beginnt.

### Aufsuchende und Komm-Strukturen

* Aufsuchendes Arbeiten – das aktive Mitdiskutieren in Kommentarspalten, das Betreten fremder Server und Communities – ist methodisch anspruchsvoller und risikobehafteter als das Anbieten eigener Kanäle, zu denen Jugendliche selbst Kontakt aufnehmen.
* Beide Zugänge haben ihre Berechtigung, erfordern aber unterschiedliche Kompetenzen und Rollenklarheit.
* Eine konzeptionelle Differenzierung auf Trägerebene ist notwendig.

### Konfrontative und verunsicherungspädagogische Methoden

* Das bewusste Erzeugen von Brüchen in nicht logisch stringenten Weltbildern, gezieltes Nachfragen und die provokante Kommentierung extremistischer Inhalte stellen einen methodisch eigenständigen Bereich dar.
* Sie erfordern eine fundierte pädagogische Haltung, die zwischen professionell kalkulierter Irritation und eskalierender Konfrontation klar unterscheidet.

### Systemische und ressourcenorientierte Gesprächsführung

* Systemische Fragetechniken, gewaltfreie Kommunikation und Bedürfnisorientierung – also die Frage, welches psychosoziale Bedürfnis hinter einer Radikalisierung oder Belastung steht – sind zentrale methodische Grundlagen.
* Sie verlangen spezifische Ausbildung und können nicht als implizites Wissen vorausgesetzt werden.
* Hilfreiche erste Fragestellungen des pädagogischen Reflektierens wären: Warum braucht der*die Adressat*in dieses Verhalten? Welche Funktion hat dies womöglich im Kontext seiner Biographie? Was braucht das Gegenüber gerade, welches Gefühl steht dahinter?

### Lebensweltorientierung als Zugangs- und Wirkungsprinzip

* Zugang zur Zielgruppe entsteht nicht durch institutionelle Sichtbarkeit, sondern durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen.
* Der wirksamste Zugang entsteht über lebensweltliche Themen: Körperbild, Einsamkeit, mentale Gesundheit, Mobbing, Rassismus, Trauer.
* Wer glaubwürdig und auf Augenhöhe in diese Themen einsteigt, schafft Vertrauen, bevor die eigene professionelle Rolle explizit gemacht werden muss.
* Digital Streetwork muss dort präsent sein, wo und wann die Zielgruppe aktiv ist – nicht dort, wo es organisatorisch bequem ist.

### Content-Produktion als pädagogische Methode

* Content-Produktion ist keine bloße Öffentlichkeitsarbeit, sondern eine genuine pädagogische Methode.
* Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.
* Authentizität ist dabei keine Frage des persönlichen Stils, sondern eine erlernbare professionelle Kompetenz.

### Erstkontakt und Bedürfnisorientierung

* Der Erstkontakt zeigt sich als besonders herausfordernd – wie bekomme ich fremde junge Menschen dazu, länger mit mir in Kontakt treten zu wollen und potenziell die eigene Meinung zu reflektieren?
* Sinnvoll ist es, die Bedürfnisse der Adressat\*innen, beispielsweise nach Anerkennung oder Gesehen-Werden, zu identifizieren und diese anzusprechen, um einen positiven Kontakt herzustellen.

### Kontinuierliche Beziehungspflege

* Beziehungsarbeit ist auch im digitalen Raum das Herzstück sozialpädagogischen Handelns.
* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Niedrigschwellige Formate wie Spieleabende oder kreative Online-Workshops sind keine Randaktivitäten, sondern gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

### Online als eigenständiges Unterstützungsformat

* Digital Streetwork sollte konzeptionell als eigenständiges Unterstützungsformat gedacht werden, das nicht zwingend auf eine Weiterleitung in Offline-Angebote ausgerichtet ist, sondern selbst einen vollständigen Hilfeprozess ermöglichen kann.
* Das niedrigschwellige Angebot der DS-Tätigkeit hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat, angesiedelt auf einer frühen Präventionsebene, zu betrachten.

**Kurz gesagt**

Professionelles Digital Streetwork erfordert ein breites, situativ eingesetztes Methodenrepertoire – von offener Chatberatung bis zur konfrontativen Pädagogik. Pädagogisches Monitoring, aufsuchende und eigene Zugänge, systemische und ressourcenorientierte Gesprächsführung, Lebensweltorientierung, Content-Produktion und kontinuierliche Beziehungspflege sind zentrale methodische Grundlagen.

## Wie teile ich thematisch mein Team für die Zielgruppen auf (Arbeitsorganisation um die Plattformen herum und nach Bedarfen der Mitarbeitenden)?

### Verteilung der Zuständigkeiten

* In größeren Teams empfiehlt sich eine bewusste Verteilung von Zuständigkeiten nach Themenbereichen, Zielgruppen oder Plattformen, um Spezialisierung und gegenseitige Ergänzung zu ermöglichen.
* Leitungspersonen sind gefordert, die unterschiedlichen Kompetenzen im Team aktiv zu kartieren, Zuständigkeiten entsprechend zu strukturieren und Kompetenzlücken durch gezielte Zusatzqualifikationen zu schließen.

### Differenzierung der Zielgruppenfelder

* Digital Streetwork adressiert sehr unterschiedliche Zielgruppen mit sehr unterschiedlichen Bedarfen – phänomenbezogene Spezialisierung ist notwendig, eine pauschale Methodenlogik greift zu kurz.
* Das Feld umfasst mindestens vier klar voneinander abgrenzbare Zielgruppen: Jugendliche mit allgemeinen psychosozialen Belastungsthemen, junge Menschen im Kontext von Rechtsextremismusprävention, junge Menschen im Kontext von Islamismusextremismusprävention sowie Migrantinnen und Migranten mit Beratungs- und Vernetzungsbedarfen.
* Diese Gruppen unterscheiden sich in Plattformnutzung, Erreichbarkeit und geeigneten methodischen Zugängen erheblich – eine Differenzierung auf Konzept- und Trägerebene ist unerlässlich.

### Phänomenbezogene Spezialisierung

* Für die Extremismusprävention gilt: Phänomenbezogenes Fachwissen ist keine Zusatzqualifikation, sondern Grundvoraussetzung.
* Wer mit islamistisch radikalisierten Jugendlichen arbeitet, muss ideologische Argumentationsmuster, religiöse Quellentexte und relevante Diskriminierungserfahrungen kennen.
* Entsprechendes gilt für die Arbeit im Bereich Rechtsextremismus.

### Migrationsspezifische Kompetenz

* Die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten erfordert Mehrsprachigkeit, Kenntnis der rechtlichen Lage in verschiedenen Aufenthaltssituationen und ein tiefes Verständnis struktureller Ausschlusserfahrungen.
* Die Authentizität, die durch Fachkräfte mit eigener Migrationsgeschichte entsteht, ist methodisch bedeutsam und sollte in der Personalplanung bewusst berücksichtigt werden.

### Spezialisierung nach Plattformen

* Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren, anstatt viele oberflächlich zu bespielen – Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.
* Jede Plattform operiert nach eigenen Logiken: TikTok ermöglicht schnelle Reichweite, Instagram funktioniert langsamer und netzwerkbasierter, Discord eignet sich für Community-Management und Gaming-Plattformen wie Twitch lassen nur besonders kurzweilige Interventionen zu.
* Da sich Plattformen und ihre Algorithmen kontinuierlich verändern, ist nicht nur eine einmalige Bestandsaufnahme, sondern ein dynamisches Monitoring-Format notwendig.

### Arbeitsorganisation und Einarbeitung

* Eine gute Einarbeitung ins Home-Office sollte strukturiert, praxisnah und engmaschig begleitet sein.
* Dazu gehören eine Einführung in die genutzten Tools und Kommunikationswege, feste Ansprechpartner für Fragen sowie klar definierte Erwartungen der Leitung an Aufgaben, Erreichbarkeit und Arbeitsabläufe.
* Weitere regelmäßige Check-ins in der Anfangsphase helfen, Unsicherheiten zu klären und Feedback beziehungsweise Hilfestellung zu geben.

### Kollegialer Austausch und Belastungsschutz

* Regelmäßige Präsenzzeiten ermöglichen Fallbesprechungen, kollegiale Beratung und wirken der Isolation durch dauerhaftes Homeoffice entgegen.
* Hybride Arbeitsmodelle, die die grundlegende Homeoffice-Struktur mit regelmäßigen Präsenzterminen verbinden, fördern kollegialen Austausch und mentale Stabilität.
* Um spezifischen Belastungen und dem Alleine-Sein in Homeoffice-Strukturen entgegenzuwirken, braucht es Reflexions-, Intervisions- und Supervisionsformate, sowohl offline als auch digital.

**Kurz gesagt**

In größeren Teams empfiehlt sich eine bewusste Verteilung von Zuständigkeiten nach Themenbereichen, Zielgruppen oder Plattformen, um Spezialisierung und gegenseitige Ergänzung zu ermöglichen. Die unterschiedlichen Kompetenzen im Team sollten aktiv kartiert, Zuständigkeiten entsprechend strukturiert und Kompetenzlücken durch gezielte Zusatzqualifikationen geschlossen werden.

## Was braucht es für ein technisches Equipment, um DS durchführen zu können? Reicht ein Smartphone? Was brauche ich an Technik, um DS gut durchführen zu können? Welche technische Grundausstattung ist erforderlich, um Digital Streetwork professionell durchzuführen? Reicht ein Smartphone aus oder wird eine Kombination aus mobilem Endgerät und Desktop-Anwendung benötigt? Welche Hardware, Software, Lizenzen und Tools werden für Beratung, Monitoring, Dokumentation und Content Creation benötigt?

### Technische Ausstattung für Digital Streetwork

#### Smartphone und Desktop-Anwendung

* Viele Digital-Streetwork-Projekte arbeiten mit einer Kombination aus mobilem Endgerät und Desktop-Anwendung sowie mit verschiedenen Tools und auf Social-Media-Plattformen, um Beratung und Interaktion auf Social Media durchzuführen.
* Die Arbeit über längere Zeit ausschließlich am Mobilgerät wird als anstrengend und arbeitserschwerend empfunden.

#### Hardware

* Es braucht umfassende Ausstattung mit Laptop/Handy, Equipment wie Headset, Gimbal, Mikrofon.
* Technische Ausstattung – von Gaming-Hardware bis Videoproduktions-Equipment – ist dabei als professionelle Grundausstattung zu finanzieren, nicht als nachrangiger Kostenfaktor.
* Eine gute technische Ausstattung ist notwendig, um sich in bestimmten Communities wie beispielsweise der Gaming-Community bewegen zu können.
* Ebenso ist dies notwendig für professionelle Videoproduktion und Content-Creating im Allgemeinen.

#### Software und Lizenzen

* Wer ein Digital-Streetwork-Projekt durchführen möchte, muss finanzielle Ressourcen für Tools, Softwarelizenzen und professionelle Hardware bereitstellen und diese in die Projektplanung einkalkulieren.
* Diverse Software und Lizenzen werden benötigt, wie beispielsweise Schnittprogramme wie CapCut und Canva – diese vor allem in Projekten, die viel Content Creating betreiben.
* Als Bild- und Videobearbeitungstools zur Erstellung von Content haben sich besonders Canva und Invideo als hilfreich herauskristallisiert.

#### Kommunikation und Dokumentation

* Dienstgeräte, datenschutzkonforme Kommunikations- und Dokumentationstools sowie plattformspezifische Hardware gehören zur notwendigen Grundausstattung.
* Für die interne Dokumentation und Teamorganisation kann ein zentrales Monitoring-Template mit festen Feldern und wöchentlichem Export aus Plattform-Analytics entwickelt werden.
* Die Daten sollten möglichst anonymisiert verarbeitet werden, um die Zielgruppen und mögliche Änderungen gut im Blick zu halten.

#### Monitoring-Tools

* Der Zugang zu Social Media als Technik ist elementar.
* Zum Monitoring können plattformeigene Analysetools genutzt werden, beispielsweise Facebook Insights, Instagram Insights und YouTube Analytics.
* Ein einfaches Monitoring lässt sich auch durch strukturierte Hashtag- und Listenarbeit durchführen.
* Eine weitere Möglichkeit ist, Sandbox-Accounts oder Recherche-Accounts für Monitoring getrennt zu führen, Logging und Zugriff zu begrenzen und die Orte und Themen zum Aufsuchen regelmäßig zu sichten.
* Zusätzlich können Reichweiten- und Interaktionstools wie Meta Analytics und Hootsuite genutzt werden.
* Teilweise wird zudem mit Tools wie Brandwatch gearbeitet. Viele dieser Tools folgen Vermarktungslogiken und orientieren sich nicht zwingend an sozialen oder pädagogischen Faktoren.

#### Datenschutz und Sicherheit

* Eine Abwägung mithilfe einer Risikomatrix, beispielsweise Zielgruppenerreichung gegenüber Datenschutzbedenken, ist empfehlenswert.
* Es gibt nur wenige offene oder selbstgehostete Alternativen in diesem Bereich; diese sollten nach Möglichkeit in Betracht gezogen werden, weil vulnerable Daten der Adressat\*innen erfasst werden können.
* Google Analytics sollte vermieden werden, wenn möglich; eine bessere Alternative ist Matomo, selbst gehostet oder datenschutzfreundlich konfiguriert.

#### Kompetenzen und Ressourcen

* Die pädagogischen Fachkräfte im Digital-Streetwork-Team benötigen Kompetenzen im Umgang mit den Tools oder müssen diese im Projektverlauf entwickeln und aneignen.
* Kosten für Lizenzen und Anschaffungen müssen eingeplant werden, auch für Updates, regelmäßige Neuerungen und fortlaufende Weiterqualifizierung bei den Tools.
* Wichtig sind auch im Netz verifizierte Accounts, um die Glaubwürdigkeit und den professionellen Charakter beizubehalten.

**Kurz gesagt**

Viele Digital-Streetwork-Projekte arbeiten mit einer Kombination aus mobilem Endgerät und Desktop-Anwendung. Es braucht eine umfassende Ausstattung mit Laptop oder Handy, Headset, Gimbal und Mikrofon sowie datenschutzkonforme Kommunikations- und Dokumentationstools, plattformspezifische Hardware, Softwarelizenzen und professionelle Videoproduktions- und Monitoring-Tools.

## Was muss meine Einrichtung leisten, um professionelles DS zu ermöglichen?

### Fachliche Mindeststandards

* Wissenschaft und Praxis sollten gemeinsam einen verbindlichen Referenzrahmen erarbeiten, der Mindestanforderungen an Ausbildung, Dokumentation, Datenschutz und ethische Grundsätze definiert.
* Um Digital Streetwork professionell auszuüben ist grundsätzlich eine Fachausbildung in Sozialer Arbeit notwendig.
* Pädagogische Fachausbildungen und phänomenbezogene Spezialisierung bilden die fachliche Grundlage für Professionalität.
* Die Mindeststandards der BAG Streetwork, für digitales: <https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf>
* Systematische Leitlinien von Infodrog: <https://www.infodrog.ch/files/content/schadensminderung_de/2025_Leitlinien-online-streetwork_Infodrog.pdf>

### Kompetenzen und Zuständigkeiten

* Leitungspersonen sind gefordert, die unterschiedlichen Kompetenzen im Team aktiv zu kartieren, Zuständigkeiten entsprechend zu strukturieren und Kompetenzlücken durch gezielte Zusatzqualifikationen zu schließen.
* In größeren Teams empfiehlt sich eine bewusste Verteilung von Zuständigkeiten nach Themenbereichen, Zielgruppen oder Plattformen, um Spezialisierung und gegenseitige Ergänzung zu ermöglichen.
* Vorhandene Kompetenzen sind systematisch zu erheben und Lücken durch gezielte Einarbeitungs- und Weiterbildungsmaßnahmen zu schließen.

### Technische Grundausstattung

* Eine professionelle Praxis ist ohne angemessene technische Infrastruktur nicht möglich.
* Dienstgeräte, datenschutzkonforme Kommunikations- und Dokumentationstools sowie plattformspezifische Hardware gehören zur notwendigen Grundausstattung.
* Technische Ausstattung – von Gaming-Hardware bis Videoproduktions-Equipment – ist als professionelle Grundausstattung zu finanzieren, nicht als nachrangiger Kostenfaktor.
* Kosten für Lizenzen und Anschaffungen müssen eingeplant werden, auch für Updates, regelmäßige Neuerungen und fortlaufende Weiterqualifizierung bei den Tools.

### Einarbeitung

* Eine gute Einarbeitung ins Home-Office sollte strukturiert, praxisnah und engmaschig begleitet sein, damit professionelles Arbeiten von Anfang an gelingt.
* Dazu gehören eine Einführung in die genutzten Tools und Kommunikationswege, feste Ansprechpartner für Fragen sowie klar definierte Erwartungen der Leitung an Aufgaben, Erreichbarkeit und Arbeitsabläufe.
* Weitere regelmäßige Check-ins in der Anfangsphase helfen, Unsicherheiten zu klären und Feedback beziehungsweise Hilfestellung zu geben.

### Arbeitsorganisation und kollegialer Austausch

* Hybride Arbeitsmodelle, die die grundlegende Homeoffice-Struktur mit regelmäßigen Präsenzterminen verbinden, fördern kollegialen Austausch und mentale Stabilität.
* Regelmäßige Präsenzzeiten ermöglichen Fallbesprechungen, kollegiale Beratung und wirken der Isolation durch dauerhaftes Homeoffice entgegen.
* Hybride Arbeitsmodelle leisten einen wichtigen Beitrag zu Kollegialität und mentaler Gesundheit.

### Supervision und Belastungsschutz

* Um den spezifischen Belastungen und dem Alleine-Sein in Homeoffice-Strukturen entgegenzuwirken, braucht es Reflexions-, Intervisions- und Supervisionsformate, sowohl offline als auch digital.
* Entscheidend ist, dass solche Strukturen als verbindlicher struktureller Bestandteil verankert werden.
* Träger sind in der Pflicht, Sicherheitskonzepte zu entwickeln, die technische Schutzmaßnahmen und psychosoziale Unterstützung kombinieren.

### Vernetzung und Qualitätssicherung

* Trägerübergreifende Vernetzung durch gemeinsame Fachgremien und geteilte Qualitätsstandards ist notwendige Voraussetzung für weitere Professionalisierung.
* Evaluative Strukturen sind als fester Bestandteil jedes Projekts zu verankern – nicht als Rechenschaftspflicht gegenüber Fördergebern, sondern als Instrument kontinuierlicher Reflexion.
* Längere Begleitforschungsprojekte und systematische Forschungsanbindung der schon bestehenden Projekte sind notwendig.

### Nachhaltige Finanzierung

* Vertrauen und kontinuierliche Beziehungsarbeit lassen sich nicht in einjährigen Projekten aufbauen.
* Es braucht eine Verstetigung der Finanzierung, um sowohl Fachkräften als auch Adressat\*innen der Beziehung Zeit geben zu können.

**Kurz gesagt**

Die Einrichtung muss fachliche Mindeststandards, qualifizierte Fachkräfte, eine angemessene technische Grundausstattung, strukturierte Einarbeitung, hybride Arbeitsmodelle, verbindliche Supervisions- und Reflexionsformate, evaluative Strukturen und eine Verstetigung der Finanzierung ermöglichen.

## Was mache ich, wenn meine Mitarbeitenden regelmäßig im Netz geblockt oder gelöscht werden? Ich werde im Netz gelöscht, was kann ich dagegen tun?

### Plattformseitige Einschränkungen

* Zu häufiges Posten oder das Streuen von Links wird von Algorithmen als Spam klassifiziert.
* Politische Inhalte werden auf manchen Plattformen, besonders auf Reddit und in Gaming-Kontexten, grundsätzlich benachteiligt.
* Diese Mechanismen treffen Präventionsangebote strukturell härter als kommerzielle Accounts.

### Politische Inhalte in Communities

* Manche Plattformen beziehungsweise Communities dulden explizit keinen politischen Content.
* In Gaming-Communities sowie auf Reddit besteht eine größere Gefahr gelöscht zu werden.
* Gaming-Hersteller wollen oft explizit keinen politischen Content in ihren Foren, weshalb die Spielbetreiber Accounts von Digital Streetworkern löschen.

### Eigenes Vorgehen überprüfen

* In der Praxis ist es besonders wichtig, zu prüfen, ob das eigene Angebot als Spam identifiziert wird.
* Im Träger ist zu klären, ob das professionelle Vorgehen geändert werden soll.
* Zu prüfen ist, ob zu häufiges Posten oder das Streuen von Links zur Klassifizierung als Spam führt.

### Plattform direkt kontaktieren

* Im Träger ist zu klären, ob Kontakt mit den Plattformen aufgenommen werden soll.
* Der direkte Kontakt mit der Plattform beziehungsweise den Plattformbetreibern ist eine Möglichkeit, Sperrungen oder Löschungen professioneller Accounts zu klären.
* Gegenüber Plattformbetreibern sollte auf verbesserte Bedingungen hingewirkt werden.

### Plattformkompetenz und Monitoring

* Plattformkompetenz umfasst das Verstehen und kritische Reflektieren von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformseitigen Einschränkungen für politische Inhalte.
* Fachkräfte sollten sich auf wenige Plattformen spezialisieren, anstatt viele oberflächlich zu bespielen – Tiefe und Plattformkenntnis sind wichtiger als Breite.
* Da sich Plattformen und ihre Algorithmen kontinuierlich verändern, ist nicht nur eine einmalige Bestandsaufnahme, sondern ein dynamisches Monitoring-Format notwendig.

### Professionelle Sichtbarkeit

* Wichtig sind verifizierte Accounts, um die Glaubwürdigkeit und den professionellen Charakter beizubehalten.
* Verifizierung, offizieller Accountname und ein erkennbares institutionelles Profil sind berufsethische Grundanforderungen, keine optionalen Gestaltungselemente.

### Dokumentation und Zusammenarbeit

* Praxis und Forschung sollten diese Dynamiken dokumentieren und in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren politischen Druck ausüben, um gegenüber Plattformbetreibern auf verbesserte Bedingungen hinzuwirken.
* Strukturelle Einschränkungen, Sperrungen und Löschungen sollten dokumentiert werden.

**Kurz gesagt**

Prüfen Sie, ob das eigene Angebot als Spam identifiziert wird, und klären Sie im Träger, ob das professionelle Vorgehen geändert oder die Plattform direkt kontaktiert werden soll. Plattformkompetenz, professionelle Sichtbarkeit, kontinuierliches Monitoring und die Dokumentation von Sperrungen und Löschungen sind dabei notwendig.

## Was wäre den politischen Entscheidungsträgern zu vermitteln, was sich auf Strukturebene für DS verändern muss? (Forderungskatalog)?

### Verstetigung der Finanzierung

* Jährliche Projektzyklen stehen in fundamentalem Widerspruch zu den Anforderungen der Digital Streetwork.
* Vertrauen und kontinuierliche Beziehungsarbeit lassen sich nicht in einjährigen Projekten aufbauen.
* Wenn Projekte auslaufen, gehen nicht nur Fachkräfte verloren, sondern auch aufgebaute Communities und gewachsene Vertrauensbeziehungen.
* Es braucht eine Verstetigung der Finanzierung, um sowohl Fachkräften als auch Adressat\*innen der Beziehung Zeit geben zu können.

### Neugestaltung der Förderarchitektur

* Die aktuellen Förderlogiken stehen in fundamentalem Widerspruch zu den Anforderungen digitaler Beziehungsarbeit: Jährliche Antragszyklen, Regionalitätsanforderungen und abrupte Projektenden unterhöhlen systematisch Kontinuität und Verlässlichkeit.
* Die Zielgruppe strukturiert sich weniger nach Region als nach Sprache, was eine Verwischung der nationalen und internationalen Grenzen im Internet zur Folge hat.
* Notwendig wäre eine Förderarchitektur, die die Internationalität der aufsuchenden Arbeit im Internet berücksichtigt.

### Rechtliche Verankerung

* Digital Streetwork fehlt eine tragfähige rechtliche Verankerung im System der Kinder- und Jugendhilfe.
* Digitale Jugendhilfe existiert als eigenständige Kategorie im SGB VIII faktisch nicht, was die fachliche Etablierung in der Sozialen Arbeit erheblich erschwert.
* Notwendig ist eine Neugestaltung hin zu bundesweit koordinierten Förder- und Rechtsstrukturen.

### Fachliche Mindeststandards

* Der Begriff „Digital Streetwork“ ist weder rechtlich noch fachlich geschützt.
* Wissenschaft und Praxis sollten gemeinsam einen verbindlichen Referenzrahmen erarbeiten, der Mindestanforderungen an Ausbildung, Dokumentation, Datenschutz und ethische Grundsätze definiert.
* Daher ist eine Wissenschaft-Praxis-Kooperation zu empfehlen.

### Ausbildung und Qualifizierung

* Technische Reflexions- und Medienkompetenz sind in pädagogischen Studiengängen bislang eine weitgehende Leerstelle, obwohl sie für die Praxis von Digital Streetwork unerlässlich sind.
* Mittelfristig ist eine curriculare Verankerung anzustreben.
* Für Fortbildungen in den jeweiligen thematischen Fokussierungen und zertifizierte Fortbildungen zu Kommunikation muss gesondert ein Budget einkalkuliert werden.

### Forschungsanbindung und Evaluation

* Um Digital Streetwork sowohl fachlich als auch politisch vor Geldgebern zu stärken, sind längere Begleitforschungsprojekte und systematische Forschungsanbindung der schon bestehenden Projekte notwendig.
* Forschung sollte Digital-Streetwork-Projekte langfristig begleiten, ergänzt durch die Erhebung der Perspektiven der Adressat*innen und Klient*innen.
* Evaluative Strukturen sind als fester Bestandteil jedes Projekts zu verankern, nicht als Rechenschaftspflicht gegenüber Fördergebern, sondern als Instrument kontinuierlicher Reflexion.

### Vernetzung und Wissenstransfer

* Das Feld des Digital Streetworks im deutschsprachigen Raum ist stark fragmentiert.
* Es braucht mehr Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen, um der Fragmentierung entgegenzuwirken.
* Die verschiedenen Digital-Streetwork-Projekte im deutschsprachigen Raum haben durch die deutsche Sprache allesamt dieselbe Zielgruppe, können jedoch zum Teil nicht weitervermitteln.
* Angebote für spezifische Zielgruppen sollten DACH-raumübergreifend vernetzt werden, damit eine Weitervermittlung möglich wird.
* Zu empfehlen ist eine DACH-Arbeitsgemeinschaft für Digital Streetwork, welche wissenschaftlich begleitet wird und die Vernetzung vorantreibt.
* Eine wissenschaftlich begleitete Vernetzungsplattform für den DACH-Raum sollte gemeinsame Fachbegriffe entwickeln, Best Practices dokumentieren und regelmäßige Fachtagungen koordinieren.

### Verantwortung der Plattformbetreiber

* Politische Inhalte werden auf manchen Plattformen grundsätzlich benachteiligt.
* Diese Mechanismen treffen Präventionsangebote strukturell härter als kommerzielle Accounts.
* Praxis und Forschung sollten diese Dynamiken dokumentieren und in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren politischen Druck ausüben, um gegenüber Plattformbetreibern auf verbesserte Bedingungen hinzuwirken.

### Politische Sichtbarkeit

* Digital Streetwork arbeitet unter strukturell prekären Bedingungen und ohne die politische Sichtbarkeit, die dem gesellschaftlichen Gewicht seiner Aufgabe entspräche.
* Stärkere Lobbyarbeit, eine breitere öffentliche Debatte über soziale Verantwortung im digitalen Raum und eine klare politische Positionierung zugunsten langfristiger Investitionen in das Feld sind notwendige Begleitmaßnahmen.

**Kurz gesagt**

Notwendig sind eine Verstetigung der Finanzierung, bundesweit koordinierte Förder- und Rechtsstrukturen, eine tragfähige rechtliche Verankerung im System der Kinder- und Jugendhilfe, verbindliche fachliche Mindeststandards, curriculare Verankerung, langfristige Forschungsanbindung, evaluative Strukturen, eine DACH-raumübergreifende Vernetzung von Angeboten für spezifische Zielgruppen sowie verbesserte Bedingungen gegenüber Plattformbetreibern.

## Was sind die Übergeordneten Ziele meines Digital Streetwork Projektes?

### Zielsetzung und Projektfokus

* Im Projektfokus ist klar zu formulieren, ob der Schwerpunkt eher in eine qualitative Richtung, zum Beispiel Community-Bindung, oder eine quantitative Richtung evaluiert wird und was als ein erfolgreicher Kontakt gewertet wird.
* Die Darstellung und Belegung von Wirkungen des Digital-Streetwork-Projektes, insbesondere die Wirkung auf die Klient*innen und Adressat*innen, ist zentral für die Weiterfinanzierung der Projekte.

### Erreichung schwer zugänglicher Zielgruppen

* Digitale Streetwork ist eine aufsuchende Form der Sozialarbeit, die vor allem Jugendliche in ihren Online-Lebensräumen wie Social Media, Gaming-Plattformen oder Foren erreicht.
* Sie erreicht schwer zugängliche Jugendliche, die keine Jugendzentren besuchen, zum Beispiel mit Einsamkeit, Ängsten oder psychischen Belastungen.
* Das Digital-Streetwork-Angebot sollte besonders für armutsbetroffene und marginalisierte Jugendliche zugänglich gemacht werden.

### Niedrigschwellige Unterstützung

* Digital Streetwork ermöglicht niedrigschwellige Beratung zu Themen wie psychischer Gesundheit, Ausbildung oder Integration, oft anonym und freiwillig.
* Das niedrigschwellige Angebot der Digital-Streetwork-Tätigkeit hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat, angesiedelt auf einer frühen Präventionsebene, zu betrachten.

### Vertrauens- und Beziehungsarbeit

* Beziehungsarbeit ist auch im digitalen Raum das Herzstück sozialpädagogischen Handelns.
* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen.

### Förderung von Teilhabe und Selbstwirksamkeit

* Es geht darum, Teilhabe an einem System zu fördern, das sie ihre Perspektive wenig bis gar nicht beteiligt.
* Ziel ist es, Gruppen, die Unzufriedenheit, Ängste und tendenziell Rückzugstendenzen zeigen, wieder an die Teilhabe anzuschließen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz zu fördern.
* Langfristig fördert Digital Streetwork Partizipation und Jugendbildung online und offline.

### Stärkung demokratischer Kompetenzen

* Interventionen im Digital Streetwork sollten bewusst die Stärkung demokratischer Kompetenzen, Selbstvertrauen, Meinungsäußerung und Partizipation, als präventiven Mechanismus verankern.
* Informationen und Angebote zur Ambiguitätstoleranz sowie zu den Werten Gleichheit, Respekt und Vielfalt sollten implizit und ohne Zwang vermittelt, aber auch mit sozialprofessioneller Haltung verbunden werden.

### Prävention und Orientierung

* Digital Streetwork wirkt präventiv gegen Probleme wie Radikalisierung oder Falschinformationen.
* Digital Streetwork begegnet tendenziösen, extremistischen oder misinformativen Inhalten mit aufklärenden Informationen, Orientierung und dem pädagogisch begleiteten Aufbau von Kompetenzen in den Communities.
* Mitglieder sollen problematische Inhalte erkennen, melden und ihnen widersprechen können.

### Stärkung von Communities

* Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden.
* Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.
* Für vulnerable und marginalisierte Gruppen werden geschützte, kuratierte Online-Räume als notwendig beschrieben, um vertrauensvolle Interaktion zu ermöglichen.

### Online-Unterstützung und Weitervermittlung

* Digital Streetwork sollte konzeptionell als eigenständiges Unterstützungsformat gedacht werden, das nicht zwingend auf eine Weiterleitung in Offline-Angebote ausgerichtet ist, sondern selbst einen vollständigen Hilfeprozess ermöglichen kann.
* Sollte eine Überführung zusätzlich gelingen und beispielsweise ein Therapieplatz durch die Digital-Streetwork-Tätigkeit organisiert werden, umso besser.

**Kurz gesagt**

Übergeordnete Ziele sind die Erreichung schwer zugänglicher, armutsbetroffener und marginalisierter Zielgruppen, niedrigschwellige Unterstützung, kontinuierliche Beziehungsarbeit, die Förderung von Teilhabe, Selbstwirksamkeit und demokratischen Kompetenzen sowie Prävention, Orientierung und die Stärkung von Communities.

## Welche Effekte kann ich in der Onlinespezifischen Arbeit erzeugen?

### Erreichbarkeit und Kontakt

* Digitale Streetwork erreicht vor allem Jugendliche in ihren Online-Lebensräumen wie Social Media, Gaming-Plattformen oder Foren.
* Sie erreicht schwer zugängliche Jugendliche, die keine Jugendzentren besuchen, zum Beispiel mit Einsamkeit, Ängsten oder psychischen Belastungen.
* Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.

### Niedrigschwellige Unterstützung

* Digital Streetwork ermöglicht niedrigschwellige Beratung zu Themen wie psychischer Gesundheit, Ausbildung oder Integration, oft anonym und freiwillig.
* Das niedrigschwellige Angebot der Digital-Streetwork-Tätigkeit hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat, angesiedelt auf einer frühen Präventionsebene, zu betrachten.

### Offenheit durch Anonymität

* Die Anonymität der Fachkräfte kann dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und die Offenheit der Klient\*innen zu erhöhen, da sensible Themen oft leichter in einem geschützten, nicht-personalisierten Rahmen angesprochen werden.
* Die Anonymität des Internets erschwert den Vertrauensaufbau, begünstigt aber zugleich Offenheit, die im persönlichen Gespräch nicht so schnell entstünde.

### Vertrauen und Beziehung

* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Niedrigschwellige Formate wie Spieleabende oder kreative Online-Workshops sind keine Randaktivitäten, sondern gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

### Teilhabe und Selbstwirksamkeit

* Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen und Selbstwirksamkeit als ein wichtiges demokratisches Element zu fördern.
* Ziel ist es, Gruppen, die Unzufriedenheit, Ängste und tendenziell Rückzugstendenzen zeigen, wieder an die Teilhabe anzuschließen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz zu fördern.
* Langfristig fördert Digital Streetwork Partizipation und Jugendbildung online und offline.

### Demokratische Kompetenzen

* Interventionen im Digital Streetwork sollten bewusst die Stärkung demokratischer Kompetenzen, Selbstvertrauen, Meinungsäußerung und Partizipation, als präventiven Mechanismus verankern.
* Informationen und Angebote zur Ambiguitätstoleranz sowie zu den Werten Gleichheit, Respekt und Vielfalt sollten implizit und ohne Zwang vermittelt, aber auch mit sozialprofessioneller Haltung verbunden werden.

### Prävention und Orientierung

* Digital Streetwork wirkt präventiv gegen Probleme wie Radikalisierung oder Falschinformationen.
* Digital Streetwork begegnet tendenziösen, extremistischen oder misinformativen Inhalten mit aufklärenden Informationen, Orientierung und dem pädagogisch begleiteten Aufbau von Kompetenzen in den Communities.
* Mitglieder sollen problematische Inhalte erkennen, melden und ihnen widersprechen können.

### Community-Bildung und Empowerment

* Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden.
* Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.
* Geschützte, kuratierte Online-Räume ermöglichen vertrauensvolle Interaktion und unterstützen das Empowerment vulnerabler und marginalisierter Gruppen.

### Online- und Offline-Unterstützung

* Digital Streetwork kann selbst einen vollständigen Hilfeprozess ermöglichen.
* Sie schlägt Brücken zu analogen Angeboten, zum Beispiel Therapien.
* Digital Streetwork führt zu konkreten Fortschritten wie der Rückkehr zu Hobbys oder Vereinskontakten.

**Kurz gesagt**

Onlinespezifische Arbeit kann Erreichbarkeit, niedrigschwellige Unterstützung, Offenheit, Vertrauen und kontinuierliche Beziehungen ermöglichen. Sie kann Teilhabe, Selbstwirksamkeit, Krisenresilienz und demokratische Kompetenzen fördern, präventiv wirken, Communities stärken und Brücken zu analogen Angeboten schaffen.

## Wie kann ich die Themen gut vermitteln? welche gesellschaftliche Nebeneffekte stellen sich ein, wenn ich Digital Streetwork anbiete?

### Erreichbarkeit und niedrigschwellige Unterstützung

* Digitale Streetwork erreicht vor allem Jugendliche in ihren Online-Lebensräumen wie Social Media, Gaming-Plattformen oder Foren.
* Sie erreicht schwer zugängliche Jugendliche, die keine Jugendzentren besuchen, zum Beispiel mit Einsamkeit, Ängsten oder psychischen Belastungen.
* Digital Streetwork ermöglicht niedrigschwellige Beratung zu Themen wie psychischer Gesundheit, Ausbildung oder Integration, oft anonym und freiwillig.

### Offenheit, Vertrauen und Beziehung

* Die Anonymität kann dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und die Offenheit der Klient\*innen zu erhöhen.
* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Niedrigschwellige Formate wie Spieleabende oder kreative Online-Workshops sind gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

### Themen lebensweltorientiert vermitteln

* Zugang zur Zielgruppe entsteht durch glaubwürdige Präsenz in den Themen, Räumen und Sprachen, die Jugendliche selbst bewegen.
* Der wirksamste Zugang entsteht über lebensweltliche Themen: Körperbild, Einsamkeit, mentale Gesundheit, Mobbing, Rassismus und Trauer.
* Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.

### Content-Produktion

* Content-Produktion ist keine bloße Öffentlichkeitsarbeit, sondern eine genuine pädagogische Methode.
* Authentizität ist dabei keine Frage des persönlichen Stils, sondern eine erlernbare professionelle Kompetenz.
* Bei Digital Streetwork geht es nicht um Marken und auch nicht um Verkaufs- oder Verwertungslogiken.

### Plattformgerechte Vermittlung

* Instagram funktioniert etwas linearer, hier sind auch etwas längere Content-Postings möglich.
* Auf TikTok ist es durch die Viralitätsskala schneller möglich, viele Leute zu erreichen. In der eigenen Content-Produktion ist es jedoch wichtig zu polarisieren, um möglichst viele Leute zu erreichen, was fachlich umstritten ist.
* Zu einer längerfristigen Communitybildung eignet sich Discord mit seiner Channel-Struktur gut.
* Plattformkompetenz umfasst das Verstehen und kritische Reflektieren von Algorithmen, Kommunikationsnormen und plattformseitigen Einschränkungen für politische Inhalte.

### Teilhabe und Selbstwirksamkeit

* Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen.
* Gruppen, die Unzufriedenheit, Ängste und Rückzugstendenzen zeigen, sollen wieder an die Teilhabe angeschlossen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz gefördert werden.
* Langfristig fördert Digital Streetwork Partizipation und Jugendbildung online und offline.

### Demokratische Kompetenzen

* Interventionen im Digital Streetwork sollten bewusst die Stärkung demokratischer Kompetenzen, Selbstvertrauen, Meinungsäußerung und Partizipation, als präventiven Mechanismus verankern.
* Informationen und Angebote zur Ambiguitätstoleranz sowie zu den Werten Gleichheit, Respekt und Vielfalt sollten implizit und ohne Zwang vermittelt, aber auch mit sozialprofessioneller Haltung verbunden werden.

### Prävention und Orientierung

* Digital Streetwork wirkt präventiv gegen Probleme wie Radikalisierung oder Falschinformationen.
* Digital Streetwork begegnet tendenziösen, extremistischen oder misinformativen Inhalten mit aufklärenden Informationen, Orientierung und dem pädagogisch begleiteten Aufbau von Kompetenzen in den Communities.
* Mitglieder sollen problematische Inhalte erkennen, melden und ihnen widersprechen können.

### Community-Bildung und gesellschaftliche Wirkung

* Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden.
* Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.
* Hier werden vor allem die demokratischen Prinzipien wie Teilhabe und Selbstwirksamkeit durch die aktive Teilhabe in der Community angesprochen.
* Geschützte, kuratierte Online-Räume ermöglichen vertrauensvolle Interaktion und unterstützen das Empowerment vulnerabler und marginalisierter Gruppen.

### Politische und gesellschaftliche Sichtbarkeit

* Eine breitere öffentliche Debatte über soziale Verantwortung im digitalen Raum und eine klare politische Positionierung zugunsten langfristiger Investitionen in das Feld sind notwendige Begleitmaßnahmen.
* Digital Streetwork schlägt Brücken zu analogen Angeboten und fördert Partizipation und Jugendbildung online und offline.

**Kurz gesagt**

Onlinespezifische Arbeit erzeugt Erreichbarkeit, niedrigschwellige Unterstützung, Offenheit, Vertrauen und kontinuierliche Beziehungen. Themen werden über lebensweltliche Anknüpfung, zielgruppengerechten Content und eine kritische Nutzung der Plattformlogiken vermittelt. Gesellschaftlich können Teilhabe, Selbstwirksamkeit, Krisenresilienz, demokratische Kompetenzen, Prävention und Community-Bildung gestärkt werden.

## Welche positiven Wirkungen kann ich mit Digital Streetwork erzeugen?

### Erreichung schwer zugänglicher Jugendlicher

* Digitale Streetwork ist eine aufsuchende Form der Sozialarbeit, die vor allem Jugendliche in ihren Online-Lebensräumen wie Social Media, Gaming-Plattformen oder Foren erreicht.
* Sie erreicht schwer zugängliche Jugendliche, die keine Jugendzentren besuchen, z. B. mit Einsamkeit, Ängsten oder psychischen Belastungen.

### Niedrigschwellige Beratung

* Digital Streetwork ermöglicht niedrigschwellige Beratung zu Themen wie psychischer Gesundheit, Ausbildung oder Integration, oft anonym und freiwillig.
* Das niedrigschwellige Angebot der DS-Tätigkeit hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat, angesiedelt auf einer frühen Präventionsebene, zu betrachten.

### Offenheit und Vertrauen

* Die Anonymität kann dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen und die Offenheit der Klient\*innen zu erhöhen, da sensible Themen oft leichter in einem geschützten, nicht-personalisierten Rahmen angesprochen werden.
* Die Balance zwischen Anonymität und Transparenz ist entscheidend, um Vertrauen aufzubauen, ohne die professionelle Integrität und Verantwortlichkeit zu gefährden.

### Kontinuierliche Beziehungsarbeit

* Beziehungsarbeit ist auch im digitalen Raum das Herzstück sozialpädagogischen Handelns.
* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Niedrigschwellige Formate wie Spieleabende oder kreative Online-Workshops sind keine Randaktivitäten, sondern gezielte Beziehungspflege mit pädagogischem Wert.

### Konkrete Fortschritte und Weitervermittlung

* Digital Streetwork führt zu konkreten Fortschritten wie der Rückkehr zu Hobbys oder Vereinskontakten.
* Sie schlägt Brücken zu analogen Angeboten, z. B. Therapien.
* Digital Streetwork kann selbst einen vollständigen Hilfeprozess ermöglichen.

### Teilhabe und Selbstwirksamkeit

* Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen und Selbstwirksamkeit als ein wichtiges demokratisches Element zu fördern.
* Ziel ist es, Gruppen, die Unzufriedenheit, Ängste und tendenziell Rückzugstendenzen zeigen, wieder an die Teilhabe anzuschließen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz zu fördern.
* Langfristig fördert Digital Streetwork Partizipation und Jugendbildung online und offline.

### Demokratische Kompetenzen

* Interventionen im Digital Streetwork sollten bewusst die Stärkung demokratischer Kompetenzen, Selbstvertrauen, Meinungsäußerung und Partizipation, als präventiven Mechanismus verankern.
* Informationen und Angebote zur Ambiguitätstoleranz sowie zu den Werten Gleichheit, Respekt und Vielfalt sollten implizit und ohne Zwang vermittelt, aber auch mit sozialprofessioneller Haltung verbunden werden.

### Prävention und Orientierung

* Digital Streetwork wirkt präventiv gegen Probleme wie Radikalisierung oder Falschinformationen.
* Digital Streetwork begegnet tendenziösen, extremistischen oder misinformativen Inhalten mit aufklärenden Informationen, Orientierung und dem pädagogisch begleiteten Aufbau von Kompetenzen in den Communities.
* Mitglieder sollen problematische Inhalte erkennen, melden und ihnen widersprechen können.

### Community-Bildung und Empowerment

* Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden.
* Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.
* Geschützte, kuratierte Online-Räume ermöglichen vertrauensvolle Interaktion und unterstützen das Empowerment vulnerabler und marginalisierter Gruppen.

**Kurz gesagt**

Digital Streetwork erreicht schwer zugängliche Jugendliche, ermöglicht niedrigschwellige Beratung und schafft Vertrauen. Sie fördert Teilhabe, Selbstwirksamkeit, Krisenresilienz und demokratische Kompetenzen, wirkt präventiv und stärkt Communities.

## Was sind pädagogische Ziele der Onlineansprache?

### Kontaktanbahnung

* Inhalte, die an Interessen und Bedürfnissen der Zielgruppe andocken und dabei professionelle Haltung transportieren, sind das wirksamste Mittel zur Kontaktanbahnung.
* Sinnvoll ist es, die Bedürfnisse der Adressat\*innen, beispielsweise nach Anerkennung oder Gesehen-Werden, zu identifizieren und diese anzusprechen, um einen positiven Kontakt herzustellen.

### Niedrigschwellige Unterstützung

* Digital Streetwork ermöglicht niedrigschwellige Beratung zu Themen wie psychischer Gesundheit, Ausbildung oder Integration, oft anonym und freiwillig.
* Das niedrigschwellige Angebot der DS-Tätigkeit hat einen eigenständigen Nutzen für die Adressat\*innen und ist als eigenständiges Unterstützungsformat, angesiedelt auf einer frühen Präventionsebene, zu betrachten.

### Vertrauens- und Beziehungsaufbau

* Beziehungsarbeit ist auch im digitalen Raum das Herzstück sozialpädagogischen Handelns.
* Langfristige Beziehungsangebote über Text-, Audio- und Videochat, wiederkehrende Gesprächsformate oder Community-Events schaffen Vertrauen und ermöglichen pädagogische Wirkungen, die punktuelle Interventionen allein nicht erreichen.
* Ziel ist es, Diskriminierung, Unzufriedenheit und soziale Ängste in eine beziehungs- und kontaktfördernde Interaktion oder Communities zu überführen.

### Teilhabe und Selbstwirksamkeit

* Es geht darum, Teilhabe an einem System zu fördern, das sie ihre Perspektive wenig bis gar nicht beteiligt.
* Ziel ist es, Gruppen, die Unzufriedenheit, Ängste und tendenziell Rückzugstendenzen zeigen, wieder an die Teilhabe anzuschließen und damit verbundene Selbstwirksamkeit und Krisenresilienz zu fördern.
* Langfristig fördert Digital Streetwork Partizipation und Jugendbildung online und offline.

### Demokratische Kompetenzen

* Interventionen im Digital Streetwork sollten bewusst die Stärkung demokratischer Kompetenzen, Selbstvertrauen, Meinungsäußerung und Partizipation, als präventiven Mechanismus verankern.
* Informationen und Angebote zur Ambiguitätstoleranz sowie zu den Werten Gleichheit, Respekt und Vielfalt sollten implizit und ohne Zwang vermittelt, aber auch mit sozialprofessioneller Haltung verbunden werden.

### Orientierung und Prävention

* Digital Streetwork begegnet tendenziösen, extremistischen oder misinformativen Inhalten mit aufklärenden Informationen, Orientierung und dem pädagogisch begleiteten Aufbau von Kompetenzen in den Communities.
* Mitglieder sollen problematische Inhalte erkennen, melden und ihnen widersprechen können.
* Digital Streetwork wirkt präventiv gegen Probleme wie Radikalisierung oder Falschinformationen.

### Empowerment und Community-Bildung

* Peers in den Communities werden als wichtige Multiplikator\*innen verstanden.
* Sie tragen Inhalte weiter, moderieren Gespräche und helfen beim Aufbau transparenter, gemeinschaftlich getragener Regeln.
* Geschützte, kuratierte Online-Räume ermöglichen vertrauensvolle Interaktion und unterstützen das Empowerment vulnerabler und marginalisierter Gruppen.

**Kurz gesagt**

Pädagogische Ziele der Onlineansprache sind Kontaktanbahnung, niedrigschwellige Unterstützung, Vertrauens- und Beziehungsaufbau, Teilhabe, Selbstwirksamkeit, demokratische Kompetenzen, Orientierung, Prävention und Community-Bildung.

## Heisst es Online Streetwork oder Digital Streetwork? Gibt es da Unterschiede?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

In den Quellen werden beide Begriffe sowie weitere Bezeichnungen verwendet, wobei die Terminologie als uneinheitlich und teilweise umstritten beschrieben wird.

Hier sind die Details zu den Bezeichnungen und den in den Quellen genannten Unterschieden:

Verwendete Begriffe

In den Dokumenten finden sich nebeneinander verschiedene Bezeichnungen für das Arbeitsfeld:

* **Digital Streetwork:** Häufig als Oberbegriff genutzt, wenn das Aufsuchen auf Online-Plattformen den Kern der professionellen Arbeit bildet. Der Begriff wurde maßgeblich ab 2016 geprägt.
* **Online-Streetwork:** Wird oft synonym verwendet, aber in spezifischen Konzepten auch als eine **Weiterentwicklung** des Digital Streetwork definiert.
* **Virtuell-aufsuchende Arbeit:** Dieser Begriff wird insbesondere von Fachverbänden wie der BAG Streetwork oder der LAG Baden-Württemberg genutzt, um die methodische Ergänzung zur analogen Arbeit zu betonen.
* **Weitere Bezeichnungen:** Vereinzelt fallen Begriffe wie „Internetstreetwork“, „Webwork“ oder „aufsuchende Online-Beratung“.

Unterschiede und fachliche Debatten

Die Quellen weisen auf folgende Differenzierungen und Unschärfen hin:

* **Begriffliche Unschärfe:** Es wird explizit festgestellt, dass das Profil von Digital Streetwork noch „relativ unscharf“ ist und allgemeingültige begriffliche Klärungen weitestgehend ausstehen.
* **Online-Streetwork als Weiterentwicklung:** Ein Quellentext definiert Online-Streetwork spezifisch als ein „einzigartiges, sich stetig weiterentwickelndes Konzept“, das aus dem Digital Streetwork hervorgegangen ist.
* **Kritik am Begriff „Streetwork“:** Es gibt eine fachliche Kontroverse darüber, ob die Bezeichnung „Streetwork“ im digitalen Raum überhaupt zulässig ist.
  + Die **LAG Bayern** lehnt die Bezeichnung „Digital Streetwork“ ab, da der virtuelle Raum kein „öffentlicher Raum“ im fachlichen Sinne (wie eine Straße) sei.
  + Sie plädiert stattdessen für den Begriff **„Digitale Jugend(beratungs)arbeit“**, um eine De-Professionalisierung des klassischen Streetwork-Feldes zu vermeiden.
* **Methodische Nuancen:** Während „Digital Streetwork“ oft als Sammelbegriff für verschiedene Modellprojekte in unterschiedlichen Arbeitsfeldern dient, wird „virtuell-aufsuchende Arbeit“ oft als eine zusätzliche Methode innerhalb bestehender analoger Konzepte (wie der Mobilen Jugendarbeit) verstanden.
* **Content-basierte Unterscheidung:** Innerhalb der Konzepte wird zudem zwischen **„content-based“** (Kontakt über eigene produzierte Inhalte) und **„non-content-based“** (direkte Ansprache in Kommentaren oder Chats) unterschieden, was jedoch beide Begrifflichkeiten (Online und Digital Streetwork) betreffen kann.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt keine scharfe, allgemeingültige Trennung zwischen den Begriffen, aber eine intensive Fachdebatte über die Angemessenheit der Bezeichnung „Streetwork“ für rein digitale Angebote.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

In den vorliegenden Quellen werden **beide Begriffe**, sowohl „Digital Streetwork“ als auch „Online Streetwork“, verwendet und weitgehend synonym behandelt. Eine Quelle hält explizit fest, dass **Digital Streetwork hier auch Online-Streetwork genannt** wird.

Darüber hinaus finden sich in den Dokumenten weitere Bezeichnungen für dieses Arbeitsfeld:

* **„Social Media Streetwork“**.
* **„eYouth-Work“**, **„Online Jugendarbeit“** oder **„Digitale Jugendarbeit“**.

Gibt es Unterschiede?

Obwohl die Begriffe oft austauschbar genutzt werden, lassen sich in den Quellen folgende Nuancen und Einordnungen feststellen:

* **Identisches Grundverständnis:** Unabhängig von der Bezeichnung definieren die Quellen den Kern der Arbeit als den **Transfer der Prinzipien der aufsuchenden Sozialarbeit** (Streetwork) in die digitalen Lebenswelten bzw. auf die **„digitale Straße“**.
* **Methodische Akzentuierung:** In manchen Kontexten wird **Online-Streetwork** spezifisch als Methode definiert, um pädagogisch konzipierte Videoinhalte (Content) einer Online-Kampagne mit den Zielgruppen zu diskutieren.
* **Historische Entwicklung:** Es wird beschrieben, dass sich das Feld seit den 1990er-Jahren von der reinen Onlineberatung hin zu vielfältigen Modellprojekten der **Digital Streetwork** auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder Reddit entwickelt hat.
* **Projektbezeichnungen:** In der Praxis existieren unterschiedliche Namen nebeneinander, wie beispielsweise das Projekt **„Digital Streetwork Bayern“** oder das Modellprojekt **„Streetwork im Netz“**.
* **Fachlicher Standard:** Beide Begriffe bezeichnen eine Arbeit, die sich an den **fachlichen Standards der Sozialen Arbeit** orientiert und über reine Medienbildung hinausgeht, indem sie gezielte Beziehungsarbeit leistet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es **keinen wesentlichen inhaltlichen Unterschied** zwischen den Begriffen gibt, sondern sie verschiedene Benennungen für das gleiche pädagogische Konzept der aufsuchenden Arbeit im Internet darstellen

### Online Streetwork vs. Digital Streetwork – Begriff und Unterschiede

| **Begriff** | **Kurzbeschreibung** | **Typische Einsatzbereiche** | **Unterschiede** |
| --- | --- | --- | --- |
| **Online Streetwork** | Arbeit, die über das Internet (Web‑Plattformen, soziale Medien, Messenger‑Dienste) mit Menschen in ihrem privaten Umfeld stattfindet. | Chat‑Beratung, Foren, YouTube‑Live‑Sessions, Instagram‑Stories, Online‑Selbsthilfe‑Gruppen. | Der Fokus liegt auf **virtuellen Räumen**, die bereits online existieren. Die Interaktion erfolgt meist in Echtzeit oder asynchron über digitale Kommunikationskanäle. |
| **Digital Streetwork** | Weiter gefasster Ansatz, der neben reinen Online‑Kanälen auch digitale Tools und Medien (z. B. Apps, digitale Lernplattformen, VR‑Umgebungen, digitale Informationsmaterialien) nutzt, um Menschen dort zu erreichen, wo sie sich physisch aufhalten. | Neben dem Online-Raum, also Social Media Plattformen, Foren usw., auch Mobile Apps für Terminvereinbarungen, digitale Informations‑ und Ressourcen‑Kataloge, hybride Angebote (z. B. Präsenz‑Workshops mit ergänzenden Online‑Modulen), QR‑Codes an öffentlichen Orten. | Bezieht **alle digitalen Mittel** ein – nicht nur das reine Online‑Gespräch, sondern auch digitale Infrastruktur, Daten‑ und Analyse‑Tools sowie hybride Formate. |

#### Kerndifferenz

**Online Streetwork** ist ein Teilbereich von Digital Streetwork und bezeichnet ausschließlich die **reine Online‑Kommunikation**.

**Digital Streetwork** umfasst sowohl die Online‑Kommunikation als auch den Einsatz von **digitalen Technologien und Medien** zur Unterstützung, Dokumentation und Erweiterung der Arbeit. Es kann also sowohl rein digitale als auch hybride (online + offline) Angebote beinhalten.

#### Praktisches Beispiel

**Online Streetwork:** Eine Sozialarbeiterin berät Jugendliche über einen geschützten Discord‑Server.

**Digital Streetwork:** Dieselbe Fachkraft nutzt zusätzlich eine App, über die Jugendliche Termine buchen, digitale Lernmodule absolvieren und QR‑Codes an Straßenecken scannen können, um sofortige Hilfsangebote zu erhalten. Die Beratung kann dann sowohl im Chat als auch in Präsenz stattfinden.

#### Fazit

Beide Begriffe werden häufig synonym verwendet, doch **Digital Streetwork** ist der umfassendere, strategischere Begriff, der alle digitalen Möglichkeiten – von reinen Online‑Gesprächen bis hin zu hybriden, technologiegestützten Angeboten – einschließt. Wenn Sie die gesamte Bandbreite digitaler Methoden betonen möchten, ist „Digital Streetwork“ die passendere Bezeichnung. Wenn Sie ausschließlich die reine Online‑Interaktion hervorheben wollen, reicht „Online Streetwork“.

Die Begriffe sind **nicht einheitlich definiert** und werden in der Praxis häufig synonym verwendet. Eine fachlich sinnvolle Unterscheidung ist jedoch:

| **Onlinestreetwork** | **Digital Streetwork** |
| --- | --- |
| Bezeichnet vor allem Streetwork, die **online** stattfindet. | Bezeichnet einen umfassenderen professionellen Ansatz in **digital geprägten Lebenswelten**. |
| Schwerpunkt: aufsuchende Kontaktaufnahme und Beratung in sozialen Netzwerken, Foren, Chats oder Games. | Umfasst zusätzlich Plattformbeobachtung, Contentarbeit, Medienpädagogik, digitale Beziehungsarbeit, Vernetzung, Datenschutz und Übergänge zwischen Online- und Offlinehilfen. |
| Betont den Kommunikationsraum beziehungsweise Kanal. | Betont die Digitalität als fachliche und gesellschaftliche Rahmenbedingung. |
| Kann ausschließlich online organisiert sein. | Kann online, offline oder hybrid umgesetzt werden. |

Digital Streetwork ist dabei mehr als eine Beratung, die lediglich über digitale Medien durchgeführt wird: Kennzeichnend ist, dass Fachkräfte die Zielgruppen in ihren digitalen Räumen aktiv aufsuchen. Im Ansatz des JFF umfasst sie aktive Kontaktaufnahme, vertrauliche Begleitung und gegebenenfalls die Vermittlung in weiterführende Hilfen.[[jff](https://www.jff.de/schwerpunkte/gesellschaftliche-teilhabe-demokratie/details/digital-streetwork)][[minor-kontor](https://minor-kontor.de/wp-content/uploads/2025/10/Minor_FEI_Kurzbericht_2025-09.pdf)]

#### Kurzform:

Onlinestreetwork beschreibt eher, **wo** gearbeitet wird. Digital Streetwork beschreibt umfassender, **wie aufsuchende Soziale Arbeit unter den Bedingungen digitaler Lebenswelten professionell gestaltet wird**.

Für wissenschaftliche Texte würde ich „Digital Streetwork“ als Oberbegriff verwenden und „Onlinestreetwork“ als mögliche onlinebasierte Ausprägung definieren.

## Was ist Digital Streetwork und wie lässt es sich im Fachdiskurs (in der Schweiz) verorten?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

**Digital Streetwork** wird in den Quellen als die **systematische Übertragung und Weiterentwicklung des klassischen, aufsuchenden Streetwork-Ansatzes in den digitalen Raum** definiert. Es handelt sich um ein **aktiv aufsuchendes, niedrigschwelliges Beratungs- und Beziehungsangebot** für Personen, die durch stationäre Einrichtungen nicht oder nicht mehr erreicht werden. Dabei werden digitale Plattformen (Social Media, Gaming-Server, Foren) als **reale und bedeutsame Sozialräume** anerkannt, in denen pädagogische Präsenz notwendig ist.

Im spezifischen **Fachdiskurs in der Schweiz** lässt sich Digital Streetwork wie folgt verorten:

* **Systematisierung durch Infodrog:** Die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog) hat 2025 erstmals systematische **Leitlinien für Online-Streetwork** veröffentlicht, um klare Arbeitsprinzipien und Qualitätskriterien für den Sucht- und Gesundheitsbereich zu etablieren. [[Link zu den Leitlinien](https://www.infodrog.ch/files/content/schadensminderung_de/2025_Leitlinien-online-streetwork_Infodrog.pdf)]
* **Einbettung in die Suchtpolitik:** In der Schweiz wird Digital Streetwork explizit im Rahmen der **4-Säulen-Suchtpolitik** (Prävention, Beratung/Therapie, Schadensminderung und Regulierung) verortet.
* **Wissenschaftliche Erprobung (ZHAW):** Projekte wie die „Social Influencer:innen“ der **Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)** untersuchen Digital Streetwork als methodengeleitete Intervention gegen Hass im Netz (Hate Speech) und zur Förderung einer demokratischen Diskussionskultur.
* **Pionierphase:** Der Diskurs beschreibt das Arbeitsfeld in der Schweiz aktuell noch als eine **„Pionierphase“**, die stark durch exploratives Handeln („Learning by doing“) geprägt ist und nun verstärkt in verbindliche fachliche Standards überführt wird.
* **Methodischer Brückenschlag:** Es wird als **„vireale“ Sozialraumaneignung** begriffen, die digitale und physische Lebenswelten nicht mehr getrennt voneinander betrachtet, sondern als hybrid und miteinander verwoben.
* **Blended Counseling:** Ein zentraler Aspekt im Schweizer Diskurs ist der Ansatz des **Blended Counseling**, also die gezielte Verknüpfung von digitalen Erstkontakten mit analogen Unterstützungsangeboten vor Ort.
* **Abkehr von der Komm-Struktur:** Digital Streetwork markiert in der Schweizer Fachdebatte den notwendigen Wechsel von einer statischen „Komm-Struktur“ (Warten auf Klienten in Einrichtungen) hin zu einer proaktiven **„Geh-Struktur“** im Netz

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Basierend auf den Quellen lässt sich Digital Streetwork wie folgt definieren und im Fachdiskurs – unter besonderer Berücksichtigung einer zentralen Fachpublikation aus **Zürich** – verorten:

#### Definition: Was ist Digital Streetwork?

Digital Streetwork (DSW), oft auch als **Online-Streetwork**, **Social Media Streetwork** oder **eYouth-Work** bezeichnet, wird als der **Transfer der Prinzipien der aufsuchenden Sozialarbeit** (Streetwork) in die **digitalen Lebenswelten** von Jugendlichen definiert.

* **Kern der Arbeit:** Fachkräfte suchen junge Menschen direkt dort auf, wo sie einen Großteil ihrer Zeit verbringen, etwa in **sozialen Netzwerken** (Instagram, TikTok), **Gaming-Plattformen** (Discord, Steam), **Messenger-Diensten** oder **Foren** (Reddit).
* **Grundprinzipien:** Die Arbeit basiert auf den klassischen Standards der Sozialen Arbeit: **Niedrigschwelligkeit, Freiwilligkeit, Anonymität, Transparenz** sowie Lebenswelt- und Bedürfnisorientierung.
* **Methodik:** Es wird zwischen **Content-basiertem** DSW (Ansprache durch eigene Medieninhalte wie Videos oder Memes) und **Nicht-content-basiertem** DSW (direkte Interaktion in Kommentaren oder privaten Chats) unterschieden.

#### Verortung im Fachdiskurs

Im Fachdiskurs wird Digital Streetwork als notwendige pädagogische Antwort auf die fortschreitende **Digitalisierung jugendlicher Lebenswelten** begriffen.

* **Brückenfunktion:** DSW fungiert als **Brücke** zwischen dem digitalen Informationsverhalten der Zielgruppen und dem **analogen Hilfesystem** vor Ort.
* **Präventionsspektrum:** Das Feld deckt das gesamte Präventionsspektrum ab – von der **Primärprävention** (allgemeine Medienkompetenz und Resilienzstärkung) über die **Sekundärprävention** (Ansprache gefährdeter Gruppen) bis hin zur **Tertiärprävention** (Deradikalisierung und Krisenintervention).
* **Sozialpädagogisches Ortshandeln:** Wissenschaftlich wird DSW auch als **„sozialpädagogisches Ortshandeln im digitalen Raum“** verortet. Digitale Räume werden dabei als reale Sozialräume begriffen, die pädagogisch gestaltet und aneignungsfähig gemacht werden müssen.
* **Medienpädagogische Verknüpfung:** Der Ansatz verschmilzt Methoden der klassischen Jugendarbeit mit der **Medienpädagogik**, um Medienkompetenz situativ und bedarfsorientiert direkt in der Nutzungssituation zu fördern.

#### Verortung im Fachdiskurs (Bezug Schweiz/Zürich)

Eine spezifische Verortung im wissenschaftlichen Diskurs findet sich in einem Beitrag, der im **Jahrbuch Medienpädagogik (Zürich)** veröffentlicht wurde:

* **Nutzungsbegleitende Medienpädagogik:** Hier wird Digital Streetwork als Entwurf einer **nutzungsbegleitenden Medienpädagogik** am Beispiel virtueller Spielwelten präsentiert.
* **Koordinierendes Schlüsselmoment:** In diesem Diskursrahmen gilt DSW als **„koordinierendes Schlüsselmoment“** in einem Netzwerk aus verschiedenen Akteuren wie Schule, Psychologie und Jugendhilfe, um Risiken wie Videospielsucht, Mobbing oder Radikalisierung effektiv zu begegnen.
* **Systemische Perspektive:** Der Ansatz zielt darauf ab, über punktuelle Interventionen hinauszugehen und eine langfristige, systemische Begleitung direkt in den digitalen Rückzugsorten (den sogenannten „Black Boxes“) der Jugendlichen zu etablieren.

Zusammenfassend lässt sich Digital Streetwork als eine **pädagogische Disziplin** verorten, die den digitalen Raum als vollwertigen Lebensraum anerkennt und professionelle Beziehungsarbeit nutzt, um die Lücke zwischen Online-Subkulturen und dem traditionellen Hilfesystem zu schließen

### Projektaufbau für Digital / Online Streetwork in der Schweiz

#### 1. Bedarfsanalyse & Zieldefinition

1. **Daten erheben**
   * Analyse vorhandener Statistiken zu NEET‑Jugendlichen (z. B. JIM‑Studie, Bundesamt für Statistik).
   * Interviews mit Jugendämtern, Beratungsstellen und Betroffenen, um konkrete Bedürfnisse zu identifizieren.
2. **Zielgruppe klar abgrenzen**
   * Alter, Bildungsstatus, digitale Affinität, bevorzugte Kommunikationskanäle.
3. **Projektziele formulieren**
   * Kurzfristig: Pilot‑Pilotphase mit X Personen, erste digitale Kontaktpunkte etablieren.
   * Langfristig: Integration in bestehende Jugend‑ und Sozialdienste, nachhaltige Finanzierung.

#### 2. Stakeholder‑Netzwerk aufbauen

| **Stakeholder** | **Rolle** | **Wie einbinden** |
| --- | --- | --- |
| **Jugendberufsagentur / Sozialdienste** | Praxispartner, Zugang zu Zielgruppe | Frühzeitige Workshops, Ko‑Kooperationsverträge |
| **Hochschulen & Fachbereiche (Sozialarbeit, Pädagogik, Medien)** | Forschung, Ausbildung, Evaluation | Gemeinsame Lehrveranstaltungen, Praktikumsplätze |
| **Kommunen & Kantone** | Finanzierung, rechtlicher Rahmen | Förderanträge, Pilot‑Funding |
| **Digitale Plattform‑Provider** | Technische Infrastruktur | API‑Zugänge, Datenschutz‑Beratung |
| **Jugendliche (Peer‑Mentoren)** | Vertrauenspersonen, Content‑Creator | Co‑Design‑Sessions, Honorar für Peer‑Arbeit |

#### 3. Rekrutierung & Qualifizierung von Fachkräften

1. **Job‑Profil neu definieren**
   * Titel: *Digital Streetwork‑Berater* oder *Online‑Sozialarbeiter*
   * Kernkompetenzen: Sozialpädagogik + digitale Medienkompetenz, Erfahrung mit Chat‑Tools, Datenschutz.
2. **Aus‑ und Weiterbildung schaffen**
   * **Modul in bestehenden Studiengängen** (z. B. „Digitale Sozialarbeit“ als Wahlfach).
   * **Zertifikatskurs** in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen oder Weiterbildungsinstituten (z. B. 40 Stunden, Praxisanteil).
   * **Online‑Bootcamps** für bereits Berufstätige (z. B. 2‑Wochen‑Intensivkurs).
3. **Pilot‑Rekrutierung**
   * Ausschreibung über Fachverbände, Job‑Portale, soziale Medien.
   * **Peer‑Recruiting**: Aktive Jugendliche aus der Zielgruppe als Botschafter einbinden.
   * Anreize: Honorar, Fortbildungspunkte, Möglichkeit zur Forschungspublikation.

#### 4. Technische Infrastruktur planen

| **Ebene** | **Aufgaben** | **Praxisbeispiel** |
| --- | --- | --- |
| **Kommunikationskanäle** | Auswahl von Messenger‑Diensten (WhatsApp Business, Telegram, Discord), Social‑Media‑Accounts, Chat‑Bots. | Einrichtung eines geschützten Discord‑Servers mit moderierten Kanälen. |
| **Plattform für Ressourcen** | Digitale Bibliothek, Selbsthilfe‑Tools, Termin‑ und Fall‑management. | Nutzung von open‑source‑LMS (Moodle) + individuelle App‑Entwicklung. |
| **Datenschutz & Sicherheit** | DSGVO‑konforme Datenverarbeitung, Anonymisierung, Einwilligungs‑Management. | Zusammenarbeit mit einem Datenschutz‑Berater, Implementierung von End‑to‑End‑Verschlüsselung. |
| **Analyse‑Tools** | Monitoring von Reichweite, Interaktionsraten, Erfolgskontrolle. | Google Analytics + Selbst‑entwickelte Dashboard‑Lösung. |

#### 5. Pilotphase starten

1. **Regionale Auswahl** – z. B. eine Stadt (Hannover, Zürich) mit hoher NEET‑Dichte.
2. **Zeitrahmen** – 6‑12 Monate, um saisonale Schwankungen zu erfassen.
3. **Leistungsangebot**
   * **Low‑Threshold‑Kontakt**: Chat‑Sprechstunde, Instagram‑Live‑Q&A.
   * **Digital‑Workshops**: Themen wie Bewerbungscoaching, digitale Kompetenzen.
   * **Übergang zu Präsenz**: Bei Bedarf persönliche Treffen oder Vermittlung zu lokalen Angeboten.
4. **Evaluation von Anfang an**
   * Quantitative Kennzahlen (Nutzerzahlen, Kontaktzeit, Weiterempfehlungsrate).
   * Qualitative Interviews (Zufriedenheit, wahrgenommene Wirksamkeit).

#### 6. Finanzierung & Nachhaltigkeit sichern

* **Fördermittel**: Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), Schweizerischer Jugendfonds, EU‑Projektmittel (z. B. Horizon Europe).
* **Ko‑Finanzierung**: Beiträge von Kommunen, Sponsoring durch Unternehmen aus dem Digital‑Sektor.
* **Kosten‑Planung**: Personal, Technik, Schulungen, Evaluation, Öffentlichkeitsarbeit.
* **Business‑Case**: Langfristige Einsparungen durch Prävention (weniger Sozialhilfe, geringere Arbeitslosigkeit).

#### 7. Integration in Lehre & Forschung

1. **Lehrmodule** an Fachhochschulen einführen (z. B. „Digital Streetwork‑Methoden“).
2. **Praxis‑Semester**: Studierende arbeiten im Projekt mit, sammeln Fallstudien.
3. **Forschungs‑Begleitung**: Begleitstudie zur Wirksamkeit, Publikationen in Fachzeitschriften.
4. **Abschluss‑ und Weiterbildungszertifikate** für Teilnehmende und Fachkräfte.

#### 8. Skalierung & Transfer

* **Erfolgsmodell dokumentieren** (Handbuch, SOPs).
* **Netzwerk‑Aufbau** mit anderen Kantonen, um Best‑Practice‑Austausch zu ermöglichen.
* **Open‑Source‑Tools** bereitstellen, um Einstiegshürden zu senken.
* **Politische Lobbyarbeit**: Ergebnisse des Pilots nutzen, um das Thema in nationale Sozial‑ und Bildungsstrategien zu integrieren.

#### Zusammenfassung

Der Aufbau eines Digital‑/Online‑Streetwork‑Projekts in der Schweiz erfordert ein **systematisches Vorgehen**: von einer fundierten Bedarfsanalyse über die Schaffung neuer Berufsprofile und Ausbildungsangebote bis hin zu einer technisch sicheren Plattform und einer klaren Finanzierungsstrategie. Durch **Pilotierung**, **Evaluation** und **Einbindung von Hochschulen** lässt sich das Projekt nicht nur starten, sondern langfristig in Lehre, Forschung und Praxis verankern. So wird die bislang fehlende Job‑Beschreibung zu einer anerkannten Fachrolle, die gezielt NEET‑Jugendliche digital erreicht und gleichzeitig das Fachpersonal professionell qualifiziert.

## Wie baut man so ein Projekt überhaupt auf, wenn es das (in der Schweiz) noch nicht gibt? (z. B. ist schon die Rekrutierung schwierig, weil es den Job so noch nicht gibt und im Studium nicht aufgegriffen wird)

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Der Aufbau eines Digital-Streetwork-Projekts in einem Umfeld, in dem dieses Berufsfeld noch nicht etabliert ist, erfordert eine **systematische Verbindung von klassischer Fachlichkeit und spezifischer digitaler Professionalisierung**. Besonders die Dokumente der Amadeu Antonio Stiftung (AAS) und von Hemminger et al. bieten hierfür detaillierte Fahrpläne:

#### 1. Rekrutierung und das neue Anforderungsprofil

Da das Studium oft nicht auf diese Arbeit vorbereitet, muss die Personalauswahl laut Hemminger et al. auf ein erweitertes Kompetenzprofil setzen:

* **Profil als Identitätsausdruck:** Fachkräfte müssen verstehen, dass ihr **Account ein erweiterter Ausdruck ihrer professionellen Identität** ist, der den Träger, die pädagogische Haltung und den Auftrag repräsentiert.
* **Digitale Feldkompetenz:** Gesucht werden Personen, die in der Lage sind, **soziale Räume im Internet und Gaming-Plattformen als legitime pädagogische Handlungsfelder** zu begreifen und dort eine „transformierte Fortsetzung klassischer Sozialarbeit“ zu leisten.
* **Balance von Nähe und Distanz:** Die Fachkräfte müssen die Fähigkeit besitzen, **authentisch und nahbar** aufzutreten, aber gleichzeitig strikte **professionelle Grenzen** zwischen Beruf und Privatheit zu wahren – das Prinzip lautet: **„sichtbar, aber nicht privat“**.

#### 2. Konzeptionelle Vorbereitung und Ressourcenplanung

Ein Projektstart ohne Vorbilder benötigt laut Hemminger et al. eine besonders gründliche Vorab-Klärung struktureller Fragen:

* **Kapazitätsfestlegung:** Es muss definiert werden, wie viel **Zeit**, wie viele **Arbeitskräfte** und wie viele **Accounts** realistisch bedient werden können.
* **Methodische Verortung:** Das Projekt sollte rechtlich und ethisch als Teil der Sozialen Arbeit (in Deutschland §§ 11 & 13 SGB VIII) gerahmt werden, um nicht als „neue Disziplin“, sondern als **aufsuchende Hilfeleistung** anerkannt zu werden.
* **Sicherheitskonzepte:** Träger müssen von Beginn an **institutionelle Richtlinien, Notfallpläne und Social Media Policies** erstellen.

#### 3. Qualifizierung „on the job“

Da die akademische Ausbildung Lücken aufweist, muss das Projekt laut AAS und Hemminger et al. interne Fortbildungsmodule integrieren:

* **Fachspezifische Schulungen:** Notwendig sind Trainings in **Datenschutzrecht (DSGVO), IT-Sicherheit (z. B. Zwei-Faktor-Authentifizierung), Urheberrecht** und digitaler Gesprächsführung.
* **Krisenmanagement:** Die AAS betont, dass „Tipps und Tricks“ vom **Accountaufbau bis zum Umgang mit akuten Krisensituationen** (z. B. Radikalisierung oder Suizidalität) vermittelt werden müssen.
* **Gaming- und Szenenkompetenz:** Fachkräfte benötigen Wissen über **plattformspezifische Codes, Jargon und Trends**, um in den Communities als „professionelle Gäste“ akzeptiert zu werden.

#### 4. Institutionelle Absicherung und Teamstruktur

Um die Schwierigkeiten der Pionierphase abzufangen, wird eine starke strukturelle Einbettung empfohlen:

* **Multiprofessionelle Teams:** Hemminger et al. raten zur Bildung von Teams, die Expertise aus **Sozialarbeit, Design und Technik** bündeln, statt auf „Einzelkämpfer\*innen“ zu setzen.
* **Psychohygiene und Reflexion:** Aufgrund der Entgrenzung der Arbeitszeit im Netz sind **verpflichtende Supervision, Intervision und kollegiale Fallberatung** essenziell, um die Belastung durch toxische Kommunikation oder Hassrede zu bewältigen.
* **Technische Ausstattung:** Eine strikte **Trennung von privaten und professionellen Geräten** sowie die Nutzung gesicherter Internetverbindungen (VPN) müssen als Standard vorgegeben sein.

#### 5. Aufbau von Reputation und Transparenz

In einem neuen Feld ist der Aufbau von Vertrauen entscheidend:

* **Keine verdeckten Identitäten:** Professionelle Auftritte müssen ihre Rolle offenlegen; **anonymisierte Profile widersprechen den Standards** der Beziehungsgestaltung.
* **Verifizierung:** Die Echtheit der Profile sollte durch den Träger oder die Plattform nachweisbar gemacht werden (z. B. durch Verlinkungen zur Stiftungswebseite), um Seriosität zu gewährleisten.
* **Lotsenfunktion:** Das Projekt sollte sich als **Brücke zum analogen Hilfesystem** verstehen und vorab Kooperationen mit lokalen Fachstellen schließen, um eine verlässliche Verweisberatung zu ermöglichen.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Der Aufbau eines Digital-Streetwork-Projekts ist laut den Quellen ein komplexer Prozess, der eine spezifische **konzeptionelle Verankerung**, **transdisziplinäre Teamstrukturen** und die Klärung **rechtlicher Rahmenbedingungen** erfordert. Da das Feld oft noch durch befristete Pilotprojekte geprägt ist, stehen Träger vor der Herausforderung, diese Arbeit in Regelstrukturen zu überführen.

Hier sind die zentralen Schritte und Strategien für den Aufbau eines solchen Projekts:

#### 1. Rekrutierung und Teamzusammensetzung

Die Quellen bestätigen Ihre Beobachtung: Es mangelt an spezialisierten Fachkräften, die sowohl pädagogisches als auch tiefes technisches Wissen vereinen, und Themen wie Onlineberatung fehlen oft in den Studienplänen. Um dies zu kompensieren, wird folgendes Vorgehen vorgeschlagen:

* **Transdisziplinarität:** Ein Team sollte nicht nur aus Sozialarbeiter\*innen bestehen, sondern Experten aus verschiedenen Bereichen wie **Psychologie, Islamwissenschaft und Medienproduktion** vereinen.
* **Peer-Ansatz:** Die Einbindung von Personen aus der Zielgruppe oder mit ähnlichen Biografien (z. B. eigene Migrationserfahrung oder Ausstiegserfahrung) ist entscheidend für den authentischen Zugang und die „Street Credibility“.
* **Qualifizierung im Prozess:** Da die Ausbildung oft fehlt, müssen Fachkräfte im Projektverlauf „digital professionalisiert“ werden. Es wird die Entwicklung spezifischer **Qualifizierungs-Curricula** gefordert.

#### 2. Konzeptionelle und institutionelle Basis

Bevor die aktive Arbeit beginnt, müssen strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden:

* **Konzeptionelle Verankerung:** Digital Streetwork darf kein bloßes „Zusatzprojekt“ sein, sondern muss fest im Konzept des Trägers verankert und idealerweise in eine **Regelstruktur** mit dauerhafter Finanzierung überführt werden.
* **Rechtliche Grundlagen klären:** Vorab müssen die rechtlichen Grundlagen für die Accounts, die Zielgruppen und der **Datenschutz (DSGVO)** präzise festgelegt werden. Ein Beispielprojekt nutzt hierfür einen dreistufigen Prozess aus Datenschutz-Check, Anpassung der Erklärung und der Online-Präsenz.
* **Ressourcenplanung:** Es müssen ausreichende Ressourcen für das zeitaufwendige Monitoring der Plattformen, die Content-Produktion und die technische Infrastruktur (Dienstgeräte) eingeplant werden.

#### 3. Operativer Aufbau der digitalen Präsenz

Der Aufbau der „digitalen Anlaufstelle“ folgt methodischen Standards:

* **Profilgestaltung:** Es müssen transparente **sozialarbeiterische Dienstprofile** erstellt werden, die sich klar von Privataccounts abgrenzen. Ein ansprechendes Design und Informationen zur Erreichbarkeit sind für den Vertrauensaufbau essenziell.
* **Plattformwahl:** Die Auswahl der Einsatzorte sollte auf Basis eines Kriterienkatalogs (Aktivität der Zielgruppe, Themenfokus, Datenschutz) erfolgen.
* **Reputationsaufbau:** Der Zugang zu Gruppen kann durch die Kooperation mit **Administratorinnen oder Moderatorinnen** erleichtert werden, um die eigene Glaubwürdigkeit in der Community zu steigern.

#### 4. Arbeitsorganisation und Sicherheit

Zum Schutz der Fachkräfte und zur Qualitätssicherung sollten folgende Strukturen etabliert werden:

* **Tandem-Arbeit:** Das gemeinsame Agieren von zwei Fachkräften im selben digitalen Raum wird als „Good Practice“ empfohlen, um einen direkten fachlichen Austausch zu ermöglichen und schwierige Dynamiken aufzufangen.
* **Abgrenzung und Selbstfürsorge:** Da das Internet „grenzenlos“ erscheint, müssen klare Arbeitszeiten und Terminslots kommuniziert werden, um die Psychohygiene der Mitarbeitenden zu sichern.
* **Interdisziplinärer Support:** Ein Netzwerk im Hintergrund (z. B. juristische Expertise oder Fachberatung) sollte für spezifische Anfragen der Zielgruppe (z. B. Rechtsfragen) zur Verfügung stehen.

Zusammenfassend lässt sich ein Projekt dort aufbauen, wo die **Prinzipien der analogen Streetwork** (Freiwilligkeit, Beziehungsarbeit) konsequent in den digitalen Raum übersetzt und durch technische sowie szenenspezifische Expertise ergänzt werden.

### Vorgehensweise bei aufsuchender (Street‑)Arbeit

#### 1. Vorbereitung & Analyse

Schritt: Was wird getan? Warum wichtig? Zielgruppen‑Profil, Demografische Daten, Lebenssituation, digitale Affinität, typische Aufenthaltsorte (online & offline) erheben. Ermöglicht passgenaue Ansprache und Auswahl geeigneter Kanäle.

Bedarfs‑Mapping: Gespräche mit Jugendämtern, Beratungsstellen, Schulen und Betroffenen führen; vorhandene Angebote prüfen.

Lücken erkennen, Überschneidungen vermeiden.

Ressourcen‑Check: Personal, technische Infrastruktur (Chat‑Tools, Apps), Finanzmittel, Kooperationspartner festlegen. Realistische Planung und Vermeidung von Engpässen.

Rechtliche Rahmenbedingungen. Datenschutz (DSGVO/DSG), Schweigepflicht, Auflagen für Online‑Beratung klären. Schutz der Klient\*innen und rechtssichere Arbeit.

#### 2. Kontaktaufnahme (Low‑Threshold‑Einstieg)

##### Kanäle auswählen

Offline: Street‑Teams, Jugendzentren, Sport‑/Kultur‑Events, Bushaltestellen.

Online: Instagram, TikTok, Discord, WhatsApp‑Business, spezialisierte Foren, YouTube‑Live‑Sessions.

##### Visuelle & sprachliche Aufbereitung

Kurze, klare Botschaften, ansprechende Grafiken, jugendgerechte Sprache.

QR‑Codes oder Link‑Kurz‑URLs, die direkt zu einem Chat‑ oder Info‑Portal führen.

##### Erstkontakt

Offline: Persönliche Begrüßung, Visitenkarte/Sticker mit QR‑Code, kurzer Pitch („Wir sind hier, um zu helfen – jederzeit online erreichbar“).

Online: Direktnachricht, Story‑Umfrage, Kommentar‑Antwort, Einladung zu einem geschützten Chat‑Raum.

#### 3. Vertrauensaufbau

Maßnahme: Beschreibung, Verlässlichkeit, Feste Sprechzeiten, schnelle Rückmeldungen (innerhalb 24 h).

Anonymität & Datenschutz: Klare Hinweis‑Texte zu Datenverarbeitung, Möglichkeit anonym zu bleiben.

Peer‑Mentoring: Jugendliche aus der Zielgruppe als Ansprechpartner\*innen einsetzen.

Transparenz: Offene Kommunikation über Ziele, Grenzen der Hilfe und mögliche nächste Schritte.

#### 4. Bedarfsermittlung & Beratung

Offenes Gespräch (Chat, Video‑Call oder persönliches Treffen) – offene Fragen zu Lebenssituation, Sorgen, Wünsche.

Screening‑Tools (kurze Online‑Fragebögen) zur Erfassung von: Bildungsstand, Arbeitsmarktstatus, psychische Belastungen, digitale Nutzung.

Individuelle Zielvereinbarung – gemeinsam realistische Kurz‑ und Langzeitziele formulieren (z. B. Bewerbungsunterlagen, Weiterbildungsangebote, psychosoziale Unterstützung).

#### 5. Angebot von Unterstützungsleistungen

Ebene: Beispiele, Information & Aufklärung, Links zu kostenlosen Online‑Kursen, Job‑Portalen, Sozialleistungen.

Skill‑Training: Live‑Webinare zu Bewerbung, digitale Kompetenzen, Selbstorganisation.

Vernetzung: Vermittlung zu lokalen Beratungsstellen, Praktikumsplätzen, Therapieangeboten.

Follow‑Up: Regelmäßige Check‑Ins (z. B. wöchentliche Chat‑Sessions) und Anpassung des Unterstützungsplans.

#### 6. Dokumentation & Fallmanagement

Digitales Fall‑Management‑System (DSGVO‑konform) für: Kontakthistorie, vereinbarte Ziele, Fortschritte, nächste Schritte.

Zugriffsrechte nur für autorisierte Fachkräfte.

Kurzberichte nach jedem Kontakt (max. 1‑2 Seiten) für interne Auswertung und Qualitätskontrolle.

#### 7. Evaluation & Qualitätsentwicklung

##### Quantitative Kennzahlen

Reichweite (Anzahl Kontakte, Besucherzahlen, Chat‑Sessions).

Erfolgsmetriken (Abgeschlossene Bewerbungen, vermittelte Praktika, Zufriedenheitswerte).

##### Qualitative Rückmeldungen

Interviews mit Klient\*innen, Peer‑Mentoren, Kooperationspartnern.

Fokusgruppen zu Angebotsverbesserungen.

##### Feedback‑Schleife

Ergebnisse in Team‑Meetings diskutieren, Prozesse anpassen, neue Angebote testen.

#### 8. Nachhaltigkeit & Skalierung

Finanzierung sichern (Fördergelder, kommunale Budgets, Sponsoring).

Kooperationsnetzwerk ausbauen (Schulen, Jugendzentren, digitale Plattform‑Betreiber).

Wissenstransfer: Lehrmodule an Hochschulen, Publikationen, Best‑Practice‑Handbuch.

Pilot‑Ergebnisse nutzen für die Ausweitung auf weitere Regionen oder für die Integration in bestehende Sozial‑ und Jugenddienste.

#### Kurz‑Checkliste für den ersten Einsatz

* Zielgruppe definiert & Kanäle festgelegt?
* Datenschutz‑Konzept erstellt und kommuniziert?
* Low‑Threshold‑Material (Flyer, QR‑Codes, Social‑Media‑Posts) bereit?
* Erstkontakt‑Skript und Vertrauens‑Strategie fertig?
* Digitales Fall‑Management‑Tool eingerichtet?
* Evaluations‑Plan (KPIs, Feedback‑Methoden) festgelegt?

Mit dieser strukturierten Vorgehensweise lässt sich aufsuchende Arbeit – sowohl offline als auch digital – plan‑ und umsetzungsfähig gestalten, Vertrauen bei den jungen Menschen aufbauen und nachhaltige Unterstützung bieten.

## Wie geht man bei der aufsuchenden Arbeit genau vor?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Das methodische Vorgehen bei der aufsuchenden Arbeit im digitalen Raum folgt einer systematischen Struktur, die von der Analyse über die Präsenz bis hin zur individuellen Intervention reicht. Basierend auf den Quellen lassen sich folgende Schritte und Strategien identifizieren:

#### 1. Sozialraumanalyse und Monitoring

Bevor der Kontakt aufgenommen wird, findet eine systematische Vorbereitung statt:

* **Adressat\*innen-Internetnutzungs-Analyse:** Fachkräfte untersuchen vorab, auf welchen Plattformen (z. B. TikTok, Discord, Jodel, Facebook) sich die spezifische Zielgruppe aufhält und welche Kommunikationscodes dort gelten.
* **Pädagogisches Monitoring/Screening:** Fachkräfte beobachten kontinuierlich relevante Gruppen, Foren oder Kommentarspalten. Dabei wird gezielt nach Schlagworten oder indirekten Hinweisen auf Problemlagen gesucht, wie etwa Formulierungen, die auf verdeckte Wohnungslosigkeit hindeuten („bin bei Bekannten untergekommen“).

#### 2. Herstellung einer professionellen Präsenz

Die Fachkräfte etablieren sich als vertrauenswürdige Akteure im digitalen Raum:

* **Transparente Profilgestaltung:** Es werden offene, verifizierte Dienstprofile mit Klarnamen, Foto und Trägerbezug genutzt. Anonymität aufseiten der Fachkraft wird abgelehnt, um Seriosität zu gewährleisten.
* **Einnehmen des „Gast-Status“:** Fachkräfte agieren als „professionelle Gäste“, die die Regeln und Netiquetten des jeweiligen digitalen Raums respektieren und sich nicht aufdrängen.

#### 3. Strategien der Kontaktanbahnung

In den Quellen werden verschiedene Modi des Aufsuchens unterschieden:

* **Proaktive/Offensive Ansprache (Geh-Struktur):** Fachkräfte schreiben Nutzer\*innen bei sichtbarem Bedarf in öffentlichen Kommentarspalten oder (in begründeten Einzelfällen) via Privatnachricht direkt an.
* **Reaktive/Defensive Ansprache (Komm-Struktur):** Durch regelmäßige Bereitstellung von Inhalten (Videos, Infografiken, Posts) fungiert das Profil als „digitale Visitenkarte“. Fachkräfte warten hierbei darauf, dass Jugendliche von sich aus Kontakt aufnehmen (Inbound-Prinzip).
* **Vermittelte Ansprache:** Der Kontakt entsteht über „Gatekeeper“ wie Administrator*innen, Moderator*innen oder Peers, die auf das Hilfsangebot verweisen oder Fachkräfte in Diskussionen markieren.

#### 4. Interaktionsverlauf: Von „One-to-Many“ zu „One-to-One“

Der Beratungsprozess folgt meist einer trichterförmigen Logik:

* **Öffentlicher Einstieg:** Der Kontakt beginnt oft in öffentlichen Räumen (Kommentarbereichen, Chats von Livestreams). Hier werden erste Impulse, Faktenchecks oder Orientierungshilfen gegeben. Dies erreicht auch die „stillen Mitleser\*innen“ (Lurker).
* **Überführung in den privaten Raum:** Sobald ein vertiefter Beratungsbedarf oder sensible Themen erkennbar werden, wird das Gespräch in geschützte Kanäle (Direktnachrichten, Messenger) verlagert. Hierbei wird zu Beginn standardmäßig über Datenschutz und die professionelle Rolle aufgeklärt.

#### 5. Methodische Interventionen

Während des Kontakts werden spezifische pädagogische Methoden angewandt:

* **Dialogische Reflexionsförderung:** Statt Belehrung werden systemische, offene Fragen genutzt, um kognitive Dissonanzen zu erzeugen und Denkprozesse anzustoßen.
* **Counter Speech und Alternative Narrative:** Bei Hassrede oder extremistischen Inhalten werden demokratische Gegenentwürfe und sachliche Informationen eingebracht, um Desinformation zu entlarven (Prebunking).
* **Lotsenfunktion (Verweisberatung):** Ein zentrales Ziel ist es, digitale Erstkontakte als Brücke zu nutzen und Ratsuchende gezielt an das lokale, analoge Hilfesystem vor Ort zu vermitteln.
* **Kickertisch-Effekt:** In Gaming-Umgebungen dient das gemeinsame Spiel als Türöffner, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, aus der heraus später Problemlagen thematisiert werden können.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Das Vorgehen bei der aufsuchenden Arbeit im digitalen Raum (Digital Streetwork) folgt einem strukturierten Prozess, der die Prinzipien der analogen Streetwork in das Netz überträgt. Basierend auf den Quellen lässt sich das genaue Vorgehen in folgende Phasen unterteilen:

1. Sozialraumanalyse und Monitoring

Bevor der Kontakt initiiert wird, müssen die Fachkräfte die digitalen Lebenswelten erschließen:

* **Tägliches Monitoring:** Die Fachkräfte beobachten Social-Media-Räume, Foren (z. B. Reddit) oder Gaming-Plattformen (z. B. Discord), um relevante Themen, Trends und Bedarfe der Zielgruppe zu identifizieren.
* **Kriteriengeleitete Auswahl:** Einsatzorte werden nach Kriterien wie der Aktivität der Zielgruppe, dem Themenfokus und datenschutzrechtlichen Aspekten ausgewählt.
* **Szenespezifisches Wissen:** Fachkräfte müssen die **Symbolik, Syntax und Codes** der jeweiligen Community verstehen, um anschlussfähig zu bleiben.

1. Professionelle Präsenz und Profilgestaltung

Ein entscheidender Schritt ist die Etablierung einer vertrauenswürdigen digitalen Anlaufstelle:

* **Transparente Dienstprofile:** Fachkräfte nutzen erkennbare **sozialarbeiterische Profile** mit professionellen Fotos und klaren Informationen über den Auftrag und die Erreichbarkeit.
* **Abgrenzung zum Privaten:** Es wird eine strikte Grenze zwischen persönlichen Details zur Vertrauensbildung und privaten Informationen zum Selbstschutz gewahrt.
* **Legitimation:** In einigen Fällen wird die Reputation durch den Kontakt zu Plattformverantwortlichen oder die Nutzung zertifizierter Siegel gestärkt.

1. Formen der Kontaktanbahnung

Die Quellen unterscheiden drei wesentliche Strategien, um mit der Zielgruppe in Kontakt zu treten:

* **Offensive (proaktive) Ansprache:** Fachkräfte gehen aktiv auf Nutzer\*innen zu, wenn sie in Chats oder Kommentarspalten konkrete Anliegen, Hilfebedarfe oder diskriminierende Äußerungen (Counter Speech) wahrnehmen.
* **Defensive (seismografische) Ansprache:** Fachkräfte sind präsent und stellen **zielgruppenrelevanten Content** (z. B. Infovideos, Memes) bereit, der als „digitaler Flyer“ fungiert, um Jugendliche zur selbstständigen Kontaktaufnahme zu motivieren.
* **Indirekte Ansprache:** Der Kontakt wird über **Multiplikatorinnen, Administratorinnen** oder durch Empfehlungen innerhalb der Peer-Group hergestellt.

1. Methodische Intervention und Gesprächsführung

Im direkten Austausch kommen spezifische pädagogische Methoden zum Einsatz:

* **Stufenmodell:** Häufig wird zuerst ein Zugang gesucht (sich vorstellen), bevor die eigentliche inhaltliche Konfrontation oder Beratung erfolgt.
* **Dialogische Strategien:** Genutzt werden Techniken wie das **Motivational Interviewing (MI)**, das Eingehen auf das Gesagte (Zusammenfassen, Nachfragen) sowie ein konfrontativ-bedürfnisorientierter Ansatz.
* **Wechsel der Kommunikationsebene:** Während der Erstkontakt oft öffentlich in Kommentarspalten stattfindet (One-to-Many), wird für vertrauliche Beratung konsequent in den **geschützten privaten Chat (One-to-One)** gewechselt.
* **Narrative Arbeit:** Insbesondere in der Extremismusprävention werden alternative Narrative und biografische Erzählungen genutzt, um Reflexionsprozesse anzustoßen.

1. Beziehungsarbeit und Brückenfunktion

* **Kontinuität:** Vertrauen wird durch regelmäßige Präsenz und zeitnahe Reaktionen aufgebaut.
* **Verweisberatung:** Ein wesentliches Ziel ist die Funktion als **Brücke zum analogen Hilfesystem**, indem Fachkräfte über Rechtsansprüche aufklären und an lokale Fachstellen vor Ort weitervermitteln.
* **Tandem-Prinzip:** Um fachliche Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, agieren Fachkräfte oft zu zweit im selben digitalen Raum.

### Vorgehen bei aufsuchender Digital Streetwork

Aufsuchende Arbeit bedeutet nicht, Personen wahllos anzuschreiben. Fachkräfte bewegen sich transparent in digitalen Communities, erkennen mögliche Unterstützungsbedarfe und unterbreiten ein freiwilliges, möglichst zurückhaltendes Kontaktangebot.

#### Typischer Ablauf

1. **Digitale Sozialräume erschließen:** Relevante Plattformen, Gruppen, Foren, Games und Communitys werden fachlich ausgewählt. Dabei werden Zielgruppe, Plattformregeln, Datenschutz und mögliche Risiken geprüft.
2. **Professionelles Profil einrichten:** Name, Träger, berufliche Rolle, Zielgruppe, Erreichbarkeit und Datenschutzinformationen müssen erkennbar sein. Digital Streetworker:innen dürfen nicht als private Communitymitglieder auftreten.
3. **Beobachten und teilnehmen:** Fachkräfte verfolgen öffentliche Diskussionen, beantworten allgemeine Fragen und beteiligen sich respektvoll an der Community. Dieses Monitoring dient nicht der Überwachung, sondern dem Erkennen öffentlich geäußerter Anliegen.
4. **Unterstützungsbedarf einschätzen:** Ein Kontaktangebot kann sinnvoll sein, wenn jemand beispielsweise Hilflosigkeit, Isolation, Gewalt, Suizidgedanken, Wohnungslosigkeit oder Beratungsbedarf äußert. Aus einzelnen Beiträgen sollten jedoch keine vorschnellen Diagnosen abgeleitet werden.
5. **Freiwilliges Kontaktangebot machen:** Im Regelfall erfolgt zunächst ein kurzer öffentlicher Hinweis. Eine direkte Privatnachricht sollte nur in begründeten Ausnahmefällen versendet werden.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2024/12/Verhaltenskodex-DSW-Schutzkonzept_wir.pdf)] Beispiel: „Hallo, ich arbeite als Digital Streetworkerin bei [Träger]. Dein Beitrag klingt so, als könnte Unterstützung hilfreich sein. Wenn du möchtest, kannst du mir unverbindlich schreiben. Du entscheidest selbst, ob und worüber du sprechen möchtest.“
6. **Auftrag und Rahmen klären:** Reagiert die Person, werden Anliegen, Erwartungen und gewünschter Kommunikationsweg geklärt. Außerdem werden Freiwilligkeit, Vertraulichkeit, Datenschutz, Erreichbarkeit und fachliche Grenzen transparent gemacht.
7. **Beraten und Beziehung gestalten:** Die weitere Kommunikation erfolgt ressourcenorientiert, ergebnisoffen und im Tempo der adressierten Person. Die Fachkraft hört zu, klärt den Bedarf, gibt Informationen und entwickelt gemeinsam nächste Schritte.
8. **Bei Gefährdung absichern:** Gefährdungseinschätzungen sollten nach dem Vier-Augen-Prinzip erfolgen. Dafür braucht es verbindliche Krisenpläne, erreichbare Kolleg:innen und geklärte Verfahren für Suizidalität, Kindeswohlgefährdung oder akute Gewalt.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2024/12/Verhaltenskodex-DSW-Schutzkonzept_wir.pdf)]
9. **Bei Bedarf weitervermitteln:** Die Fachkraft vermittelt nicht lediglich eine Telefonnummer, sondern unterstützt möglichst bis zur erfolgreichen Kontaktaufnahme mit der zuständigen Fachstelle. Auf Wunsch kann sie als Vertrauensperson beteiligt bleiben.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]
10. **Dokumentieren und reflektieren:** Kontakte werden datensparsam beziehungsweise anonymisiert dokumentiert. Schwierige Verläufe gehören in kollegiale Beratung, Intervision oder Supervision.

**Zentral ist:** Die Kontaktaufnahme ist transparent, nicht manipulativ und jederzeit ablehnbar. Die adressierte Person bestimmt, ob aus dem Kontaktangebot ein Beratungs- oder Begleitungsprozess entsteht.

## Was für Schutzmassnahmen müssen für die Digital Streetworker\*innen online ergriffen werden?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Basierend auf den Dokumenten müssen zum Schutz der Fachkräfte in der Digitalen Streetwork umfassende technische, organisatorische und psychosoziale Maßnahmen ergriffen werden:

#### 1. Technische und organisatorische Absicherung

* **Strikte Trennung von Privat- und Berufsleben:** Eine der zentralen Schutzmaßnahmen ist die konsequente Nutzung von **Dienstgeräten** (Smartphones, Laptops) und die Verwendung separater **Arbeits-Accounts**, um die Privatsphäre der Fachkräfte zu schützen.
* **IT-Sicherheit:** Zum Schutz der Profile und Daten müssen technische Standards wie **Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA)**, starke Passwörter und gesicherte Internetverbindungen via **VPN** implementiert werden.
* **Zeitliche Eingrenzung:** Um „digitalem Stress“ oder einem Burnout durch die 24/7-Dynamik des Internets vorzubeugen, sind verbindliche Regelungen zur **Arbeitszeit** und Erreichbarkeit sowie die Erstellung trägerinterner **Social Media Policies** notwendig.

#### 2. Schutz der digitalen Identität

* **Avatar- und Pseudonym-Profile:** Zum Schutz vor Belästigung, Hass oder gezielten Angriffen können spezifische **Avatar-Profile** oder „halb-authentische“ Profile (z. B. Vorname kombiniert mit Pseudonym-Nachnamen und gezeichneten Avataren) genutzt werden. Dies schafft ein notwendiges „Schutzschild“, ohne die pädagogische Authentizität vollständig aufzugeben.
* **Verifizierung:** Die Profile sollten durch den Träger oder die Plattform als offiziell und professionell **verifiziert** sein, um die Seriosität zu untermauern und die Fachkraft gegenüber der Community zu legitimieren.
* **Vermeidung privater Details:** In der Fallarbeit und Profilgestaltung muss strikt darauf geachtet werden, keine privaten Informationen preiszugeben („sichtbar, aber nicht privat“).

#### 3. Psychosoziale Unterstützung und Teamentwicklung

* **Supervision und Intervision:** Angesichts der Konfrontation mit Hate Speech, toxischen Diskursen oder emotional belastenden Krisen sind **verpflichtende Supervision**, Intervision und kollegiale Fallberatung essenziell für die Psychohygiene.
* **Tandem-Arbeit:** Besonders bei hochgradig aggressiver oder manipulativer Klientel wird das Arbeiten in **multiprofessionellen Teams** oder Tandems empfohlen, um fachliche Redundanz und gegenseitige Unterstützung sicherzustellen.
* **Fortbildung:** Fachkräfte müssen gezielt in **Deeskalationsstrategien**, Krisenmanagement und dem Umgang mit toxischer Kommunikation geschult werden.

#### 4. Methodische Schutzkonzepte

* **Sicherheitskonzepte für Angriffe:** Träger müssen vorab klare Handlungsleitfäden und **Notfallpläne** definieren, wie bei verbalen Angriffen, Shitstorms oder Drohungen gegen Mitarbeitende vorzugehen ist.
* **Strategischer Interventionsverzicht:** Fachkräfte müssen die Kompetenz besitzen, sich gegen eine Intervention zu entscheiden, wenn das Risiko einer Eskalation oder einer persönlichen Gefährdung zu hoch eingeschätzt wird.
* **Prüfmechanismen:** Zur Vermeidung von Identitätsdiebstahl oder Täuschung können Codes oder „Testfragen“ vereinbart werden, um die Identität des Gegenübers im Beratungskontext sicherzustellen.
* **Plattform-Kooperation:** Bei akuten Gefährdungslagen (z. B. Suizidalität) sollte auf etablierte Kontakte zu Plattformbetreibern (Trusted Flagging) zurückgegriffen werden können.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Für Digital Streetworker\*innen müssen aufgrund der spezifischen Risiken im Netz – wie Beleidigungen, Rufschädigung, Doxing oder offene Bedrohungen – umfassende Schutzmaßnahmen auf verschiedenen Ebenen ergriffen werden. Basierend auf den Quellen lassen sich diese Maßnahmen wie folgt unterteilen:

#### 1. Identitätsschutz und Profilgestaltung

* **Trennung von Privat und Beruf:** Fachkräfte müssen eine strikte Grenze zwischen **persönlichen Details** (die dem Vertrauensaufbau dienen) und **privaten Informationen** (die dem Selbstschutz dienen) wahren.
* **Dienstprofile:** Die Nutzung professioneller, rechtssicherer **Dienstprofile** (statt privater Accounts) ist zwingend erforderlich.
* **Avatare und Pseudonyme:** Zum Schutz der Fachkräfte können technische Distanzierungsmittel wie **Avatar-Profile** oder fiktive Erzählerfiguren als Projektionsflächen genutzt werden.
* **Transparente Rollenklärung:** Eine klare Offenlegung der professionellen Rolle und des Auftrags schützt vor dem Vorwurf verdeckter Ermittlung und schafft eine fachliche Distanz.

#### 2. Zeitliche und räumliche Abgrenzung

* **Vermeidung der „Always-Online-Mentalität“:** Um einer Entgrenzung der Arbeit vorzubeugen, müssen **klare Arbeitszeiten und Terminslots** kommuniziert werden.
* **Nutzung von Dienstgeräten:** Die Verwendung separater **Dienstgeräte** ist für die professionelle Abgrenzung essenziell.
* **Wechsel in Schutzräume:** Sensible pädagogische Prozesse sollten aus der riskanten digitalen Öffentlichkeit in **nicht-öffentliche Schutzräume** (z. B. private 1:1-Chats) verlagert werden.

#### 3. Methodische und strategische Sicherheit

* **Tandem-Arbeit:** Das gemeinsame Agieren von zwei Fachkräften im selben digitalen Raum ermöglicht einen direkten Austausch bei schwierigen Dynamiken und erhöht die Sicherheit.
* **Plan B für Aggressionen:** Für den Umgang mit aggressivem Widerstand oder Hassrede sollte vorab ein „Plan B“ bereitstehen.
* **Management von Shitstorms:** Strategische Reaktionen auf koordinierte Angriffe, etwa durch das Offenlegen der Strategien der Agitatoren, dienen dem Schutz der Reputation.
* **Fallübergabe:** Bei drohender Beziehungsstörung oder unangemessener Nähe sollte die Arbeit pausiert oder von Kolleg\*innen übernommen werden.

#### 4. Institutionelle Unterstützung

* **Supervision und Psychohygiene:** Einrichtungen müssen Strukturen für regelmäßige **Supervision**, Team-Austausch und das Management der psychischen Belastung bereitstellen.
* **Interdisziplinärer Support:** Ein Netzwerk im Hintergrund (z. B. juristische Expertise oder Chat-Support) ermöglicht schnelle Reaktionen in Krisenfällen.
* **Meldewesen:** Strafrechtlich relevante Inhalte (z. B. Volksverhetzung) sollten konsequent gemeldet und zur Anzeige gebracht werden, um den Rechtsraum Netz zu wahren.

Zusammenfassend ist eine **reflektierte digitale Selbstfürsorge** in Kombination mit strukturellen Schutzvorgaben (Dienstgeräte, Tandem-Prinzip, Rollentransparenz) für die Sicherheit der Fachkräfte im Digital Streetwork unerlässlich

### Schutzmaßnahmen für Digital Streetworker:innen

Der Träger benötigt ein verbindliches **Gewalt-, Krisen- und IT-Schutzkonzept**. Dieses muss Schutz vor psychischer Überlastung, digitaler Gewalt, Doxxing, Accountübernahmen und problematischen Inhalten verbinden.

#### Organisation und Arbeitsschutz

* **Keine Einzelstellen:** Mindestens zwei Fachkräfte müssen für Beratung, Gefährdungseinschätzung und Vertretung verfügbar sein. Kritische Fälle sind nach dem Vier-Augen-Prinzip zu bearbeiten.
* **Gefährdungsbeurteilung:** Risiken wie Hassrede, Drohungen, Stalking, sexualisierte Inhalte und Suizidankündigungen müssen systematisch erfasst werden. Die DGUV empfiehlt, Gewaltgefährdungen arbeitsplatzbezogen zu beurteilen und Einzelarbeit möglichst zu vermeiden.[[dguv](https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/gewalt-mobbing/index.jsp?query=webcode+d69075)]
* **Verbindliche Eskalationswege:** Es muss festgelegt sein, wer bei Drohungen, Doxxing, Kindeswohlgefährdung, Suizidalität oder IT-Angriffen erreichbar ist und Entscheidungen trifft.
* **Klare Arbeitszeiten:** Keine dauerhafte Erreichbarkeit über private Geräte. Abwesenheitsmeldungen, Übergaben und Bereitschaftsregelungen schützen vor Entgrenzung.
* **Qualifizierung:** Regelmäßige Schulungen zu Deeskalation, Onlineberatung, Datenschutz, digitaler Gewalt, Krisenintervention und Plattformrisiken.

#### Technischer und persönlicher Schutz

* Ausschließlich Dienstgeräte und dienstliche Accounts verwenden.
* Berufliche und private Identitäten konsequent trennen.
* Keine private Adresse, Telefonnummer, Standortdaten, Familieninformationen oder privaten Profile veröffentlichen.
* Individuelle Accounts, starke unterschiedliche Passwörter, Passwortmanager und Zwei-Faktor-Authentisierung einsetzen. Das BSI empfiehlt Datensparsamkeit und Zwei-Faktor-Authentisierung insbesondere zum Schutz vor Doxxing und Identitätsmissbrauch.[[bsi.bund](https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Identitaetsdiebstahl/identitaetsdiebstahl_node.html)]
* Geräte verschlüsseln, regelmäßig aktualisieren und mit Zugriffssperre, Virenschutz und zentraler Geräteverwaltung absichern.
* Automatische Downloads von Bildern und Dateien deaktivieren.
* Verdächtige Links und Dateien nicht auf regulären Arbeitsgeräten öffnen.
* Zugriffsrechte nach dem Prinzip der minimalen Berechtigung vergeben.

#### Umgang mit Angriffen

Für Hassrede, Belästigung, Doxxing, Fakeprofile und Drohungen braucht es einen abgestuften Ablauf:

1. Nicht impulsiv antworten und keine Diskussion eskalieren.
2. Beweise mit Zeitpunkt, URL, Accountname und Screenshot sichern.
3. Vorfall intern melden und gemeinsam bewerten.
4. Account blockieren und Inhalt bei der Plattform melden.
5. Bei konkreten Drohungen, Stalking oder veröffentlichten Privatdaten juristische Beratung und Polizei einschalten.
6. Löschung veröffentlichter personenbezogener Daten beantragen.
7. Betroffene Fachkraft aus der Kommunikation nehmen und den Account gegebenenfalls vorübergehend durch Kolleg:innen betreuen lassen.

Das BSI zählt Doxxing, Identitätsmissbrauch, Cyberstalking und Hassrede ausdrücklich zu Formen digitaler Gewalt und empfiehlt neben technischen Maßnahmen auch psychosoziale und juristische Unterstützung.[[bsi.bund](https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Digitale-Gewalt/digitale-gewalt.html)]

#### Psychosozialer Schutz

* Regelmäßige Supervision, Intervision und Fallbesprechungen
* Unmittelbare Nachbesprechung nach Krisen und Gewalterfahrungen
* Wechsel belastender Monitoringaufgaben
* Begrenzung gleichzeitiger Krisenfälle
* Verbindliche Pausen und zeitweise Herausnahme aus belastenden Plattformen
* Zugang zu psychosozialer Beratung oder betriebsärztlicher Unterstützung
* Anerkennung digitaler Gewalt als Arbeitsunfall beziehungsweise dienstlicher Vorfall, nicht als persönliches Problem

Besonders wichtig ist die Haltung des Trägers: **Fachkräfte dürfen Hass, Drohungen und psychische Überlastung nicht als normalen Bestandteil der Tätigkeit allein bewältigen müssen.** Schutz und Nachsorge sind Leitungsaufgaben.

## Welche Unterstützungsangebote (z. B. Intervision, Supervision) und Weiterbildungen gibt es für Digital Streetworker\*innen?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Basierend auf den Dokumenten werden für Fachkräfte im Bereich Digital Streetwork folgende Unterstützungsangebote und Weiterbildungen als notwendig oder bereits praktiziert beschrieben:

#### Unterstützungsangebote zur Qualitätssicherung und Psychohygiene

Da die Arbeit im Netz durch zeitliche Entgrenzung, die Konfrontation mit Hate Speech, extremistischen Inhalten und emotional belastenden Krisen geprägt ist, sehen die Quellen spezifische Begleitstrukturen vor:

* **Supervision und Intervision:** Regelmäßige und oft verpflichtende Supervision sowie Intervision werden als essenziell für die Psychohygiene und die Reflexion der professionellen Rolle benannt. Insbesondere bei aggressiver oder manipulativer Klientel ist dies ein Standard zur Entlastung.
* **Kollegiale Fallberatung:** Zur Qualitätssicherung und zum fachlichen Austausch nutzen Teams strukturierte kollegiale Fallberatungen.
* **Multiprofessionalität und Tandem-Arbeit:** Die Arbeit in multiprofessionellen Teams (z. B. aus Sozialarbeit, Medienpädagogik, Psychologie und IT) sowie das Arbeiten in Tandems dienen der gegenseitigen Unterstützung und fachlichen Redundanz.
* **Psychohygiene- und Sicherheitskonzepte:** Träger müssen Konzepte zum Schutz der Mitarbeitenden vor Überlastung, verbalen Angriffen, Shitstorms und sekundärer Traumatisierung bereitstellen. Dazu gehören auch Austauschtreffen zur emotionalen Entlastung.
* **Strukturelle Abgrenzung:** Die Bereitstellung von Dienstgeräten und separaten Arbeits-Accounts sowie klare Regelungen zur Arbeitszeit dienen dem Schutz der Privatsphäre und der Vermeidung von digitalem Stress.

#### Weiterbildungen und Qualifizierungsthemen

Da das Arbeitsfeld im Studium oft noch nicht ausreichend verankert ist, ist eine interne Nachqualifizierung oder spezifische Fortbildung zentral. Folgende Inhalte werden in den Quellen genannt:

* **Online-Beratung und Gesprächsführung:** Fachkräfte benötigen Schulungen in digitaler, oft schriftbasierter Gesprächsführung, dem Beziehungsaufbau ohne nonverbale Signale sowie in Techniken wie dem Motivational Interviewing.
* **Rechtliche Grundlagen:** Fundierte Kenntnisse im Datenschutzrecht (DSGVO), Sozialdatenschutz, Urheberrecht, Medienrecht und Jugendmedienschutz sind zwingende Voraussetzungen.
* **IT-Sicherheit:** Schulungen zu technischen Standards wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, sicheren Passwörtern und dem Umgang mit VPN-Verbindungen sind Teil der Professionalisierung.
* **Digitale Feld- und Medienkompetenz:** Weiterbildungen umfassen das Wissen über Plattformlogiken, Algorithmen, digitale Jugendkulturen, aktuelle Trends und spezifische Codes (z. B. Gaming-Jargon oder Meme-Kulturen).
* **Themenspezifische Expertise:** Je nach Projektfokus gibt es Fortbildungen zu Radikalisierungsprävention, Antisemitismus, Online-Grooming oder religionswissenschaftlichen Hintergründen.
* **Social Media Marketing und Storytelling:** Auch Kenntnisse in der Erstellung audiovisueller Inhalte und dem strategischen Umgang mit Plattformreichweiten werden angeführt.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Basierend auf den Quellen lassen sich folgende Unterstützungsangebote und Weiterbildungsbedarfe für Digital Streetworker\*innen identifizieren:

#### Unterstützungsangebote zur fachlichen Begleitung und Sicherheit

Um die Qualität der Arbeit zu sichern und die psychische Belastung der Fachkräfte aufzufangen, werden in den Quellen verschiedene Instrumente genannt:

* **Supervision:** Diese wird explizit als notwendige Maßnahme zur Sicherung der personellen Stabilität und zur professionellen Begleitung der Fachkräfte angeführt.
* **Tandem-Arbeit:** Das gemeinsame Agieren von zwei Fachkräften im selben digitalen Raum (z. B. in Chats oder Foren) gilt als „Good Practice“, da es einen **direkten fachlichen Austausch** ermöglicht und bei der Bewältigung schwieriger Dynamiken oder Krisen hilft.
* **Psychohygiene und Selbstfürsorge:** Aufgrund der Konfrontation mit Hassrede und Krisen müssen Einrichtungen Ressourcen für Psychohygiene sowie das Management der Arbeitszeit und Erreichbarkeit bereitstellen.
* **Interdisziplinärer (Chat-)Support:** Ein Netzwerk im Hintergrund, das Expertise aus Bereichen wie **Islamwissenschaft, Psychologie oder Rechtswissenschaft** (z. B. interne Volljurist\*innen) bietet, unterstützt die Fachkräfte bei komplexen Anfragen.
* **Team-Austausch und Fallberatung:** Regelmäßige Treffen im Team dienen der Reflexion von Interaktionen und der gemeinsamen Prüfung der Plattformwahl.
* **Kooperationsplattformen:** Der Aufbau von Netzwerken zur Koordination verschiedener Akteure wird empfohlen, um Doppelansprachen zu vermeiden und den fachlichen Austausch zu fördern.
* **„Plan B“ für Konflikte:** Die Vorbereitung spezifischer Strategien für den Umgang mit aggressiven Widerständen im Netz dient als methodische Stütze.

#### Weiterbildungen und Qualifizierung

Da spezifische Ausbildungsmöglichkeiten für Digital Streetwork in klassischen Studienplänen oft fehlen, betonen die Quellen den Bedarf an gezielter Qualifizierung:

* **Spezifische Qualifizierungs-Curricula:** Es wird die Entwicklung von Lehrplänen gefordert, die explizit **Feldkompetenz** (Wissen über digitale Subkulturen) und Methoden wie **Online-Motivational-Interviewing (MI)** vermitteln.
* **Kompetenzraster:** Die Erstellung von Rastern hilft dabei, die benötigten fachlichen und technischen Fähigkeiten für die digitale Soziale Arbeit zu definieren.
* **Interdisziplinäre Fortbildungsmodule:** Es wird eine engere Verzahnung von Modulen aus der Sozialen Arbeit, der Medienpädagogik und der Psychologie empfohlen.
* **Digitalitätskompetenz:** Fachkräfte müssen sich im Bereich der **digitalen Sozialraumanalyse** sowie in der professionellen Medienproduktion (z. B. Content-Erstellung) weiterbilden, um in den Lebenswelten der Jugendlichen authentisch agieren zu können.
* **Wissenstransfer und Schulungen:** In Modellprojekten werden bereits Schulungen für andere Projekte durchgeführt, um das erarbeitete Fachwissen (z. B. zur DSGVO-Konformität oder zum Reputationsaufbau) zu verbreiten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Digital Streetwork derzeit stark auf **Supervision, Tandem-Strukturen und interdisziplinäre Unterstützung** setzt, während im Bereich der Weiterbildung der Ruf nach **systematischen, methodenorientierten Curricula** dominiert.

## Gibt es Verhaltenskodexe/Kinderschutzrichtlinien, an denen man sich in diesem neuen Berufsfeld orientieren kann?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

In den Quellen werden verschiedene fachliche Standards, ethische Kodizes und rechtliche Leitplanken benannt, die als Orientierungshilfe für das Berufsfeld der Digital Streetwork dienen:

#### 1. Fachverband- und Projektstandards

* **BAG Streetwork Standards:** Viele Konzepte orientieren sich an den etablierten Fachstandards der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Streetwork / Mobile Jugendarbeit. [[Link zu den Fachstandards 2018](https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards_BAG_2018.pdf)]
* **Qualitätsstandards für Digital Streetwork (BJR):** Der Bayerische Jugendring (BJR) hat umfassende Qualitätsstandards speziell für die Umsetzung von Digital Streetwork nach § 85 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII formuliert.
* **Infodrog-Leitlinien:** Die Schweizer Fachstelle Infodrog hat 2025 systematische „Leitlinien Online-Streetwork“ veröffentlicht, die Arbeitsprinzipien und Qualitätskriterien definieren. [[Link zu den Leitlinien]](https://www.infodrog.ch/files/content/schadensminderung_de/2025_Leitlinien-online-streetwork_Infodrog.pdf)
* **Beratungsrichtlinien für Migration:** Für die Beratung in sozialen Medien existieren spezifische Dokumente wie die „Migrationsberatung in sozialen Medien – Beratungsrichtlinien Version 4.0“.

#### 2. Berufsethische und pädagogische Kodizes

* **DBSH-Grundsätze:** Die Arbeit unterliegt den berufsethischen Grundsätzen des Deutschen Berufsverbands für Soziale Arbeit (DBSH 2014), die Achtung der Menschenwürde, Schweigepflicht und soziale Gerechtigkeit betonen.
* **Beutelsbacher Konsens:** In der Radikalisierungsprävention ist die Einhaltung des Beutelsbacher Konsenses (Überwältigungsverbot, Kontroversität, Schülerorientierung) ein zentraler Standard.
* **Diskursethik:** Projekte im Bereich Counter Speech orientieren sich an der Diskursethik nach Habermas, insbesondere an den Prinzipien der Authentizität und aufrichtigen Kommunikation.

#### 3. Kinderschutz und Kinderrechte

* **UN-Kinderrechtskonvention:** Der Kinderschutz basiert auf der UN-Kinderrechtskonvention, die Kindern bis 18 Jahre besonderen Schutz zuspricht.
* **Kinderrechte by Design:** Es wird gefordert, Kinderrechte von Beginn an „Bottom-up“ in die technische Entwicklung digitaler Angebote einzubeziehen.
* **Güterabwägung:** Fachkräfte müssen im digitalen Raum eine ständige Abwägung zwischen dem Schutz der Privatheit der Heranwachsenden und ihrer pädagogischen Fürsorgeverantwortung treffen.
* **Schutz vor Grooming:** Spezifische Qualitätsstandards zum Schutz Minderjähriger umfassen die überprüfbare Verifikation von Fachkräften, Beschwerdemanagement und die strikte Trennung von privaten und beruflichen Accounts.

#### 4. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen

* **SGB VIII:** Die gesetzliche Basis für Digital Streetwork bilden in Deutschland primär die §§ 11 (Jugendarbeit), 12 und 13 (Jugendsozialarbeit) des SGB VIII.
* **DSGVO und Datenschutz:** Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist ein unverzichtbarer Standard, wobei Fachkräfte verpflichtet sind, Nutzer aktiv über Datenrisiken auf kommerziellen Plattformen aufzuklären.
* **Social Media Policies:** Träger werden aufgefordert, verbindliche interne Richtlinien und Sicherheitskonzepte (Social Media Policies) zu erstellen, um den professionellen Rahmen abzusichern.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

In den Quellen werden verschiedene rechtliche Rahmenbedingungen, pädagogische Grundsätze und ethische Verpflichtungen genannt, die als Orientierung für Verhaltenskodexe und den Kinderschutz im Digital Streetwork dienen:

#### 1. Übergeordnete pädagogische und ethische Konsense

* **Beutelsbacher Konsens:** Die Arbeit orientiert sich an den Prinzipien des Überwältigungsverbots, des Kontroversitätsgebots und der Adressat\*innenorientierung. Dies schließt insbesondere ein Verbot der Indoktrination ein.
* **Menschenrechts- und Grundrechteorientierung:** Das professionelle Handeln basiert auf einer pädagogischen Intervention für Demokratie und Vielfalt. Plattformen werden dabei als Infrastruktur der politischen Öffentlichkeit begriffen, die normativen Leitvorstellungen wie Freiheitlichkeit und Pluralismus verpflichtet sein sollten.
* **Professionsethische Transparenz:** Es wird ausdrücklich vor verdeckten Strategien gewarnt. Sich „einzuschleichen“ und die Identität erst bei Problemen offenzulegen, wird als **„professionsethischer Transparenzverstoss“** gewertet, der das notwendige Vertrauen zerstört.

#### 2. Rechtliche Rahmenbedingungen und Kinderschutz

* **SGB VIII:** Die Arbeit ist rechtlich in die bestehenden Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe nach dem **SGB VIII** (insbesondere §§ 11, 12 und 13) eingegliedert.
* **Jugendschutz im Netz:** Bei der Arbeit in Gaming-Welten müssen Fragen des Jugendschutzes, wie etwa **Altersfreigaben in Spielen**, aktiv berücksichtigt werden.
* **Strafrechtliche Orientierung:** Fachkräfte orientieren sich an Tatbeständen wie Volksverhetzung (§ 130 StGB) oder dem Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole (§ 86a StGB) und melden diese konsequent.

#### 3. Standards zum Datenschutz und zur Sicherheit

* **DSGVO-Konformität:** Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist zwingend. Zur Qualitätssicherung nutzen Projekte oft **dreistufige Datenschutz-Checks** und spezifische DSGVO-Checklisten für digitale Tools.
* **Anonymisierung zum Schutz der Zielgruppe:** Um beteiligte Jugendliche (z. B. Peers in Videoprojekten) zu schützen, werden biografische Details verschmolzen, fiktive Avatare/Erzählerfiguren genutzt oder Identitäten bewusst verfremdet.
* **Pädagogische Sorgfaltspflicht:** Vorab müssen rechtliche Grundlagen für den Account (Adressaten- und Altersgruppen) geklärt werden.

#### 4. Methodische Standards und Qualitätsrahmen

* **Kriterienkataloge:** Für die Auswahl digitaler Einsatzorte werden methodisch fundierte Kriterienkataloge (Aktivität, Themenfokus, Datenschutz) herangezogen.
* **Community-Standards der Plattformen:** Die Verhaltenskodexe der großen Anbieter (Facebook, YouTube) dienen als Grundlage, um Diskriminierung und Rassismus zu melden und löschen zu lassen.
* **Kompetenzraster:** Zur Professionalisierung werden spezifische Kompetenzraster für Fachkräfte entwickelt, die feldbezogene und ethische Fähigkeiten definieren.

In der Fachdebatte wird zudem gefordert, **verbindliche Ethikleitlinien** zu entwickeln, die Standards zu Datenschutz, Rollenverständnis und digitaler Selbstfürsorge als Form der Qualitätssicherung festschreiben.

## Wie sieht eine realistische Wirkungsmessung aus? (für sich selbst aber auch für Geldgebende)

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Eine realistische Wirkungsmessung in der Digitalen Streetwork befindet sich fachlich noch in einem **Entwicklungsstadium**, da empirische Evaluationsstudien und allgemeingültige Qualitätsstandards bislang weitgehend fehlen. Die Quellen beschreiben jedoch verschiedene quantitative und qualitative Ansätze, die sowohl für die interne Reflexion als auch für die Berichterstattung gegenüber Geldgebenden genutzt werden:

#### 1. Herausforderung: Das Präventionsparadox

Eine zentrale Schwierigkeit bei der Wirkungsmessung ist das sogenannte **Präventionsparadoxon**: Erfolgreiche Prävention ist oft unsichtbar, da es methodisch hochkomplex ist, den Nachweis zu erbringen, dass eine Radikalisierung oder eine soziale Krise aufgrund einer digitalen Intervention *nicht* stattgefunden hat.

#### 2. Quantitative Indikatoren (Häufig für Geldgebende relevant)

Um die Reichweite und Aktivität eines Projekts darzustellen, werden oft plattformbasierte Kennzahlen genutzt, die jedoch nur begrenzte Aussagekraft über die pädagogische Qualität haben:

* **Reichweitendaten:** Anzahl der erreichten Personen, Videoaufrufe oder Impressionen.
* **Interaktionsraten:** Anzahl der beantworteten Fragen, Kommentare, Likes oder Shares.
* **Fallzahlen:** Dokumentation der durchgeführten Beratungen, Erstkontakte oder korrigierten Falschinformationen.
* **Verweisstatistik:** Anzahl der erfolgreichen Überleitungen an das lokale, analoge Hilfesystem.
* **Feedback-Quoten:** Erhebung der Nutzerzufriedenheit durch Umfragen (z. B. positive Rückmeldungen von über 80 % bis 98 % in Modellprojekten).

#### 3. Qualitative Indikatoren (Für die fachliche Selbstevaluation)

Für Fachkräfte stehen prozessorientierte Kriterien im Vordergrund, um die Tiefe und Nachhaltigkeit der Arbeit zu bewerten:

* **Beziehungsqualität:** Stabilisierung sozialer Beziehungen und Aufbau von Vertrauen in anonymen Räumen.
* **Selbstwirksamkeit:** Förderung der medienbezogenen oder persönlichen Selbstwirksamkeit der Adressat\*innen.
* **Qualität des eigenen Handelns:** Evaluation der eigenen Präsenz, des respektvollen Umgangs und der Kommunikation auf Augenhöhe.
* **Mikrointeraktionen:** Analyse kleinerer positiver Veränderungen oder Klärungsprozesse in Chatverläufen.
* **Prozessdokumentation:** Nutzung von Reflexionstagebüchern und Verlaufsdokumentationen zur fachlichen Einordnung.

#### 4. Methoden und Werkzeuge der Evaluation

Um eine systematische Wirkungsmessung zu ermöglichen, werden verschiedene innovative Tools und Methoden angeführt:

* **Partizipative Auswertung:** Einbeziehung der Jugendlichen selbst in den Evaluationsprozess.
* **Wissenschaftliche Begleitung:** Nutzung von Monitoring-Tools, browserbasierten Erweiterungen zur Datenerfassung oder KI-gestützten Analysen zur Auswertung von Diskussionsdynamiken.
* **Systematisierung der Dokumentation:** Einsatz spezifischer Software oder Apps (z. B. “Streetwork-App”), um digitale Kontakte strukturiert zu erfassen.
* **Lurker-Forschung:** Es wird als Forschungsbedarf benannt, auch die Wirkung auf die “stille Mehrheit” (Mitlesende) systematischer zu erfassen.

#### 5. Konsequenzen für eine realistische Messung

Die Quellen betonen, dass eine rein quantitative Messung der pädagogischen Arbeit nicht gerecht wird. Eine realistische Wirkungsmessung sollte daher:

* **Qualität vor Quantität** gewichten (z. B. ist ein intensiver Einzelchat wertvoller als tausend flüchtige Likes).
* Die **Unverbindlichkeit und Flüchtigkeit** digitaler Räume einpreisen (z. B. Akzeptanz von “Ghosting” als Teil der digitalen Realität).
* **Hybride Wirkungen** berücksichtigen, also wie digitale Impulse zu realen Handlungsänderungen im analogen Leben führen.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Eine realistische Wirkungsmessung im Bereich der Digital Streetwork ist laut den Quellen eine komplexe Herausforderung, da klassische Erfolgskriterien oft nicht ausreichen, um die informelle und beziehungsorientierte Arbeit im Netz abzubilden. Die Quellen unterscheiden dabei zwischen quantitativen Kennzahlen, qualitativen Methoden und spezifischen Analysewerkzeugen:

#### Quantitative Kennzahlen (Reichweite und Interaktion)

Für Geldgebende werden häufig messbare Daten herangezogen, um die Aktivität und Sichtbarkeit eines Projekts zu belegen:

* **Beratungszahlen:** Die Anzahl beantworteter Fragen und durchgeführter Verweisberatungen dient als direkter Leistungsnachweis.
* **Reichweite:** Klickzahlen und die potenzielle Reichweite von Beiträgen werden erfasst, wobei die Quellen betonen, dass Klickzahlen allein wenig über die tatsächliche Einstellungsänderung aussagen.
* **Feedback:** Quantitative Auswertungen von Nutzerfeedback (z. B. Zufriedenheitsraten) geben Aufschluss über die Akzeptanz des Angebots.

#### Qualitative Wirkungsmessung (Beziehung und Veränderung)

Da die pädagogische Wirkung oft informell stattfindet, plädieren Fachkräfte für qualitative Ansätze:

* **Veränderungsmotivation (Change Talk):** Die Wirksamkeit lässt sich durch die Förderung von Veränderungswünschen bei den Ratsuchenden belegen, was beispielsweise durch die Analyse von Chatverläufen nach Methoden wie dem Motivational Interviewing (MI) geschieht.
* **Fallverläufe und Dokumentation:** Die Nutzung von Verlaufsdokumentationen und Reflexionstagebüchern hilft dabei, die Stabilisierung sozialer Beziehungen und die Förderung von Selbstwirksamkeit sichtbar zu machen.
* **Partizipative Evaluation:** Eine realistische Messung sollte die Jugendlichen selbst einbeziehen, um die Wirksamkeit aus ihrer Lebensweltperspektive zu bewerten.
* **Resilienz und Ambiguitätstoleranz:** Qualitative Erfolge zeigen sich in der Stärkung der psychischen Widerstandskraft gegen Extremismus oder Mobbing sowie in der Fähigkeit, widersprüchliche Meinungen auszuhalten.

#### Spezifische Analyseinstrumente

Um die Erreichung schwer zugänglicher Zielgruppen nachzuweisen, kommen spezialisierte Methoden zum Einsatz:

* **Soziale Netzwerkanalyse (SNA):** Diese wird genutzt, um empirisch nachzuweisen, ob ein Projekt tatsächlich in szenespezifische Filterblasen (z. B. extremistische Milieus) vordringt und dort Überschneidungen mit der Zielgruppe erzielt.
* **Monitoring und Evaluation der Plattformwahl:** Interactionen müssen regelmäßig ausgewertet werden, um zu prüfen, ob die gewählten Plattformen noch für die Zielgruppe relevant sind.

#### Herausforderungen der Messung

Die Quellen benennen deutliche Grenzen bei der Messung von Wirkung:

* **Das Präventionsparadoxon:** Es ist methodisch kaum möglich, die Anzahl der durch eine Intervention verhinderten Vorfälle (z. B. Radikalisierung oder Suizid) exakt zu belegen.
* **Anonymität:** Die für das Feld zentrale Anonymität erschwert die Akquise von Teilnehmenden für begleitende Befragungen oder langfristige Studien.
* **Hawthorne-Effekt:** Die Wirksamkeitsprüfung kann durch die Beobachtung selbst verfälscht werden, da Nutzer ihr Verhalten unter Beobachtung ändern.
* **Fehlende Standards:** Es mangelt bisher an systematischen, wissenschaftlich fundierten Standards und einer komplexen Outcome-Forschung für dieses junge Arbeitsfeld.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine realistische Wirkungsmessung weg von rein quantitativen Kennzahlen hin zu **qualitativen Kriterien wie Beziehungsstabilität, Teilhabe und Selbstwirksamkeit** rücken sollte, ergänzt durch innovative Methoden wie die **Soziale Netzwerkanalyse**.

### Realistische Wirkungsmessung für Digital Streetwork

Wirkung lässt sich nicht allein über Reichweite, Klickzahlen oder Kontaktzahlen erfassen. Sinnvoll ist ein schlankes Modell, das **Leistungen, Beratungsqualität und Veränderungen bei den Adressat:innen** verbindet.

#### Wirkungslogik

| **Ebene** | **Leitfrage** | **Beispiele** |
| --- | --- | --- |
| Ressourcen | Was wird eingesetzt? | VZÄ, Arbeitszeit, Plattformen, Fortbildungen |
| Aktivitäten | Was tun die Fachkräfte? | Monitoring, Kontaktangebote, Beratung, Content, Vernetzung |
| Leistungen | Was kommt unmittelbar heraus? | Kontakte, Gespräche, Begleitungen, Vermittlungen |
| Kurzfristige Wirkung | Was verändert sich bei Adressat:innen? | Entlastung, Orientierung, Wissen, Vertrauen, Handlungsfähigkeit |
| Mittelfristige Wirkung | Was geschieht anschließend? | Nutzung einer Fachstelle, Stabilisierung, Problembewältigung |
| Gesellschaftliche Wirkung | Welchen übergeordneten Beitrag leistet das Projekt? | Bessere Zugänge zum Hilfesystem, geringere Versorgungslücken |

Das JFF unterscheidet entsprechend zwischen Kontakt- und Beratungsarbeit, Beziehungsarbeit, Vermittlung, Content, Vernetzung und Arbeitsorganisation. Die Evaluation kombiniert Dokumentenanalysen, Interviews und Beobachtungen, statt nur Plattformkennzahlen auszuwerten.[[jff](https://www.jff.de/fileadmin/user_upload/jff/projekte/DSW/jff_muenchen_2023_veroeffentlichung_digital_streetwork_bericht_wiss_Beg.pdf)]

#### Empfehlenswerte Kernindikatoren

* Zugang und Reichweite
  + Anzahl der Plattformen und regelmäßig bearbeiteten Communitys
  + Sichtkontakte mit eigenen Inhalten, mit Hinweis auf algorithmische Verzerrungen
  + Anzahl der Kontaktangebote
  + Anteil der Kontaktangebote, auf die reagiert wurde
  + Anzahl selbstinitiierter Kontakte durch Adressat:innen
* Beratungs- und Beziehungsarbeit
  + Anzahl kurzer Informationskontakte
  + Anzahl substanzieller Beratungsgespräche
  + Anzahl wiederholter Kontakte und längerfristiger Begleitungen
  + behandelte Themenfelder
  + durchschnittliche beziehungsweise kategorisierte Reaktionszeit
  + Anzahl der Krisenberatungen
  + Kurze Kontakte sind nicht automatisch wirkungslos. Im wissenschaftlich begleiteten Projekt berichteten viele Fachkräfte von ungefähr 70 bis 80 Prozent einmaligen beziehungsweise kurzen und 20 bis 30 Prozent wiederholten Kontakten.[[jff](https://www.jff.de/fileadmin/user_upload/jff/projekte/DSW/jff_muenchen_2023_veroeffentlichung_digital_streetwork_bericht_wiss_Beg.pdf)]

#### Unmittelbare Wirkungen

Nach einer Beratung kann freiwillig und anonym mit drei bis vier Fragen erhoben werden:

* „Ich habe mich ernst genommen gefühlt.“
* „Das Gespräch hat mir Orientierung gegeben.“
* „Ich weiß jetzt besser, was ich als Nächstes tun kann.“
* „Würdest du dich bei Bedarf wieder an uns wenden?“

Antworten können auf einer fünfstufigen Skala sowie durch ein optionales Freitextfeld erfasst werden.

#### Vermittlung und Hilfezugang

* Anzahl vorgeschlagener Vermittlungen
* Anzahl von den Adressat:innen gewünschter Vermittlungen
* Anzahl erfolgreicher Erstkontakte zu weiterführenden Hilfen
* Anteil begleiteter Übergänge
* Gründe für nicht zustande gekommene Vermittlungen

Eine erfolgreiche Vermittlung sollte erst gezählt werden, wenn tatsächlich eine Interaktion mit der weiterführenden Stelle stattgefunden hat, nicht bereits beim Versenden einer Adresse.

#### Qualität und Schutz

* Häufigkeit von Fallbesprechungen und Supervision
* Anteil kritischer Fälle mit Vier-Augen-Prüfung
* Fortbildungsstunden
* Beschwerden und deren Bearbeitung
* dokumentierte Überlastungs- oder Gewaltvorfälle
* regelmäßige Einschätzung der psychischen Belastung im Team
* Kontinuität und Personalfluktuation

#### Zwei unterschiedliche Berichtsformate

1. **Für die interne Steuerung**
   * Monatlich sollte ein kompaktes Dashboard betrachtet werden:
   * Welche Zielgruppen und Plattformen erreichen wir?
   * Wo entstehen tragfähige Kontakte?
   * Welche Themen nehmen zu?
   * Welche Kontakte überfordern unsere Kapazitäten?
   * Welche Fachstellen fehlen im Vermittlungsnetzwerk?
   * Welche Arbeitsweisen sollten verändert werden?

* Hier steht das **Lernen und Anpassen** im Vordergrund.

**2.** **Für Geldgebende**

* Ein halbjährlicher oder jährlicher Bericht sollte enthalten:
  + Ressourcen und tatsächliche Arbeitszeitverteilung
  + zentrale Leistungskennzahlen im Zeitvergleich
  + Ergebnisse der anonymen Rückmeldungen
  + Vermittlungen und Zugänge zum Hilfesystem
  + zwei bis vier anonymisierte Fallvignetten
  + unerwartete Entwicklungen und Versorgungslücken
  + qualitative Einordnung von Plattformveränderungen
  + notwendige Anpassungen und Ressourcenbedarfe

#### Was vermieden werden sollte

* Reichweite mit Wirkung gleichsetzen
* starre Kontaktquoten als Leistungsziel vorgeben
* Fachkräfte für wenige Kontakte in intensiven Krisenfällen negativ bewerten
* personenbezogene Chatverläufe zur Wirkungsmessung speichern
* langfristige gesellschaftliche Veränderungen ausschließlich dem Projekt zuschreiben
* nur erfolgreiche Fälle berichten

#### Fazit

**Realistisch ist somit ein Mixed-Methods-Ansatz:** wenige kontinuierliche Kennzahlen, freiwillige Kurzfeedbacks, anonymisierte Fallvignetten und regelmäßige Teamreflexion. Geldgebende erhalten damit nachvollziehbare Ergebnisse, ohne Scheingenauigkeit oder problematische Datensammlung zu erzeugen.

## Wie macht man die Fallführung (Tools; unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze)?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Die Fallführung in der Digitalen Streetwork folgt einer systematischen Struktur, die bewährte sozialpädagogische Prinzipien mit den technischen und rechtlichen Besonderheiten des digitalen Raums verbindet.

#### 1. Dokumentation und methodische Werkzeuge (Tools)

Für eine professionelle Fallführung und Dokumentation werden in den Quellen verschiedene technische Lösungen und Methoden angeführt:

* **Systematische Erfassung:** Die Dokumentation erfolgt über spezifische Softwarelösungen wie die **„Streetwork-App“** oder trägereigene Dokumentationssysteme, um Anfragen empirisch zu erfassen und zu kategorisieren.
* **Qualitätssicherung durch KI:** Innovative Tools wie die KI-Beratungsassistenz **„Lateris“** unterstützen die interne Qualitätssicherung der Beratungsinhalte.
* **Wissenschaftliche Begleitung:** Für die Auswertung von Diskursen und Daten im Rahmen der Forschung werden Browser-Erweiterungen (z. B. **„Hyssop“**) eingesetzt.
* **Standardisierung:** Chatbots (z. B. „Wohnen in Berlin“) dienen der automatisierten Bearbeitung von Standardanfragen in mehreren Sprachen.
* **Methodischer Mix:** Die Fallführung nutzt Instrumente wie **Reflexionstagebücher**, Verlaufsdokumentationen sowie das Anlegen von **biografischen Zeitleisten** zur Aufarbeitung von Lebenswegen.

#### 2. Prozess der Fallführung

Der Beratungsprozess ist meist trichterförmig strukturiert:

* **Vom Öffentlichen zum Privaten:** Die Fallarbeit beginnt oft in öffentlichen oder halb-öffentlichen Räumen (Kommentare, Foren) und wird bei vertieftem Bedarf in geschützte **1-zu-1-Settings** (Einzelchats, Messenger) überführt.
* **Rollenklärung und Zielvereinbarung:** Zu Beginn der Beratung müssen die professionelle Rolle, der Auftrag des Trägers sowie klare Zielvereinbarungen transparent offengelegt werden.
* **Lotsenfunktion:** Ein wesentliches Element der Fallführung ist die **Verweisberatung**, also die gezielte Überleitung von digitalen Erstkontakten in das lokale, analoge Hilfesystem vor Ort.

#### 3. Berücksichtigung geltender Gesetze

Die Fallführung muss sich strikt an rechtliche Rahmenbedingungen halten, was im digitalen Raum besondere Hürden aufwirft:

* **Gesetzliche Basis:** Das Handeln ist rechtlich primär im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (**SGB VIII**, insbesondere §§ 11 und 13) verortet.
* **Datenschutz (DSGVO):** Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung und des Sozialdatenschutzes (SGB I, X) ist zwingend. Es ist Standard, Ratsuchende zu Beginn jeder 1-zu-1-Beratung aktiv über Datenrisiken auf kommerziellen Plattformen aufzuklären.
* **Schweigepflicht vs. Zeugnisverweigerungsrecht:** Fachkräfte unterliegen der beruflichen Schweigepflicht (§ 203 StGB), besitzen jedoch (außer in der Suchtberatung) oft **kein Zeugnisverweigerungsrecht**, was bei der Dokumentation sensibler Daten gegenüber Behörden berücksichtigt werden muss.
* **Datenminimierung:** Um rechtliche Risiken zu senken, werden private Nachrichten teilweise innerhalb kurzer Fristen (z. B. zwei Wochen) wieder gelöscht.
* **Rechtsberatung:** Individuelle Rechtsberatung muss den Anforderungen des Rechtsdienstleistungsgesetzes (**RDG**) entsprechen und erfolgt oft unter Anleitung von Volljurist\*innen.
* **Impressumspflicht:** Dienstprofile müssen zur Gewährleistung der Transparenz Verlinkungen zum Impressum und zur Datenschutzerklärung des Trägers enthalten

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Die Fallführung in der professionellen Digital Streetwork basiert auf einer engen Verknüpfung von gesetzlichen Vorgaben, methodischer Dokumentation und spezifischen digitalen Werkzeugen.

#### Gesetzliche Rahmenbedingungen und Datenschutz

Die Fallführung unterliegt strengen rechtlichen Standards, um die Sicherheit der Klienten und die Professionalität der Arbeit zu gewährleisten:

* **SGB VIII als Basis:** Die Arbeit ist rechtlich in die bestehenden Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe nach dem **SGB VIII** (insbesondere §§ 11, 12 und 13) eingegliedert.
* **DSGVO-Konformität:** Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist zwingend. In Modellprojekten wird hierfür ein **dreistufiger Prozess** angewendet: Zuerst erfolgt ein Datenschutz-Check der Tools, dann die Anpassung der Datenschutzerklärung und schließlich die technische Einrichtung der Online-Präsenz. Zur Qualitätssicherung werden zudem spezifische **DSGVO-Checklisten** für digitale Werkzeuge genutzt.
* **Schweigepflicht und Rollentransparenz:** Fachkräfte müssen eine klare Balance zwischen beruflicher Schweigepflicht, Datenschutz und einer authentischen, transparenten Rollenklärung wahren. Die Nutzung von **sozialarbeiterischen Dienstprofilen** statt Privataccounts ist hierbei ein zentraler Standard.
* **Juristische Absicherung:** Zur rechtssicheren Gestaltung der Erstberatung wird in Projekten teilweise eine **interne Volljuristin** eingebunden, um die Qualität und Legalität der Auskünfte abzusichern.

#### Tools und Methoden der Fallführung

Für die Organisation und Durchführung der pädagogischen Arbeit werden verschiedene Instrumente eingesetzt:

* **Systematische Dokumentation:** Eine lückenlose und systematische Dokumentation der Kontakte gilt als wesentliches Element der Qualitätssicherung.
* **Verlaufsdokumentation und Reflexionstagebücher:** Diese Tools werden genutzt, um die Entwicklung von Arbeitsbeziehungen, psychische Entlastung oder die Förderung der Selbstwirksamkeit bei den Jugendlichen sichtbar zu machen und fachlich zu reflektieren.
* **Beratungssoftware:** Um Anonymität und Datenschutz zu gewährleisten, wird für vertrauliche Gespräche oft auf spezifische **Beratungssoftware** oder sichere Live-Chats zurückgegriffen, statt die Beratung ausschließlich auf kommerziellen Plattformen zu belassen.
* **Soziale Netzwerkanalyse (SNA):** Dieses Tool wird eingesetzt, um empirisch zu prüfen, ob die Zielgruppe innerhalb spezifischer digitaler Filterblasen tatsächlich erreicht wird und ob Überschneidungen mit extremistischen Milieus vorliegen.
* **Standardisierung von Antworten:** Das Speichern und regelmäßige Ergänzen von **„Best Practice-Antworten“** dient der Effizienz und Qualitätssicherung bei häufig wiederkehrenden Themen.

#### Operatives Vorgehen im Einzelfall

In der direkten Fallarbeit findet ein methodischer Wechsel zwischen verschiedenen Kommunikationsebenen statt:

* **Vom Öffentlichen zum Privaten:** Während der Erstkontakt oft in öffentlichen Räumen (Foren, Kommentarspalten) erfolgt, wird für die vertiefende Fallführung konsequent in den **geschützten privaten Chat (One-to-One)** gewechselt.
* **Tandem-Prinzip:** Zur fachlichen Qualitätssicherung und zum Selbstschutz agieren Fachkräfte oft im Tandem im selben digitalen Raum, um sich unmittelbar über Fallverläufe austauschen zu können.
* **Verweisberatung:** Ein zentrales Ziel der Fallführung ist die Funktion als Brücke zum analogen System, wobei Klienten gezielt an spezialisierte Fachstellen vor Ort (z. B. Suchthilfe, Rechtsberatung) weitervermittelt werden.

### Fallführung bei Digital Streetwork

Die Fallführung sollte nach dem Prinzip **so anonym wie möglich, so personenbezogen wie nötig** organisiert werden. Öffentliche Plattform, geschützter Beratungskanal, Fallakte und Wirkungsstatistik müssen technisch getrennt bleiben.

#### Empfohlene Systemarchitektur

| **Ebene** | **Zweck** | **Zulässige Inhalte** |
| --- | --- | --- |
| Social-Media-Plattform | Kontaktaufnahme | Keine ausführliche Falldokumentation |
| Geschützte Beratungsplattform | Vertrauliche Kommunikation | Beratungsverlauf und Dateiaustausch |
| Fallmanagementsystem | Fachliche Dokumentation | Strukturierte, erforderliche Falldaten |
| Statistiksystem | Wirkungsmessung | Ausschließlich aggregierte oder anonymisierte Daten |

Plattformnachrichten sollten möglichst früh in einen geschützten Beratungsbereich überführt werden. Die Open-Source-Beratungsplattform der Caritas ist ein Beispiel für eine speziell für datensensible Sozialberatung entwickelte Lösung.[[sozial](https://www.sozial.de/caritas-schafft-open-source-angebot-fuer-onlineberatung.html)]

#### Rechtlicher Rahmen

Je nach Träger und Auftrag sind insbesondere zu prüfen:

* **DSGVO:** Zweckbindung, Datenminimierung, Rechtsgrundlage, Informationspflichten, Datensicherheit, Löschung und gegebenenfalls Datenschutz-Folgenabschätzung.
* **SGB VIII und SGB X:** Bei Jugendhilfeleistungen gelten besondere Regeln für Sozialdaten. Freie Träger müssen einen entsprechenden Schutz gewährleisten.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__61.html)]
* **Besonderer Vertrauensschutz:** Anvertraute Informationen dürfen in der persönlichen und erzieherischen Hilfe nur unter eng begrenzten Voraussetzungen weitergegeben werden.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__65.html)]
* **Berufliche Schweigepflicht:** Staatlich anerkannte Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen fallen grundsätzlich unter § 203 StGB.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html)]
* **Kinderschutz:** Für Gefährdungseinschätzungen und Datenweitergaben braucht es ein abgestimmtes Verfahren nach § 8a SGB VIII.
* **Kirchliche Träger:** Hier können zusätzlich beziehungsweise vorrangig das KDG oder DSG-EKD gelten.

Die konkrete Rechtsgrundlage sollte nicht pauschal „Einwilligung“ lauten. Sie hängt von Träger, Leistungsauftrag und Datenart ab und muss für jeden Verarbeitungsschritt dokumentiert werden.

#### Minimaler Datensatz

Eine digitale Fallakte kann folgende Felder enthalten:

* zufällig erzeugte Fall-ID
* zuständige Fachkraft und Vertretung
* Plattform und Zugangskanal
* Altersgruppe und Region, sofern erforderlich und freiwillig mitgeteilt
* Datum und Art des Kontakts
* Anliegen in groben Kategorien
* Beratungsauftrag und gemeinsam vereinbarte Ziele
* relevante Interventionen und Vereinbarungen
* Risikoeinschätzung
* dokumentierte Vier-Augen-Prüfung
* Vermittlungen und deren Ergebnis
* nächster Schritt beziehungsweise Fallabschluss
* gegebenenfalls Einwilligungen und Version der Datenschutzinformation

Nicht regelhaft gespeichert werden sollten:

* vollständige Chatkopien
* Klarnamen, Adressen oder Geburtsdaten
* Social-Media-Nutzernamen, sofern sie nicht erforderlich sind
* Screenshots von Profilen
* Informationen über unbeteiligte Dritte
* subjektive oder abwertende Charakterisierungen
* heruntergeladene Bilder und Videos

#### Dokumentationsregeln

Einträge sollten zeitnah, sachlich und knapp erfolgen. Dabei ist zwischen Beobachtung, Aussage der adressierten Person, fachlicher Einschätzung und getroffener Entscheidung zu unterscheiden.

Beispiel:

**Aussage:** Person berichtet, seit mehreren Tagen nicht schlafen zu können. **Einschätzung:** Aktuell keine konkreten Hinweise auf akute Selbstgefährdung. **Maßnahme:** Krisendienst erläutert und erneuter Kontakt für den Folgetag vereinbart. **Vier-Augen-Prüfung:** Rücksprache mit Fachkraft AB um 17:20 Uhr.

#### Toolanforderungen

* Ein Fallmanagementsystem sollte mindestens bieten:
* Hosting und Datenverarbeitung im EU/EWR-Raum
* Vertrag zur Auftragsverarbeitung
* dokumentierte Unterauftragnehmer und Speicherorte
* Verschlüsselung bei Übertragung und Speicherung
* Mehr-Faktor-Authentisierung
* differenziertes Rollen- und Rechtekonzept
* Protokollierung von Zugriffen und Änderungen
* getrennte Berechtigungen für besonders sensible Fälle
* Export-, Berichtigungs- und Löschfunktionen
* konfigurierbare Löschfristen
* sichere Datensicherung
* keine Nutzung der Falldaten für Werbung oder KI-Training

Die Datenschutzkonferenz nennt unter anderem Rollen- und Rechtekonzepte, sichere Authentisierung, Zugriffsdokumentation sowie Möglichkeiten zur Berichtigung und Löschung als zentrale Schutzmaßnahmen ([Standard-Datenschutzmodell](https://www.datenschutzkonferenz-online.de/media/ah/SDM-Methode-V31.pdf)).

**Nicht ohne gesonderte Prüfung geeignet** sind Trello, Notion, offene Excel-Listen, private Messenger, unverschlüsselte E-Mails oder allgemeine KI-Assistenten. Auch Microsoft 365 oder andere Cloudsysteme sind nicht automatisch zulässig oder unzulässig, sondern benötigen eine dokumentierte Datenschutz-, Vertrags- und Konfigurationsprüfung.

#### Löschung und Fallabschluss

Es gibt keine universelle Aufbewahrungsfrist für alle Digital-Streetwork-Daten. Der Träger benötigt ein differenziertes Löschkonzept:

* Plattformnachrichten möglichst kurzfristig löschen
* Beratungsakten nach Abschluss und Wegfall des Zwecks löschen
* Krisendokumentationen nur so lange aufbewahren, wie rechtliche oder fachliche Gründe dies erfordern
* Statistikdaten frühzeitig vollständig anonymisieren
* Löschsperren nur bei konkreten Rechtsstreitigkeiten oder gesetzlichen Pflichten

#### Vor Inbetriebnahme

Vor Auswahl eines Tools sollten Datenschutzbeauftragte und Fachleitung mindestens Rechtsgrundlagen, Verarbeitungsverzeichnis, Datenschutzinformationen, Auftragsverarbeitungsvertrag, Berechtigungskonzept, Löschkonzept und gegebenenfalls eine Datenschutz-Folgenabschätzung freigeben. Gerade bei systematischer Beobachtung digitaler Räume und Daten vulnerabler Personen sollte eine solche Folgenabschätzung ernsthaft geprüft werden.

## Was für gesetzliche Grundlagen müssen wir beachten? (z. B. Datenschutz, Meldung von Inhalten)

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Basierend auf den Quellen müssen bei der Durchführung von professioneller Digital Streetwork folgende gesetzliche Grundlagen beachtet werden:

#### 1. Gesetzlicher Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe

In Deutschland bildet das **SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz)** die primäre rechtliche Basis. Digital Streetwork wird dabei meist zwischen der **Jugendarbeit (§ 11 SGB VIII)** und der **Jugendsozialarbeit (§ 13 SGB VIII)** verortet. In Bayern erfolgt die Umsetzung spezifisch nach **§ 85 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII**. Zudem ist die **UN-Kinderrechtskonvention** eine maßgebliche normative Grundlage, insbesondere für den Schutz der Privatheit und die Förderung der Teilhabe.

#### 2. Datenschutz und Sozialdatenschutz

Die Einhaltung der **Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)** sowie des **Sozialdatenschutzes (SGB I und X)** ist eine zentrale, aber herausfordernde Pflicht.

* **Datenschutz-Dilemma:** Es besteht ein permanentes Spannungsfeld zwischen der notwendigen Präsenz auf kommerziellen (oft außereuropäischen) Plattformen und den strengen deutschen Datenschutzvorgaben.
* **Aufklärungspflicht:** Fachkräfte sind verpflichtet, Nutzer\*innen zu Beginn einer Beratung aktiv über Datenrisiken auf kommerziellen Plattformen aufzuklären und gegebenenfalls auf sicherere Alternativen (wie Signal) zu verweisen.
* **Datenminimierung:** Um Risiken zu senken, werden private Nachrichten in einigen Projekten systematisch nach kurzen Fristen (z. B. zwei Wochen) gelöscht.

#### 3. Schweigepflicht und Zeugnisverweigerungsrecht

* **Berufliche Schweigepflicht:** Fachkräfte unterliegen der Schweigepflicht gemäß **§ 203 StGB**.
* **Fehlendes Zeugnisverweigerungsrecht:** Im Gegensatz zur spezialisierten Sucht- oder Schwangerschaftsberatung besitzen Digital Streetworker\*innen in der allgemeinen Jugendsozialarbeit oft **kein Zeugnisverweigerungsrecht** nach der Strafprozessordnung (StPO). Dies bedeutet, dass Dokumentationen im Falle von Ermittlungen an Behörden herausgegeben werden müssen, was das Vertrauensverhältnis gefährden kann.

#### 4. Meldung von Inhalten und Krisenintervention

Der Umgang mit rechtswidrigen Inhalten oder Gefahrenlagen ist rechtlich und ethisch streng reglementiert:

* **Meldepflichten:** Bei strafrechtlich relevanten Inhalten (z. B. Volksverhetzung) oder akuter Selbst- bzw. Fremdgefährdung (Suizidalität) müssen Fachkräfte etablierte Meldeketten einhalten, die bis zur Einbeziehung von Polizei oder Jugendamt reichen können.
* **Trusted Flagging:** Einige Projekte nutzen direkte Kooperationen mit Plattformbetreibern, um kritische Inhalte bevorzugt zu melden.
* **Jugendmedienschutz:** Fachkräfte müssen die Bestimmungen des Jugendmedienschutzes kennen und bei Verstößen (z. B. Cybergrooming) intervenieren.

#### 5. Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG)

Individuelle Rechtsberatung (z. B. im Bereich Migration oder Arbeitsrecht) unterliegt dem **Rechtsdienstleistungsgesetz**. Eine solche Beratung darf durch pädagogische Fachkräfte nur als Nebenleistung oder unter Anleitung von **Volljurist\*innen** erfolgen. Fachkräfte müssen daher klar zwischen allgemeiner Information und individueller Rechtsberatung unterscheiden.

#### 6. Transparenz und Impressumspflicht

Zur Gewährleistung der Seriosität und zur Erfüllung gesetzlicher Vorgaben (analog zum Telemediengesetz) müssen professionelle Dienstprofile folgende Merkmale aufweisen:

* Ein vollständiges **Impressum** und eine **Datenschutzerklärung** des Trägers müssen verlinkt oder direkt einsehbar sein.
* Die **Offenlegung der professionellen Rolle** und des Auftrags ist zwingend; verdeckte Identitäten oder „Incognito-Surfen“ widersprechen den fachlichen Standards.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Die gesetzlichen Grundlagen für Digital Streetwork (DSW) umfassen primär das Sozialrecht, den Datenschutz sowie strafrechtliche Bestimmungen zur Meldung von Inhalten.

#### 1. Sozialrechtlicher Rahmen

* **SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe):** Die Arbeit ist rechtlich fest in die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe eingebunden, insbesondere in die **§§ 11 (Jugendarbeit), 12 (Förderung der Jugendverbandsarbeit) und 13 (Jugendsozialarbeit)**.
* **Fachkräftegebot:** Die Umsetzung erfolgt durch professionell tätige Fachkräfte gemäß den Anforderungen des SGB VIII.

#### 2. Datenschutz und Vertraulichkeit

* **DSGVO-Konformität:** Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist **zwingend**. Dies beinhaltet oft einen dreistufigen Prozess aus Datenschutz-Check der Tools, Anpassung der Datenschutzerklärungen und technischer Einrichtung der Profile.
* **Kommerzielle Plattformen:** Es besteht ein dauerhaftes Spannungsverhältnis zwischen Datenschutzvorgaben und der Notwendigkeit, auf kommerziellen Plattformen (z. B. Meta, TikTok, Discord) präsent zu sein.
* **Schweigepflicht und Anonymität:** Die Sicherung der Anonymität ist für den Vertrauensaufbau essenziell. Fachkräfte müssen die Grenzen beruflicher Vertraulichkeit (Schweigepflicht) wahren.
* **Anonymisierung zum Schutz:** Zum Schutz beteiligter Jugendlicher werden biografische Details in der Dokumentation oder Veröffentlichung verschmolzen oder verfremdet.

#### 3. Strafrecht und Meldung von Inhalten

* **Meldepflichtige Tatbestände:** Strafrechtlich relevante Inhalte wie **Volksverhetzung (§ 130 StGB)**, das Verwenden **verfassungsfeindlicher Symbole (§ 86a StGB)** oder Holocaust-Leugnung müssen konsequent gemeldet werden.
* **NetzDG:** Es wird strikt zwischen strafrechtlich relevanten Inhalten (gemäß Netzwerkdurchsetzungsgesetz) und legalen, aber schädlichen Inhalten („legal, but harmful“) unterschieden.
* **Plattform-Standards:** Neben Gesetzen dienen auch die **Community-Standards** der Plattformbetreiber als Grundlage, um Diskriminierung oder Hassrede löschen zu lassen.
* **Kooperation mit Behörden:** In akuten Gefährdungslagen (z. B. Suizidalität oder massive Bedrohungen) erfolgt eine Kooperation mit der **Polizei**.

#### 4. Jugendschutz und pädagogische Prinzipien

* **Jugendschutz:** Fachkräfte müssen Jugendschutzbestimmungen, wie etwa **Altersfreigaben in Spielen**, berücksichtigen.
* **Beutelsbacher Konsens:** Die pädagogische Arbeit unterliegt dem **Überwältigungsverbot** (Verbot der Indoktrination) sowie dem Kontroversitätsgebot.
* **Spezielle Genehmigungen:** Für pädagogische Zwecke kann im Einzelfall eine **künstlerische Ausnahmegenehmigung** zur Verwendung eigentlich verbotener Symbole (gemäß Symbole-Gesetz) genutzt werden.

#### 5. Professionelle Standards

* **Transparenzgebot:** Um rechtssicher und ethisch korrekt zu handeln, müssen Fachkräfte ihre professionelle Identität offenlegen. Verdeckte Strategien gelten als **„professionsethischer Transparenzverstoß“**.
* **Rechtssicherheit in der Beratung:** Zur Absicherung der Erstberatung wird teilweise **juristische Expertise** (z. B. durch interne Volljurist\*innen) eingebunden.

### Gesetzliche Grundlagen für Digital Streetwork

Welche Vorschriften konkret gelten, hängt von Träger, Zielgruppe, Auftrag und Bundesland ab. Für ein Angebot der Kinder- und Jugendhilfe sollten mindestens folgende Rechtsbereiche in einem verbindlichen Datenschutz-, Kinderschutz- und Meldekonzept abgebildet werden.

#### Kinder- und Jugendhilferecht

* **SGB VIII:** Digital Streetwork kann insbesondere im Rahmen von Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit verortet werden. Kinder und Jugendliche haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Beratung ohne Kenntnis der Personensorgeberechtigten.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/SGB_8.pdf)]
* **§ 8a SGB VIII:** Bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung ist eine strukturierte Gefährdungseinschätzung erforderlich. Freie Träger müssen eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzuziehen und das Jugendamt informieren, wenn die Gefahr nicht anders abgewendet werden kann.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__8a.html)]
* **§ 8b SGB VIII:** Beruflich mit Minderjährigen arbeitende Personen können zur Gefährdungseinschätzung Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft beanspruchen.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__8b.html)]
* **§ 4 KKG:** Staatlich anerkannte Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen dürfen zunächst pseudonymisiert beraten lassen und bei Erforderlichkeit Daten an das Jugendamt übermitteln. Betroffene sollen grundsätzlich vorher informiert werden, sofern dadurch der Schutz nicht gefährdet wird.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/kkg/__4.html)]
* **§ 72a SGB VIII:** Für Tätigkeiten mit intensivem Kontakt zu Minderjährigen sind die Regelungen zum Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen und zu Führungszeugnissen zu beachten.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__72a.html)]

#### Datenschutz und Vertraulichkeit

Maßgeblich sind insbesondere:

* DSGVO und BDSG
* Sozialgeheimnis nach § 35 SGB I
* Sozialdatenschutz nach §§ 61 bis 65 SGB VIII sowie §§ 67 ff. SGB X
* KDG bei katholischen beziehungsweise DSG-EKD bei evangelischen Trägern
* § 203 StGB zur beruflichen Schweigepflicht

Sozialdaten dürfen grundsätzlich nur zweckgebunden verarbeitet werden. Bei Weitergaben an externe Fachkräfte sind sie zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren, soweit dies die Aufgabenerfüllung zulässt ([§ 64 SGB VIII](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__64.html)). Anvertraute Informationen unterliegen zusätzlich einem besonderen Vertrauensschutz ([§ 65 SGB VIII](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__65.html)).

Für jedes Tool müssen insbesondere Rechtsgrundlage, Auftragsverarbeitung, Speicherorte, Zugriffsrechte, Löschfristen und Drittlandtransfers geprüft werden. Bei systematischem Monitoring und der Verarbeitung sensibler Daten vulnerabler Personen sollte eine Datenschutz-Folgenabschätzung geprüft werden.

#### Meldung problematischer Inhalte

Es besteht **keine allgemeine Pflicht**, jeden möglicherweise strafbaren oder schädlichen Inhalt bei Polizei oder Plattform zu melden. Es sind vier Situationen zu unterscheiden.

#### Plattformmeldung

Hassrede, Drohungen, Fakeprofile oder andere Regelverstöße können über das Meldesystem der Plattform gemeldet werden. Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen, leicht zugängliche Verfahren zur Meldung rechtswidriger Inhalte bereitzustellen.[[eur-lex.europa](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32022R2065)]

Eine Plattformmeldung ersetzt bei konkreter Gefahr keine Gefährdungseinschätzung oder Einschaltung der zuständigen Behörden.

#### Polizeiliche Anzeige

Eine Strafanzeige kann bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Amtsgericht erstattet werden. Bei Internetstraftaten empfiehlt das BKA grundsätzlich die örtliche Polizei beziehungsweise die Onlinewache des zuständigen Bundeslands.[[bka](https://www.bka.de/DE/Service/FAQs/Internet/internet_node.html)]

Typische strafrechtlich relevante Inhalte können sein:

* konkrete Bedrohungen und Nachstellungen
* Volksverhetzung und bestimmte Formen von Hassrede
* öffentliche Aufforderung oder Anleitung zu Straftaten
* Gewaltdarstellungen
* terroristische Inhalte
* sexuelle Ausbeutung und Missbrauchsdarstellungen
* unerlaubte Veröffentlichung intimer Bilder
* Identitätsmissbrauch und Doxxing

Nicht jeder beleidigende, extremistische oder fachlich problematische Beitrag ist automatisch strafbar. Die rechtliche Bewertung sollte deshalb nicht allein durch die beratende Fachkraft erfolgen.

#### Gesetzliche Anzeigepflicht

§ 138 StGB verpflichtet zur Anzeige bestimmter geplanter schwerer Straftaten, wenn deren Ausführung oder Erfolg noch verhindert werden kann. Dazu gehören beispielsweise Mord, Totschlag, Geiselnahme und bestimmte terroristische oder gemeingefährliche Straftaten.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__138.html)]

Bei akuten Notlagen kann außerdem die Pflicht zur zumutbaren Hilfeleistung nach § 323c StGB relevant werden. In solchen Fällen sollte unmittelbar nach dem institutionellen Notfallplan gehandelt und gegebenenfalls Polizei oder Rettungsdienst eingeschaltet werden.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__323c.html)]

#### Meldepflichten nach dem DSA

Die besondere Meldepflicht nach Artikel 18 DSA richtet sich an **Hostingdiensteanbieter**, nicht automatisch an Digital Streetworker:innen, die lediglich Social-Media-Plattformen nutzen. Betreibt der Träger jedoch selbst ein Forum, eine Community oder eine Plattform mit Nutzerinhalten, muss geprüft werden, ob er als Hostingdiensteanbieter gilt und Verdachtsfälle mit Gefahr für Leben oder Sicherheit melden muss.[[bka](https://www.bka.de/DE/DasBKA/OrganisationAufbau/Fachabteilungen/ZentralerInformationsUndFahndungsdienst/Digitale_Eingangsstelle/FAQ/faq_dsa_node.html)]

#### Missbrauchsdarstellungen von Kindern

Bei mutmaßlich kinder- oder jugendpornografischen Inhalten gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen:

* Nicht weiter recherchieren.
* Inhalte nicht herunterladen, kopieren oder weiterleiten.
* Keine Screenshots anfertigen, wenn dadurch das Material selbst gespeichert wird.
* URL, Accountname, Zeitpunkt und Kontext getrennt dokumentieren.
* Unverzüglich Fachleitung und festgelegte Meldestelle einschalten.
* Verdacht an Polizei oder zuständiges Landeskriminalamt melden.

Das BKA warnt ausdrücklich vor eigenen Recherchen, weil bereits das Herunterladen entsprechender Inhalte strafbar sein kann. Verbreitung, Abruf und Besitz werden durch § 184b StGB erfasst.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html)][[bka](https://www.bka.de/DE/Service/FAQs/Internet/internet_node.html)]

#### Eigene Website und eigene Inhalte

Für die eigene Website, Beratungsplattform und Social-Media-Präsenz sind zusätzlich relevant:

* **DDG:** insbesondere Anbieterinformationen und Verantwortlichkeiten. Das Digitale-Dienste-Gesetz gilt seit dem 14. Mai 2024.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/ddg/BJNR0950B0024.html)]
* **TDDDG:** Vertraulichkeit digitaler Kommunikation, Cookies und Zugriffe auf Endgeräte.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/ttdsg/BJNR198210021.html)]
* **Jugendschutzrecht:** JuSchG und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.
* **Urheber- und Persönlichkeitsrechte:** Keine fremden Bilder, Beiträge oder Chatverläufe ohne Rechtsgrundlage veröffentlichen.
* **§ 201 StGB:** Telefonate oder Sprachgespräche dürfen nicht ohne wirksame Zustimmung aufgezeichnet werden ([§ 201 StGB](https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__201.html)).

#### Notwendige interne Verfahren

Der Träger sollte schriftliche Ablaufpläne für mindestens folgende Fälle beschließen:

* Kindeswohlgefährdung
* Suizidankündigung und akute Selbstgefährdung
* konkrete Gewalt- oder Anschlagsdrohung
* sexualisierte Gewalt und Missbrauchsdarstellungen
* Hassrede und extremistische Inhalte
* Doxxing und Bedrohung von Fachkräften
* Datenschutzverletzungen
* Anfragen von Polizei, Jugendamt und Gerichten

Jeder Ablaufplan sollte Zuständigkeit, Vier-Augen-Prüfung, Dokumentation, zulässige Datenweitergabe und erreichbare Notfallkontakte festlegen. Die abschließende Prüfung sollte durch Datenschutzbeauftragte und juristische Fachberatung des Trägers erfolgen.

## Wie gelingt der Spagat zwischen content-based und non-content-based Arbeit (und allen restlichen Verpflichtungen wie fortlaufender Entwicklung, Netzwerkaufbau, etc.)? Wie bleibt man ständig auf dem Laufenden zu neuen Trends auf Social Media und kreiert ansprechenden Content für Jugendliche?

### Antwort Dokumentanalyse A-R

Um den Spagat zwischen inhaltlicher Arbeit, Beziehungsarbeit und weiteren Verpflichtungen zu bewältigen sowie in der digitalen Lebenswelt aktuell zu bleiben, führen die Quellen folgende Strategien und Anforderungen an:

#### Bewältigung des Spagats zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen

* **Strategische Kapazitätsplanung:** Es ist eine gründliche Vorab-Klärung notwendig, wie viel Zeit, wie viele Fachkräfte und wie viele Accounts realistisch bedient werden können.
* **Hoher Ressourcenaufwand:** Die Produktion von Inhalten für Social Media wird als extrem zeit- und personalintensiv beschrieben („frisst erhebliche Ressourcen“), was eine solide institutionelle Absicherung und Ressourcenplanung erfordert.
* **Multiprofessionelle Teamzusammensetzung:** Um die hohe fachliche Komplexität (Pädagogik, Technik, Design, Recht) abzubauen, wird die Bildung multiprofessioneller Teams statt „Einzelkämpfer\*innen“ empfohlen.
* **Methoden-Mix und Rollenteilung:** Erfolgreiche Projekte kombinieren content-basierte Arbeit (Reichweite) mit non-content-basierter direkter Interaktion (Beziehungsarbeit).
* **Inbound-Prinzip nutzen:** Durch den Aufbau einer Reputation fungieren Inhalte als „digitale Visitenkarte“, was dazu führt, dass Adressat\*innen vermehrt von sich aus Kontakt aufnehmen, was die Ressourcen für das proaktive Aufsuchen entlasten kann.
* **Kooperation mit Multiplikatoren:** Die Zusammenarbeit mit Gruppen-Administrator*innen oder Influencer*innen („Admin-Relations“) kann helfen, Reichweite und Reputation effizienter aufzubauen.
* **Flexible Arbeitszeitgestaltung:** Da das Internet „nie schläft“, müssen Träger flexible Arbeitszeitregelungen (z. B. Abendarbeit) ermöglichen, um der Lebenswelt der Jugendlichen gerecht zu werden.

#### Auf dem Laufenden bleiben und ansprechenden Content erstellen

* **Pädagogisches Monitoring und Sozialraumanalyse:** Eine kontinuierliche Beobachtung jugendrelevanter Räume und eine systematische Analyse der Internetnutzung der Adressat\*innen sind die Basis, um Trends und Themen frühzeitig zu erfassen.
* **Nutzung spezifischer Tools:** Fachkräfte sollten auf spezialisierte Ressourcen für Trendanalysen zurückgreifen (z. B. KN:IX-Login).
* **Partizipation und Peer-Einbindung:** Die Zusammenarbeit mit Jugendlichen selbst stellt sicher, dass die Ansprache und die Inhalte zielgruppengerecht bleiben.
* **Audiovisueller Fokus und Formatvielfalt:** Es wird empfohlen, auf visuelle und kurzweilige Formate wie Reels, TikTok-Videos, Infografiken, Memes, GIFs und Comics zu setzen, da diese eine höhere Reichweite und Interaktion erzielen.
* **Serialisierung:** Wiederkehrende, seriell strukturierte Inhalte können Nuancen und Tagesaktualität gewährleisten und nachhaltige Lernprozesse fördern.
* **Persönliche Authentizität und „Street Credibility“:** Das Zeigen der eigenen Person in Videos (z. B. Q&A-Formate) sowie die Kenntnis plattformspezifischer Codes und Jargon (z. B. Gaming-Sprache) steigern die Akzeptanz in den Communities.
* **Situative Medienkompetenz:** Aktuelle Trends können direkt im Beratungsprozess aufgegriffen werden, um über Plattformlogiken aufzuklären.

Der Spagat zwischen **content-basierter** (Erstellung von Medieninhalten) und **non-content-basierter Arbeit** (direkte Interaktion und Beziehungsarbeit) gelingt laut den Quellen vor allem durch eine strategische Kombination beider Ansätze und eine klare Ressourcenplanung.

#### Hier sind die in den Dokumenten genannten Strategien und Erkenntnisse dazu:

1. Inhaltsarbeit als „digitale Visitenkarte“ und Türöffner
   * **Content als Einstieg:** Eigene Inhalte (Videos, Memes, Infografiken) fungieren oft als **„digitale Visitenkarte“**, die Professionalität signalisiert und Vertrauen aufbaut.
   * **Vom „One-to-Many“ zum „One-to-One“:** Der Kontakt beginnt häufig im öffentlichen Raum durch die Reaktion auf Inhalte (Kommentarspalten) und verlagert sich bei Bedarf in den privaten, vertraulichen Einzelchat.
   * **Kickertisch-Effekt:** In Umgebungen wie Gaming-Plattformen dient das gemeinsame Spiel oder ein inhaltlicher Impuls als Aufhänger, um später tiefergehende pädagogische Themen anzusprechen.
2. Strategische Kapazitäts- und Ressourcenplanung
   * **Hoher Zeitaufwand:** Die Produktion von Social-Media-Inhalten wird als extrem ressourcenintensiv beschrieben („frisst erhebliche Ressourcen“).
   * **Vorab-Klärung:** Träger müssen vorab genau definieren, wie viel Zeit, wie viele Fachkräfte und wie viele Accounts realistisch bedient werden können.
   * **Inbound-Prinzip zur Entlastung:** Content-basierte Arbeit kann Ressourcen schonen, da sie eine **„Komm-Struktur“** schafft. Anstatt Nutzer\*innen proaktiv suchen zu müssen, melden sich diese aufgrund der sichtbaren Inhalte von selbst, was die Freiwilligkeit betont.
3. Methodische Rollenteilung und Teamstruktur
   * **Multiprofessionalität:** Um die Komplexität aus Pädagogik, Design, Technik und Recht zu bewältigen, wird die Bildung **multiprofessionaler Teams** empfohlen, statt alle Aufgaben auf Einzelpersonen zu übertragen.
   * **Qualität vor Quantität:** Die fachliche Qualität der Interaktion in den Kommentarspalten wird höher bewertet als die reine Reichweite der produzierten Inhalte. Der Content ist nur die Basis; die eigentliche Streetwork findet im Dialog statt.
4. Plattformspezifische Gewichtung
   * **Plattformlogiken beachten:** Auf bestimmten Plattformen (wie TikTok) ist die Produktion eigener Inhalte nahezu zwingend, um überhaupt sichtbar zu werden und Zielgruppen zu erreichen.
   * **Methoden-Mix:** Projekte wie streetwork@online setzen bewusst beide Methoden parallel ein: **Content-based** zur Bereitstellung von Identifikationsfiguren und Wissensimpulsen sowie **Non-content-based** für die proaktive Ansprache in relevanten Communities.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Spagat gelingt, wenn **Inhalte strategisch als Werkzeug für den Beziehungsaufbau** genutzt werden, während die institutionelle Absicherung genügend personelle Kapazitäten für die anschließende zeitintensive Einzelberatung bereitstellt.

### Antwort Dokumentanalyse R-Z

Der Spagat zwischen **content-basierter** (Erstellung eigener Medieninhalte) und **non-content-basierter Arbeit** (Interaktion in Kommentaren oder Chats) sowie den weiteren Verpflichtungen gelingt laut den Quellen vor allem durch **hybride Kommunikationsstrategien** und eine spezifische Arbeitsorganisation.

#### Der Spagat zwischen den Arbeitsformen

* **Hybrider Ansatz:** Fachliche Standards empfehlen eine Kombination aus proaktiver Ansprache und dauerhafter, reaktiver Begleitung (z. B. durch Community-Moderation).
* **Ressourcenkonflikt:** Die Quellen weisen auf ein professionelles Dilemma hin: Den Spagat zwischen dem Anspruch einer **professionellen Filmproduktion** (Zeit/Budget) und den Bedürfnissen eines **sozialpädagogischen Settings**, das Flexibilität und Emotionen erfordert.
* **Hoher Aufwand:** Die Pflege pädagogischer Beziehungen und die gleichzeitige Content-Produktion erfordern **hohe zeitliche Ressourcen**, viel Geduld und tiefes Wissen über netzspezifische Orte.

#### Auf dem Laufenden bleiben zu Trends

Um ständig „am Puls der Zeit“ zu bleiben, nutzen Fachkräfte folgende Methoden:

* **Seismografisches Monitoring:** Ein tägliches Monitoring der Social-Media-Räume dient als „Zuhören“, um relevante Fragen, Trends und die spezifische **Syntax und Symbolik** der Zielgruppen zu identifizieren.
* **Agilität:** Da sich die Webarchitektur und Trends schnell ändern, ist **maximale Flexibilität** und ein agiles Agieren auf aktuelle Online-Trends zwingend erforderlich.
* **Plattformkompetenz:** Fachkräfte müssen die stetig wechselnde sprachliche und symbolische Codierung (z. B. auf Twitch oder Steam) beherrschen, um nicht als „Fake“ abgelehnt zu werden.

#### Kreation ansprechenden Contents für Jugendliche

Damit Inhalte von Jugendlichen akzeptiert werden, nennen die Quellen diese Erfolgsfaktoren:

* **Partizipative Produktion:** Jugendliche sollten als **Experten ihrer Lebenswelt** in alle Phasen (vom Skript bis zur Produktion) eingebunden werden, um die Identifikation und Authentizität zu sichern.
* **Audiovisuelle Codes:** Gestaltung und „Framing“ der Inhalte (Kleidung, Musik, Symbole, religiöse Keywords) müssen präzise auf die **Sehgewohnheiten der Zielgruppe** abgestimmt sein.
* **Storytelling:** Narrative Ansätze (Erzählungen) wirken oft überzeugender als rein sachliche Argumente und helfen dabei, **digitale Nähe** aufzubauen.
* **Story-Highlights:** Inhalte sollten thematisch sortiert werden (z. B. in Instagram-Story-Highlights), um eine schnelle Information zu ermöglichen.

#### Bewältigung restlicher Verpflichtungen (Netzwerk, Entwicklung)

Um die Komplexität der Aufgaben (Netzwerkarbeit, Fallführung, Fortbildung) zu bewältigen, setzen Projekte auf:

* **Transdisziplinäre Teams:** Die Aufteilung der Last auf Experten aus Sozialarbeit, Psychologie, Islamwissenschaft und **Medienproduktion**.
* **Tandem-Arbeit:** Das gemeinsame Agieren von zwei Fachkräften im selben digitalen Raum ermöglicht einen direkten fachlichen Austausch und erhöht die Sicherheit.
* **Kooperationsplattformen:** Der Aufbau von Netzwerken und Kooperationsplattformen hilft, Doppelansprachen im digitalen Raum zu vermeiden und Ressourcen zu bündeln.
* **Standardisierung:** Das Speichern und regelmäßige Ergänzen von **„Best Practice-Antworten“** entlastet die tägliche Kommunikation.

### Contentarbeit und Beziehungsarbeit sinnvoll verbinden

Der Spagat gelingt, wenn Content nicht als zusätzliche Öffentlichkeitsarbeit betrachtet wird, sondern als **Teil der aufsuchenden Kontakt- und Beziehungsarbeit**. Content erzeugt Sichtbarkeit und Gesprächsanlässe; die non-content-based Arbeit verwandelt diese in Beratung und Begleitung.

#### Realistische Zeitverteilung

Die BJR-Qualitätsstandards empfehlen als Orientierung:

| **Arbeitsbereich** | **Anteil** |
| --- | --- |
| Kontakt-, Beratungs- und Beziehungsarbeit | 60 % |
| Netzwerkarbeit | 15 % |
| Content und Öffentlichkeitsarbeit | 15 % |
| Dokumentation, Fortbildung, Supervision und Selbstverwaltung | 10 % |

Diese Verteilung sollte über einen Monat oder ein Quartal betrachtet werden, nicht für jede einzelne Woche. Krisen, Plattformveränderungen und Kampagnen können zeitweise andere Schwerpunkte erfordern.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

Contentproduktion muss ausdrücklich als Arbeitszeit anerkannt werden. In der Praxis von Gangway gehört digitale Arbeit zur regulären Arbeitszeit, wobei nicht jede Fachkraft täglich Content erstellen muss.[[jugendhilfeportal](https://jugendhilfeportal.de/artikel/wie-der-verein-gangway-junge-menschen-mit-digitalen-angeboten-unterstuetzt)]

#### Content als Kreislauf organisieren

Ein funktionierender Prozess sieht so aus:

1. **Zuhören:** Themen aus Gesprächen, Kommentaren und Communitys aufnehmen.
2. **Verdichten:** Wiederkehrende Fragen anonymisiert in einem Themen-Backlog sammeln.
3. **Priorisieren:** Relevanz, Dringlichkeit, Zielgruppenbezug und fachliche Kompetenz prüfen.
4. **Produzieren:** Einen verständlichen Kerninhalt erstellen.
5. **Variieren:** Aus einem Thema mehrere Formate entwickeln, etwa Reel, Story, Kurztext und Q&A.
6. **Veröffentlichen:** Mit niedrigschwelliger Kontaktmöglichkeit und klarer professioneller Rolle.
7. **Dialog führen:** Kommentare und Nachrichten beantworten.
8. **Auswerten:** Prüfen, ob der Beitrag Gespräche, Rückfragen oder Beratungen ausgelöst hat.

So entsteht Content aus der Fachpraxis, statt mit ihr um Zeit zu konkurrieren.

#### Inhaltliche Mischung

Eine praktikable redaktionelle Mischung ist:

* **70 Prozent wiederverwendbarer Content:** Hilfesystem, Rechte, psychische Gesundheit, Beziehungen, Krisenhilfe, Vorstellung des Angebots.
* **20 Prozent aktuelle Themen:** Plattformveränderungen, gesellschaftliche Debatten, saisonale Belastungen und häufige Fragen.
* **10 Prozent Experimente:** Trendsounds, neue Formate, Livestreams oder Memes.

Nicht jeder Trend muss aufgegriffen werden. Ein Trend ist nur dann relevant, wenn er zur Zielgruppe, zum Auftrag und zur professionellen Rolle passt.

#### Systematisches Trendmonitoring

**Täglicher Kurzscan**

* Pro Plattform reichen häufig 15 bis 20 Minuten:
* Welche Themen erscheinen wiederholt?
* Welche Begriffe und Formate verwenden Jugendliche?
* Welche Fragen bleiben unbeantwortet?
* Welche riskanten Entwicklungen werden sichtbar?
* Welche Inhalte lösen besonders viele Kommentare oder persönliche Berichte aus?

Der Scan sollte über einen dienstlichen, möglichst nicht personalisierten Rechercheaccount erfolgen. Ergebnisse gehören in ein gemeinsames Trendboard, nicht nur in den Kopf einer einzelnen Fachkraft.

**Wöchentlicher Trendcheck**

Im Team werden für 30 bis 45 Minuten besprochen:

* neue Begriffe, Memes und Formate
* auffällige Beratungsanliegen
* Plattformänderungen
* mögliche Risiken
* Themen für die kommende Woche
* Trends, die bewusst nicht aufgegriffen werden

#### Externe Quellen

Als Gegengewicht zum algorithmischen Feed eignen sich:

* JIM- und KIM-Studien
* ACT-ON!-Monitoring des JFF
* medienpädagogische Fachstellen
* jugendschutz.net und klicksafe
* Creator:innen und Jugendredaktionen
* unmittelbare Rückmeldungen junger Menschen

Die JIM-Studie untersucht jährlich das Medienverhalten von 12- bis 19-Jährigen; das ACT-ON!-Monitoring analysiert, welche Plattformen jüngere Zielgruppen nutzen und wie sie deren Risiken einschätzen (mpfs, JFF ACT ON!).[[act-on.jff](https://act-on.jff.de/wp-content/uploads/2024/05/jff_muenchen_2024_acton_elaborated_report.pdf)][[mpfs](https://mpfs.de/)]

#### Arbeitsteilung im Team

Nicht jede Fachkraft muss alle Aufgaben gleich gut beherrschen. Sinnvoll sind rotierende Rollen:

* **Plattformverantwortliche:** Beobachten Änderungen auf ein bis zwei Plattformen.
* **Redaktionsverantwortliche:** Pflegen Themenplan und Produktionsablauf.
* **Fachprüfende Person:** Kontrolliert sensible oder rechtliche Aussagen.
* **Community-Verantwortliche:** Beantworten Kommentare und überführen Kontakte in Beratung.
* **Trendpat:in:** Erstellt wöchentlich eine kurze Zusammenfassung neuer Entwicklungen.

Die Rollen sollten rotieren, damit kein exklusives Wissen entsteht und Ausfälle aufgefangen werden können.

#### Schlanke Produktionsweise

* Nur zwei bis drei Plattformen intensiv betreuen.
* Content für zwei bis vier Wochen vorplanen.
* Evergreen-Beiträge als Reserve bereithalten.
* Zwei feste Produktionsblöcke pro Woche einplanen.
* Vorlagen für wiederkehrende Formate nutzen.
* Ein Thema mehrfach und plattformgerecht verwerten.
* Untertitel, Alttexte und einfache Sprache standardmäßig einbauen.
* Jugendliche freiwillig und gegebenenfalls vergütet an Themenentwicklung und Formatprüfung beteiligen.

KI kann bei Ideen, Gliederungen, Untertiteln oder Sprachvarianten unterstützen. Es dürfen jedoch keine Beratungs- oder Falldaten eingegeben werden, und jeder Inhalt muss fachlich sowie sprachlich von Menschen geprüft werden.

#### Qualitätscheck vor Veröffentlichung

Ein Beitrag sollte nur veröffentlicht werden, wenn folgende Fragen positiv beantwortet werden können:

* Ist der Inhalt für die Zielgruppe relevant?
* Ist in den ersten Sekunden beziehungsweise Zeilen erkennbar, worum es geht?
* Ist die Sprache verständlich und nicht anbiedernd?
* Sind Aussagen fachlich und rechtlich geprüft?
* Ist die professionelle Absenderrolle transparent?
* Werden Persönlichkeits- und Urheberrechte eingehalten?
* Gibt es eine sinnvolle Kontakt- oder Handlungsoption?
* Kann das Team mögliche Rückfragen zeitnah bearbeiten?

Die wichtigste Steuerungsregel lautet: **Content darf nicht mehr Beratungsbedarf erzeugen, als das Team fachlich auffangen kann.** Reichweite ist deshalb kein Selbstzweck; entscheidender sind qualifizierte Rückfragen, wiederkehrende Kontakte und entstandene Beratungsprozesse.

## Welche Pensen sind notwendig, um Digital Streetwork wirkungsvoll anzubieten?

Basierend auf den Quellen lassen sich für ein wirkungsvolles Angebot von Digital Streetwork folgende Anforderungen an die Pensen und Ressourcen ableiten:

### 1. Hoher Zeit- und Personalaufwand

* **Zeitintensive Inhaltsproduktion:** Die Erstellung von professionellem Social-Media-Content (Videos, Grafiken, Texte) wird als extrem ressourcenintensiv beschrieben und „frisst erhebliche Ressourcen“.
* **Feste Stellen:** Es wird betont, dass Digital Streetwork feste Personalstellen und gesicherte finanzielle Ressourcen benötigt, statt nur nebenher betrieben zu werden.
* **Kontinuierliche Präsenz:** Wirkungsvolle Arbeit erfordert eine stetige Begleitung, tägliches Monitoring der Plattformen und regelmäßige Interaktion, um in den schnelllebigen Diskursen sichtbar zu bleiben.

### 2. Flexibilität der Arbeitszeiten

* **Abkehr von Bürozeiten:** Da das Internet „24/7“ aktiv ist, stehen klassische Bürozeiten oft im Widerspruch zur Dynamik des Netzes. Diskussionen sind oft beendet, bevor Fachkräfte reagieren können.
* **Einsatz am Abend und Wochenende:** Für eine wirkungsvolle Erreichbarkeit der Zielgruppe sind flexible Arbeitszeiten – insbesondere in den Abendstunden und am Wochenende – zwingend erforderlich.

### 3. Strategische Kapazitätsplanung

* **Festlegung von Kennzahlen:** Vorab muss genau geklärt werden, wie viel Zeit zur Verfügung steht, wie viele Fachkräfte eingesetzt werden und wie viele Accounts realistisch bedient werden können, ohne die Qualität zu gefährden.
* **Vermeidung von Überlastung:** Ein extrem hohes Nachrichtenaufkommen von Einzelpersonen („Vielschreiber\*innen“) kann Kapazitäten massiv binden und erfordert eine klare Strukturierung der Pensen.

### 4. Multiprofessionelle Teams statt Einzelkämpfer

* **Fachliche Redundanz:** Es wird empfohlen, in Teams statt als „Einzelkämpfer\*innen“ zu arbeiten. Dies sichert die gegenseitige Unterstützung bei belastenden Inhalten und stellt die Erreichbarkeit sicher.
* **Expertisen-Mix:** Die Pensen sollten auf verschiedene Fachrichtungen (Sozialpädagogik, Medienpädagogik, IT/Design, Recht) verteilt werden, um die hohe inhaltliche Komplexität (z. B. juristische Prüfung von Antworten) bewältigen zu können.

### 5. Ressourcen für begleitende Aufgaben

* **Psychohygiene und Qualitätssicherung:** In die Pensen müssen feste Zeiten für Supervision, Intervision und kollegiale Fallberatung eingerechnet werden, da die Konfrontation mit Hassrede und Krisen eine hohe psychische Belastung darstellt.
* **Fortlaufende Qualifizierung:** Da sich Plattformen und Trends rasant ändern, müssen Zeitressourcen für ständige Weiterbildung und das Testen neuer technischer Möglichkeiten eingeplant werden.

**Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Digital Streetwork oft zeit- und kostenintensiver als klassische analoge Arbeit eingeschätzt wird, da sie technische Infrastruktur, flexible Einsatzzeiten und einen hohen Aufwand für die mediale Aufbereitung erfordert.**

In den Quellen werden keine spezifischen prozentualen Stellenanteile (wie z. B. eine 50- oder 100-Prozent-Stelle) genannt, es werden jedoch **umfassende Anforderungen an den Ressourcen- und Zeitaufwand** beschrieben, die für eine wirkungsvolle Umsetzung notwendig sind:

* **Hoher zeitlicher Ressourcenaufwand:** Die Pflege pädagogischer Beziehungen rein über das Netz erfordert im Vergleich zu hybriden Ansätzen **hohe zeitliche Ressourcen**, viel Geduld und Kontinuität. Besonders das tägliche Monitoring der Plattformen sowie die Recherche und Produktion von hochwertigem Content sind äußerst zeitintensiv.
* **Notwendigkeit von Kontinuität und Stabilität:** Erfolgreiche Beziehungsarbeit online benötigt eine **langfristige Einplanung von Ressourcen** sowie die ständige Abrufbarkeit des Angebots. Die Quellen kritisieren, dass viele Projekte durch befristete Projektlogiken eingeschränkt sind, während für nachhaltige Prävention **personelle Stabilität** und eine Überführung in dauerhafte Regelstrukturen notwendig wären.
* **Transdisziplinäre Teamzusammensetzung:** Um die verschiedenen Aufgaben (Beziehungsarbeit, fachspezifische Beratung, Medienproduktion) abzudecken, wird ein **breit aufgestelltes, transdisziplinäres Netzwerk** benötigt. Teams sollten Fachkräfte aus der Sozialarbeit, Psychologie, Islamwissenschaft und Medienproduktion vereinen, um den komplexen Anforderungen gerecht zu werden.
* **Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen für Reichweite:** Für eine effektive und großflächige Bewerbung der Angebote sowie für die stetige Erweiterung von Mappings in einem dynamischen digitalen Feld bedarf es der **Bereitstellung weiterer Ressourcen**. Begrenzte Ressourcen zwingen Fachkräfte oft dazu, sich auf sehr spezifische Themenschwerpunkte zu beschränken.
* **Strukturelle Absicherung der Fachkräfte:** Wirkungsvolle Digital Streetwork erfordert institutionelle Rahmenbedingungen, die Zeit für **Supervision, Schulung und Psychohygiene** sichern. Um eine Entgrenzung der Arbeit zu vermeiden, müssen trotz der suggerierten permanenten Verfügbarkeit des Internets **klare Arbeitszeiten und Terminslots** kommuniziert und eingehalten werden.
* **Agilität statt starrer Planung:** Da sich Trends im Netz schnell ändern, sind starre Kampagnenpläne wenig zielführend; es braucht stattdessen **maximale Flexibilität und agiles Agieren**, was entsprechende zeitliche Freiräume im Arbeitsalltag voraussetzt.

Zusammenfassend betonen die Quellen, dass Digital Streetwork nur dann wirkungsvoll ist, wenn sie mit **ausreichend Personalressourcen** ausgestattet ist, die eine **langfristige Beziehungsarbeit** und eine professionelle **Content-Produktion** ermöglichen.

**Eine einzelne Teilzeit- oder Vollzeitstelle reicht für wirkungsvolle Digital Streetwork nicht aus.** Entscheidend sind sowohl die Zahl der Personen als auch der Gesamtstellenumfang.

* **Fachliches Minimum:** mindestens **zwei qualifizierte Fachkräfte pro Fachstelle**. Die BJR-Qualitätsstandards fordern zwei Personen, legen aber keinen verbindlichen VZÄ-Umfang fest.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]
* **Empfohlene Grundausstattung:** **2,0 bis 2,5 VZÄ** für eine eigenständige Fachstelle. 2,0 VZÄ sind ein knappes operatives Minimum; 2,5 VZÄ ermöglichen Vertretung, Krisenbearbeitung, flexible Arbeitszeiten und kontinuierliche Beziehungsarbeit. Die allgemeinen Fachstandards für Streetwork und Mobile Jugendarbeit empfehlen mindestens **2,5 VZÄ**.[[bag-streetwork](https://bag-streetwork.de/wp-content/uploads/2023/08/Fachstandards_BAG_2018.pdf)]
* **Bei breitem Auftrag:** **3,0 bis 4,0 VZÄ**, wenn mehrere Plattformen und Zielgruppen, Abend- oder Wochenendzeiten, intensive Contentproduktion oder viele Beratungsverläufe abgedeckt werden sollen.
* **Leitung und Administration:** Fachaufsicht, Koordination und allgemeine Verwaltung sollten zusätzliche Stellenanteile erhalten und nicht vollständig aus den operativen Pensen finanziert werden.

#### Für die operative Arbeitszeit empfiehlt der BJR folgende Aufteilung:

| **Arbeitsbereich** | **Anteil** |
| --- | --- |
| Kontakt-, Beratungs- und Beziehungsarbeit | 60 % |
| Netzwerkarbeit | 15 % |
| Öffentlichkeitsarbeit und Content | 15 % |
| Dokumentation, Fortbildung, Supervision und Selbstverwaltung | 10 % |

Diese Aufteilung darf nicht mit der gesamten Personalbemessung verwechselt werden: Fachaufsicht, Personalverwaltung und gegebenenfalls wissenschaftliche Begleitung kommen hinzu.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

Formulierbare Handlungsempfehlung: „Für eine eigenständige Digital-Streetwork-Fachstelle sollten mindestens zwei Fachkräfte mit zusammen 2,0 VZÄ, regelhaft jedoch 2,5 VZÄ vorgesehen werden. Bei plattformübergreifender, themenoffener oder zeitlich erweiterter Arbeit ist eine Ausstattung von mindestens 3,0 VZÄ erforderlich. Leitungs-, Fachaufsichts- und Verwaltungsanteile sind zusätzlich einzuplanen.“

## Wie stellt man fortlaufende Finanzierung sicher?

**Um eine fortlaufende Finanzierung für Digital-Streetwork-Projekte sicherzustellen, ist es laut den Quellen entscheidend, von zeitlich befristeten Modellprojekten zu einer nachhaltigen Absicherung überzugehen.** Eine zentrale Strategie besteht darin, das Arbeitsfeld konzeptionell und finanziell fest in die bestehenden **Regelstrukturen** der Kinder- und Jugendhilfe oder des jeweiligen Fachbereichs (z. B. Suchtprävention) zu integrieren. Hierbei muss Digital Streetwork als **gleichwertiger Teil der sozialen Infrastruktur** anerkannt werden, was eine dauerhafte Finanzierung jenseits von Projektlaufzeiten ermöglicht.

Die Quellen benennen zudem folgende notwendige Schritte zur Sicherung stabiler Ressourcen:

* **Institutionelle Verankerung:** Projekte benötigen eine starke organisatorische Einbettung in anerkannte Trägerstrukturen, um langfristig wirksam bleiben zu können.
* **Schaffung fester Stellen:** Für eine wirksame Arbeit im Netz sind dauerhafte Personalstellen und gesicherte finanzielle Mittel erforderlich, statt die Aufgaben lediglich zusätzlich zum analogen Alltagsgeschäft zu betreiben.
* **Überwindung der Projektlogik:** Es wird kritisiert, dass befristete Förderungen die Kontinuität der Beziehungsarbeit und die Professionalisierung gefährden; daher wird eine stärkere institutionelle Förderung gefordert.
* **Fachpolitische Anerkennung:** Der Bedarf an einer langfristigen Finanzierung als Regelangebot muss gegenüber Geldgebern und Politik verdeutlicht werden, um den pädagogischen Beitrag als gesellschaftliche Notwendigkeit zu verankern.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine verlässliche Finanzierung laut den vorliegenden Dokumenten primär durch die **Verstetigung und Überführung in Regeldienste** der Sozialen Arbeit erreicht würde.

**Basierend auf den Quellen lässt sich die Sicherstellung einer fortlaufenden Finanzierung für Digital Streetwork durch folgende zentrale Strategien beschreiben:**

* **Überführung in die Regelstruktur:** Eine der wichtigsten Forderungen ist die Herauslösung der Digital Streetwork aus ihrem bisherigen Status als zeitlich befristete Modell- oder Pilotprojekte. Sie muss als **fester Bestandteil in die Regelstrukturen sozialer Dienste** (wie Schule, Erwachsenenbildung oder Jugendsozialarbeit) integriert werden, um eine dauerhafte Finanzierung zu gewährleisten.
* **Institutionelle und konzeptionelle Verankerung:** Träger müssen digitale Angebote fest in ihren eigenen **Konzepten und Organisationsstrukturen** verankern. Dies ist notwendig, um die Arbeit langfristig stabil zu finanzieren und organisatorisch abzusichern.
* **Abkehr von befristeter Projektlogik:** Die Quellen kritisieren die aktuelle Praxis, Projekte häufig nur projektförmig und befristet zu finanzieren, da dies der für die Soziale Arbeit notwendigen **Beziehungskontinuität** widerspricht. Gefordert werden institutionelle Rahmenbedingungen, die personelle Stabilität und eine **professionelle Entfristung** der Stellen ermöglichen.
* **Ressourcenausstattung und Infrastruktur:** Eine wirksame Weiterentwicklung erfordert die Bereitstellung weiterer Ressourcen, um Angebote effektiver bewerben zu können und eine technische Infrastruktur zu unterhalten, die Datenschutz und Anonymität dauerhaft garantiert.
* **Beteiligung externer Akteure:** In spezifischen Bereichen, wie etwa virtuellen Spielwelten, wird eine **aktivere Beteiligung der Wirtschaft** (z. B. der Videospielwirtschaft) an der überregionalen Projektsteuerung und Ressourcenausstattung angeregt.
* **Einbindung in Netzwerke:** Die Einbindung in bestehende Fördernetzwerke, wie beispielsweise das **ESF Plus-Programm**, kann als Grundlage für eine strukturierte Finanzierung dienen, wobei hier der Fokus auch auf Wissenstransfer und Schulungen für andere Projekte liegen sollte.

Zusammenfassend ist die **Institutionalisierung** als fester Bestandteil der Jugendhilfe der entscheidende Weg, um von einer prekären Projektförderung zu einer gesicherten, dauerhaften Finanzierung zu gelangen.

### Fortlaufende Finanzierung von Digital Streetwork

Eine dauerhafte Finanzierung lässt sich nicht vollständig garantieren. Sie wird aber wesentlich stabiler, wenn Digital Streetwork von einem zeitlich begrenzten Innovationsprojekt zu einem **regelhaften Bestandteil der Jugendhilfeplanung** wird.

### Vom Projekt zur Regelstruktur

Der wichtigste Schritt ist die Aufnahme in die kommunale, bezirkliche oder landesweite Jugendhilfeplanung. Diese muss bestehende Angebote, mittelfristige Bedarfe und die zur Bedarfsdeckung notwendigen Vorhaben erfassen.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__80.html)]

Dafür sollte Digital Streetwork nicht als „Social-Media-Projekt“, sondern als dauerhaft notwendiger Zugang zu Jugendarbeit beziehungsweise Jugendsozialarbeit beschrieben werden:

* Welche Zielgruppen werden durch bestehende Angebote nicht erreicht?
* Welche sozialpädagogischen Bedarfe werden online sichtbar?
* Welche Versorgungslücke schließt Digital Streetwork?
* Wie ergänzt es bestehende Beratungs- und Streetworkangebote?
* Welche Folgen hätte eine Beendigung für gewachsene Beziehungen und Communitys?

### Geeignete Finanzierungsstruktur

#### Ein stabiles Modell besteht aus mehreren Ebenen:

##### Regelfinanzierung

Der größte Teil sollte aus einer mehrjährigen institutionellen oder kommunalen Förderung stammen, beispielsweise durch Jugendamt, Bezirk, Land oder einen öffentlichen Jugendhilfeträger.

Für freie Träger ist § 74 SGB VIII zentral. Eine auf Dauer angelegte Förderung setzt in der Regel die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII voraus; über Art und Höhe entscheidet der öffentliche Träger im Rahmen seiner Haushaltsmittel.[[gesetze-im-internet](https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__74.html)]

##### Ergänzende Entwicklungsfinanzierung

Zeitlich begrenzte Programme eignen sich für:

* Erprobung neuer Plattformen
* technische Entwicklung
* KI- oder Übersetzungsprojekte
* wissenschaftliche Evaluation
* Beteiligungsformate mit Jugendlichen
* Qualifizierung und Wissenstransfer

Solche Mittel sollten Innovationen finanzieren, nicht dauerhaft notwendige Fachkraftstellen.

##### Eigen- und Drittmittel

Stiftungen, Spenden oder Eigenmittel können kleinere Lücken, besondere Formate oder eine Reserve finanzieren. Sie sollten jedoch nicht die Grundversorgung tragen.

Als internes Planungsmodell kann gelten:

* 70 bis 80 Prozent verlässliche Grundfinanzierung
* 10 bis 20 Prozent Entwicklungs- und Projektmittel
* 5 bis 10 Prozent Eigenmittel beziehungsweise Reserve

##### Vollkosten kalkulieren

Ein Antrag sollte nicht nur operative Fachkraftstellen enthalten, sondern die tatsächlichen Vollkosten:

* mindestens zwei Fachkräfte beziehungsweise 2,0 bis 2,5 VZÄ
* Fach- und Dienstaufsicht
* Verwaltung und Abrechnung
* Supervision und Fortbildung
* Vertretung bei Urlaub und Krankheit
* Hardware, Software und Geräteersatz
* IT-Sicherheit und Datenschutzberatung
* Contentproduktion
* Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit
* Evaluation und Wirkungsmessung
* Tarifsteigerungen und Inflation
* Rücklagen für technische Veränderungen

Mehrjährige Vereinbarungen sollten eine automatische Anpassung an Tarifsteigerungen und Sachkosten vorsehen. Andernfalls sinkt die reale Leistungskapazität trotz formal gleichbleibender Förderung.

##### Überzeugender Finanzierungsantrag

Geldgebende benötigen ein übersichtliches Paket:

1. **Bedarf:** Welche nachgewiesene Versorgungslücke besteht?
2. **Zielgruppe:** Wer wird erreicht und wer bislang nicht?
3. **Leistung:** Welche Kontakt-, Beratungs-, Vernetzungs- und Contentarbeit wird angeboten?
4. **Wirkung:** Welche Veränderungen sind realistisch messbar?
5. **Qualität:** Welche Standards, Schutzkonzepte und Qualifikationen gelten?
6. **Ressourcen:** Warum sind die beantragten Stellen und Sachmittel erforderlich?
7. **Nachhaltigkeit:** Wie wird das Angebot in bestehende Strukturen integriert?
8. **Szenarien:** Welche Leistung ist mit Mindest-, Regel- und Ausbaufinanzierung möglich?

Die wissenschaftliche Begleitung des bayerischen Modellprojekts empfiehlt eine nachhaltige Etablierung einschließlich der aufgebauten Vernetzungs- und Unterstützungsstrukturen ([Jugendhilfeportal](https://jugendhilfeportal.de/artikel/evaluationsbericht-digital-streetwork)).

##### Finanzierung frühzeitig bearbeiten

* Die Anschlussfinanzierung sollte spätestens **18 Monate vor Förderende** beginnen:
* Ergebnisse und Bedarfe fortlaufend dokumentieren
* Fachgespräche mit Jugendamt und Verwaltung führen
* Aufnahme in Jugendhilfeplanung und Haushaltsentwurf vorbereiten
* Jugendhilfeausschuss und politische Entscheidungsträger:innen informieren
* Jugendliche und Kooperationspartner:innen beteiligen
* zwölf Monate vor Förderende konkrete Anträge einreichen
* eine Überbrückungsfinanzierung vorbereiten

Besonders hilfreich ist ein Förderbeirat mit Jugendamt, Träger, Wissenschaft, Datenschutz, Netzwerkpartner:innen und jungen Menschen. Dadurch wird die Finanzierung nicht erst am Projektende zum Thema.

**Zentral ist:** Dauerhafte Finanzierung entsteht weniger durch immer neue Förderanträge als durch die fachpolitische Anerkennung, dass Digital Streetwork zur notwendigen sozialen Infrastruktur gehört. Projekte können den Ansatz entwickeln; die Kernleistung muss anschließend in Regelhaushalte überführt werden.

**… uns heute besonders häufig von Berufsanfänger\*innen oder Interessierten gestellt werden**

## Was ist Digital Streetwork genau?

**Digital Streetwork** (oft auch als Online-Streetwork oder virtuell-aufsuchende Arbeit bezeichnet) ist die **systematische Übertragung und methodische Weiterentwicklung des klassischen, aufsuchenden Streetwork-Ansatzes in den digitalen Raum**.

Hier sind die zentralen Merkmale, die Digital Streetwork genau definieren:

### 1. Kernkonzept: Die „Geh-Struktur“ im Netz

Digital Streetwork markiert den Wechsel von einer statischen „Komm-Struktur“ (Warten auf Klient\*innen in Einrichtungen) hin zu einer proaktiven **„Geh-Struktur“**. Fachkräfte suchen junge Menschen und andere Zielgruppen dort auf, wo sie sich in ihrem Alltag tatsächlich aufhalten: in **sozialen Netzwerken, Gaming-Plattformen, Foren und Messenger-Diensten**. Der digitale Raum wird dabei als **reale und bedeutsame Lebenswelt** sowie als ein mit physischen Räumen verwobener Sozialraum anerkannt.

### 2. Methodisches Vorgehen

Der Kern der Arbeit besteht aus professioneller **Kontakt-, Beratungs- und Beziehungsarbeit**, die ausschließlich oder schwerpunktmäßig online stattfindet. Dabei werden zwei Hauptmethoden unterschieden:

* **Content-based (Inhaltsbasiert):** Erstellung eigener Medieninhalte (Videos, Infografiken, Memes), um als „digitale Visitenkarte“ Sichtbarkeit zu erzeugen und zur Kontaktaufnahme zu motivieren.
* **Non-content-based (Interaktionsbasiert):** Aktive Beteiligung an öffentlichen Debatten (z. B. in Kommentarspalten), proaktive Ansprache bei sichtbarem Bedarf und Moderation in Online-Communities.

### 3. Fachliche Standards und Prinzipien

Obwohl die Arbeit online stattfindet, basiert sie auf den etablierten fachlichen Standards der Mobilen Jugendarbeit und Sozialen Arbeit:

* **Niedrigschwelligkeit:** Hürdenfreier Zugang direkt in den gewohnten Apps der Zielgruppe.
* **Freiwilligkeit:** Die Nutzer\*innen entscheiden selbst über die Intensität und Dauer des Kontakts.
* **Transparenz:** Fachkräfte arbeiten mit **offenen, verifizierten Dienstprofilen** und legen ihre professionelle Rolle sowie ihren Auftrag offen (keine verdeckte Arbeit oder Überwachung).
* **Akzeptierende Haltung:** Eine wertschätzende Begegnung auf Augenhöhe, die an den Ressourcen der Adressat\*innen ansetzt.
* **Datenschutz:** Aktive Aufklärung über Datenrisiken auf kommerziellen Plattformen und Einhaltung der DSGVO-Vorgaben.

### 4. Funktion als Brücke und Wegweiser

Digital Streetwork versteht sich meist als **Ergänzung**, nicht als Ersatz für analoge Angebote. Eine zentrale Aufgabe ist die **Lotsen- oder Verweisfunktion**: Fachkräfte fungieren als Brücke zwischen den oft informellen digitalen Kommunikationsräumen und dem formellen, lokalen Hilfesystem vor Ort.

### 5. Fachliche Einordnung

Rechtlich ist das Arbeitsfeld in Deutschland primär im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (**SGB VIII**, insbesondere §§ 11 und 13) verortet. Es wird als zivilgesellschaftliche, pädagogische Intervention begriffen, die sich klar von sicherheitsbehördlichen, polizeilichen oder rein repressiven Ansätzen abgrenzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Digital Streetwork ist **aufsuchende soziale Arbeit unter den Bedingungen der Digitalität**, die durch Beziehungsarbeit in anonymen oder teilöffentlichen Online-Räumen Unterstützung, Orientierung und Krisenhilfe bietet.

Basierend auf den vorliegenden Quellen lässt sich Digital Streetwork (auch **Online-Streetwork**, **Social Media Streetwork** oder **eYouth-Work** genannt) als eine pädagogische Disziplin und Methode der Sozialen Arbeit definieren, die den **Transfer der Prinzipien der aufsuchenden Sozialarbeit (Streetwork) in die digitalen Lebenswelten** junger Menschen vollzieht.

Hier sind die zentralen Merkmale von Digital Streetwork im Detail:

### 1. Grundverständnis und Verortung

* **Der digitale Raum als Sozialraum:** Digital Streetwork begreift das Internet, soziale Netzwerke, Gaming-Plattformen und Foren als **reale Sozialräume** und informelle Lernorte, die pädagogisch gestaltet und begleitet werden müssen.
* **Brückenfunktion:** Sie fungiert als **Brücke** zwischen den digitalen Lebenswelten der Zielgruppen und dem **analogen Hilfesystem** vor Ort.
* **Rechtlicher Rahmen:** Professionelle Digital Streetwork ist in die Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe nach dem **SGB VIII** (insbesondere §§ 11, 12 und 13) eingegliedert.

### 2. Zentrale Arbeitsprinzipien

Die Arbeit orientiert sich an den fachlichen Standards der analogen Streetwork:

* **Niedrigschwelligkeit:** Barrierefreie Zugänge direkt dort, wo die Jugendlichen kommunizieren, um Hemmschwellen zu senken.
* **Freiwilligkeit und Augenhöhe:** Die Teilnahme erfolgt ohne Zwang; Nutzer\*innen behalten die Kontrolle über Dauer und Intensität des Kontakts.
* **Anonymität und Vertraulichkeit:** Die Möglichkeit zum anonymen Erstkontakt ist essenziell für die Öffnung bei schambesetzten Themen.
* **Transparenz:** Fachkräfte agieren nicht verdeckt, sondern nutzen erkennbare **sozialarbeiterische Dienstprofile**, um ihre Rolle und Absichten offenzulegen.

### 3. Methodik und Vorgehensweise

Die Quellen unterscheiden verschiedene methodische Ansätze:

* **Aufsuchende Strategien:** Man unterscheidet zwischen **proaktiver/offensiver Ansprache** (aktives Zugehen auf Nutzer\*innen) und **reaktiver/defensiver Präsenz** (seismografisches Monitoring und Bereitstellen von Inhalten, um angesprochen zu werden).
* **Content-based vs. Non-content-based:**
  + **Content-basiert:** Ansprache durch pädagogisch konzipierte Medieninhalte wie Videos, Memes oder Infografiken („digitale Flyer“).
  + **Nicht-content-basiert:** Direkte Interaktion in Kommentarspalten, Gruppenchats oder Foren.
* **Vom Öffentlichen zum Privaten:** Während der Erstkontakt oft in öffentlichen Räumen stattfindet, wird für vertrauliche Beratung konsequent in den **geschützten privaten Chat (One-to-One)** gewechselt.

### 4. Zielgruppen und Anwendungsfelder

Digital Streetwork erreicht insbesondere **„hard-to-reach“-Klient\*innen**, die von analogen Angeboten kaum noch erreicht werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte umfassen:

* **Prävention von Extremismus und Radikalisierung** (rechtsextrem oder jihadistisch).
* **Beratung bei Sucht und Substanzkonsum** (z. B. Safer Use).
* **Intervention bei Cybermobbing und digitaler Gewalt**.
* **Unterstützung marginalisierter Gruppen** (z. B. wohnungslose Menschen, Neuzugewanderte oder Sexarbeiter\*innen).

Zusammenfassend ist Digital Streetwork eine **beziehungsorientierte Kontakt- und Beratungsarbeit**, die digitale Räume als vollwertige pädagogische Handlungsfelder nutzt, um Jugendliche in ihrer Identitätsentwicklung zu begleiten und vor Risiken zu schützen.

### Was ist Digital Streetwork?

Digital Streetwork ist **professionelle, aufsuchende Soziale Arbeit in digitalen Lebenswelten**. Sozialpädagogische Fachkräfte sind dort präsent, wo sich Menschen online bewegen, etwa auf Instagram, TikTok, Discord, Reddit, Twitch, in Foren oder Games.

#### Kennzeichnend sind:

* aktive, aber zurückhaltende Kontaktangebote
* freiwillige, vertrauliche und möglichst anonyme Beratung
* längerfristige digitale Beziehungsarbeit
* Information und niedrigschwellige Unterstützung
* Begleitung in Krisensituationen
* Vermittlung zu spezialisierten Online- oder Offlinehilfen
* Community-, Netzwerk- und Contentarbeit
* fachliche Reflexion von Plattformlogiken, Datenschutz und digitaler Gewalt

Digital Streetwork unterscheidet sich von gewöhnlicher Onlineberatung dadurch, dass Fachkräfte nicht nur auf Anfragen warten, sondern Zielgruppen in ihren digitalen Sozialräumen aufsuchen. Die adressierten Personen entscheiden jedoch selbst, ob sie das Kontaktangebot annehmen und wie lange der Kontakt besteht ([JFF](https://www.jff.de/schwerpunkte/gesellschaftliche-teilhabe-demokratie/details/digital-streetwork)).

#### Kurzdefinition: „Digital Streetwork überträgt die fachlichen Prinzipien aufsuchender Sozialer Arbeit auf digitale und hybride Lebenswelten. Sie verbindet niedrigschwellige Kontaktaufnahme, Beratung, Beziehungsarbeit und Vermittlung unter den besonderen Bedingungen digitaler Plattformen.“

## Wie geht man bei der aufsuchenden Arbeit eigentlich genau vor?

**Das methodische Vorgehen bei der aufsuchenden Arbeit im digitalen Raum folgt einer systematischen Struktur, die von der Analyse über die Präsenz bis hin zur individuellen pädagogischen Intervention reicht.** Basierend auf den Quellen lässt sich der Prozess in folgende Schritte unterteilen:

### 1. Sozialraumanalyse und Monitoring

Bevor der Kontakt aufgenommen wird, erfolgt eine gründliche Vorbereitung:

* **Adressat\*innen-Internetnutzungs-Analyse:** Fachkräfte untersuchen systematisch, auf welchen Plattformen (z. B. TikTok, Discord, Jodel, Reddit) sich die spezifische Zielgruppe aufhält und welche Kommunikationscodes dort gelten.
* **Pädagogisches Monitoring/Screening:** Fachkräfte beobachten kontinuierlich relevante Gruppen, Foren oder Kommentarspalten. Dabei wird gezielt nach Schlagworten oder indirekten Hinweisen auf Problemlagen gesucht (Screening), wie etwa Formulierungen, die auf verdeckte Wohnungslosigkeit hindeuten („bin bei Bekannten untergekommen“).

### 2. Herstellung einer professionellen Präsenz

Die Fachkräfte etablieren sich als vertrauenswürdige Akteure:

* **Transparente Profilgestaltung:** Es werden offene Dienstprofile mit Klarnamen, Foto und Trägerbezug genutzt. Anonymität aufseiten der Fachkraft wird abgelehnt, um Seriosität zu gewährleisten.
* **Einnehmen des „Gast-Status“:** Fachkräfte agieren als „professionelle Gäste“, welche die Regeln (Netiquetten) des jeweiligen digitalen Raums respektieren und sich nicht aufdrängen.
* **Digitale Visitenkarte:** Eigene Inhalte (Videos, Infografiken, Memes) dienen als „digitale Visitenkarte“, um Nahbarkeit zu vermitteln und Professionalität zu signalisieren.

### 3. Strategien der Kontaktanbahnung

In den Quellen werden verschiedene Modi des Aufsuchens unterschieden:

* **Proaktive/Offensive Ansprache (Geh-Struktur):** Fachkräfte schreiben Nutzer\*innen bei sichtbarem Bedarf in öffentlichen Kommentarspalten oder (in begründeten Einzelfällen) via Privatnachricht direkt an.
* **Reaktive/Defensive Ansprache (Komm-Struktur):** Durch regelmäßige Bereitstellung attraktiver Inhalte warten Fachkräfte darauf, dass Jugendliche von sich aus Kontakt aufnehmen (Inbound-Prinzip). Dies betont die Freiwilligkeit.
* **Vermittelte Ansprache:** Der Kontakt entsteht über „Gatekeeper“ wie Administrator*innen, Moderator*innen oder Peers, die auf das Hilfsangebot verweisen oder Fachkräfte in Diskussionen markieren.

### 4. Interaktionsverlauf: Von „One-to-Many“ zu „One-to-One“

Der Beratungsprozess folgt meist einer trichterförmigen Logik:

* **Öffentlicher Einstieg:** Der Kontakt beginnt oft in öffentlichen Räumen (Kommentarbereiche, Chats von Livestreams). Hier werden erste Impulse, Faktenchecks oder Orientierungshilfen gegeben, was auch die „stillen Mitleser\*innen“ (Lurker) erreicht.
* **Überführung in den privaten Raum:** Sobald vertiefter Beratungsbedarf oder sensible Themen erkennbar werden, wird das Gespräch in geschützte Kanäle (Direktnachrichten, Messenger) verlagert. Zu Beginn wird hierbei standardmäßig über Datenschutz und die professionelle Rolle aufgeklärt.

### 5. Methodische Interventionen

Während des Kontakts werden spezifische pädagogische Methoden angewandt:

* **Dialogische Reflexionsförderung:** Statt Belehrung werden systemische, offene Fragen genutzt, um kognitive Dissonanzen zu erzeugen und Denkprozesse anzustoßen.
* **Counter Speech und Alternative Narrative:** Bei Hassrede oder extremistischen Inhalten werden demokratische Gegenentwürfe und sachliche Informationen eingebracht.
* **Lotsenfunktion (Verweisberatung):** Ein zentrales Ziel ist es, digitale Erstkontakte als Brücke zu nutzen und Ratsuchende gezielt an das lokale, analoge Hilfesystem vor Ort zu vermitteln.
* **Kickertisch-Effekt:** In Gaming-Umgebungen dient das gemeinsame Spiel als Türöffner, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.

**Das genaue Vorgehen bei der aufsuchenden Arbeit im digitalen Raum (Digital Streetwork) lässt sich basierend auf den Quellen in mehrere aufeinanderfolgende Phasen unterteilen:**

### 1. Sozialraumanalyse und Monitoring

Bevor ein Kontakt stattfindet, müssen Fachkräfte die digitalen Lebenswelten erschließen:

* **Tägliches Monitoring:** Die Fachkräfte beobachten Social-Media-Räume (z. B. Instagram, TikTok), Foren (z. B. Reddit) oder Gaming-Plattformen (z. B. Discord, Steam), um relevante Themen, Fragen und Bedarfe der Zielgruppe zu identifizieren.
* **Kriteriengeleitete Fallauswahl:** Die Auswahl der Einsatzorte und Fälle erfolgt nach Kriterien wie Aktualität, Fachexpertise oder dem Erkennen spezifischer Codes (z. B. extremistische Symbole oder Verschwörungserzählungen).
* **Szenekenntnis:** Ein „seismografisches Aufsuchen“ erfordert tiefes Wissen über die netzspezifische Syntax, Symbolik und die Logik der jeweiligen Communities.

### 2. Professionelle Präsenz und Profilgestaltung

Ein entscheidender Schritt ist die Etablierung einer vertrauenswürdigen digitalen Anlaufstelle:

* **Transparente Dienstprofile:** Fachkräfte nutzen erkennbare **sozialarbeiterische Profile** (statt privater Accounts), die Informationen über den Auftrag, die Erreichbarkeit und die institutionelle Anbindung bieten.
* **Abgrenzung:** Es wird eine strikte Grenze zwischen **persönlichen Details** (zur Vertrauensbildung) und **privaten Informationen** (zum Selbstschutz) gewahrt.
* **Authentizität:** Fachkräfte benötigen eine hohe „Street Credibility“, da Jugendliche fachliche Inkompetenz oder unauthentisches Verhalten sofort entlarven.

### 3. Strategien der Kontaktanbahnung

Die Quellen unterscheiden verschiedene Wege, um mit der Zielgruppe in Kontakt zu treten:

* **Offensive (proaktive) Ansprache:** Fachkräfte gehen aktiv auf Nutzer\*innen zu, wenn sie in Chats, Foren oder Kommentarspalten konkrete Anliegen, Hilfebedarfe oder diskriminierende Äußerungen wahrnehmen.
* **Defensive (reaktive) Ansprache:** Durch das Platzieren von zielgruppenrelevantem Content (Videos, Memes als „digitale Flyer“) werden Jugendliche zur selbstständigen Kontaktaufnahme motiviert.
* **Indirekte Ansprache:** Die Kontaktaufnahme erfolgt über Multiplikator*innen, Administrator*innen oder durch Empfehlungen innerhalb der Peer-Group.

### 4. Methodische Gesprächsführung und Intervention

Im direkten Austausch kommen spezifische pädagogische Techniken zum Einsatz:

* **Vom Öffentlichen zum Privaten:** Während der Erstkontakt oft in öffentlichen Räumen (z. B. Kommentarbereichen) stattfindet, wird für die vertiefende Beratung konsequent in den **geschützten privaten Chat (One-to-One)** gewechselt.
* **Stufenmodell:** Zuerst wird ein Zugang gesucht (sich vorstellen), dann folgt die inhaltliche Konfrontation oder Beratung.
* **Gesprächstechniken:** Genutzt werden Methoden wie das **Motivational Interviewing (MI)** zur Förderung der Veränderungsmotivation, Counter Speech (Gegenrede) gegen Hassrede sowie narrative Biografiearbeit.
* **Haltung:** Die Kommunikation ist geprägt von Empathie, Wertschätzung, Parteilichkeit und der Validierung von Diskriminierungserfahrungen.

### 5. Brückenfunktion und Sicherheit

* **Verweisberatung:** Ein wesentliches Ziel ist die gezielte Weitervermittlung an spezialisierte analoge Fachstellen vor Ort (z. B. Suchthilfe, Rechtsberatung).
* **Tandem-Prinzip:** Um fachliche Qualität und Sicherheit zu gewährleisten, agieren Fachkräfte oft zu zweit im selben digitalen Raum.

### Aufsuchende Digital Streetwork in der Praxis

Aufsuchende Arbeit bedeutet nicht, wahllos Personen anzuschreiben. Fachkräfte bewegen sich transparent in digitalen Communitys, erkennen öffentlich geäußerte Anliegen und machen ein freiwilliges Unterstützungsangebot.

#### Drei Zugangswege

* **Reaktiv:** Jugendliche reagieren auf Content, einen Stream oder das Profil und schreiben die Fachkraft an.
* **Direkt:** Die Fachkraft reagiert auf einen öffentlichen Beitrag, in dem ein Unterstützungsbedarf erkennbar wird.
* **Vermittelt:** Moderator:innen, andere Nutzer:innen oder Fachstellen verweisen auf Digital Streetwork.

Diese Zugangsformen wurden auch in der wissenschaftlichen Begleitung von Digital Streetwork identifiziert ([JFF](https://www.jff.de/fileadmin/user_upload/jff/projekte/DSW/jff_muenchen_2023_veroeffentlichung_digital_streetwork_bericht_wiss_Beg.pdf)).

### Konkreter Arbeitsablauf

#### Digitalen Sozialraum auswählen

* Zielgruppe und Plattform bestimmen
* Communityregeln und Kommunikationskultur kennenlernen
* relevante Gruppen, Hashtags, Foren oder Server identifizieren
* Datenschutz- und Sicherheitsrisiken prüfen
* mit Administrator:innen Kontakt aufnehmen, wenn dies sinnvoll ist

#### Professionell sichtbar sein

Das Profil sollte Träger, berufliche Rolle, Zielgruppe, Erreichbarkeit und Kontaktmöglichkeiten zeigen. Es muss erkennbar sein, dass eine sozialpädagogische Fachkraft und kein privates Communitymitglied kommuniziert.

#### Beobachten und teilnehmen

Die Fachkraft liest öffentliche Beiträge, beteiligt sich an Diskussionen, beantwortet allgemeine Fragen und erstellt hilfreichen Content. Dabei erfolgt keine verdeckte Überwachung oder Erstellung persönlicher Profile.

#### Unterstützungsbedarf erkennen

Ein Kontaktangebot kann angezeigt sein, wenn jemand beispielsweise schreibt:

* „Ich weiß nicht mehr weiter.“
* „Ich habe Angst, nach Hause zu gehen.“
* „Ich werde ständig bedroht.“
* „Ich brauche Hilfe, weiß aber nicht wohin.“
* „Ich will nicht mehr leben.“

Ein einzelner Beitrag genügt nicht für eine Diagnose. Kontext, Dringlichkeit und mögliche Risiken werden vorsichtig eingeschätzt.

#### Kontaktangebot formulieren

Im Regelfall sollte zunächst öffentlich und zurückhaltend reagiert werden:

„Hallo, ich arbeite als Digital Streetworkerin bei [Träger]. Wenn du möchtest, können wir vertraulich darüber sprechen. Du entscheidest selbst, ob du das Angebot nutzen möchtest.“

Direkte Privatnachrichten sollten nur in begründeten Fällen erfolgen. Der BJR-Verhaltenskodex sieht vor, dass grundsätzlich ein freiwilliges Kontaktangebot vorausgeht ([Digital Streetwork Bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2024/12/Verhaltenskodex-DSW-Schutzkonzept_wir.pdf)).

#### Zustimmung abwarten

Reagiert die Person nicht oder lehnt sie ab, wird nicht nachgehakt. Ausnahmen kommen nur bei konkreten Gefährdungslagen im Rahmen des Schutz- und Krisenkonzepts in Betracht.

#### Beratungsauftrag klären

Bei Annahme des Angebots wird geklärt:

* Worum geht es?
* Was wünscht sich die Person?
* Soll zunächst nur zugehört werden?
* Welche Daten möchte sie mitteilen?
* Welcher Kommunikationskanal ist geeignet?
* Besteht eine akute Gefährdung?
* Außerdem werden Schweigepflicht, Datenschutz, Erreichbarkeit und deren Grenzen erläutert.

#### Beraten und begleiten

Die Fachkraft hört zu, stellt offene Fragen, stärkt Ressourcen und entwickelt gemeinsam nächste Schritte. Sie vermeidet Druck, vorschnelle Lösungen und den Eindruck, die Person kontrollieren zu wollen.

#### Weitervermitteln

Wenn spezialisierte Hilfe notwendig ist, erfolgt eine begleitete Vermittlung:

1. passende Fachstelle gemeinsam auswählen
2. Kontaktmöglichkeiten erklären
3. bei Zustimmung die Kontaktaufnahme vorbereiten
4. möglichst prüfen, ob ein Erstkontakt stattgefunden hat
5. auf Wunsch als Vertrauensperson erreichbar bleiben

#### Dokumentieren und reflektieren

Dokumentiert werden nur erforderliche Angaben, möglichst unter einer Fall-ID. Krisen und Gefährdungseinschätzungen werden im Vier-Augen-Prinzip bearbeitet.

**Grundregel:** beobachten, verstehen, transparent anbieten, Zustimmung abwarten, gemeinsam handeln. Aufsuchend bedeutet, den ersten Zugang zu erleichtern, nicht Menschen gegen ihren Willen in Beratung zu ziehen.

## Wie lässt sich Digital Streetwork in die klassische Offene Jugendarbeit integrieren (vor allem, wenn häufig nur ein sehr geringes Pensum für digitale Jugendarbeit insgesamt vorhanden ist bzw. wenn überhaupt Pensum vorhanden ist)?

Basierend auf den Quellen lässt sich die Integration von Digital Streetwork in die klassische Offene Jugendarbeit, insbesondere bei geringen zeitlichen Ressourcen, wie folgt gestalten:

### 1. Konzeptionelle Einbettung als Ergänzung

Digital Streetwork wird in den Quellen nicht als Ersatz, sondern als **notwendige methodische Weiterentwicklung und Ergänzung** der bestehenden Angebotspalette begriffen.

* **Methodenverbund:** Es sollte als fester Bestandteil in das bestehende Handlungskonzept der Einrichtung integriert werden, anstatt als isoliertes Zusatzprojekt zu existieren.
* **Virealer Ansatz:** Da die Lebenswelten von Jugendlichen „vireal“ (online und offline hybrid verwoben) sind, muss die Jugendarbeit diese Grenzen ebenfalls auflösen und in beiden Sphären präsent sein.

### 2. Pragmatische Ansätze bei geringem Pensum

Wenn nur ein geringes Pensum vorhanden ist, empfehlen die Quellen eine **ressourcenschonende und pragmatische Herangehensweise**:

* **„Digitale Visitenkarte“:** Profile in sozialen Netzwerken können als digitale Visitenkarte genutzt werden, um über die Einrichtung zu informieren und die Hemmschwelle für einen analogen Erstkontakt vor Ort zu senken.
* **Hybrides Arbeiten (Gangway-Modell):** Fachkräfte können während ihrer analogen Arbeit (z. B. im Jugendtreff oder auf der Straße) parallel über Dienst-Smartphones in sozialen Netzwerken eingeloggt sein, um für die Zielgruppe erreichbar zu bleiben.
* **Inbound-Prinzip:** Statt zeitaufwendig proaktiv Nutzer\*innen zu suchen, kann durch regelmäßiges Posten von Inhalten eine „Komm-Struktur“ im Netz geschaffen werden, bei der Jugendliche von sich aus Kontakt aufnehmen.
* **Fokus auf Verweisberatung:** Bei geringen Kapazitäten kann sich die Arbeit auf die **Lotsenfunktion** beschränken – also das Aufgreifen von Fragen im Netz und die gezielte Weiterleitung an das lokale analoge Hilfesystem.

### 3. Organisatorische Voraussetzungen

Um die Integration trotz Ressourcenknappheit professionell zu gestalten, sind strukturelle Weichenstellungen notwendig:

* **Social Media Policy:** Träger sollten verbindliche Richtlinien erstellen, um den zeitlichen Rahmen und die professionellen Grenzen (z. B. keine permanente 24/7-Erreichbarkeit) festzulegen.
* **Anerkennung als Arbeitszeit:** Online-Aktivitäten müssen formal als **vollwertige Arbeitszeit** anerkannt und im Berichtswesen berücksichtigt werden, um nicht zusätzlich zum „normalen“ Pensum stattzufinden.
* **Dienstgeräte:** Eine strikte Trennung von Privat- und Berufsleben durch die Bereitstellung von Diensthandys ist zwingend, um die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden bei geringen Pensen zu schützen.

### 4. Risiken bei fehlendem Pensum

Die Quellen warnen davor, Digital Streetwork rein auf individuelles Engagement der Mitarbeitenden zu stützen:

* **Gefahr des Pragmatismus:** Wenn keine institutionellen Konzepte und Pensen vorhanden sind, hängt die digitale Präsenz oft nur von der persönlichen Motivation einzelner Fachkräfte ab, was die Nachhaltigkeit gefährdet.
* **Professionalitätsverlust:** Ohne klare Ressourcenplanung droht eine „De-Professionalisierung“, da fachliche Standards wie Datenschutz und Dokumentation unter Zeitdruck schwer einzuhalten sind.

**Die Integration von Digital Streetwork in die klassische Offene Jugendarbeit (OKJA) wird in den Quellen als notwendige Weiterentwicklung beschrieben, um der „Vollzeitdigitalisierung“ jugendlicher Lebenswelten gerecht zu werden.** Auch bei geringen zeitlichen Ressourcen lassen sich folgende Ansätze zur Integration finden:

### 1. Methodische Einbettung statt Zusatzprojekt

* **Teil der Regelstruktur:** Digital Streetwork sollte nicht als isoliertes „Zusatzprojekt“ betrachtet werden, sondern als **Methode innerhalb bestehender Strukturen** der Offenen Jugendarbeit oder Mobilen Jugendarbeit. Es wird als notwendige Ergänzung zur analogen Arbeit in einer hybriden Lebenswelt begriffen.
* **Querschnittsmaterie:** Jugendarbeit muss digitale Medien als **Querschnittsaufgabe** begreifen. Das bedeutet, dass digitale Aspekte in die täglichen pädagogischen Abläufe einfließen, statt einen völlig getrennten Arbeitsbereich zu bilden.

### 2. Der „Blended-Streetwork“-Ansatz

* **Verschränkung von Online und Offline:** Ein wirksames Modell ist das **„Blended Streetwork“**, bei dem analoge und digitale Tätigkeiten eng miteinander verschränkt werden.
* **Brückenfunktion:** Die digitale Präsenz dient dabei als **Brücke zum analogen Hilfesystem**. Fachkräfte nutzen digitale Kontakte, um Jugendliche zu bestehenden physischen Angeboten (z. B. dem Jugendzentrum oder Beratungsstellen vor Ort) hinzuführen.

### 3. Umgang mit geringen Personalressourcen (Pensen)

* **Individuelles Engagement als Startpunkt:** In der Praxis hängt die Umsetzung digitaler Angebote derzeit oft noch stark vom persönlichen Engagement und der Einstellung **einzelner Fachkräfte** ab, da institutionelle Standards und Ressourcen häufig fehlen.
* **Nutzung vorhandener Tools:** Anstatt eigene komplexe Plattformen zu bauen, nutzen Fachkräfte die **interaktiven Funktionen bestehender Plattformen** (z. B. Instagram, TikTok, Discord), um dort präsent zu sein, wo die Jugendlichen sich ohnehin aufhalten.
* **Effizienz durch Standardisierung:** Um Zeit zu sparen, können Fachkräfte auf das Speichern und regelmäßige Ergänzen von **„Best Practice-Antworten“** für häufige Anfragen zurückgreifen.

### 4. Konzeptionelle Anforderungen

* **Hybridität verankern:** Konzepte müssen die **Hybridität (Online/Offline)** systematisch verankern, damit digitale Arbeit als gleichwertiger Handlungsraum anerkannt wird.
* **Vom Projektstatus zur Regelfinanzierung:** Es wird gefordert, Digital Streetwork aus prekären, befristeten Projektlogiken herauszulösen und durch eine **feste institutionelle Verankerung** personelle Stabilität zu sichern.
* **Physische Infrastruktur:** Auch für digitale Projekte wird die Notwendigkeit **physischer Räumlichkeiten** für die pädagogische Begleitung und Koordination betont.

Zusammenfassend lässt sich Digital Streetwork auch bei geringem Pensum integrieren, indem man es als **hybride Erweiterung des klassischen Auftrags** versteht, digitale Räume als reale Sozialräume in das bestehende Konzept aufnimmt und die digitale Erreichbarkeit gezielt zur Vermittlung in analoge Angebote nutzt. Dann sollte es aber klar gekennzeichnet sein, dass es kein reines Digital Streetwork Angebot ist, da die Debatte um Begrifflichkeiten, Professionalität, Standards usw. von Digital Streetwork sich sonst weiter verschärfen und verwässern könnte.

### Integration in die Offene Jugendarbeit

Digital Streetwork sollte bei knappen Ressourcen nicht als zusätzliche Parallelaufgabe behandelt werden. Sinnvoller ist ein **hybrides Modell**, in dem digitale Kontaktformen die bestehende Beziehungsarbeit ergänzen und Übergänge zwischen Jugendtreff, Sozialraum und Onlineplattformen ermöglichen.

Digitale Jugendarbeit kann grundsätzlich in jedes Setting der Jugendarbeit integriert werden und sowohl online als auch vor Ort stattfinden ([JFF](https://www.jff.de/veroeffentlichungen/detail/digitale-jugendarbeit-entwickeln-ergebnisse-der-eu-expertengruppe/)). Ein sehr kleines Pensum reicht allerdings nicht für ein vollständiges Digital-Streetwork-Angebot.

#### Ehrliche Abstufung nach Ressourcen

| **Verfügbares Pensum** | **Realistisch leistbar** |
| --- | --- |
| Kein festes Pensum | Keine verlässliche digitale Beratung; allenfalls Informationen und Terminankündigungen |
| 5 bis 10 % | Erreichbarkeit für bereits bekannte Jugendliche, ein Kanal, feste Antwortzeiten |
| 10 bis 20 % | Regelmäßige digitale Präsenz, einfache Inhalte, Kontaktpflege und begrenztes Monitoring |
| 20 bis 40 % | Eingeschränkte aufsuchende Arbeit auf einer Plattform, Beratung, Content und Netzwerkpflege |
| Ab etwa 2,0 VZÄ im Team | Eigenständiges Digital-Streetwork-Angebot mit Vertretung, Vier-Augen-Prinzip und Plattformvielfalt |

Bei geringeren Anteilen sollte das Angebot beispielsweise als „digitale Erweiterung der Offenen Jugendarbeit“ bezeichnet werden, nicht als vollumfängliche Digital-Streetwork-Fachstelle.

#### Minimalmodell bei acht Wochenstunden

Wenn einem Team etwa 0,2 VZÄ zur Verfügung stehen, könnte eine Woche so aussehen:

| **Aufgabe** | **Zeit** |
| --- | --- |
| Zwei feste digitale Präsenzzeiten | 2 Stunden |
| Nachrichten und Kontaktpflege | 1,5 Stunden |
| Einfacher Content oder Jugendbeteiligung | 1 Stunde |
| Plattform- und Trendbeobachtung | 1 Stunde |
| Dokumentation und Teamübergabe | 1 Stunde |
| Netzwerk- und Vermittlungsarbeit | 0,5 Stunden |
| Krisen- und Zeitpuffer | 1 Stunde |

Damit ist eine begrenzte digitale Kontaktarbeit möglich. Mehrere Plattformen, täglicher Content oder intensive aufsuchende Recherche wären nicht realistisch.

### Digitale Arbeit mit dem Jugendtreff verbinden

#### Bestehende Beziehungen erweitern

Jugendliche, die den Treff nutzen, können den digitalen Kanal auch außerhalb der Öffnungszeiten kennen und freiwillig abonnieren. Onlinegespräche können in persönliche Gespräche übergehen und umgekehrt.

#### Jugendliche beteiligen

Jugendliche können Themen vorschlagen, Formate testen oder Inhalte gemeinsam produzieren. Dadurch sinkt der Produktionsaufwand und der Content bleibt näher an der tatsächlichen Lebenswelt.

#### Aktivitäten mehrfach nutzen

Aus ohnehin stattfindenden Angeboten können Inhalte entstehen:

* Kochabend wird zu einer Story
* Gamingangebot wird zum Stream oder Plattformgespräch
* Beratungsthema wird anonymisiert zu einem Informationsbeitrag
* Veranstaltungshinweis wird mit einer Abstimmung verbunden
* Medienprojekt wird von Jugendlichen dokumentiert

#### Eine Plattform priorisieren

Bei geringem Pensum sollte die Einrichtung nur dort aktiv sein, wo ihre konkrete Zielgruppe tatsächlich erreichbar ist. Ein verlässlich betreuter Kanal ist professioneller als fünf verwaiste Profile.

#### Organisatorische Voraussetzungen

* digitale Arbeit verbindlich im Konzept und Dienstplan verankern
* feste digitale Präsenz- und Antwortzeiten veröffentlichen
* mindestens zwei Personen für Vertretung und Krisenfälle qualifizieren
* ausschließlich Dienstgeräte und dienstliche Accounts verwenden
* digitale Kontakte in Teamsitzungen und Fallbesprechungen einbeziehen
* klare Grenzen für Erreichbarkeit und Notfälle kommunizieren
* mindestens einen kleinen Fortbildungsanteil vorsehen
* digitale Arbeit als reguläre Arbeitszeit dokumentieren

Auch in der Praxis von Gangway wird digitale Arbeit als reguläre Arbeitszeit verstanden; zugleich muss nicht jede Fachkraft täglich Social-Media-Inhalte produzieren ([Jugendhilfeportal](https://jugendhilfeportal.de/artikel/wie-der-verein-gangway-junge-menschen-mit-digitalen-angeboten-unterstuetzt)).

#### Kooperation statt Überforderung

Eine Einrichtung mit geringem Pensum muss nicht alle Funktionen selbst anbieten. Sinnvoll sind Kooperationen mit:

* spezialisierten Digital-Streetwork-Projekten
* Onlineberatungsstellen
* Medienpädagog:innen
* Krisendiensten
* Schulsozialarbeit und Streetwork
* regionalen Fachberatungsstellen

Die Offene Jugendarbeit kann den ersten Zugang und die vertraute Beziehung gewährleisten, während komplexe Onlineberatung oder Krisenfälle an spezialisierte Angebote vermittelt werden.

#### Notwendige Grenzen

Bei sehr geringen Ressourcen sollte ausdrücklich nicht versprochen werden:

* ständige Erreichbarkeit
* tägliches Plattformmonitoring
* Präsenz auf allen relevanten Plattformen
* sofortige Krisenintervention
* regelmäßige professionelle Videoproduktion
* langfristige digitale Einzelfallbegleitung

**Zentral ist Verlässlichkeit statt Reichweite:** Lieber zweimal wöchentlich klar erreichbar sein und einen Kanal gut betreuen, als dauerhaft den Eindruck eines Angebots zu erwecken, das personell nicht eingelöst werden kann. Gleichzeitig sollten nicht bearbeitete Anfragen und fehlende Kapazitäten dokumentiert werden, um den zusätzlichen Stellenbedarf gegenüber Leitung und Geldgebenden sichtbar zu machen.

## Wie wichtig ist die Verbindung zwischen digital aufsuchender Jugendarbeit und analoger Jugendarbeit?

**Die Verbindung zwischen digitaler und analoger Jugendarbeit wird in den Quellen als zentral und fachlich notwendig beschrieben,** da sie die pädagogische Antwort auf die „vireale“ oder „postdigitale“ Lebensrealität Jugendlicher darstellt.

### Hier sind die Details zur Bedeutung dieser Verbindung:

* **Ergänzung statt Ersatz:** Digital Streetwork wird konsequent als **methodische Erweiterung und Ergänzung** der bestehenden Angebotspalette und ausdrücklich **nicht als Ersatz** für die klassische aufsuchende Arbeit vor Ort definiert.
* **Reaktion auf Hybridität:** Eine enge Verknüpfung ist notwendig, da Jugendliche als **„Grenzgänger“** zwischen analogen und digitalen oder online-Räumen begriffen werden und eine Trennung dieser Sphären in ihrer Lebenswelt kaum noch existiert. Der Ansatz der **„virealen Sozialraumaneignung“** verbindet daher das physische Aufsuchen auf der Straße mit der Erreichbarkeit im Netz.
* **Brücken- und Lotsenfunktion:** Die digitale Arbeit fungiert oft als **Wegweiser**, um Jugendliche in ihren informellen Online-Räumen abzuholen und sie gezielt in das lokale, analoge Hilfesystem vor Ort zu vermitteln.
* **Grenzen der digitalen Beziehungsarbeit:** einige Quellen betonen, dass rein digitale Kontakte **reale Präsenztreffen nicht vollständig ersetzen** können, da für einen tiefen Vertrauensaufbau – besonders in Krisen – die physische Co-Präsenz und nonverbale Signale oft unverzichtbar bleiben. Das kann so final aber nicht beantwortet und als Gegeben gewertet werden, da Erkenntnisse und Literatur zur Online-Beratung zu anderen Ergebnissen kommt. Nämlich, dass auch textbasierte (online)Kommunikation emotional ist und Nähe sowie Beziehung aufbauen kann und, dass sich für Ratsuchende auch sehr viele Vorteile ergeben können.
* **Blended Counseling:** Erfolgreiche Projekte nutzen den Ansatz des **Blended Counseling**, also die bewusste Kombination von digitaler und analoger Kommunikation, um die Verbindlichkeit der Beratung zu stärken.
* **Lokale Verankerung:** Digitale Hilfe wird dann als besonders wirksam erachtet, wenn die Fachkräfte **im lokalen Gemeinwesen verankert** sind und die regionalen analogen Unterstützungsstrukturen genau kennen.
* **Vermeidung von Exklusion:** Die Verzahnung stellt sicher, dass auch Jugendliche erreicht werden, die analoge Angebote meiden, während gleichzeitig der Anschluss an die analoge Peergroup und das soziale Umfeld gefördert wird.

Zusammenfassend gilt: Erst durch die **Verschränkung beider Sphären** kann die Jugendarbeit ihrem Auftrag der Lebensweltorientierung in einer mediatisierten Gesellschaft vollumfänglich gerecht werden.

**Die Verbindung zwischen digital aufsuchender und analoger Jugendarbeit wird in den Quellen als essenzielle Voraussetzung für eine wirksame Soziale Arbeit beschrieben.** Die folgenden Aspekte verdeutlichen die Wichtigkeit dieser Verknüpfung:

### 1. Die Brückenfunktion zum analogen Hilfesystem

Digital Streetwork (DSW) wird primär als **Brücke zwischen der digitalen Lebenswelt und den analogen Hilfestrukturen** vor Ort begriffen.

* Sie dient dazu, die „Lücke“ zwischen Betroffenen im Netz und dem **traditionellen Hilfesystem** zu schließen.
* Ein zentrales Ziel ist die **Verweisberatung**, also die gezielte Weitervermittlung von Klient\*innen an spezialisierte analoge Fachstellen wie Suchthilfe oder Rechtsberatung.
* Es wird betont, dass Prävention nicht ohne die Berücksichtigung **realer analoger Hilfsnetzwerke (Face-to-Face)** auskommen darf.

### 2. Blended Streetwork und hybride Ansätze

Die Quellen fordern eine enge Verschränkung beider Arbeitsfelder:

* Der **„Blended-Streetwork-Ansatz“** sieht eine bewusste **Verschränkung von analogen und digitalen Tätigkeiten** vor.
* DSW wird als **notwendige Ergänzung zur analogen Mobilen Jugendarbeit** in einer zunehmend hybriden Lebenswelt definiert.
* Es wird empfohlen, DSW in ein umfassendes **Netzwerk aus analogen und digitalen Hilfsangeboten** einzubetten.

### 3. Institutionelle Integration in die Regelstruktur

Um langfristig wirksam zu sein, sollte Digital Streetwork nicht als isoliertes Projekt existieren:

* Die Arbeit muss aus dem Pilotstatus herausgelöst und als **fester Bestandteil in die Regelstruktur sozialer Dienste** (z. B. Schulen, Jugendsozialarbeit) integriert werden.
* Online-Streetwork kann dabei als **Methode innerhalb bestehender analoger Strukturen**, wie etwa der Offenen Jugendarbeit, fungieren.
* Selbst für primär digitale Projekte wird die **Notwendigkeit physischer Räumlichkeiten** für die pädagogische Begleitung und Koordination betont.

### 4. Ganzheitliche Begleitung

Die Verbindung ermöglicht eine kontinuierliche Vertrauensbeziehung:

* Ein Digital Streetworker kann als **konstante Vertrauensperson** an der Seite eines Jugendlichen bleiben, auch wenn für spezifische Problemlagen analoge Spezialist\*innen hinzugezogen werden.
* Durch die Präsenz in den digitalen Rückzugsorten können Bedarfe erkannt werden, die dann im analogen System passgenau adressiert werden.

Zusammenfassend ist die Verbindung deshalb so wichtig, weil Digital Streetwork zwar den **niedrigschwelligen Erstkontakt** in der Lebenswelt ermöglicht, die nachhaltige Unterstützung und Krisenintervention jedoch oft die **Anbindung an das analoge Unterstützungssystem** erforderlich machen kann, aber nicht muss.

**Die Verbindung ist sehr wichtig,** darf aber nicht bedeuten, dass jeder digitale Kontakt zwangsläufig in ein persönliches Treffen überführt werden muss. Jugendliche bewegen sich in hybriden beziehungsweise postdigitalen Lebenswelten, in denen Online- und Offlineerfahrungen zusammengehören.

### Wesentliche Funktionen der Verbindung sind:

* **Kontinuität:** Eine Beziehung kann online beginnen, im Jugendtreff fortgesetzt und anschließend wieder digital begleitet werden.
* **Zugang zu Hilfen:** Digitale Streetworker:innen benötigen Kenntnisse über lokale Beratungsstellen, Krisendienste, Freizeitangebote und Jugendhilfeeinrichtungen.
* **Begleitete Vermittlung:** Bei komplexen Anliegen reicht eine Linkliste oft nicht aus. Persönliche Kontakte zu Fachstellen erleichtern einen erfolgreichen Übergang.
* **Krisenintervention:** Bei konkreter Gefährdung werden regionale Ansprechpersonen und verbindliche Offlineverfahren benötigt.
* **Soziale Teilhabe:** Digitale Kontakte können Wege in Gemeinschaft, Freizeitangebote und lokale Unterstützungsstrukturen eröffnen.
* **Fachlicher Austausch:** Digitale Fachkräfte brauchen Fallberatung, Supervision und Netzwerkpartner:innen außerhalb der Plattformen.

Die europäischen Leitlinien verstehen digitale Jugendarbeit ausdrücklich nicht als getrenntes Arbeitsfeld: Sie kann online, in Präsenz oder als Kombination beider Formen stattfinden ([JFF](https://www.jff.de/fileadmin/user_upload/jff/projekte/digitalisierung_jugendarbeit/DAYW_training_material/Europaeische_Leitlinien_fuer_digitale_Jugendarbeit.pdf)).

Gleichzeitig muss der digitale Raum als eigenständiger Unterstützungsraum anerkannt werden. Manche Jugendliche möchten anonym bleiben, können keine Einrichtung aufsuchen oder erleben gerade die digitale Distanz als Voraussetzung für Offenheit. Digital Streetwork sollte daher **Offlinehilfen ermöglichen, aber nicht zur Bedingung machen**.

Das Ziel ist somit keine Überführung „vom unechten Onlinekontakt in die echte Welt“, sondern eine durchlässige Hilfestruktur: Jugendliche entscheiden, ob Unterstützung online, offline oder hybrid stattfindet.

### Begleitete Übergänge zwischen Online- und Offlinehilfen

Begleitete Übergänge sollten als **warme Weitervermittlung** organisiert werden. Die Digital Streetworker\*innen geben nicht nur eine Adresse weiter, sondern bleiben verantwortlich beteiligt, bis ein erster tragfähiger Kontakt zur Anschlussstelle entstanden ist. Das entspricht auch den Qualitätsstandards für Digital Streetwork: Die Begleitung soll mindestens bis zu einer erfolgreichen Erstinteraktion, etwa einer Erstberatung, dauern.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

### Ablauf einer begleiteten Vermittlung

#### Bedarf und Auftrag klären

* **Anliegen:** Was benötigt die Person konkret, beispielsweise Beratung, Therapie, Schuldnerberatung, Rechtsberatung oder Schutz?
* **Ziel:** Was soll durch den Übergang erreicht werden?
* **Bereitschaft:** Möchte die Person überhaupt eine andere Stelle kontaktieren?
* **Hindernisse:** Bestehen Ängste, schlechte Vorerfahrungen, sprachliche Barrieren, fehlende Dokumente oder Mobilitätsprobleme?

Die Vermittlung erfolgt grundsätzlich im Auftrag der jungen Person. Digital Streetworker\*innen dürfen Möglichkeiten vorschlagen, aber keinen Übergang erzwingen.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

#### Geeignete Stelle auswählen

Vor der Empfehlung sollte geprüft werden:

* Ist die Stelle tatsächlich zuständig?
* Nimmt sie aktuell neue Klient\*innen auf?
* Gibt es Alters-, Wohnort- oder Versicherungsbeschränkungen?
* Ist das Angebot kostenlos, barrierearm und gegebenenfalls anonym?
* Welche Wartezeiten bestehen?
* Kann der Erstkontakt digital erfolgen?
* Gibt es eine feste Ansprechperson?

Eine bloße Linkliste reicht nicht. Empfehlenswert ist ein gepflegtes Verzeichnis mit Zuständigkeiten, Zugangswegen, aktuellen Wartezeiten und persönlich bekannten Kontaktpersonen.

#### Übergang gemeinsam vorbereiten

Mit der jungen Person wird festgelegt:

* Wer nimmt Kontakt auf?
* Über welchen Kanal erfolgt die Kontaktaufnahme?
* Welche Informationen dürfen weitergegeben werden?
* Soll die Fachkraft beim Gespräch anwesend sein?
* Welche Fragen oder Sorgen sollen angesprochen werden?
* Was geschieht, wenn die Stelle nicht antwortet?

Hilfreich ist, die erste Nachricht oder das Telefonat gemeinsam vorzubereiten. Die junge Person sollte möglichst selbst sprechen oder schreiben können, während die Fachkraft Sicherheit und Orientierung bietet.

#### Warm übergeben

Je nach Unterstützungsbedarf sind unterschiedliche Stufen möglich:

1. Gemeinsam Kontaktdaten und Öffnungszeiten prüfen.
2. Gemeinsam eine Nachricht formulieren.
3. Während der Kontaktaufnahme im Chat begleiten.
4. Einen Termin gemeinsam vereinbaren.
5. Ein Dreiergespräch mit der Anschlussstelle führen.
6. Die Person persönlich zum ersten Termin begleiten.
7. Nach dem Termin gemeinsam auswerten.

Dabei sollte nur das weitergegeben werden, was für die Vermittlung erforderlich und ausdrücklich vereinbart wurde. Ganze Chatverläufe oder Screenshots sollten nicht routinemässig übermittelt werden.

#### Übergang absichern

Nach dem Erstkontakt wird zeitnah nachgefragt:

* Hat die Kontaktaufnahme funktioniert?
* Fühlte sich die Person ernst genommen?
* Ist ein Folgetermin vereinbart?
* Besteht weiterer Unterstützungsbedarf?
* Soll Digital Streetwork Vertrauensinstanz bleiben?

Auf Wunsch kann die Fachkraft auch nach dem Erstkontakt als Vertrauensperson beteiligt bleiben. Gleichzeitig müssen die Rollen geklärt werden, damit keine widersprüchliche parallele Fallführung entsteht.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

#### Minimale Übergabevereinbarung

Für jeden Übergang sollten knapp dokumentiert werden:

* Ziel und ausgewählte Stelle
* Einwilligung und erlaubte Datenweitergabe
* vereinbarter Kontaktweg
* verantwortliche Person
* Termin oder Frist
* Rolle der Digital Streetworker\*innen
* Zeitpunkt der Rückmeldung
* Alternative bei Nichterreichbarkeit oder Abbruch

#### Organisatorische Voraussetzungen

Träger benötigen verbindliche Verweisstrukturen, nicht nur persönliche Einzelkontakte. Dazu gehören Kooperationsabsprachen, sichere Kommunikationswege, Vertretungsregelungen, Krisenpfade und regelmäßige Aktualisierungen des Hilfenetzwerks.

Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gilt ein eigener Krisenprozess. Zuständigkeiten, Schweigepflichtgrenzen, interne Rücksprache und die Einschaltung von Krisendiensten müssen vorab geklärt sein.

#### Realistische Erfolgskriterien

Nicht jede Onlinebeziehung muss in eine Offlinehilfe überführt werden. Wie auch das beigefügte Dokument festhält, sind freiwillige Übergänge in der Praxis hochschwellig und gelingen vergleichsweise selten. Deshalb sollten folgende Stufen unterschieden werden:

* passendes Angebot identifiziert
* Vermittlung angeboten
* Vermittlung angenommen
* Kontaktaufnahme erfolgt
* Erstgespräch erfolgreich durchgeführt
* Anschlussversorgung begonnen
* Übergang abgebrochen oder nicht zustande gekommen, einschließlich Grund

Eine fachlich gelungene digitale Beratung kann ebenfalls ein Erfolg sein. Die Zahl der Offlinevermittlungen allein ist daher kein sinnvoller Wirkungsindikator.

## Wie aktiv sollte man sein – im Chat, in Kommentaren, als Nano-Influencer\*in oder in Gruppen?

### Angemessene Aktivität im Digital Streetwork

Digital Streetwork sollte **proaktiv, aber nicht aufdringlich** sein. Ziel ist keine maximale Reichweite, sondern eine verlässliche professionelle Präsenz an Orten, an denen sich die Zielgruppe tatsächlich bewegt. Die Intensität richtet sich nach Anliegen, Communityregeln, Beziehung und verfügbaren Kapazitäten.

### Priorisierung der Formate

#### Kommentare: wichtigste Form der Erstansprache

Öffentliche Kommentare eignen sich besonders für den aufsuchenden Erstkontakt:

* auf konkrete Aussagen eingehen, statt allgemeine Werbung zu posten
* anerkennend, neugierig und nicht belehrend formulieren
* zunächst eine kleine Gesprächsöffnung anbieten
* professionelle Rolle transparent machen
* bei Interesse einen vertraulicheren Kommunikationsweg anbieten
* nach ausbleibender Reaktion nicht wiederholt nachfassen

Öffentliche Ansprache ist nachvollziehbar und weniger übergriffig als eine unerwartete Privatnachricht. Auch die Qualitätsstandards sehen direkte, öffentlich sichtbare Antworten auf Posts oder Chatnachrichten als Regelfall vor. Proaktive Privatnachrichten werden dort nur für begründete Einzelfälle empfohlen.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

#### Chat: responsiv und beziehungsorientiert

Im Chat sollte die Aktivität hoch sein, wenn junge Menschen selbst Kontakt aufnehmen. Wichtig sind:

* klar kommunizierte Erreichbarkeitszeiten
* möglichst verlässliche Reaktionszeiten
* kurze Eingangsbestätigung bei komplexen Anliegen
* Wechsel auf einen datensichereren Kanal bei sensiblen Themen
* keine künstliche Verlängerung des Gesprächs
* transparente Beendigung und Möglichkeit zur Wiederaufnahme

Proaktiv im privaten Chat sollte zurückhaltend gearbeitet werden. Ein einmaliges, begründetes Angebot kann sinnvoll sein, wiederholtes Anschreiben ohne Antwort dagegen nicht.

#### Gruppen: kontinuierlich, aber erst nach Legitimation

In Gruppen und Communitys sollte man nicht nur erscheinen, wenn man etwas vermitteln möchte. Wirksamer ist eine regelmäßige, niedrigschwellige Beteiligung:

* zunächst Regeln, Sprache und Dynamiken beobachten
* Moderator\*innen kontaktieren und die professionelle Rolle klären
* auf bestehende Gespräche reagieren
* hilfreiche Informationen anbieten
* an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen
* nicht jedes problematische Statement pädagogisch bearbeiten
* keine vertraulichen Fälle im Gruppenraum behandeln

Regelmäßige Beteiligung am Communitychat und Mitmachangebote können wichtige Bestandteile der Beziehungsarbeit sein. Gruppenarbeit ist jedoch zeitintensiv. Bei geringem Pensum sollten deshalb höchstens ein oder zwei Communities kontinuierlich betreut werden.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

#### Nano-Influencer\*in: sichtbare Fachperson statt Influencerrolle

Digital Streetworker*innen sollten Plattformlogiken verstehen, aber sich nicht primär als Influencer*innen definieren. Sinnvoll ist eine **professionelle Mikropräsenz**:

* erkennbares Gesicht und persönliche Ansprache
* verifizierbarer institutioneller Hintergrund
* regelmäßige kurze Inhalte
* Einblicke in Arbeitsweise und Haltung
* Frageformate, Umfragen oder „Ask me anything“
* klare Grenzen zwischen Persönlichkeit und Privatleben

Content hilft jungen Menschen, die Fachkraft vor einer Kontaktaufnahme einzuschätzen und das Profil zu verifizieren. Followerzahlen, Viralität und Personal Branding dürfen aber nicht zum fachlichen Hauptziel werden. Kooperationen mit etablierten Creator\*innen können Reichweite effizienter herstellen.[[digital-streetwork-bayern](https://www.digital-streetwork-bayern.de/app/uploads/2025/05/2024-01-10-Qualitatsstandards-Digital-Streetwork_final.pdf)]

#### Praktischer Aktivitätsmix

Als veränderbarer Orientierungswert für die operative Onlinezeit eignet sich:

* **35 bis 45 Prozent:** Chats, Kommentare und konkrete Beziehungsarbeit
* **20 bis 25 Prozent:** Beobachtung relevanter Räume und Themen
* **15 bis 20 Prozent:** Content und sichtbare Kontaktangebote
* **10 bis 15 Prozent:** Gruppen- und Communitypflege
* **10 bis 15 Prozent:** Dokumentation, Reflexion und Auswertung

Bei sehr kleinem Pensum sollte nicht versucht werden, alle Plattformen zu bedienen. Zweckmäßiger sind **eine Hauptplattform, ein verlässlicher Chatkanal und gegebenenfalls eine feste Community**. Ein realistischer Minimalrhythmus wäre zwei feste Outreach-Zeiten, ein kleiner Contentimpuls und ein Team- beziehungsweise Reflexionstermin pro Woche.

#### Entscheidungsregel

Aktiv werden sollte man, wenn mindestens eine dieser Bedingungen erfüllt ist:

* Es besteht ein erkennbares Unterstützungs- oder Orientierungsbedürfnis.
* Das Thema passt zum Auftrag des Angebots.
* Die Ansprache kann einen konkreten Nutzen bieten.
* Die Community akzeptiert die Beteiligung.
* Für mögliche Antworten und Folgekontakte sind Kapazitäten vorhanden.

Nicht aktiv werden sollte man, wenn die Intervention nur der eigenen Sichtbarkeit dient, keine Anschlusskapazität besteht oder die Ansprache das Risiko von Bloßstellung, Eskalation oder Überwachung erzeugt.

Die passende Leitformel lautet daher: **öffentlich sichtbar, fachlich ansprechbar, persönlich glaubwürdig und privat zurückhaltend**

## Wie lässt sich Beziehung in einem Interventionskontext aufbauen? Was sind sinnvolle Strategien? Worauf muss ich achten?

### Beziehungsaufbau im Interventionskontext

Im Radikalisierungs- oder Extremismuskontext entsteht Beziehung nicht durch weltanschauliche Zustimmung. Sie entsteht durch **Transparenz, Verlässlichkeit, Anerkennung der Person und die Erfahrung, widersprechen zu dürfen**. Beziehung ist dabei zugleich Voraussetzung und Gegenstand der Intervention.

Die Forschung zu CVE-Interventionen hebt besonders drei Faktoren hervor: tragfähigen Rapport, Transparenz und die flexible Anpassung an die jeweilige Person. Die empirische Evidenz zu einzelnen psychologischen Interventionsmethoden bleibt allerdings begrenzt. Es gibt daher kein standardisiertes Verfahren, das zuverlässig zur Distanzierung führt.[[tandfonline](https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17467586.2024.2380687)][[pmc.ncbi.nlm.nih](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11929306/)]

### Grundprinzipien

* **Person und Position trennen:** Erfahrungen, Gefühle und Bedürfnisse können anerkannt werden, ohne menschenfeindlichen Aussagen zuzustimmen.
* **Auftrag transparent machen:** Die Fachkraft erklärt Rolle, Träger, Ziele, Vertraulichkeit und deren Grenzen. Verdeckte Veränderungsabsichten beschädigen Vertrauen.
* **Freiwilligkeit sichern:** Die Person entscheidet, ob und wie lange sie im Gespräch bleibt. Intervention bedeutet nicht, Kontrolle über den Prozess zu übernehmen.
* **Widerspruch ermöglichen:** Eine tragfähige Beziehung zeigt sich nicht darin, dass die Person zustimmt, sondern darin, dass Differenz ausgehalten wird.
* **Sicherheit priorisieren:** Beziehungsarbeit endet dort, wo akute Gefährdung, strafrechtlich relevante Planung oder massive Grenzverletzungen ein abgestimmtes Schutzhandeln erforderlich machen.

### Beziehungsaufbau in fünf Phasen

#### Kontakt und Orientierung

Am Anfang steht nicht die Widerlegung der Ideologie, sondern die Klärung der Situation:

* „Was hat dich an diesem Thema beschäftigt?“
* „Was war dir an deinem Kommentar besonders wichtig?“
* „Was würdest du dir von diesem Gespräch wünschen?“
* „Darf ich dir sagen, wie ich deine Aussage verstanden habe?“

Die erste Reaktion sollte kurz, konkret und anschlussfähig sein. Lange Gegenargumentationen, diagnostische Zuschreibungen oder ein sofortiges „Deradikalisierungsgespräch“ erzeugen häufig Abwehr.

#### Verlässlichkeit herstellen

Online entsteht Vertrauen oft durch kleine wiederholte Erfahrungen:

* zu angekündigten Zeiten antworten
* Zusagen einhalten
* Gesprächsinhalte nicht unnötig erneut abfragen
* Gesprächspausen zulassen
* nach Unterbrechungen einen unkomplizierten Wiedereinstieg ermöglichen
* Grenzen freundlich und konsistent vertreten

Dabei ist Kontinuität wichtiger als permanente Erreichbarkeit. Die Fachkraft sollte niemals eine Verfügbarkeit versprechen, die institutionell nicht abgesichert ist.

#### Person und Funktion des Weltbildes verstehen

Extremistische Positionen können unterschiedliche Funktionen erfüllen, etwa Zugehörigkeit, Orientierung, Anerkennung, Kontrolle, Protest oder die Verarbeitung von Diskriminierung. Diese Funktion sollte erkundet werden, ohne vorschnell eine Erklärung zu unterstellen:

* „Was gibt dir diese Gruppe, was du anderswo nicht findest?“
* „Wann hast du dich dort zum ersten Mal zugehörig gefühlt?“
* „Was hat sich dadurch in deinem Leben verbessert?“
* „Gibt es auch Dinge, die dich an der Gruppe stören oder unter Druck setzen?“

Geschlecht, Religion, soziale Lage und Diskriminierungserfahrungen können den Beziehungsaufbau beeinflussen. Ihre Bedeutung muss aber individuell geklärt und darf nicht stereotyp vorausgesetzt werden.[[link.springer](https://link.springer.com/10.1007/s12147-024-09338-4)]

#### Ambivalenz aktivieren

Erst wenn ein Mindestmaß an Vertrauen besteht, kann die Fachkraft vorsichtig irritieren. Ziel ist nicht, einen argumentativen Sieg zu erzielen, sondern innere Widersprüche besprechbar zu machen.

Sinnvolle Fragen sind:

* „Warst du schon immer so überzeugt davon?“
* „Gibt es Erfahrungen, die nicht ganz zu dieser Erklärung passen?“
* „Was gefällt dir an dieser Position und was kostet sie dich?“
* „Wie passt dieser Satz zu dem Wert, den du vorhin genannt hast?“
* „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher bist du dir? Warum nicht einen Punkt höher oder niedriger?“
* „Gibt es einen kleinen Teil in dir, der das manchmal anders sieht?“

Diese Vorgehensweise lehnt sich an motivierende Gesprächsführung an: Beziehung herstellen, ein gemeinsames Thema fokussieren, eigene Veränderungsmotive hervorrufen und erst anschließend Handlungsschritte planen. Die Wirksamkeit darf für den Extremismusbereich jedoch nicht einfach aus anderen Anwendungsfeldern übertragen werden.[[cambridge](https://www.cambridge.org/core/product/identifier/S1352465822000431/type/journal_article)]

#### Alternativen praktisch zugänglich machen

Das Aufweichen einer Position reicht nicht. Wenn Zugehörigkeit, Status oder Orientierung wegfallen, müssen glaubwürdige Alternativen entstehen:

* nicht-extremistische Gemeinschaften und Peers
* demokratische Beteiligungsmöglichkeiten
* Bildungs-, Freizeit- oder Arbeitsmöglichkeiten
* psychosoziale oder therapeutische Hilfen
* Schutz vor Bedrohung durch die bisherige Gruppe
* begleitete Übergänge in Offlineangebote

Die Person sollte eigene Ziele formulieren. Kleine Schritte wie ein weiteres Gespräch, eine Kontaktaufnahme oder das Prüfen einer alternativen Informationsquelle sind realistischer als das sofortige Bekenntnis zur vollständigen Distanzierung.

### Kommunikationsstrategien

#### Anerkennen, ohne zu legitimieren

Eine passende Reaktion lautet beispielsweise:

„Ich höre, dass du dich sehr ungerecht behandelt fühlst. Das nehme ich ernst. Deiner Aussage, dass deshalb eine ganze Gruppe verantwortlich sei, kann ich nicht zustimmen. Mich würde interessieren, wie du zu dieser Schlussfolgerung gekommen bist.“

Damit werden Emotion und Person anerkannt, während die menschenfeindliche Verallgemeinerung begrenzt wird.

#### Erlaubnis vor Irritation

Vor einer Gegenposition kann gefragt werden:

„Wäre es für dich in Ordnung, wenn ich an einem Punkt widerspreche?“

Das ist keine Aufgabe der professionellen Position. Es reduziert vielmehr den Eindruck, kontrolliert oder belehrt zu werden.

#### Konkrete Erfahrungen vor abstrakten Debatten

Biografische Fragen sind häufig anschlussfähiger als Debatten über Ideologien. Statt „Warum glaubst du das?“ eignet sich beispielsweise: „Wann wurde dieses Thema für dich persönlich wichtig?“

#### Tempo an Beziehung anpassen

Frühe Gespräche dienen überwiegend dem Verstehen und der Rollenklärung. Konfrontation, Perspektivwechsel und biografische Vertiefung benötigen mehr Vertrauen. Bei Gewaltlegitimation oder akuter Gefährdung darf die notwendige Grenzziehung jedoch nicht aus Beziehungsgründen aufgeschoben werden.

#### Worauf besonders zu achten ist

* **Keine falsche Neutralität:** Menschenfeindlichkeit und Gewalt müssen benannt werden. Die Person kann respektiert werden, ohne ihre Position als gleichwertig anzuerkennen.
* **Keine öffentliche Bloßstellung:** Persönliche Interventionen sollten nicht in Kommentarsektionen ausgetragen werden. Nach einem transparenten öffentlichen Erstkontakt sollte ein geschützter Kanal angeboten werden.
* **Keine Geheimdienstrolle:** Monitoring, Dokumentation und mögliche Informationsweitergabe müssen transparent geregelt sein. Der Eindruck verdeckter Beobachtung kann das gesamte Angebot delegitimieren.
* **Keine exklusive Bindung:** Die Fachkraft darf nicht zum einzigen sozialen Bezugspunkt werden. Netzwerke, Offlinebeziehungen und Anschlussangebote sind von Anfang an mitzudenken.
* **Keine Freundschaftsinszenierung:** Persönliche Wärme ist wichtig, private Selbstoffenbarung dagegen nur, wenn sie fachlich begründet ist.
* **Keine vorschnelle Diagnose:** Provokative Aussagen, jugendkulturelle Codes und gefestigte extremistische Orientierung sind nicht dasselbe.
* **Keine Überforderung der Fachkraft:** Fälle mit Gewaltbezug, Drohungen oder hoher ideologischer Verfestigung benötigen Fallberatung, Vier-Augen-Prinzip und gegebenenfalls spezialisierte Fachstellen.

#### Woran eine tragfähige Beziehung erkennbar wird

Geeignete Prozessindikatoren sind:

* Die Person nimmt erneut Kontakt auf.
* Sie stellt Fragen und korrigiert die Fachkraft.
* Sie berichtet auch widersprüchliche oder belastende Erfahrungen.
* Sie hält begrenzten Widerspruch aus, ohne das Gespräch sofort abzubrechen.
* Sie formuliert erste eigene Zweifel oder Ambivalenzen.
* Sie nimmt Unterstützung oder eine begleitete Vermittlung an.
* Vereinbarte Grenzen werden zunehmend respektiert.

Likes, Gesprächslänge oder oberflächliche Zustimmung sind dagegen keine belastbaren Beziehungsindikatoren. Ein Gespräch kann fachlich erfolgreich sein, obwohl keine sichtbare Einstellungsänderung eintritt.

## Wie reagiere ich am besten auf diese Aussage? Wie formuliere ich am besten, um einen produktiven Reflexionsprozess anzustoßen? Wie kann ich diese Aussage überprüfen?

### Formulierungen für produktive Reflexion

Am wirksamsten sind Formulierungen, die **Verstehen signalisieren, ohne zuzustimmen**, und einen inneren Widerspruch sichtbar machen, ohne die Person in die Defensive zu drängen. Eine hilfreiche Grundstruktur lautet:

**Wahrnehmen → anerkennen → nachfragen → Ambivalenz öffnen → Autonomie sichern**

### Eine praktikable Gesprächssequenz

#### Wahrnehmen, ohne zu bewerten

* „Du beschreibst das sehr eindeutig.“
* „Das scheint für dich ein wichtiges Thema zu sein.“
* „Ich merke, dass dich das stark beschäftigt.“
* „Du wirkst an diesem Punkt sehr überzeugt.“

Vermeiden sollte man Einstiege wie „Das ist falsch“, „Du bist radikalisiert“ oder „Wie kannst du so etwas glauben?“.

#### Erfahrung oder Bedürfnis anerkennen

* „Ich kann nachvollziehen, dass die Erfahrung dich wütend gemacht hat.“
* „Es klingt, als würdest du dir vor allem Anerkennung und Gerechtigkeit wünschen.“
* „Zugehörigkeit scheint dabei eine wichtige Rolle zu spielen.“
* „Ich nehme ernst, dass du dich nicht gehört fühlst.“

Wichtig ist die Trennung: **Das Gefühl wird anerkannt, nicht die Abwertung oder Gewaltlegitimation.**

#### Mit Erlaubnis vertiefen

#### „Darf ich dir dazu eine Frage stellen?“

#### „Wäre es in Ordnung, wenn ich einen Widerspruch anspreche?“

#### „Möchtest du hören, was mir dabei auffällt?“

#### „Darf ich versuchen zusammenzufassen, wie ich dich verstanden habe?“

Diese kurzen Fragen geben der Person Handlungskontrolle zurück.

#### Ambivalenz öffnen

* „Warst du schon immer so überzeugt davon?“
* „Gibt es etwas, das nicht ganz zu dieser Erklärung passt?“
* „Was spricht aus deiner Sicht dafür und was dagegen?“
* „Was gibt dir diese Haltung und was kostet sie dich?“
* „Gibt es einen kleinen Teil in dir, der manchmal zweifelt?“
* „Hast du Menschen kennengelernt, auf die diese Aussage nicht zutrifft?“
* „Was müsste passieren, damit du deine Einschätzung noch einmal prüfst?“

Nicht mehrere Fragen hintereinander stellen. Eine gute Frage braucht anschließend Zeit und echtes Zuhören.

### Besonders hilfreiche Fragetypen

#### Skalierungsfragen

* „Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie sicher bist du dir?“
* „Warum eine 7 und keine 10?“
* „Was müsste passieren, damit daraus eine 6 wird?“
* „Wie wichtig wäre es dir, etwas an der Situation zu verändern?“

Die Frage „Warum keine 10?“ aktiviert häufig vorhandene Zweifel, ohne sie vorzugeben.

#### Biografische Fragen

* „Wann wurde dieses Thema für dich wichtig?“
* „Gab es einen konkreten Auslöser?“
* „Wer hat deine Sicht besonders geprägt?“
* „Wie hättest du vor zwei Jahren darüber gesprochen?“
* „Was würde dein früheres Ich zu deiner heutigen Haltung sagen?“

So wird eine Überzeugung als entstanden und damit potenziell veränderbar sichtbar.

#### Perspektivwechsel

* „Wie könnte jemand, der dasselbe erlebt hat, zu einem anderen Schluss kommen?“
* „Wie würdest du reagieren, wenn diese Aussage über deine eigene Gruppe gemacht würde?“
* „Was glaubst du, wie dein Kommentar auf jemanden wirkt, der direkt betroffen ist?“
* „Welche Erklärung könnte es noch geben?“

Perspektivwechsel sollten erst eingesetzt werden, wenn eine gewisse Beziehung besteht. Zu früh wirken sie wie ein argumentativer Trick.

#### Wertebezogene Fragen

* „Welche Werte sind dir dabei besonders wichtig?“
* „Was bedeutet Gerechtigkeit für dich konkret?“
* „Wie passt diese Handlung zu deinem Wunsch nach Freiheit?“
* „Gilt dieser Grundsatz für alle Menschen oder nur für bestimmte Gruppen?“
* „Wo entsteht für dich ein Konflikt zwischen deinen Werten und den Folgen dieser Position?“

Hier sollte die Fachkraft nicht den Widerspruch vollständig erklären. Produktiver ist, wenn die Person ihn selbst formuliert.

#### Aussagen spiegeln und weiterführen

Reflexion entsteht nicht nur durch Fragen. Häufig ist eine vorsichtige Spiegelung wirksamer:

* „Einerseits gibt dir die Gruppe Zugehörigkeit. Andererseits erlebst du dort zunehmend Druck.“
* „Du bist von dieser Erklärung überzeugt und zugleich irritiert dich, wie manche in der Gruppe mit anderen umgehen.“
* „Dir ist Freiheit sehr wichtig. Gleichzeitig beschreibst du Regeln, die dir kaum erlauben, selbst zu entscheiden.“
* Anschließend genügt oft: „Wie ist das für dich, wenn du beides nebeneinander hörst?“

#### Grenzen produktiv formulieren

* „Deine Wut möchte ich verstehen. Der Abwertung einer ganzen Gruppe widerspreche ich trotzdem.“
* „Wir können über deine Kritik sprechen. Drohungen oder Gewaltaufrufe kann ich hier nicht stehen lassen.“
* „Ich möchte mit dir im Gespräch bleiben. Dafür brauche ich, dass wir auf persönliche Beschimpfungen verzichten.“
* Klare Grenzen und Beziehung schließen sich nicht aus. Entscheidend ist, Verhalten oder Aussage zu begrenzen, statt die ganze Person abzuwerten.

#### Was eher blockiert

| **Weniger hilfreich** | **Produktiver** |
| --- | --- |
| „Das stimmt nicht.“ | „Wie bist du zu dieser Schlussfolgerung gekommen?“ |
| „Du widersprichst dir.“ | „Ich höre gerade zwei unterschiedliche Seiten.“ |
| „Du musst dich informieren.“ | „Welche Quellen überzeugen dich und woran prüfst du sie?“ |
| „Das ist extremistisch.“ | „Welche Folgen hätte diese Forderung für die betroffenen Menschen?“ |
| „Warum glaubst du so etwas?“ | „Wann wurde diese Erklärung für dich plausibel?“ |
| „Ich erkläre dir jetzt die Fakten.“ | „Wäre es hilfreich, wenn ich eine andere Information ergänze?“ |
| „Du solltest aussteigen.“ | „Was müsste sich verändern, damit du dich dort freier entscheiden kannst?“ |

Die Leitfrage für die Fachkraft lautet: **Formuliere ich gerade, damit die Person meine Position übernimmt, oder damit sie ihre eigene Position genauer untersuchen kann?**

## Welche relevanten Lebenserfahrungen oder biografischen Hintergründe könnten hinter dieser radikalen Haltung stehen

### Mögliche biografische Hintergründe

Ohne die konkrete Person und ihre Aussage zu kennen, lassen sich nur **Arbeitshypothesen** bilden. Radikale Haltungen haben selten eine einzelne Ursache. Entscheidend ist, welche Funktion die Haltung in der individuellen Lebensgeschichte erfüllt.

### Häufig relevante Erfahrungsbereiche

* **Ausgrenzung und Diskriminierung:** Rassismus, Klassismus, Mobbing oder wiederholte Abwertung können das Gefühl fördern, von der Gesellschaft nicht anerkannt zu werden.
* **Erlebte Ungerechtigkeit:** Eigene Benachteiligung oder als ungerecht wahrgenommene gesellschaftliche und internationale Ereignisse können moralische Empörung und ein starkes Freund-Feind-Denken begünstigen.
* **Verlust und biografische Brüche:** Trennung, Tod, Flucht, Schulabbruch, Arbeitslosigkeit oder der Verlust eines bisherigen sozialen Umfelds können Orientierung und Zugehörigkeit destabilisieren.
* **Familiäre Konflikte:** Vernachlässigung, Gewalt, übermäßige Kontrolle oder widersprüchliche Erwartungen können das Bedürfnis nach einer eindeutigen Ordnung verstärken.
* **Fehlende Zugehörigkeit:** Isolation, Einsamkeit oder Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen können extremistische Gemeinschaften attraktiv machen. Radikale Gruppen bieten häufig Anerkennung, gemeinsame Sprache und emotionale Bindung.
* **Status- und Demütigungserfahrungen:** Das Gefühl, unbedeutend, machtlos oder „nicht männlich genug“ zu sein, kann durch eine kämpferische Identität kompensiert werden. Geschlechterbilder können dabei bedeutsam sein, müssen aber individuell untersucht werden ([Stahl, Adams und Oberg 2024](https://link.springer.com/10.1007/s12147-024-09338-4)).
* **Identitäts- und Sinnsuche:** Fragen nach Religion, Herkunft, Geschlecht, Zukunft und gesellschaftlicher Position können durch scheinbar eindeutige Weltbilder beantwortet werden.
* **Institutionelles Misstrauen:** Negative Erfahrungen mit Schule, Jugendhilfe, Polizei oder Behörden können ein allgemeines Misstrauen gegenüber Staat und Gesellschaft verstärken. Forschung zu CVE-Angeboten zeigt, dass Misstrauen gegenüber Institutionen auch dann bestehen kann, wenn einzelne Fachkräfte positiv wahrgenommen werden ([Al-hammadin et al. 2023](https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/18335330.2023.2287438)).
* **Gewalt- und Ohnmachtserfahrungen:** Erlebte, beobachtete oder medial vermittelte Gewalt kann den Wunsch nach Schutz, Vergeltung oder Kontrolle fördern.
* **Digitale Beziehungserfahrungen:** Anerkennung durch eine Onlinecommunity, Influencer*innen oder ideologische Mentor*innen kann eine starke emotionale Bindung schaffen. Radikalisierung ist deshalb nicht nur ein kognitiver, sondern auch ein sozialer und affektiver Prozess ([Stephan, Haq und Shaheed 2020](https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7040369/)).
* **Positive Erfahrungen mit der Szene:** Freundschaft, Abenteuer, Struktur, Status oder das Gefühl politischer Wirksamkeit können die Bindung stabilisieren. Es sollte daher nicht nur nach Belastungen, sondern auch nach dem subjektiven Gewinn gefragt werden.

### Geeignete biografische Fragen

#### Entstehung der Haltung

* „Wann wurde dieses Thema für dich persönlich wichtig?“
* „Gab es ein bestimmtes Erlebnis, nach dem du anders darüber gedacht hast?“
* „Wie hättest du deine Haltung vor zwei oder drei Jahren beschrieben?“
* „Wer oder was hat deine Sicht besonders geprägt?“

#### Zugehörigkeit und Anerkennung

* „Wo fühlst du dich wirklich zugehörig?“
* „Was bekommst du in dieser Community, was dir anderswo fehlt?“
* „Wann hast du dort zum ersten Mal erlebt, dass du verstanden wirst?“
* „Welche Rolle hast du innerhalb der Gruppe?“

#### Erfahrungen von Ungerechtigkeit

* „Wann hast du dich zuletzt unfair behandelt gefühlt?“
* „Gibt es Erfahrungen, bei denen du das Gefühl hattest, niemand hört dir zu?“
* „Welche gesellschaftlichen Ereignisse beschäftigen dich besonders?“
* „Was hätte damals anders passieren müssen?“

#### Funktion der Haltung

* „Was gibt dir diese Überzeugung?“
* „Wovor schützt sie dich vielleicht?“
* „Was ist dadurch klarer oder einfacher geworden?“
* „Welche Nachteile oder Konflikte sind daraus entstanden?“
* „Was würdest du verlieren, wenn du deine Haltung verändern würdest?“

#### Gegen- und Schutzerfahrungen

* „Gab es Menschen, die dir in schwierigen Situationen geholfen haben?“
* „Wo hast du trotz unterschiedlicher Meinungen Zugehörigkeit erlebt?“
* „Welche Personen würden dich unterstützen, wenn du einen anderen Weg wählen möchtest?“
* „Was hat dich bisher davon abgehalten, eine bestimmte Grenze zu überschreiten?“

### Fachlich besonders wichtig

Biografische Informationen dürfen nicht nachträglich zu einer scheinbar eindeutigen Radikalisierungsgeschichte zusammengesetzt werden. Diskriminierung, Migration, Religiosität, psychische Belastungen oder familiäre Konflikte führen nicht automatisch zu Extremismus.

Die bessere Frage lautet deshalb nicht: „Welche Erfahrung hat die Radikalisierung verursacht?“, sondern:

**„Wie verbindet die Person bestimmte Erfahrungen mit ihrer heutigen Haltung, und welche Bedürfnisse werden durch diese Haltung gegenwärtig erfüllt?“**

Erst diese individuelle Bedeutungszuschreibung ermöglicht eine passende Intervention.

* Ich weiß, dass Facebook etc vom Datenschutz nicht so gut sind, wie agiere ich am besten datenschutzkonform?
* Welches Datenschutzkonzept kann ich meiner Einrichtung vorlegen?
* Erstelle mir ein Datenschutzkonzept nach den aktuellen rechtlichen Vorgaben
* Darf ich überhaupt datenschutzrechtlich Digital Streetwork ausüben? Wo darf ich es und wo nicht? Was sind aktuelle Problematiken?
